Pflanzen-Service (Laacher Kräuterblätter)

Zwiebel (Allium)

Laacher Kräuterblätter Lauchgewächse

Die Gattung der Zwiebel (Allium) ist mit ca. 690 Arten relativ groß. Die Arten sind vor allem in Süd- und Osteuropa, aber auch im Vorderen Orient und Fernost beheimatet. Einige Arten stammen auch aus dem nördlichen Afrika und Nordamerika.

Wissenswertes

In der Bibel wird die Zwiebel (Allium cepa) bereits im Alten Testament (4. Buch Moses 11,4) erwähnt, und beim Bau der Cheops-Pyramide (ca. 2.580 Jahre vor Christi Geburt) stand sie auf der Nahrungsmittelliste der Arbeiter. Seit der Antike diente sie den mediterranen Hochkulturen nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heilpflanze.

Bei den Ägyptern stand die Zwiebel sehr hoch im Ansehen, laut Plinius d. Ä. wurde sogar auf sie geschworen. Den Priestern der Isis war der Genuss der Zwiebel allerdings verboten – wahrscheinlich wegen ihrer Wirkung als Aphrodisiakum. Auch in der griechischen Göttersage spielte sie eine Rolle: Leto litt in ihrer Schwangerschaft mit den Zwillingen Diana und Apollon unter Appetitlosigkeit und bekämpfte diese erfolgreich mit Zwiebeln.
Die Griechen brachten die Zwiebeln dann mit nach Italien, und die Römer brachten sie während ihrer Herrschaft auch den Germanen.

Karl der Große (748-814) ließ sie in sein „Capitulare de villis“ aufnehmen. Und neben Dioskurides (u. a. Leibarzt von Nero)und Lonicerus (1528-1586) haben viele über die Wirkung von Zwiebeln gedichtet und geschrieben, so auch Tabernaemontanus (1522-1590):

„…Die Zwiebeln sind der Armen tägliche Kost, weil sie ihre Speise damit würtzen … etliche gemeine Leut essen die rohe Zwieffeln mit Brodt und Saltz für die böse faule Lüfft, und ist nicht zu verwerffen.“

In Zeiten der Pest hängten die Menschen Zwiebeln in den Zimmern auf, um die „verdorbene Luft“ zu reinigen. Zwiebeln sollten, dem Aberglauben des Mittelalters nach, im Zorn gesetzt werden, damit sie schön scharf werden.
Eine Bauernregeln sagt: „Benedikt (21.3.) macht die Zwiebeln dick“.

Standort und Ernte

Zwiebeln werden meist im Frühjahr (März bis April) gesetzt oder gesät – je nach Form. Im Hochsommer bis Herbst sind sie dann erntereif, wenn das Laub zu verdorren scheint. Sie werden ausgegraben und (am besten mit Laub) zum Trocknen an einem schattigen, luftigen Ort aufgehängt. Nach einigen Wochen können sie dann eingelagert werden – aber es gibt auch andere Varianten!

Zwiebeln – welche Art auch immer – lieben einen sonnigen Standort und einen humosen, aber durchlässigen Boden. Nässe und zu viel Dünger schadet ihnen eher, als das sie nützen.

Verwendung

Die „gewöhnliche“ Gartenzwiebel hat mehr zu bieten als nur als Nahrungs- und Genussmittel. Neben ihrer appetitanregenden und verdauungsfördernden Wirkung wird sie auch zur Vorbeugung von altersbedingten Gefäßveränderungen (Arteriosklerose) geschätzt. Eine Gabe, die allen Zwiebelarten gemein ist – allerdings bei keiner Art so stark wie beim Knoblauch! Diese Indikationen sind wissenschaftlich nachgewiesen.

Außerdem wirken die ätherischen Öle und viele andere Inhaltsstoffe der Zwiebeln schleimlösend, desinfizierend, antiseptisch und beruhigend auf das Nervensystem. Eigenschaften, die sie vor allem in der Hausapotheke sehr gut und vielseitig einsetzen lassen. In der sog. Erfahrungsmedizin hat sich z. B. bei Insektenstichen (aber auch Hauterkrankungen) eine aufgeschnittene Zwiebel als einfaches und sehr effektives Mittel erwiesen. Eine Zwiebelhälfte wird einfach auf die betroffenen Hautstelle gelegt und der Saft verrieben.

Etwas aufwendiger, aber genauso effektiv ist ein Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen. Dabei wird eine Zwiebel kleingehackt und in einem Tüchlein, Waschlappen etc. z. B. erhitzt und auf das betroffene Ohr gelegt – Vorsicht: Verbrennungsgefahr!

Ein altes Hausmittel ist auch der Zwiebel-Schmalz-Umschlag bei Erkältung und Husten. Hier hat sich die Zwiebel besonders als Erste Hilfe bewährt, insbesondere wenn es mal wieder Abend oder Wochenende ist und man nichts anderes im Haus hat. Einen Arztbesuch können solche Maßnahmen – besonders bei einer Mittelohrentzündung – nicht ersetzen!

Der regelmäßige Genuss von Zwiebeln bei den Mahlzeiten allein ist für den Körper eine sehr wichtige Energiequelle und gute Vorbeugung vor Krankheiten. Das sehr komplexe Gefüge an Inhaltsstoffen in der Gartenzwiebel ist vielschichtig. Neben den ätherischen Ölen, schwefelhaltigen Verbindungen (wie Propylensulfonsäure, die uns zum Weinen bringt), Peptiden, Flavonoiden sind dies vor allem Vitamine (relativ hoher Vitamin C-Gehalt) und Mineralien wie Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen, Jod und Selen.

Allium fistulosum

Allium proliferum

Züchtungen

Von der Sommer- bzw. Gartenzwiebel (Allium cepa) gibt es vier Unterarten und einige Züchtungen. Aber es gibt auch einige Alternativen, die z. T. mehrjährig sind. So z. B. die Winter(hecken)zwiebel (Allium fistulosum). Zum Kochen und Würzen werden von ihr das Blattwerk geerntet. Der Vorteil ist, dass man auch im Winter (vor allem natürlich bei älteren, größeren Pflanzen) laufend frisch ernten kann. Besonders in der kalten und nassen Jahreszeit ist sie so eine Bereicherung für eine vitaminreiche Ernährung. Denn Nährstoffe und Vitamine sind ja besonders in der Zeit, in der man sie am meisten braucht, am wenigsten frisch – vor allem aus dem eigenen Garten – zu bekommen.

Eine weitere Besonderheit ist die Etagen- oder Luftzwiebel (Allium cepa var. proliferum). Als Pflanze gesetzt oder als Zwiebelchen im Frühjahr gesteckt, entwickeln sich aus dem Laub lange, schlanke Stängel, an deren Kopf sich sogenannte Brutzwiebeln bilden. Kleine, sehr aromatische (und scharfe) Zwiebelchen, die entweder als Zwiebeln in der Küche (z. B. in Gewürzessig eingelegt) oder als Setzlinge zur Weiterzucht verwendet werden können. Wenn man die Brutzwiebeln auf ihrem „Hochsitz“ lässt, entwickeln sich an ihnen direkt neue Pflanzen, die dann noch eine Etage weiter nach oben wachsen … oder sie fallen ab und säen sich somit selber aus.

Rezept für einen Hustensirup

250 ml Wasser aufkochen, 3 EL Zucker darin auflösen und – wenn das Ganze einigermaßen abgekühlt ist – eine kleingeschnittene Zwiebel dazugeben.

Mehrmals täglich 1-2 TL als linderndes Mittel gegen Erkältungskrankheiten einnehmen.

Wichtig: Je kleiner die Zwiebelstückchen sind, desto mehr Aroma und Inhaltsstoffe können sich lösen (und wirken) – das gilt für alle Anwendungsbereiche!


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