Pflanzen-Service (Laacher Kräuterblätter)

Minze

Laacher Kräuterblätter Lippenblütler

„Wenn aber einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen vermöchte, so müsste er gleich auch wissen, wie viele Fische im Roten Meer wohl schwimmen …“

So beschrieb der Benediktiner-Abt Walahfried Strabo von der Insel Reichenau bereits im 9. Jahrhundert die unübersehbare und unbestimmbare Artenvielfalt bei den Minze-Arten und -Sorten.
Tatsächlich ist durch Kreuzungen und Züchtungen, aber scheinbar auch durch regionale Standortbedingungen die Bestimmung einer Art nicht immer leicht – auch heute nicht!

Pflanzenbeschreibung

Die Minze allgemein ist seit der Antike bekannt, selbst im Neuen Testament wird sie erwähnt (Matthäus 23,23 und Lukas 11,42) – dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Rossminze (Mentha longifolia). Der botanische Gattungsname selbst – Mentha – geht auf die gleichnamige Nymphe zurück, die Geliebte des Pluto, die von Proserpina (Gemahlin des römischen Gottes der Unterwelt Pluto) zu eben solch einer Pflanze verwandelt wurde.

Wie oben erwähnt gibt es durch Kreuzungen und Züchtungen eine relativ große Anzahl von Minze-Arten, die größtenteils als Heil- und Gewürzkraut in allen Erdteilen Verwendung finden. Je nach Wirkstoff-Zusammensetzung (v. a. Mentholgehalt) sind sie unterschiedlich geeignet.

Die eigentliche Pfefferminze (Mentha x piperita) ist eine Kreuzung aus Wasserminze (Mentha aquatica) mit der Grünen oder Ähren-Minze (Mentha spicata), die 1696 in einem englischen Arzneigarten gezogen wurde. Weitere Urformen sind Rossminze, die Ackerminze (Mentha arvensis) und die rundblättrige Mentha suaveolens. Aus diesen Arten entstanden viele weitere Unterarten mit den unterschiedlichsten Aromen, deren genaue Bestimmung – auch heute noch – teilweise ein sehr schwieriges Unterfangen ist.

Verwendung

In der Regel setzt man Pfefferminze als Tee innerlich bei Magen- und Darmbeschwerden ein. Ein weiteres Einsatzgebiet für Pfefferminztee sind die Erkrankungen der oberen Atemwege.
Bei äußerlicher Anwendung eignet sich vor allem hochwertiges, ätherisches Öl, z. B. bei Kopfschmerzen durch das Verreiben einiger, weniger Tropfen auf Stirn und Schläfe. Das berühmteste und wirksamste Öl ist da sicherlich das „Japanische Heilpflanzenöl“. Es wird aus der Japanischen Minze (Mentha arvensis var. piperascens) gewonnen und ist sehr reichhaltig an ätherischem Öl und ist deswegen auch hoch wirksam.

Überhaupt ist der Wirkstoffgehalt bei den Minzen sehr hoch: Das ätherische Öl der Ackerminze besteht z. B. bis zu 42% aus freien Alkoholen (v. a. Menthol), aber auch Gerbstoffen und Flavonoiden. Bei der Echten Pfefferminze ist der Menthol-Gehalt noch höher. Der Wirkstoffgehalt steigt generell mit der Anzahl der Sonnenstunden.

Der hohe Grad an Wirkstoffen sollte allerdings auch zu Vorsicht mahnen: Bei äußerlicher Anwendung kann es zu Hautreizungen und Schädigung der Schleimhäute kommen. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte es generell nicht angewendet werden – außer auf ausdrücklichen Rat von Kinderärzten und/oder Heilpraktikern.

Bei der innerlichen Anwendung können Magenbeschwerden auftreten, und bei Gallensteinleiden sollte man den Einsatz von Pfefferminze mit dem Arzt abklären.

3-6 g der Blätter oder 6 Tropfen hochwertigen ätherischen Öles pro Tag sollten nicht überschritten werden!

Bei der Verwendung von Minze als Heilpflanze ist es fast egal, welche Art man nimmt – mit einer Ausnahme: die giftige Poleiminze (Mentha pulegium)! Auch sie ist seit der Antike (bei den Römern war sie eine der wichtigsten Pflanzenarten) als Heilpflanze bekannt, aber wie so oft liegen Fluch und Segen einer Pflanze relativ nah beieinander. Deswegen ist von dem Gebrauch der Poleiminze in der Hausapotheke auf jeden Fall abzuraten. Ihre Namen im Mittelalter waren Flohminze oder Frauenminze. Diese Namen bedeuten in diesem Fall nichts besonders Gutes. Den ersten Namen bekam diese Minze-Art durch die Tatsache, dass sie zur Ungezieferabwehr genutzt wurde, zweiter Name weist darauf hin, dass sie zur Abtreibung eingesetzt wurde.

Standort und Pflege

Alle Minze-Arten – besonders natürlich die Bach- bzw. Wasserminze, die sich auch als Wasserpflanze eignet – lieben einen feuchten, humosen Boden und können gelegentlich etwas Düngung vertragen. Im Sommer sollten sie bei längeren Trockenperioden auch mal gegossen werden. Um den Wildwuchs der Minze – die sich vor allem über Ausläufer ausbreitet – einzudämmen. hat sich das Einpflanzen in Pflanzringe oder andere Pflanzgefäße bewährt. In Töpfen sind sie allerdings nur bedingt winterhart, während sie in der Erde besser geschützt sind. Ideal wäre demzufolge das Einsenken der Töpfe/Kübel in die Erde.

Werden Minzen dauerhaft zu trocken gehalten, können im Sommer Spinnmilben auftreten. Ein anderer – sehr spezifischer – Schädling ist der Minzkäfer, der grünlich glänzende Käfer frisst mit Vorliebe Löcher in Minzblätter. Eine chemische Bekämpfung ist nicht möglich (und auch nicht sinnvoll) – so bleibt nur das Absammeln oder ein radikaler Ernteschnitt (z. B. zum Trocknen).

Wenn Minzen zu „fett“ gehalten werden (zu stark gedüngt werden), ist die Gefahr von Mehltau groß. Bei richtiger Haltung (ideale Standortbedingungen, der richtige Boden) sind die Minzen absolut anspruchslose Pflanzen.

Geerntet werden kann eigentlich jederzeit – mit einer Ausnahme: während der Blütezeit! In diesem Fall ist ein Rückschnitt (kurz vor der Blüte) ratsam, die Triebe können dann für den Winter getrocknet werden. Die Blüten der Minze sind zwar bei Bienen und Schmetterlingen heiß begehrt, aber zur Fortpflanzung benötigen die Minzen ihre Blüten selber nicht. Im Hochsommer bleibt der Minze nach einen Rückschnitt genügend Zeit für frische Austriebe – und somit eine neue Ernte.

Die Blätter der Minze lassen sich gut an einem schattigen, luftigen Ort trocknen, allerdings sind die frischen Blätter natürlich im Sommer die Grundlage für einen erfrischenden Tee – vor allem in Verbindung mit Gunpowder! Dazu eignet sich besonders die Marokkanische bzw. Türkische Minze (Mentha spicata var. crispa).

Minzearten

    Wie Abt Walahfried Strabo eingangs erklärte, war die Anzahl der Minze-Arten bereits damals nicht mehr zu überschauen. Über tausend Jahre später ist die Zahl der Kreuzungen und Züchtungen natürlich weiter gewachsen … und auch die Bestimmung fällt nicht immer leicht. Die Ursorten sind auch heute noch in weiten Teilen Europas, Asiens und NW-Afrika verbreitet.

    Die im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Arten und Sorten lassen sich grob in zwei Gruppen fassen: Arten mit hohem und Arten mit niedrigem Menthol-Gehalt. Einen kleinen Überblick für die erhältlichen Arten geben die folgenden Listen:

    Menthol-betonte Minze-Arten

    Englische Minze Mentha x piperita „Mitcham“
    Thüringer Minze Mentha x piperita „Multimentha“
    Schokoladen-Minze/ After-Eight-Minze Mentha x piperita „Chocolate“
    Apfel-Minze Mentha suaveolens
    Ananas-Minze Mentha suaveolens „Variegata“
    Grüne Minze, Ährenminze Mentha spicata
    Dunkle Minze Mentha spicata „Black Spearmint“
    Krause Minze Mentha spicata var. crispa
    Türkische u. Tunesische Minze Mentha spicata var. crispa
    Marokkanische u. Persische Minze Mentha spicata var. crispa
    Japanische Minze Mentha arvensis var. piperascens

    Fruchtige Minzen (wenig Menthol)

    Orangen- u. Zitronen- u. Grapefruit-Minze Mentha x piperita var. citrata
    Kölnischwasser-Minze Mentha x piperita var. citrata
    Schweizer-Minze Mentha x piperita „Swiss“
    Feigen-Minze Mentha tomentosa
    Süße Limonen-Minze Mentha spec. „Hillary´s Sweet Lemon“
    Erdbeer-Minze Mentha spec. „Erdbeere“
    Bananen-Minze Mentha spec. „Banana“
    Basilikum-Minze Mentha spec. „Basilmint“
    Lavendel-Minze Mentha spec. „Lavendel“
    Ingwer-Minze Mentha spec. „Ginger“

    Neben der „richtigen“ Minze finden sich auch weitere Gattungen und Arten, die die Minze in Namen tragen, aber im engeren botanischen Sinne keine sind. Sie ähneln in Blatt, Blüten und teilweise auch im Aroma den echten Minzen.

    Bergminze Calamintha nepeta
    Indianer-Minze Satureja douglasii
    Korea-Minze Agastache rugosa
    Amerikanische Bergminze Pycanthemum pilosum
    Katzenminze Nepeta x faassenii

    Diese Listen geben nur einen Einblick in einen Teil der gehandelten Arten und Sorten, die in dieser Bandbreite nur in gut sortierten Spezialitäten-Gärtnereien geführt werden.


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