Pflanzen-Service (Laacher Kräuterblätter)

Schöllkraut

Laacher Kräuterblätter Mohngewächse

Das Schöllkraut (Chelidonium majus; majus = größer) weckt wohl bei den meisten Menschen vor allem zwei Assoziationen: Warzen und Unkraut. In Antike und Mittelalter hätten die Menschen wohl eher zwei andere Begriffe genannt: Schwalben und Augen! Während man sicher über den Begriff Unkraut streiten kann (der Name „Wildkräuter“ wäre eigentlich angemessener), haben die drei anderen Begriffe aber auf jeden Fall ihre Berechtigung.

Verwendung

Tatsächlich gehört auch das Schöllkraut zu den Klassikern der Heilpflanzenkunde, also den Heilkräutern, die in der Antike bereits Anwendung fanden. Der griechische Arzt Dioskurides erklärt in seiner „Materia medica“ den Zusammenhang zwischen dem Schöllkraut und den Schwalben: Er berichtet nämlich bereits damals, dass das Schöllkraut mit dem Eintreffen der Schwalben zu blühen beginnt und erst mit dem Abzug der Schwalben verwelkt. Und erklärt es sich damit, dass sich der lateinische Name für Schwalbe – nämlich Chelidon – im botanischen Namen der Pflanze – Chelidonium – wiederfindet.

In der mittelalterlichen Klosterheilkunde wurde – wie bereits in der Antike – das Schöllkraut vorrangig bei Augenerkrankungen (bis hin zum Grauen Star), Gelbsucht und Hautausschlägen eingesetzt.

Auch Odo Magdunensis hat in seinem „Macer floridus“ die Sehschwäche als erste Indikation genannt, aber er führt auch ein Rezept für Leberkranke auf. Eingesetzt wurde es ebenfalls als Gurgellösung, zur Kopfwaschung und natürlich bei der Behandlung von Hautkrankheiten bis hin zu krebsartigen Geschwüren.

Adam Lonitzer (1528-1586) schrieb in seinem „Vollständigen Kräuterbuch“:
„Wird Chelidonia, das ist Schwalbenkraut, genannt, denn die Schwalben bringen dieses Kraut ihren Jungen zu essen, davon bekommen sie bald ihr Gesicht.“
Er empfahl aber auch ein Rezept gegen Hautkrankheiten im Allgemeinen und „Aussatz“ im Besonderen. In dem Begriff „Aussatz“ versammelten sich in der damaligen Zeit verschiedenste Hautkrankheiten wie z.B. Neurodermitis und Akne.

Das Schöllkraut wurde früher auch in der christlichen Malerei verwendet und hatte symbolischen Charakter: Christus heilt eure geistliche Blindheit. Das berühmteste Bild des Schöllkrautes wird Albrecht Dürer zugeschrieben, stammt aber sehr wahrscheinlich aus seiner Umgebung.

Als Warzenkraut war es über viele Jahrhunderte Mittelpunkt für unzähligen – vor allem regional sehr unterschiedlichen – Aberglauben. Die Blütenfarbe und der goldgelbe Saft in den oberirdischen Pflanzenteilen und den Wurzeln verleitete die Alchemisten zum Irrglauben, dass alle vier Elemente in ihr vereinigt seien und dass daraus Gold zu machen sei – und so machten sie aus „Chelidonium“ „Coeli donum“ (Geschenk des Himmels).

Tatsächlich ist auch heute noch die Bekämpfung von Hautkrankheiten zwar nicht die einzige – aber sicherlich die bekannteste – Indikation. Dabei wird der frische Milchsaft aus den Trieben gegen Warzen eingesetzt, indem er einfach mehrmals auf die Warzen aufgetragen wird. Den Erfolg beschert ein Alkaloid – das Chelidonin, denn es hemmt das Zellwachstum.

Das Schöllkraut beinhaltet eine relativ große Zahl von Alkaloiden, die teilweise der Opium-Alkaloiden der Mohngewächse nahe stehen, und somit lässt sich auch die leicht krampflösende und beruhigende Wirkung der Pflanze erklären. Je nachdem welches Alkaloid benötigt wird, entnimmt man es aus dem frischen Laub oder den Wurzeln (z. B. das Chelerythrin). Denn auch andere Alkaloide (die auch hautreizend sind) können zur Heilung beitragen, da sie proteolytisch (Eiweiß spaltend) und virenhemmend wirken können. Unter anderem z. B. das Copsicin, das krampflösend wirkt und somit das zweite Indikationsfeld begründet, nämlich die Verwendung bei Leiden des Verdauungstraktes – inklusive der Gelbsucht. Ein typisches Indiz für die Signaturenlehre – die u. a. von der Farbe der Blüte auf die Heilung der Krankheit schließt. Die Signaturenlehre war unter den romanischen, slawischen bis zu den germanischen Völkern verbreitet.

In Mecklenburg hat man Menschen, die Gelbsucht hatten, Schöllkraut-Blätter in Pfannkuchen gebacken. Davon sollte man allerdings in der heutigen Zeit Abstand nehmen, denn hier gilt es wieder mit Paracelsus vorzugehen – die Dosis macht das Gift – denn die Pflanze und ihr Saft an sich sind giftig. Auch kann eine Überdosierung dramatische Folgen wie Gelbsucht oder sogar Schäden an den inneren Organen nach sich ziehen. Deswegen muss vor einer Eigenbehandlung – die über die äußere Anwendung von Hauterkrankungen geht – ausdrücklich gewarnt werden!

Sinnvoller ist bei diesen Erkrankungen – bei denen die „innere“ Anwendung empfohlen wird – die Verwendung von Fertigpräparaten. Diese sind standardisiert, der Wirkstoffgehalt wird immer gleich gehalten, somit ist die Dosierung und damit die Wirkung wesentlich überschaubarer. Denn zum einen sinkt der Anteil der wirksamen Substanzen in getrockneten Pflanzenteilen ab, und zum anderen schwankt die Konzentration bei Wildsammlungen stark – je nach Standort. Auch in der Homöopathie findet es Verwendung – u. a. bei Magen- und Darmleiden.

Pflanzenbeschreibung

Das Schöllkraut gehört zu den Mohngewächsen (Papaveraceae), obwohl die Blüte eher auf eine Verwandtschaft zur Kreuzblütlern wie dem Ackersenf oder Hahnenfußgewächsen vermuten lässt. Allerdings hat das Schöllkraut nur vier – im Gegensatz z. B. zu den Kreuzblütlern mit fünf – Blütenblättern.

Der Art-Name „majus“ bedeutet groß und diente früher zur Unterscheidung zum Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), das damals noch Chelidonium minor – „Kleines Schöllkraut“ – genannt wurde. Es ist ursprünglich in Europa bis in den asiatischen Raum verbreitet, in Nordamerika wurde sie inzwischen „eingebürgert“.

Das Schöllkraut ist – was den Standort angeht – sehr anspruchslos, wächst z. B. an Mauern, Zäunen, Schuttplätzen und Wegrändern und ist eine „Zeigerpflanze“ für stickstoffreichen Boden. Sie wird ca. 30 bis max. 80 cm hoch und gedeiht bis in den Herbst.

Bei Wildsammlungen im Allgemeinen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass man Pflanzen wählt, die – soweit ersichtlich – im Übermaß vor Umwelteinflüssen wie Autoabgase, Pestizid-Einsätze oder gar verseuchte Böden geschützt sind. Sicher ist dies bei einem Wildkraut, das nur äußerlich angewendet werden sollte, nicht so relevant wie bei Kräutern, die für Tees etc. eingesetzt werden.

Alternativ dazu bietet sich der Anbau im eigenen Garten an – es wächst wirklich in jeder Ecke und hat keinen hohen Anspruch an Standort und Boden.


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