Rückschau

Himmlische Harfe und adventliche Texte in Maria Laach

9. Dezember 2015 / Rückschau

Ganz ohne Werbung mussten für diese bereits dritte Konzertlesung mehr als 100 Stühle in die Buch- und Kunsthandlung Maria Laach gestellt werden. Das rechte Ambiente für die Ausnahme-Harfenistin Ulla van Daelen und die Laacher Mönchen – Bruder Jakobus, Bruder Marianus und Pater Philipp – die Heiliges und Heiteres mit Humor und Tiefgang zur Aufführung brachten.

„Zeige uns Deine Barmherzigkeit, Herr, und gewähre uns Dein Heil“, zitierte Pater Philipp den innigen Psalm 84, der unsere Sehnsucht nach Erlösung in Worte fasst. Bruder Jakobus und Bruder Marianus zeigten mit zwei Texten von Hermann Hesse, dass sich auch weltliche Literatur mit religiösen Themen beschäftigt. Dann flirrte die Harfe. Dynamisch und träumerisch führte Ulla van Daelen auch musikalisch aus der Hektik des Alltags in den Advent. Ruhig und tief ihre Interpretation von „Maria durch ein Dornwald ging“.

Und Pater Philipp erzählte, wie es zum Brauch des Tannenbaums gekommen war. Bruder Jakobus, Bruder Marianus und Pater Philipp hatten viele besinnliche Texte von Wilfried Schumacher, Michail Lermontow, Anselm Grün und Elsa Lasker Schüler ausgesucht. Ein weiterer Höhepunkt war das von Ulla von Daelen musikalisch untermalte Gedicht von Friedrich von Vegesack, von Pater Philipp in Szene gesetzt: „Hinter den Wolken, irgendwo weit, sitzt ein kleiner Engel und zerschneidet die Zeit. Was bleibt von der Zeit? Was bleibt dir und mir? Was bleibt? Was bleibt uns Allen? Viele kleine Schnipsel Papier, die in Gottes Papierkorb fallen.“

Nachdenklich und zum Schmunzeln stimmte Ludwig Thomas Schulaufsatz „Über den Krieg“, vorgetragen von Bruder Marianus. Mit „Wann endlich“ präsentierte Bruder Jakobus ein wunderschönes Gedicht von Pater Drutmar Cremer aus Maria Laach, der an diesem Abend selbst anwesend war. Mit einem Gedicht von Pierre Stutz und „Maria“ von Bertold Brecht beendeten Bruder Marianus und Pater Philipp den ersten Teil.

Und auch im zweiten Teil brillierte die Harfe von Ulla van Daelen, diesmal zu Beginn gleich mit mehreren Stücken. Dabei erfuhren die Zuhörer, dass zum Transport des Instruments ein größeres Fahrzeug notwendig ist und dass die Harfe ebenso viel kostet wie dieses Fahrzeug. Mit Leichtigkeit griff die Musikerin in die 47 Saiten und zauberte eine Atmosphäre von unglaublicher Dichte in die Buch- und Kunsthandlung. Besinnlich und rhythmisch-beschwingt präsentierte Daelen Weihnachtsmelodien, die sich wohltuend von bekannten Interpretationen unterschieden. Da wurde selbst „Kling Glöckchen“ zu einem neuen Hörgenuss. Beeindruckend auch ihre Variationen über das Lied „Kommet ihr Hirten“. Und die Künstlerin stellte ihr neues, frisch gepresstes Album „Harp goes Pop“ vor: „Es war ein Lieblingswunsch, einige meiner Lieblingslieder auf Harfe zu übertragen.“ Mit ihrer genialen Fassung des Abba-Hits „Money, Money“ stand man plötzlich mitten drin in den Einkaufspassagen, wo einen die Harfenistin mit „Schneeflöckchen Weißröckchen“ schnell wieder abholte. Herrlich makaber war das von Pater Philipp vorgetragene Gedicht „Advent“ von Loriot. Bruder Jakobus und Ulla van Daelen hatten mit „Die Weihnachtsgans“ von Heinz Erhardt und der „Geschichte vom Lametta“ von Markus Simon auch die Lacher auf ihrer Seite. Von erfrischendem Realitätssinn war das von Ulla van Daelen vorgetragene Gebet der Heiligen Teresa von Avila, nachdenklich stimmte Bruder Marianus mit dem „Schlussgebet“ von Hanns Dieter Hüsch. Und bei „Leise rieselt der Schnee“ sang das Publikum aus voller Kehle mit.

Matthias Wilken, Leiter der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach, dankte Ulla van Daelen und den Brüdern von Maria Laach, die alle Jahre wieder mit diesem vorweihnachtlichen Akzent ihr Publikum verzaubern. Ein besonderer Dank ging an alle Mitarbeiterinnen, die auch für diesen Abend die Organisation übernommen hatten und das Publikum mit Glühwein und Tee verwöhnten.

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl


Zurück