Laacher Messbuch

4. Fastensonntag

26. März 2017

Freue dich, Stadt Jerusalem!
Seid fröhlich zusammen mit ihr,
alle, die ihr traurig wart.
Freut euch und trinkt euch satt
an der Quelle göttlicher Tröstung.
Vgl. Jes 66,10–11

Mitten in der Fastenzeit fordert uns der lateinische Eröffnungsgesang auf: Laetare! – Freue dich! Der Text ist dem Buch Jesaja entnommen. Er mündet in die Einladung: Trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.
Geben wir, Eucharistie feiernd, von Tod und Auferstehung unseres Herrn Zeugnis.
Vertiefen wir so die Gemeinschaft mit ihm und untereinander.
Lassen wir uns an seinem Tisch stärken für unseren Weg Ostern entgegen.


Kyrie-Rufe

GL 513 • KG 71
Zum Herrn, der uns immer neu den Tisch bereitet, rufen wir: Herr, erbarme dich.
Zu ihm, der uns in seine Freude einlädt, rufen wir: Christus, erbarme dich.
Zu ihm, der uns mit seinem Trost für den Weg stärkt, rufen wir: Herr, erbarme dich.

Tagesgebet


Herr, unser Gott, du hast in deinem Sohn die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt. Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben, damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Erste Lesung

1 Sam 16,1b.6–7.10–13b
Lesung aus dem ersten Buch Samuel.
In jenen Tagen sprach der Herr zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen.
Als Samuel den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.
So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt. Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es.
Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an. |F

¬ Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. Martin Buber übersetzt so: »Der Mensch sieht in die Augen, ER aber sieht in das Herz.«
Weil Gott in das Herz sieht, wählt er, anders als Samuel vermutet, den jüngsten Sohn, David. Zum Zeichen seiner Wahl lässt er ihn salben. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an, endet unsere Lesung.
Auch wir sind von Gott, dem »Herzenskenner«, erwählt, gesalbt, mit seinem Geist beschenkt.
Wann? In der Taufe. Seither steht über unserem Leben Gottes Zusage: »Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter.« Ganz bewusst wird im Taufritus die Chrisamsalbung gespendet, um diese gemeinsame Linie zwischen David, Christus und dem Täufling, der Anteil an der Königswürde Christi erhält, aufzuzeigen.


Antwortpsalm

Ps 23 (|R: 1)
|R: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. /
Er lässt mich lagern auf grünen Auen *
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen; *
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. – |R
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, *
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir, *
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. – |R
Du deckst mir den Tisch *
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl, *
du füllst mir reichlich den Becher. – |R
Lauter Güte und Huld *
werden mir folgen mein Leben lang
und im Haus des Herrn *
darf ich wohnen für lange Zeit. – |R

Zweite Lesung

Eph 5,8–14
Lesung aus dem Epheserbrief.
Schwestern und Brüder! Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.
Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man muss sich schämen, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden.
Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein. |F

¬ In frühchristlicher Zeit wurde die Taufe als »Erleuchtung« bezeichnet. Tatsächlich geht in der Taufe ein Licht über uns auf: das Licht des Auferstandenen, das Christus-Licht.
Wo Getaufte dieses Licht widerspiegeln, können andere Menschen, die Christus noch nicht kennen, zu ihm gezogen werden und – wenn es ihnen geschenkt wird – den Weg zu ihm finden. Möge die Gnade unserer Taufe dazu helfen.


Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Joh 8,12
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
So spricht der Herr: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, hat das Licht des Lebens.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!

Evangelium

Joh 9,1–41 (Kf: 9,1.6–9.13–17.34–38)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. < Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, [> Jesus] spuckte [er] auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. < Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.
> Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. <
Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?
Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.
Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.
Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.
Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?
Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?
Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
> Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. <
Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde. |F

¬ Wer hat gesündigt, er selbst oder seine Eltern?, fragen die Jünger. Jesu Antwort deutet in andere Richtung.
Als der Blindgeborene geheilt vom Schiloach-Teich zurückkommt, stößt er auf Empörung und Misstrauen. Immer wieder fragt man ihn, was geschehen ist. Immer wieder erzählt er, was Jesus getan hat und wie er sehend geworden ist. Je öfter er über das ihm Widerfahrene spricht, desto klarer wird, was ihm geschenkt wurde, wer ihn geheilt hat. Je heftiger die Pharisäer, denen Jesus als Gesetzesbrecher gilt, ihn beschimpfen und schließlich sogar hinauswerfen, desto mehr festigt sich in ihm die Überzeugung, dass dieser Jesus wirklich der Sohn Gottes ist. Der Geheilte wird mehr und mehr ein Glaubender.
Wo sich Glaube auch im Widerspruch und gegen Widerstände bewährt, wird er tiefer und lebendiger, führt schließlich – wie im heutigen Evangelium – zur vollen Begegnung mit Jesus Christus.
Wir brauchen die Auseinandersetzung über unseren Glauben nicht zu scheuen.


Credo



Fürbitten


Herr, Jesus Christus, du hast gesagt: Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. Wir bitten dich:
V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
– Erhelle uns Augen und Herz, dass wir erkennen und verstehen, welche Wege du uns führen willst.
– Stärke das Herz eines jeden, der in Not ist, und schenke ihm neuen Lebensmut.
– Hilf, dass wir uns nicht verschließen, wo wir gebraucht werden.
– Schenke uns ein offenes Ohr und einen wohlwollenden Blick füreinander.
– Nimm die Verstorbenen dieser Woche in dein Licht auf.
Du, Herr, hast dein Leben hingegeben, damit wir zum Leben finden. Wir danken dir und preisen dich heute und alle Tage.

Gabengebet


Herr, unser Gott, in der Freude auf das Osterfest bringen wir unsere Gaben dar. Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern, das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn durch seine Menschwerdung hat er das Menschengeschlecht aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt. Wir sind als Knechte der Sünde geboren, er aber macht uns zu deinen Kindern durch die neue Geburt aus dem Wasser der Taufe. Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


In der Taufe zu Kindern Gottes geworden, dürfen wir zu Gott beten: Vater unser um Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Wir erbitten, was wir selbst nicht zustande bringen und doch dringend brauchen: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Vgl. Joh 9,11.38a
Der Herr salbte meine Augen; ich ging hin, wusch mich und wurde sehend und glaube an Gott.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, dein ewiges Wort ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Heile die Blindheit unseres Herzens, damit wir erkennen, was vor dir recht ist, und dich aufrichtig lieben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Vom Leiden des Herrn
Der barmherzige Gott, der seinen Sohn für uns dahingegeben und uns in ihm ein Beispiel der Liebe geschenkt hat, segne euch und mache euch bereit, Gott und den Menschen zu dienen.
Und Christus, der Herr, der uns durch sein Sterben dem ewigen Tode entrissen hat, stärke euren Glauben und führe euch zur unvergänglichen Herrlichkeit.
Und allen, die ihm folgen auf dem Weg der Entäußerung, gebe er Anteil an seiner Auferstehung und an seiner Herrlichkeit.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.