Laacher Messbuch

3. Sonntag im Jahreskreis

22. Januar 2017

Singet dem Herrn ein neues Lied,
singt dem Herrn, alle Lande!
Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht,
Macht und Glanz in seinem Heiligtum!
Ps 96,1.6

Was erwarten wir eigentlich von uns, von unseren Mitmenschen, vom Leben? Und von Gott? Vielleicht haben wir gar keine innigen Erwartungen mehr, weil schon zu viele im Schutt der Enttäuschung begraben liegen. Oder wir fürchten, den Erwartungen der anderen nicht genügen zu können, von unseren eigenen gar nicht zu sprechen.
Die Bibel bekräftigt immer wieder, dass Gott der Ursprung allen Lebens und dem Menschen ganz nahe ist, zugleich aber auch absolut unverfügbar. Wir wissen, wie gefährlich und verachtend es sein kann, wenn der Mensch sich selber als letzte Referenz ansieht, sich an Gottes statt erhebt und seinem Handeln keine Schranken mehr setzt, wenn alles, was machbar ist, auch tatsächlich getan wird. Die verlockenden Früchte haben viele Namen: Geld-, Macht- und Profitgier, Herrsch- und Eigensucht in Religion, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Medizin und Forschung, um nur einige zu nennen. Auf der Strecke bleiben immer die Würde des Einzelnen oder ganzer Gemein schaften, genauso wie der Schutz von Natur und Umwelt. Die biblischen Lesungen des heutigen Sonntags zeigen uns eine andere Sichtweise auf, eine, die lebensfreundlich und -bejahend, aber gleichzeitig anspruchsvoll ist.


Kyrie-Rufe

GL 104 • KG 160
Herr Jesus Christus, du hast dir Freunde in deine Nachfolge erwählt. Herr, erbarme dich.
Du rufst auch uns heute zur Umkehr. Christus, erbarme dich.
Du bleibst bei uns alle Tage bis ans Ende der Zeit. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen und gib, dass wir im Namen deines geliebten Sohnes reich werden an guten Werken. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 8,23b – 9,3
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Einst hat der Herr das Land Sebulon und das Land Naftali verachtet, aber später bringt er die Straße am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. |F

¬ Der Prophet Jesaja wirkte im 8. Jh. v. Chr. Seine Zeit ist geprägt von dem spannungsreichen Verhältnis zwischen dem lange Zeit florierenden, starken Nordreich Israel und dem unbedeutenden, unterlegenen Südreich Juda. Die politischen Auswirkungen des Herrschaftsanspruchs Assyriens lassen das Nordreich untergehen. Jesaja sieht die tiefe Ursache aller bedrückenden politischen und gesellschaftlichen Umstände wesentlich in der Untreue des Volkes gegenüber seinem Gott begründet – wir würden gesellschaftliche Unordnung und Dekadenz heute ursächlich mit Sicherheit anders bewerten. Aber, und das ist ganz wesentlich: Der Prophet gibt trotzdem die Hoffnung auf eine Besserung nicht auf und hält an seiner Vision einer dauerhaften Friedensherrschaft, in der Recht und Gerechtigkeit Platz haben, fest! Er glaubt an ein Reich, in dem das Gesetz von Fressen und Gefressenwerden außer Kraft gesetzt ist, ein Reich, das kräftemäßig allen einstigen und gegenwärtigen fremden Unterdrückern wirksam die Stirn bieten kann! Der Prophet hat mit Sicherheit in erster Linie an einen Sohn von König Ahas gedacht, einen königlichen Stammhalter, der als Herrscher endlich die Zügel kraftvoll in die Hand nimmt und das Volk auf den rechten Weg zu Gott bringt. Seine Vision wird 700 Jahre später von den jungen Christengemeinden als die Ankündigung der Geburt Jesu, des Messias, interpretiert werden.

Antwortpsalm

Ps 27,1.4.13–14 (|R: 1a)
|R: Der Herr ist mein Licht und mein Heil.
Der Herr ist mein Licht und mein Heil: *
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist die Kraft meines Lebens: *
Vor wem sollte mir bangen? – |R
Nur eines erbitte ich vom Herrn, danach verlangt mich: *
Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens,
die Freundlichkeit des Herrn zu schauen *
und nachzusinnen in seinem Tempel. – |R
Ich bin gewiss, zu schauen *
die Güte des Herrn im Land der Lebenden.
Hoffe auf den Herrn und sei stark! *
Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn! – |R

Zweite Lesung

1 Kor 1,10–13.17
Lesung aus dem ersten Korintherbrief.
Ich ermahne euch, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung.
Es wurde mir nämlich, meine Brüder, von den Leuten der Chloë berichtet, dass es Zank und Streit unter euch gibt. Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt: Ich halte zu Paulus – ich zu Apollos – ich zu Kephas – ich zu Christus.
Ist denn Christus zerteilt? Wurde etwa Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?
Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird. |F

¬ Die Aktualität 2000 Jahre alter Bibeltexte überrascht uns immer wieder; die Worte des Apostels an die Gemeinde in Korinth könnten auch uns Christen von heute nicht deutlicher treffen! Zwischen den einzelnen Gemeinschaften und auch innerhalb der jeweiligen Kirchen knirscht es zuweilen mächtig im Gebälk. Aber vielleicht ist das an sich gar nicht einmal das Schlimmste, denn eine fair geführte und sachbezogene Auseinandersetzung hat durchaus reinigenden und befreienden Charakter. Das wirklich Schlimme ist die Verabsolutierung der postulierten eigenen Wahrheiten und die undifferenzierte Abkanzelung jeder dem nicht entsprechenden Meinung. Eines Sinnes und einer Meinung sein, bezieht schon der Apostel Paulus auf die Botschaft des Herrn Jesus und keinesfalls auf die Befindlichkeiten der einzelnen Gläubigen, seien sie auch noch so einflussreich!

Ruf vor dem Evangelium

Mt 4,23b
Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.

Evangelium

Mt 4,12–23 (Kf: 4,12–17)
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. <
Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.
Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. |F

¬ Jesus hat Johannes nahegestanden und sich von ihm taufen lassen. Es verwundert also nicht, dass er sich nach Galiläa zurückzieht, als der Täufer wegen seines freimütigen Auftretens gegenüber dem Tetrachen Herodes ins Gefängnis geworfen wird. Die Person des Täufers ist außerbiblisch durch den jüdischen Historiker Josephus bestens belegt. Dieser spricht in seinen Jüdischen Altertümern von ihm als Mann, der seine tiefste Überzeugung kundtut, der die Menschen ermahnt, sich in Tugend zu üben, Gerechtigkeit und Frömmigkeit zu üben und zur Taufe zu kommen. Den Mächtigen auf die Füße treten, und sei es auch mit Recht, war nicht nur damals sprichwörtlich lebensgefährlich. Aber auch diese Gefahr hält Jesus nicht davon ab, die Botschaft des Täufers: »Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe« (Mt 3,2), die ihn zutiefst berührt hat, zu seiner eigenen zu machen. Dieses immanente Reich Gottes hat er den Menschen durch sein verzeihendes Wort und sein heilendes Handeln nahegebracht. Ob jemand glaubt oder nicht, ist seine ganz private, persönliche Entscheidung; aber wenn jemand aus Überzeugung sagt: er glaube, darf und muss diese Haltung im öffentlichen Raum ihren Platz haben.

Credo



Fürbitten


Allmächtiger Gott, so wie die Propheten glauben auch wir, dass der Tag der endgültigen Gerechtigkeit und des ewigen Heils kommen wird. Mit unserem Herrn Jesus möchten wir uns auf den Weg der Umkehr machen und uns dir anvertrauen.
A: Erhöre unsere Bitten.
– Für alle, die eine schwere Entscheidung zu treffen haben, dass sie Menschen begegnen, die ihnen Stütze sind.
– Für die geplagten Menschen in Kriegsgebieten, dass sie nicht vergebens auf Besserung und auf Solidarität der internationalen Gemeinschaft hoffen.
– Für die Herrschenden, die ihre Völker unterdrücken und deren Freiheit mit Füßen treten, dass sie zur Einsicht gelangen.
– Für die hier Versammelten, dass wir mit wachem Herzen den Bedürftigen in unserer Mitte auf Augenhöhe begegnen.
Guter Gott, stärke uns mit deinem Heiligen Geist, damit wir immer fähiger werden, zu unterscheiden zwischen dem, was Menschenwort und zweitrangig ist, und dem, was deinem göttlichen und barmherzigen Willen entspricht. Amen.

Gabengebet


Herr, nimm unsere Gaben an und heilige sie, damit sie zum Sakrament der Erlösung werden, das uns Heil und Segen bringt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage III
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem, was du an uns getan hast: Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit zu Hilfe gekommen und hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn Rettung und Heil gebracht aus unserer menschlichen Sterblichkeit. So kam uns aus unserer Vergänglichkeit das unvergängliche Leben durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Guter Gott, Jesus hat fest daran geglaubt und seinen Mitmenschen versichert, dass dein Reich schon mitten unter ihnen angefangen hat. Auch wir möchten es in unserem Leben von Herzen suchen. In dieser Erwartung beten wir zu dir: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Jesus verkündete die Frohe Botschaft und schenkte den Menschen Heil an Körper und Seele. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Joh 8,12
Ich bin das Licht der Welt – so spricht der Herr.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen.
Er wird das Licht des Lebens haben.
Oder: Ps 34,6
Blickt auf zum Herrn, so wird euer Gesicht leuchten und ihr braucht nicht zu erröten.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, in deinem Mahl schenkst du uns göttliches Leben. Gib, daß wir dieses Sakrament immer neu als dein großes Geschenk empfangen und aus seiner Kraft leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis III
Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare euch die Wege seiner Weisheit.
Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein Wille geschehe.
Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.
Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Die Schwierige Lage Gottes

»Und verschone uns mit Feuer,
Missernten und Heuschreckenschwärmen«,
beteten die Farmer am Sonntagmorgen.
Zu gleicher Zeit hielten die Heuschrecken
einen Bittgottesdienst ab, in welchem es hieß:
»Und schlage den Feind mit Blindheit,
auf dass wir in Ruhe seine Felder abnagen können.«


Wolfdietrich Schnurre