Glockengießerei

Die Glockengießerei wird betrieben von Br. Michael, dem einzigen Benediktinermönch weltweit, der in heutiger Zeit Glocken gießt.

Geschichte

Es waren iro-schottische Wandermönche, die die Glockengusskunst zu uns brachten. Bedeutende Zentren der Glockengießerei in der Zeit des 8. bis 12. Jahrhundert waren die Abteien Erfurt, Fulda, St. Gallen, Tegernsee und vor allem die Reichenau. Ab dem 13. Jahrhundert finden sich zunehmend weltliche Handwerker, die die Kunst des Glockengießens beherrschen.

Im November 1892 wurde die Abtei Maria Laach von Mönchen aus Beuron wiederbesiedelt. Zur Kommunität des neuen Maria Laach gehörte auch Pater Johannes Blessing. Als ausgebildeter Naturwissenschaftler und Musiker hatte er sich auf akademische Weise mit dem Phänomen des Glockenklanges beschäftigt. Mit vielen namhaften Glockengießern Europas stand er in regem Gedankenaustausch. Rückblickend darf gesagt werden, daß Pater Johannes zu den führenden Campanologen des ausgehenden 19. Jahrhunderts gehört.

Bruder MichaelAnfang der 90er Jahre wurde Br. Michael Reuter im Hinblick auf eine amtliche Tätigkeit im Bistum Trier zum Glockensachverständigen ausgebildet. Aus dieser erfolgreichen Arbeit resultierte eine zweite Berufung als Sachverständiger an den Domberg zu Erfurt. Um eines der bedeutendsten Geläute Deutschlands, zu dem auch die Gloriosa gehört, kümmert sich Br. Michael bis heute. Die Beheimatung im Handwerk führte zu dem Wunsch, Glocken nicht nur beurteilen, sondern auch herstellen zu können.
Damit griff Br. Michael die Tradition von Pater Johannes Blessing auf.
Der erste Glockenguss erfolgte im Juli 1999 in einer Garage des Holzlagers. Was so versteckt im Hintergrund und nebenbei, jedoch erfolgreich begann, erweckte sofort das Interesse der Glockenbranche. Was aus Neigung und Freizeit begann, ist heute ein voll ausgelastetes und funktionierendes Vier-Mann-Unternehmen.

Die Technik

Die traditionellen Zutaten für eine Glockenform sind seit Jahrhunderten dieselben: Naturlehm, Stroh und Pferdemist. Mittels einer Holzschablone, dem sogenannten Rippenbrett, wird dieser Formlehm millimetergenau auf einen aus Ziegeln gemauerten Kern aufgetragen. Die Rippe ist der geometrische Aufriss des Glockenprofils. Dieses Profil entscheidet über die Tonhöhe und die Klangfarbe der späteren Glocke.
Zum Guss der Glocke wird die Bronze, eine Legierung aus 78 Teilen Kupfer und 22 Teilen Zinn, auf 1080°C erhitzt. Diese flüssige Schmelze wird in die Glockenform eingegossen. Damit die Form dem Druck des Metalls standhält, wird sie mit Erde in einer Grube eingestampft. In den Minuten des Gusses entscheidet sich die Qualität einer mehrere Wochen dauernden Vorbereitungszeit. Nach dem Guss benötigt die neue Glocke je nach Größe eine einige Tage bis mehrere Wochen dauernde Abkühlzeit, bevor die Form ausgegraben werden kann.

Für den Glockengießer ist das Ausgraben der Glockenform, die sogenannte Geburt der Glocke, mindestens genauso spannend wie der Guss, zeigt sich doch erst jetzt, ob die Glocke gelungen ist. Nach dem Zerschlagen der gesamten Gussform wird die Glocke zum ersten Mal mit dem Klöppel angeschlagen. Wenn der Glockenton volltönend und mit der richtigen Frequenz erklingt, darf der Guss als gelungen bezeichnet werden.

Das Besondere

Unsere Gießerei verfügt über eine außerordentlich umfangreiche Palette verschiedenster Glockenprofile. So können Glocken in allen gängigen Klangfarben sowohl in Moll- wie in Duroktav gegossen werden. Bei Ergänzung vorhandener Geläute legen wir größten Wert auf einen klangharmonischen Zuguss. Wohl kaum eine andere Gießerei hat sich so intensiv mit der Rekonstruktion historischer Glockenprofile beschäftigt. Voraussetzung für eine optimale Geläuteergänzung sind das präzise Gehör des Glockengießers und sein Wissen um die historischen Konstruktionsprinzipien der alten Gießer.
Bestes Metall und die Formung im teuren und zeitaufwendigen Lehmformverfahren sind maßgebend für den besonderen Wohlklang unserer Glocken. Jede Glocke, die unsere Gießerei verläßt, ist ein kunsthandwerkliches Unikat.

Die Glockengießer

Das TeamNeben Bruder Michael gehören Markus Schneider sowie Bertram Thierfelder zum festen Team in der Gießerei Maria Laach. Markus Schneider ist mit Bruder Michael hauptsächlich in der Formerei und in der Gießgrube beschäftigt. Bertram Thierfelder ist zuständig für die Wachsausführungen von Kronenarmen und Glockenzier. Auch nach ca. 1000 gegossenen Glocken ist jeder neue Guss noch immer etwas Besonderes.
Jeder von uns trägt mit seinem Können und mit seiner Zuverlässigkeit im Team zum Gelingen unserer Glocken bei.

Die Glocken der Abtei

Das Geläute der Abteikirche ist mit seinen zwölf Glocken das umfangreichste in Rheinland-Pfalz, klanglich gehört es mit zu den schönsten in Deutschland. Es sind insgesamt 14 Tonnen Bronze, deren Klang uns täglich begleitet. Sie rufen uns zum Gebet, sie erinnern uns an die Zeit und sie sind mit uns auf unseren Wegen im Klosteralltag, bis hin zu unserem letzten Weg in die Ewigkeit.

Wir laden Sie herzlich ein, etwas von Ihrer Zeit mit uns zu verbringen.

Ars liturgica e. K.
Kunstwerkstätten MARIA LAACH
Glockengießerei
Benediktinerabtei
56653 Maria Laach

Tel.: (02652) 59-345
Fax: (02652) 59-454
E-Mail: kunstwerkstaetten@maria-laach.de