Pflanzen-Service (Laacher Kräuterblätter)

Goldrute

Laacher Kräuterblätter Korbblütler

Die Gattung der Goldrute (Solidago) umfasst ca. 100 Arten, die über die gesamte nördliche Hemisphäre unseres Planeten verbreitet sind. Den Großteil dieser Arten findet man in Nordamerika, nur einige wenige Arten sind in Europa, Nordafrika und Asien heimisch.

Allerdings haben ein paar Sorten den Sprung über den großen Teich geschafft, im 19. Jahrhundert wurden die besonders attraktive Kanadische Goldrute (S. canadiensis) und die Riesen-Goldrute (S. gigantea) bei uns als Zierstauden eingebürgert. Durch Samenflug und Ausläufer haben sich aber auch diese Arten inzwischen bei uns stark verbreitet. Dass es sich bei diesen Asterngewächsen (Korbblütler) auch um Heilpflanzen handelt, ist wohl den wenigsten Menschen bewusst.

Die Echte Goldrute (S. virgaurea) ist in Europa, Nordafrika und in Vorder-Asien beheimatet. Sie unterscheidet sich von den eingebürgerten Arten vor allem durch die niedrigere Wuchshöhe und den Blütenaufbau. Die kleinen margeriten-ähnlichen Korbblüten sind verhältnismäßig locker an den aufrecht wachsenden Rispen angeordnet, was sie vom „Zierwert“ nicht so attraktiv macht wie die nordamerikanischen Verwandten. Sie wird bis zu 1 m hoch und blüht von Juli bis Oktober. Sie ist überwiegend im lichten Schatten – vor allem im Wald – zu finden, wächst aber auch in Heidelandschaften und nicht zu „fetten“ Weiden. Aber auch die Kanadische Goldrute ist immer öfter auch in der freien Natur anzutreffen. Ein Indiz dafür ist, dass sie inzwischen genauso in Naturpflanzenführern gelistet wird wie die Echte Goldrute.

Verwendung

Die Goldrute gehört nicht zu den klassischen Kräutern der Klosterheilkunde, allerdings hat der deutsche Arzt und Botaniker Tabernaemontanus (zu deutsch: Mann aus Bergzabern, 1522-1590) in seinem “Ein neuw vollkommentlich Kreuterbuch” 1588 die Goldrute zum „Lösen des (Nieren-) Steines“ und „zum Reinigen des groben Schleimes aus den Harngängen“ empfohlen.

Solidago canadensis In der Erfahrungsheilkunde hat sich die Goldrute als ein gutes Mittel bei einigen inneren und äußeren Erkrankungen erwiesen, die Wichtigsten sind wohl vor allem die bereits von Tabernaemontanus empfohlenen. Die Stärke der Goldrute besteht in ihrem sehr breit gefächerten Wirkstoff-Mix. Einerseits sind das Triterpen-Saponine (die vor allem für die wundheilende Wirkung verantwortlich sind) sowie Flavonoide, Phenylglykoside, Terpene und andere ätherische Öle, desweiteren Polysaccharide, Salicylsäure, Gerbstoffe und das typische Virgaureosid. Diese große Bandbreite an Inhaltsstoffen wirkt harntreibend, schmerzstillend, krampflösend und entzündungshemmend.

Auch wenn diese Eigenschaften eine Fülle an Einsatzmöglichkeiten bieten, sind doch vor allem die wissenschaftlich nachgewiesenen Indikationen von großer Bedeutung, nämlich die Erkrankung der Harnwege. Goldrute eignet sich sehr gut für die Spülung der Harnwege, sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung von Harn- und Nierensteinen.

Verwendet werden die getrockneten Blüten und Blätter, während der Blütezeit geerntet. Man kann daraus sowohl einen Tee als auch einen Kaltwasser-Auszug zubereiten. Allerdings sollte man – wie bei allen Selbstmedikationen mit Wildkräutern – Rücksprache mit dem Hausarzt oder Heilpraktiker halten. Denn es kann je nach Krankheitsfall (z. B. bei chronischen Nierenerkrankungen) auch zu Nebenwirkungen kommen.

In der Erfahrungsheilkunde wird die Goldrute auch zur Blutreinigung bei Gicht, Rheuma und Arthritis eingesetzt. Auch bei äußerer Anwendung hat dieses Wildkraut seine Qualitäten: Hautkrankheiten wie Ekzeme und schlecht heilende Wunden können mit ihr therapiert werden. Die Goldrute hat eine zusammenziehende und blutstillenden Wirkung, auch bei Entzündungen des Mund-Rachenraumes ist sie geeignet. Da der Wirkstoffgehalt bei den Arten recht unterschiedlich ist – und auch je nach Herkunft und Standort schwanken kann – empfiehlt sich die Möglichkeit des Einsatzes von standardisierten Fertigpräparaten.

In unserer heutigen Klosterheilkunde werden lediglich die oberirdischen Pflanzenteile verwendet. Die Medizinleute der nordamerikanischen Indianervölker nutzen aber alle Pflanzenteile aller dort vorkommenden Goldrutenarten. Vieles aus dem großen Erfahrungsschatz der verschiedenen Stämme ist verlorengegangen. Eines der Völker, deren Wissen erhalten wurde, ist der Stamm der Ojibwa(ein Algonkin-Volk) vom Großen See. Bei ihnen wird die Goldrute Giziso Mukiki Sonnenmedizin genannt. Sie haben vielerlei Verwendungszwecke für alle möglichen Arten der Zubereitungen aus der Goldrute. So gibt es Rezepturen gegen Erkältung, Zahnschmerzen und sogar Schlangenbiss.

Die nordamerikanischen Arten unterscheiden sich – wie bereits erwähnt – in der Wirkstoff- Zusammensetzung etwas von der Echten Goldrute. Triterpensaponine als auch ätherische Öle und Kaffeesäure-Derivate haben als Hauptbestandteile eine ähnlich harntreibende und krampflösende Wirkung wie die heimische Art. Flavonoide und Saponine sind zumeist höher konzentriert als bei S. virgaurea, allerdings fehlen dafür z. B. die entzündungshemmenden Phenolglykoside.

Pflanzenbeschreibung

Während die Echte Goldrute überwiegend in lichten Wäldern zu finden ist, fühlen sich die nordamerikanischen Arten an sonnigen und kargeren Standorten wohler. Durch ihre lange Blütezeit (bis in den Oktober) gehören sie in ihrer Heimat zum „Indian Summer“. Ob nun als Heilpflanze genutzt oder nicht, bei uns ist sie auf jeden Fall eine Bereicherung für das Staudenbeet und die Wildblumenwiese.

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadiensis) wird bis zu 2 m hoch und wirkt filigraner als unsere heimische Art. Ihre kleinen Korbblüten sind wesentlich kleiner, aber weil sie wesentlich enger in den Rispen zusammensitzen, ist die Fernwirkung wesentlich größer. Die Blätter sind länger und schmäler.

Die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) wird bis zu 2,5 m hoch und ist im Aufbau der Kanadischen Goldrute ähnlich, die Stängel sind zumeist bläulich bereift.


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