Rückschau

Gottvertrauen und das Abenteuer Leben genießen

22. November 2015 / Rückschau

Viele Menschen hörten im Klosterforum Maria Laach Abtprimas Notker Wolf OSB, der auf Einladung der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach gekommen war. Dieser bot im Laacher Forum einen unterhaltsamen Abend, den auch Interviewer Stefan Wiesner vom Adeo-Verlag sichtlich genoss. Gelassen und mit viel Humor schaut der Mann voller Lebenserfahrungen auf ein reiches Leben.

„So ein Kloster ist ein Sack voller Flöhe“, skizzierte Wolf seine Zeit als Abt. Immer wieder vertraut er sich als Bauherr und Herr über die Finanzen dem Heiligen Joseph an, dessen Bild er allabendlich besucht. Es sei ihm wichtig gewesen, keine Schulden zu machen und erst zu bauen, wenn das Geld da war. Ein schweres Unterfangen, denn die Renovierung historischer Gebäude übersteige den Jahresbedarf eines nur augenscheinlich reichen Benediktinerklosters. „Ich lass es in der Hand Gottes und bete: ‚Herr, wenn es dann anders läuft, dann ist es Deine Sache.‘ Und dann läuft es.“ Seine innere Freiheit habe trotz immer mehr Verantwortung stetig zugenommen. Der Abtprimas muss sich weltweit um 7.500 Mönche und 16.500 Schwestern kümmern. Dabei habe er eigene Grenzen und die Fähigkeit anderer kennengelernt und eine innere Freiheit erlangt, indem er anderen etwas zutraute. Notker Wolf: „Wer anderen nichts zutraut, ist nicht frei. Warum alles im Griff haben? Es läuft auch so ganz gut.“

Auch zur Lebensplanung hat der Benediktiner seine eigene Einstellung: „Ich habe in meinem Leben nie was geplant, weil der Herrgott mir immer was übergestülpt hat.“ Eigentlich wollte Bruder Notker Missionar werden und nicht Erzabt oder Abtprimas. Aber wie sieht es dann mit der Lebensplanung, mit Träume und Erfolg aus, wollte Stefan Wiesner wissen. Notker Wolf antwortete: „Ich darf nie auf den Erfolg schauen, wenn ich für Gott arbeite. Den bekommt man zu seiner Zeit. Erfolg brauche ich nicht zu sehen.“ Aber wenn es nicht der Erfolg ist, so Stefan Wiesner, wo tankt der benediktinische Manager bei nur vier Stunden Schlaf auf? Entspannung holt er sich nachts beim Rocken auf seiner E-Gitarre. Eine seiner Kraftquellen ist, „dass ich bei den Leuten bin, wie heute Abend.“ Nach eigenen Worten ist Notker Wolf kein „Selbstbemitleider. Für Herzinfarkt und Schlaganfall habe ich keine Zeit. Das überlasse ich anderen. Ich bin gut versorgt und habe es doch viel besser als ein Vater mit zwei Kindern. Morgens mache ich Dehnübungen, das habe ich von John Travolta abgeschaut.“ Nach der dreimal heißen und kalten Dusche fühle er sich frisch. Aber auch nach der Dusche ist der Abtprimas kein politisch korrekter Saubermann: „Wenn ich zu einem sage, ich rauche mit Wonne meine Pfeife, dann fallen die Gesichtszüge.“

Viel Gottvertrauen braucht der Gottesmann auch bei seinen zahlreichen Flugreisen: „Wenn ich fliege, habe ich keine Angst, denn ich falle in Gottes Hand.“ Das Aufregen habe er sich auch durch die Fähigkeit abgewöhnt, ein Sandkorn von einem Berg zu unterscheiden. Dabei sei es ihm bewusst, dass „die Tage unserer Reise gezählt sind.“ So strebt er auch mit 75 Jahren nach neuen Abenteuern, „aber immer mit dem Bewusstsein, so viel kann ich nicht mehr machen.“ Das Altern nimmt Notker Wolf von Gott an, aber mit dem nötigen Humor: „Eigentlich ist es zum Schreien komisch und zum Schreien traurig: Die Kräfte nehmen ab – ausgerechnet jetzt, wo wir noch nie so gut waren. Wo wir noch nie so reich waren, reich an Erfahrungen, reich an Wissen, reich an Verständnis, Einsichten und Menschenkenntnis. Haben wir uns das früher nicht immer gewünscht, diese Gelassenheit, diese Selbstsicherheit, diese innere Freiheit, diese Souveränität?“ Mit der Feststellung, die Ewigkeit sei lang und schön, schaut der Benediktiner über dieses irdische Leben hinaus.

Mit dem Blick auf Gott gab er den Zuhörern in Maria Laach einen Rat: „Je barmherziger wir mit anderen sind, desto barmherziger ist der Herr mit uns. Barmherzigkeit ist dringend notwendig.“ Schelmisch und mit wachen Augen hat sich Notker Wolf die Jungenhaftigkeit und Neugierde eines 13-Jährigen erhalten, der auch mal Fünf gerade sein lässt. Anker aber ist sein Glaube: „Was zählt vor ihm noch? Jesus treibt mich an, Menschen zu lieben. Man muss die Leute mögen, das kann man auch noch mit 85. Was kann ich verlieren, außer mein Leben? Das ewige Leben könnte ich noch verlieren. Aber das muss ich dem Herrgott überlassen. Herrgott, wenn Du mich fallen lässt, bist Du es selber schuld.“ Notker Wolf machte mit seinem Humor und mit seinem Glaubenszeugnis den Zuhörern im Klosterforum Mut, sich ebenso in die Hand Gottes fallen zu lassen. Oder, um es mit den Worten des Heiligen Don Bosco zu sagen: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“

Bericht: E.T. Müller, Medienbüro Burgbrohl


Zurück