Rückschau

Auf der Suche nach dem heilsamen Klang und dem Geheimnis Gottes

2. Juni 2016 / Rückschau

Mit noch intensiveren Einsichten und Einblicken in sein Schaffen war der Geigenbaumeister Martin Schleske zum zweiten Mal auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung im Laacher Forum zu Gast. Weitaus nachdenklicher tauchte der Referent in die Geheimnisse Gottes ein: „Nur die Dinge, die wir leben, werden uns zu Lehrern, zu Lebensquellen. Und man muss sie erleiden.“ Weltbekannte Musiker spielen seine Instrumente, doch das Wichtigste ist ihm nicht der Geigenbau, sondern die damit verbundene Inspiration, die Suche nach dem heilsamen Klang und nach dem Geheimnis Gottes.

Beim Arbeiten werden Schleske Zusammenhänge zwischen Leben und Glauben neu bewusst. Im Klosterforum gab er faszinierende Gleichnisse zu Inspiration, Kreativität, Gebet, Schönheit, Mystik und Seele, wobei er auch diesmal von den beiden norditalienischen Tälern sprach, in denen schon der Holzhändler und Geigenbauer Antonio Giacomo Stradivari seine Klanghölzer fand. Bäume, die bei uns in 50 Jahren zur vollen Größe wachsen, brauchen dort wegen der kurzen Sommer 300 Jahre. Nur 14 von 3000 Bäumen entwickeln diesen erstaunlichen Klang, wie der Referent an einem mitgebrachten Stück Sängerholz demonstrierte. Bescheiden fügte er hinzu: „Den großen Klang verdanke ich dem Holz. Aber der Meister muss dem Holz gerecht werden.“ So suche Gott, wie er uns zum Klingen bringe. Diese Zuneigung zum Instrument brauche auch der Musiker: „Nur eine Geige, die er liebt, kann klingen. Man hört einem Musiker an, ob er ein Diener ist oder sich nur für toll hält.“

In einer poetischen, außergewöhnlichen Sprache, die dem normalen Konsumenten etwas abverlangen und auf die man sich einlassen muss, lässt uns der Geigenbauer an seinen tiefen, mystischen Erkenntnissen teilhaben. Denn Martin Schleske spricht in Bildern: Wie der Musiker sein Instrument spielt, so werden auch wir Menschen von Gott gespielt und bringen den Klang des Lebens. „Sind Bäume, Pflanzen, Steine, Menschen nicht Musik, die eine sichtbare Form angenommen hat? Es ist die Musik der Gottesliebe.“ Aber der Mensch, so Martin Schleske, muss mitwirken: „Dass Du Deine eigene Seele führen musst, kann Dir kein Mensch abnehmen. Ein guter und weiser Therapeut wird nie ersetzen, was ich mir selbst sein und werden soll: ein Freund meiner Seele. Alles spricht zu Dir. Und was sprichst Du Deiner Seele zu?“ Gleichnishaft erzählte der Geigenbauer, wie schwer es für ihn sei, mit einem stumpfen Messer zu arbeiten: „Wenn ich dieses Erlebnis aus der Werkstatt mit den Augen des Herzens sehe, werden mir mehrere Dinge des inneren Lebens deutlich. Es kostet ungeheure Kraft und ermüdet unsere Seele, wenn wir mit einem abgestumpften Herzen leben – einem Herzen, das durch Enttäuschungen, Resignation, Bitterkeit oder Sorgen stumpf geworden ist.“ Diese Anstrengung kommt für ihn „aus der Verwahrlosung des Herzens, sie kommt“, auch wieder bildlich gesprochen, „aus der Stumpfheit des Werkzeugs, mit dem wir die Welt berühren. Für ein stumpfes Herz klingt alles gleich, das Gefühl für Stimmigkeit geht verloren. Wir atmen, ohne es zu merken.“ Nicht das Eisen trage die Schuld, dass es stumpf werde. Vielmehr mute sich das Leben uns zu, und diese Zumutung verändert unser Herz. Und er folgert in symbolischer Sprache, also im übertragenen Sinn: Es gebe Menschen, die sich schärfen lassen und solche, die sich nicht schärfen lassen. Die Würde des Menschen aber sei, dass er umkehren können, so der Referent im Laacher Forum: „Noch mehr Kraft aufzubringen, ist nicht die Lösung, sondern dass wir uns stimmen, schärfen lassen.“ Martin Schleske – Geigenbauer, moderne Mystiker und Poet – beeindruckte im Laacher Forum mit seinen tiefführenden, bildhaften Einsichten und erreichte in seiner Authentizität selbst religiös unmusikalischere Zuhörer.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl


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