Pflanzen-Service (Pflegeanleitungen)

Pelargonien (Geranien)

Pflegeanleitungen Storchschnabelgewächse

Pelargonien gehören sicher zu den Gewächsen, die in unserem Land die Hobbygärtner-Gemeinde spaltet: Für die einen ein Klassiker für die anderen eine Pflanzengattung mit angestaubtem und eher spießigem Charakter. Ungeachtet dessen sind Pelargonien die un­angefochtene Nr. 1 bei den Beet- und Balkon­pflanzen – bundesweit werden min. ge­schätzte 80 Millionen Pelargonien von deut­schen Gärtnern produziert. Trotz aller Neu­züchtungen auf dem Sektor der Beet- und Balkonpflanzen hat nur Weniges so Bestand wie die Pelargonie. Denn kaum eine der Neuheiten blüht so beständig, ist so pflegeleicht und dankbar wie eben jenes „Relikt“ aus Urgroßmutters Zeiten.

Sorten-Prüfung, Fa. Fischer in Hillscheid

Ihre Heimat liegt in einem der schönsten und interessantesten Länder unseres Planeten: Südafrika! In den verschiedensten Klimazonen findet man überall Pelargonien – von den eher mediterranen Küstenstrichen über das Hochplateau der Tafelberge bis hin zu den Wüsten der Namib und Kalahari. Oft sind sie nur an den Blüten zu erahnen, denn sie sind ausgesprochene Sukkulenten und Halbsukkulenten – Pflanzen, die in der Lage sind, Wasser in ihren Organen zu speichern.

Wer mehr darüber (und die Pelargonien überhaupt) wissen möchte, findet diese Informationen auf der Wiki-Seite des Gartenbaus www.hortipendium.de.

Pflege

Pel. Leucht-Cascade-Pyramide

Die Pflegeansprüche von Pelargonien entsprechen ihrem Lebensraum in ihrer Heimat Süd­afrika: Sie lieben es sonnig, warm und eher trocken! Pelargonien sind Lichtsummenblüher – je sonniger, desto mehr Blüten produzieren sie.

Licht

Der richtige Standort für Pelargonien sollte sonnig sein. Zwar gedeihen und blühen sie auch im lichten Schatten, aber das sind keine idealen Bedingungen für sie. Je mehr Licht, desto mehr Blüten bringt sie hervor und… desto fester und stabiler wird das Gewebe, desto widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge ist die Pflanze.

Wasser

Pelargonien können gut ein oder zwei Tage länger auf Wasser verzichten – hängende Sorten noch länger als stehende Sorten. Staunässe vertragen sie hingegen gar nicht. Der Wurzelballen sollte zwar durchdringend gewässert werden, aber sie liebt es ebenso, vor dem nächsten Gießen wieder gut abzutrocknen.

Erde

Beim Wasserhaushalt spielt auch die richtige Erde eine sehr große Rol­le: Hoher Weißtorfanteil (oder alternative Ersatzstoffe), ein Tonanteil von mindestens 20% und eine „schöne“ Struktur sind die richtige Grundlage für den „Motor der Pflanzen“ – die Wurzeln. Viele Billigerden von Baumärkten und Discountern haben einen extrem hohen Schwarztorfanteil, der sich eher für Wasserpflanzen eignet als für Topfpflanzen. Hilfreich sind auch – als Drainage und zum Untermischen – Bims- oder Lavagranulat.

Dünger

Was viel blüht und viel wächst, braucht auch viel Dünger! Pelargo­nien sind sog. Starkzehrer, sie benötigen alle 14 Tage eine Gabe Flüssigdünger, da­mit ihnen im Laufe des Sommers nicht die Puste ausgeht und sie eine Blühpause einlegen.

Achtung: Niemals auf trockenem Wurzelballen düngen – das kann zu Ver­brennungen führen! Aber auch eine Überdüngung kann sich negativ auswirken: Schwaches und weiches Pflanzengewebe gibt eine ideale Angriffsfläche für Schädlin­ge und Krankheiten!

Temperatur

Pelargonien machen – auch was die Temperaturen angeht – fast alles mit. Abgehärtete Pflanzen können im Herbst sogar die ersten Nachtfröste ver­tragen und sind so in der Lage – wenn man sie lässt – sogar im Dezember noch zu blühen!

Pflanzenschutz

Bei Pelargonien spielen die meisten Schadorganismen lediglich in der Kultur – also der Anzucht in den Gewächshäusern – eine Rolle. Nur ein paar Krankheiten und Schädlinge sind auch im Freien relevant.

Pilzerkrankungen sind eher selten, aber unter ungünstigen Umständen möglich:

  • Pelargonienrost (Puccinia)
    befällt i. d. R. nur stehende Sorten (Pel. x hortorum, Syn. Pel. zonale). Dieser Pilz tritt in feucht-warmen Sommern auf und wird durch einen ungünstigen Standort gefördert. Gegenmaßnahme: Alle befallenen Blätter entfernen und im Hausmüll entsorgen. (www.hortipendium.de)
  • Staunässe ist das bevorzugte Milieu für sog. „bodenbürtige Pilze“, die zur Wurzel­fäule (Pythium) führen können, bei der der ganze Wurzelballen abstirbt. Bei der Wurzelbräune (Thielaviopsis), stirbt nur ein Teil der Wurzeln ab, schädigt aber die Pflanzen auch oberirdisch!

Schädlinge kommen – je nach Umstand – schon öfter vor:

Spinnmilben

  • Trockenstress und starke Hitze können die Entwicklung von Spinnmilben fördern. Das Problem hierbei ist: Die Tiere sind so klein, dass sie erst bemerkt werden, wenn schon irreparable Schäden zu sehen sind. Hier kommt man um Pflanzenschutzmaßnahmen nicht umhin – bei sehr starkem Befall lohnt sich auch ein kleiner Rückschnitt! Ähnlich verhält es sich mit den – sehr seltenen – Weichhautmilben.
  • Schädlinge wie die „Weiße Fliege“ und der „Kalifornische Blütenthrips“, die in den Gewächshäusern sehr große Schäden anrichten können, kommen zwar auch im Sommer im Freiland vor, stellen dort aber normalerweise keinen allzu großen Schaden an.
  • Häufig trifft man bei Pelargonien Läuse jeglicher Art und Farbe. Je nach Witterung bleiben sie in kleinen Populationen und werden gerne von Nützlingen wie Marien­käfern, Flor- und Schwebefliegen oder Vögeln verspeist … dann ist eine Bekämpfung nicht notwendig. Aber bei feucht-warmem Wetter kann es passieren, dass diese klei­nen Populationen im wahrsten Sinn des Wortes „explodieren“. Auf einmal, über Nacht sind plötzlich 50 Läuse und mehr an einer Pflanze. Dann kann mit mechanischen Mitteln (Wasserdruck) oder biologischen Mitteln eingegriffen werden. Die Bekämpfung mit synthetischen Giften ist bei Läusen selten notwendig.
  • Anders sieht es bei den – meist nachtaktiven – Raupen und Käfern aus: Hier ist es wichtig, früh genug auf verschiedene Alarmzeichen (angefressene Blattränder, schwarze Kotkrümel, eingerollte Blätter) zu reagieren, denn den Schädling sieht man i. d. R. nicht, weil er nachtaktiv ist! Sinnvoll wäre in der Dämmerung (oder noch später) mit einer Taschenlampe die Pflanzen abzusuchen. Evtl. reicht als Bekämp­fung das Absammeln, ansonsten sollten die „Übeltäter“ (oder Bilder von ihnen) zur Empfehlung für die Bekämpfung mit zum Gärtner gebracht werden.

Virus

  • Pelargonien können natürlich auch von Schnecken heimgesucht werden. Auch sie sind eher nachtaktiv, Bekämpfungsmethoden gibt es mannigfaltig…
  • Neben diesen ganzen Krankheiten und Schädlingen (die allesamt behandelbar sind) gibt es noch zwei Arten von Erkrankungen, die leider nicht akut behandelt werden können: Bakteriosen und Virosen! Sie lassen sich nur im Labor wirklich nachweisen. Diese Pflanzen müssen, um eine Ausbreitung der Krankheiten zu verhindern, im Hausmüll entsorgt werden, auf keinem Fall auf dem Kompost!

Große Artenvielfalt… alles andere als langweilig!

Von den ca. 280 Wildpelargonien-Arten, die es weltweit gibt, sind einige der Grundstock für unsere Zuchtformen. Während es bis in die 80-er Jahre eigentlich nur die klassischen Blatt- und Blütenformen gab, hat sich seitdem viel getan – sowohl bei den Blüten als auch beim Laub: Sorten, deren Blüten an Rosen erinnern, oder bizarre Formen bei Blüte und Laub wie bei den Stellar-Sorten sind entstanden.

Noch beeindruckender sind die Arten, die erst langsam den Nimbus des Geheimtipps ver­lieren: Duftpelargonien. Nicht nur was Farben, Größe und Formen der Blüten angeht, son­dern auch die reichhaltige Palette an Düften begeistert zunehmend auch viele deutsche Pflanzenliebhaber. Sorten wie die Eichenblatt-Duftpelargonie (Pel. quercifolium) „Fair Ellen“ sind schon über 200 Jahre alt, und immer wieder kommen neue Kreuzungen und Züchtungen zu den bereits über 300 Duftpelargonien-Arten und -Sorten hinzu!


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