Laacher Messbuch

25. Sonntag im Jahreskreis

24. September 2017

Das Heil des Volkes bin ich – so spricht der Herr.
In jeder Not, aus der sie zu mir rufen, will ich sie erhören.
Ich will ihr Herr sein für alle Zeit.

In den Texten des heutigen Sonntags begegnet uns immer wieder das Thema: Dienst für Gott, d. h. das Tun seines Willens, also der Liebe zu Gott und zum Nächsten, wovon das Tagesgebet spricht. Für uns ist mit dem Dienst, der Arbeit, untrennbar auch das Thema Lohn verbunden – und je nachdem auch das des besonderen Lohns.
Bereits im 2. Jahrhundert hat der Kirchenvater Irenäus von Lyon das relativiert. Er schrieb: »Gott verlangt nur deshalb den Dienst der Menschen, weil er gut und barmherzig ist und denen wohltun will, die in seinem Dienste verharren. Gott bedarf keines Menschen, doch der Mensch bedarf der Gemeinschaft Gottes. Das nämlich ist der Ruhm des Menschen, auszuharren und zu verbleiben im Dienste Gottes. Deshalb sagt der Herr zu seinen Schülern: ›Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt‹ (Joh 15,16). Das bedeutet: Nicht sie verherrlichten ihn, indem sie ihm folgten, sondern dadurch, dass sie dem Sohne Gottes folgten, wurden sie von ihm verherrlicht.«
Gott zu dienen und seinen Willen zu tun, ist der Ruhm des Menschen, ist bereits sein Lohn; denn in der Gemeinschaft mit Gott finden wir alles, was wir brauchen und wünschen können.


Kyrie-Rufe

GL 134 • KG 58
Herr Jesus Christus, du rufst uns in deine Nachfolge. Herr, erbarme dich.
Du öffnest uns Gottes Reich. Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns Gemeinschaft mit Gott. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen als die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Gib uns die Kraft, dieses Gebot treu zu befolgen, damit wir das ewige Leben erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 55,6–9
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. |F

¬ Diese Lesung besteht aus zwei Hälften, dem Ruf zur Umkehr und einer Aussage über die Unbegreiflichkeit Gottes.
Der Ruf zur Umkehr ist immer wieder die Botschaft der Propheten gewesen und auch die Botschaft Jesu ist ein Ruf zur Umkehr. Die Kurzformel der Verkündigung Jesu im Markusevangelium lautet: »Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« (Mk 1,15). In dieser Kurzformel begegnet uns wie in der Jesajalesung auch die Nähe Gottes. Jesus Christus ist der Immanuel, der Gott mit uns. Durch sein Kommen ist uns Gott, ist uns Gottes Reich nahegekommen, durch ihn lässt sich Gott anrufen und finden.
Dass Gottes Wege nicht unsere sind, wie es in der zweiten Hälfte der Lesung heißt, ist einmal eine Begründung für sein Erbarmen. Wir als Menschen hätten nach so vielen Enttäuschungen Gottes mit seinem Volk schon längst die Hoffnung auf Umkehr aufgegeben, aber Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken.
Daneben ist die zweite Hälfte der Lesung aber auch eine Aussage von großem eigenem Gewicht. Immer wieder werden wir vor Gott und den Geheimnissen seines Handelns mit Staunen stehen und können sie nur annehmen, auch wenn wir sie nicht begreifen.
Das 1. Vatikanische Konzil hat eine verbindliche Aussage über die Grenzen unserer Vernunft bei der Gotteserkenntnis getroffen: »Niemals jedoch wird sie [= die vom Glauben erleuchtete Vernunft] die Wahrheiten des Glaubens völlig durchschauen können nach Art der Wahrheiten, die den ihr eigenen Erkenntnisgegenstand ausmachen. Denn die göttlichen Geheimnisse übersteigen ihrer Natur nach so den geschaffenen Verstand, dass sie auch nach ihrer Übergabe durch die Offenbarung und auch nach ihrer Annahme im Glauben doch durch den Schleier des Glaubens selbst bedeckt und gleichsam vom Dunkel umhüllt bleiben, solange wir in diesem sterblichen Leben ›fern vom Herrn pilgern. Denn wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen‹ (2 Kor 5,6f.).«
Auch das führt uns wieder zu Jesus Christus zurück. In der Menschwerdung ist Gott uns unüberbietbar nahegekommen und gerade dadurch wurde seine Gottheit auch verhüllt und stehen wir fassungslos vor dem Geheimnis der Inkarnation. Die endgültige Erfüllung dieser Jesajalesung findet sich also in Jesus Christus, in dem uns Gott nahegekommen ist, sodass die Umkehr möglich ist, in dessen Menschwerdung, seinem Leiden und Tod und seiner Auferstehung aber auch deutlich wird, dass Gottes Gedanken nicht unsere Gedanken sind, dass wir nur im Glauben und in Dankbarkeit diese Geheimnisse annehmen können.


Antwortpsalm

Ps 145,2–3.8–9.17–18 (|R: vgl. 18)
|R: Der Herr ist nahe allen, die zu ihm rufen.
Herr, ich will dich preisen Tag für Tag *
und deinen Namen loben immer und ewig.
Groß ist der Herr und hoch zu loben, *
seine Größe ist unerforschlich. – |R
Der Herr ist gnädig und barmherzig, *
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen, *
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. – |R
Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, *
voll Huld in all seinen Werken.
Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, *
allen, die zu ihm aufrichtig rufen. – |R

Zweite Lesung

Phil 1,20ad–24.27a
Lesung aus dem Philipperbrief.
Schwestern und Brüder! Darauf warte und hoffe ich, dass Christus durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe. Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht.
Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein – um wie viel besser wäre das! Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.
Vor allem: Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht. |F

¬ Was Paulus hier schreibt, ist von einer tiefen Verbundenheit mit Jesus Christus und einer Christusliebe geprägt, die daneben alles andere bedeutungslos werden lässt, weil in Christus alles geschenkt wird, weil Christus das Leben selber ist. So verlieren selbst Leben oder Tod ihre Bedeutung, beides zählt für Paulus nur, weil er im Leben und im Tod auf je eigene Weise Christus verherrlicht. Dabei ist Paulus von dieser Alternative selber unmittelbar betroffen, als er den Brief an die Philipper schreibt. Wenn der Tod für Paulus Gewinn ist, dann gerade nicht, weil er die Ruhe von einem mühseligen oder unerträglichen Leben mit sich bringt, sondern weil er zu Christus, dem Grund des Lebens, führt. Aber auch zu leben dient als apostolische Arbeit für Christus. So erfüllt Paulus seine Berufung als Apostel. Das Leben wird hier also nicht abgewertet, es ist Erfüllung des Willens Gottes. Leben und Tod sind aber beide hineingenommen in das eigentliche Leben, die Gemeinschaft mit Jesus Christus, die das ist, was zählt.
Ganz ähnlich lesen wir im Bericht des Sulpicius Severus über den Tod des hl. Martin, dass seine Schüler ihn ängstlich fragten: »Wem vertraust du uns an in unserer Trostlosigkeit? Räuberische Wölfe werden in deine Herde einbrechen. Wer wird uns vor ihren Zähnen schützen, wenn der Hirt geschlagen ist? Wohl wissen wir, dass dich sehnsüchtig nach Christus verlangt. Doch dein Lohn ist dir ja gesichert; auch wenn er hinausgeschoben würde, verringerte er sich nicht. Hab vielmehr Mitleid mit uns, die du zurücklässt!« Martin habe daraufhin gebetet: »Herr, bin ich für dein Volk noch notwendig, so weigere ich mich der Mühsal nicht, dein Wille geschehe.«


Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Apg 16,14b
Halleluja. Halleluja.
Herr, öffne uns das Herz, dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.

Evangelium

Mt 20,1–16
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen.
Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso.
Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.
Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen.
Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?
So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten. |F

¬ Das Gleichnis, das das heutige Evangelium erzählt, kann noch heute die Gemüter von Gewerkschaften und Arbeitgebern erregen. Es führt uns drastisch vor Augen, wie anders als unsere Vorstellungen Gott handelt. Dabei handelt er sowohl entsprechend seiner Gerechtigkeit wie seiner Güte; denn er gibt den zuerst angeworbenen Arbeitern den mit ihnen vereinbarten Lohn und zeigt den Arbeitern der letzten Stunde seine Güte, indem er ihnen das gibt, was sie an diesem Tag zum Leben brauchen. Gottes Gnadenordnung entspricht nicht einfach unseren Vorstellungen von Gerechtigkeit und auch von Güte und Gott gegenüber können wir uns nicht auf unsere Verdienste berufen. Gott ist frei, in seiner Güte zu schenken.
Die Arbeiter, die bei dem Gutsbesitzer den Anspruch auf ein Mehr gegenüber den anderen Arbeitern erheben, werden gefragt, ob sie neidisch sind, und vielleicht müssen wir uns diese Frage ebenfalls stellen, wenn wir uns darüber aufregen, dass Gott diesen oder jenen so reich mit seinen Gaben beschenkt hat, aber eben nicht uns.
Der Schriftsteller Bruce Marshall schildert in seinem Roman »Keiner kommt zu kurz« das Leben eines französischen Priesters, des Abbé Gaston. Dieses Leben ist nicht großartig. Er macht keine Karriere, er hat keine großen Erfolge vorzuweisen, er verliert die Menschen, die ihm am meisten bedeutet haben. Aber am Ende des Buchs, als er alt und fast blind ist, heißt es dann doch: »Die Geheimnisse des Herrn! Wie unvollkommen verstand er sie! Eins von ihnen aber glaubte er nun allmählich zu verstehen, nämlich dieses, warum alle Arbeiter im Weinberg, ob sie die Hitze und Last des Tages erduldet hatten oder nicht, einen Groschen ausgezahlt bekamen. Warum? Weil so vieles an der Arbeit, meinte er, seinen Lohn und so vieles in der Welt seine Strafe in sich selbst trug. Und da überfiel ihn plötzlich die Erkenntnis, dass er als Priester sehr glücklich gewesen war.«
Das ist keine exegetische oder theologische Antwort auf die Frage, die dieses Gleichnis an uns stellt, aber es ist eine existenzielle Antwort. Abbé Gaston erkennt am Ende seines Lebens, dass er dankbar sein kann für den Dienst in Gottes Weinberg (und das muss nicht der Dienst als Priester sein), dass er nicht neidisch sein muss auf die, die anderes und mehr erhalten haben, weil dieser Dienst und die Gemeinschaft mit Gott ihn schon auf Erden glücklich machen konnten. Dankbarkeit für das, was Gott uns jetzt schon schenkt, Dankbarkeit für die Gemeinschaft mit ihm ist die Haltung, die verhindert, zu schauen, ob andere reicher beschenkt werden, und für sich mehr zu verlangen.


Credo



Fürbitten


Wir rufen zu Gott, der alles geschaffen hat und alles zur Vollendung bei sich führen will:
V: Gott, unser Vater, A: wir bitten dich, erhöre uns.
– Um den Segen Gottes für alle, die sich auf einen kirchlichen Dienst vorbereiten.
– Um wirksame Hilfe für die Länder, in denen Dürre und Hunger herrschen.
– Um eine gute Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Gewerkschaften.
– Um Kraft und Trost für alle, die unheilbar erkrankt sind, und für ihre Angehörigen.
– Um das ewige Leben für unsere Verstorbenen.
Gott, du bist der Herr deiner Kirche. Sieh auf unsere Mühen und vollende, was wir versucht und begonnen haben, durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, nimm die Gaben deines Volkes an und gib, dass wir im Geheimnis der heiligen Eucharistie empfangen, was wir im Glauben bekennen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage V
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben. Denn du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen. Den Menschen aber hast du auf dein Bild hin geschaffen und ihm das Werk deiner Allmacht übergeben. Du hast ihn bestimmt, über die Erde zu herrschen, dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen und das Lob deiner großen Taten zu verkünden durch unseren Herrn Jesus Christus. Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


In der Taufe hat uns Gott zu seinen Kindern gemacht und so auch zu Erben seines Reichs, denen er alles schenken will. In diesem Vertrauen beten wir: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


In Jesus Christus ist Gott mit uns, in ihm erfahren wir Gottes Erbarmen und erlangen Verzeihung. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Joh 10,14
So spricht der Herr: Ich bin der Gute Hirt, ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.
Oder: Ps 119,4–5
Herr, du hast deine Befehle gegeben, damit man sie genau beachtet. Wären doch meine Schritte fest darauf gerichtet, deinen Gesetzen zu folgen.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, du erneuerst uns durch deine Sakramente. Gewähre uns deine Hilfe und mache das Werk der Erlösung, das wir gefeiert haben, auch in unserem Leben wirksam. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis I
Der Herr segne euch und behüte euch; der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig; er wende euch sein Antlitz zu und schenke euch seinen Frieden.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Oder: Wettersegen
Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.
Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.