Pflanzen-Service (Laacher Kräuterblätter)

Eberraute (Artemisia abrotanum)

Laacher Kräuterblätter Korbblütler

Die Eberraute (Artemisia abrotanum) ist nicht – wie der Name vermuten lässt – mit der Weinraute verwandt. Sondern sie gehört zu den über 300 Artemisia-Arten und steht somit dem Beifuß und dem Wermut nahe. Der Gattungsname Artemisi stammt von der Göttin Artemis aus der griechischen Sagenwelt, der Spezies abrotanum bedeutet einfach nur Eberraute.

Ursprung und Geschichte

Sie stammt ursprünglich aus Südeuropa, ist aber auch bei uns winterhart. Ihr Laub ist – gegenüber dem Wermut und Beifuß – wesentlich filigraner und in Verbindung mit der silbergrauen Färbung (die auch im Winter bleibt) ein Blickfang im Kräutergarten.

Sie hatte im Mittelalter einen ähnlichen Stellenwert wie der Beifuß und wurde in der Küche eingesetzt, um fette Speisen bekömmlicher zu machen. Außerdem nannte Abt Walahfrid Strabo den „Eberreis“ – wie die Eberraute im Mittelalter auch genannt wurde – auch als Mittel gegen Rheuma.

Der hatte aber in jener Zeit noch eine weitere Verwendung. Das frische – auch an Zitrone erinnernde Aroma – wurde gerne in Duftsträußen verwandt, die selbst im Winter noch ihren Duft abgaben. Im Schwarzwald wurden seine Zweige (wie auch Ysop, Rosmarin und Lavendel) gerne von den Bäuerinnen zu kleinen Sträußchen beim Kirchenbesuch verwandt. Das „Chilchesoope“ (= Kirchenseife) sollte – quasi als natürliches Parfum – den unvermeidlichen Stallgeruch beim Gottesdienstbesuch übertünchen. Außerdem hielt der frische Duft die Kirchgänger bei zu langen Predigten vom Einschlafen ab. In der Kirche wurde die Eberraute – ähnlich dem Rosmarin – auch als Weihrauch-Ersatz verwendet.

Tabernaemontanus empfiehlt im 16. Jahrhundert den „Stabwurz“ (ein weiterer Name, der bis in die Neuzeit Gültigkeit hatte) auch als Wurmmittel:

„ tödtet und treibet auss die Würm von alten Menschen und jungen Kindern, wenn es gepülvert und mit Milch oder Honig eingenommen.“

Aber er erwähnt auch die abergläubische Seite des Krautes zu seiner Zeit:

„von den alten Weibern auch zu den Würtzwischen gesamlet, darmit sie dann mancherley Aberglaubische Fantaseyen treiben, welches wir als ein unnütz Fabelwerck fahren lassen.“

Im Englischen hatte sie auch den Namen „Maiden´s Ruin“, übersetzt „Jungfernverderb“. Dieser Name hängt sicherlich mit dem betörenden Aroma der Pflanze zusammen, der ihr auch den Ruf als Aphrodisiakum einbrachte.

Als weiteres Talent der Eberraute wird die Immunstimulans aufgeführt … die Palette an Indikationen aus der Erfahrungsheilkunde und der Homöopathie sind unglaublich vielfältig. Walahfrid Strabo wird mit der Aussage „der Eberreis habe so viele Vorzüge wie Blätter“ zitiert.

Verwendung

Die Eberraute enthält relativ viele ätherische Öle und das Alkaloid Absinthin und wirkt mit ihren Inhaltsstoffen ähnlich wie ihre Verwandten Magen- und Gallensaft anregend und hat außerdem eine harn- und schweißtreibende Wirkung.

Einen bemerkenswerten Effekt hat diese Heilpflanze auch auf Insekten: Bereits im Mittelalter wurden die getrockneten Triebe als Mottenschutz in die Kleiderschränke gehängt. Im Garten eignet sie sich hervorragend für Mischkulturen, ihre ätherischen Öle wehren Schädlinge wie Weiße Fliege, Karotten- und Zwiebelfliegen, aber auch Stechmücken ab.

In der Küche kann die Eberraute – frisch oder getrocknet – zum Würzen von Saucen und Fleischgerichten verwendet werden, allerdings sollte man dabei eher etwas sparsam mit dem Gewürz sein. Die Heilwirkung der Eberraute wird z. Zt. lediglich in der Erfahrungsheilkunde und der Homöopathie eingesetzt.

Pflanzenbeschreibung

Die Eberraute hat einen relativ hohen und schmalen Aufbau, je nach Art und Wachstumsbedingungen kann sie bis zu 1,50 m hoch werden. Sie ist ein Halbstrauch, behält also in der Regel ihr Laub und friert nicht, wie die meisten Artemisia-Arten als Staude, oberirdisch zurück. Nach einem harten Winter mit strengem Dauerfrost kann es aber auch sein, dass sie bis zu den Wurzeln abstirbt – dann treibt sie in der Regel allerdings im Frühjahr wieder aus dem Wurzelstock aus.

Sie liebt einen hellen, sonnigen Standort, der Boden sollte eher etwas mager und trocken sein.

Die Erntezeit ist vorzugsweise von Mai bis Oktober, die Blätter können frisch oder auch getrocknet verwendet werden, das Aroma bleibt erhalten.

Eine weitere Möglichkeit der Konservierung ist das Einlegen von Blätter und Trieben in Essig, Öl oder auch Alkohol – besonders als Aufgesetzter eine schmackhafte, aromatische Form für einen Verdauungsschnaps. Besonders gut eignen sich dafür verschiedene Varietäten der Eberraute, die zum einen ein sehr intensives Aroma und zum anderen ein filigranes Blatt haben.

Eine dieser attraktiven Unterarten ist der „Coca-Cola-Strauch“ (A. abrotanum var. maritima), der auch als „Spezi-Pflanze“ oder Strand-Beifuß gehandelt wird. Sein Aroma erinnert einen tatsächlich an Cola oder Cola-Mischgetränke wie das „Spezi“ – oder auch an Lakritz. Das Blattwerk ist silbergrau und sehr fein gefiedert und verströmt seinen Duft, sobald man damit in Berührung kommt.

Ein besonderes Aroma hat auch die Unterart A. abrotanum „Citrina“, bei ihr ist der leichte Zitronenduft, den die Eberraute ohnehin hat, noch intensiver.

Diese Unterarten und Sorten eignen sich alle sehr gut für Duft-Potpourris, Kräuterschnäpse oder auch Tees. Wirkung, Pflanzenaufbau und Pflege sind mit der normalen Eberraute identisch.

Einige weitere Artemisia- Arten

Bei Artemisia procera (procera = schlank, hoch) handelt es sich lediglich um ein Synonym für die A. abrotanum.

Artemisia pontica heißt mit deutschen Namen „Römischer Wermut“ oder auch „Pontischer Wermut“. Er hat nicht nur sehr filigrane Blätter, sondern bleibt mit ca. 50 cm Wuchshöhe relativ kompakt. Er ist vor allem in Südeuropa verbreitet.

Der „Indianische Beifuß“ (A. frigida) hat ein kräftig kampferähnliches Aroma und stammt wie der Silber-Wermut (A. ludovicina) – der eher mild im Aroma ist – aus Nordamerika. Beide werden von den Indianern als Heilpflanzen eingesetzt.


Zurück