Laacher Messbuch

5. Sonntag der Osterzeit

14. Mai 2017

Singt dem Herrn ein neues Lied,
denn er hat wunderbare Taten vollbracht
und sein gerechtes Wirken enthüllt
vor den Augen der Völker. Halleluja.
Ps 98,1–2

An Ostern sehen wir in den Evangelien zunächst vor allem verängstigte Jünger, die nur langsam zum Glauben kommen. Was Jesus ihnen in den Abschiedsreden so eindringlich mitteilen wollte, scheint vergessen zu sein. Ihr Lernprozess – der auch der unsrige ist – braucht die Wiederholung. So ist es gute Pädagogik, wenn zwischen Ostern und Pfingsten das Testament Jesu, die Kapitel 14 bis 17 bei Johannes, verkündet und uns noch einmal Punkt für Punkt nahegebracht wird.
An diesem 5. Sonntag der Osterzeit heißt das wichtigste »Lernziel« für alle Jüngerinnen und Jünger, endlich zu verstehen: Wer Jesus gesehen hat, hat den Vater gesehen. – Bisher hieß es von Gott, sein Angesicht ist unsichtbar (vgl. Exodus 33,20) und keiner kann ihn sehen und am Leben bleiben. Seit der Vater mit Jesus seinen Sohn in die Welt gesandt hat, ist das anders. »Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung« (Kol 1,15). Als Menschen, die sich vor allem über die Sinne ein Bild machen, brauchen wir das Ab-Bild Gottes in unserer Welt, den Menschensohn Jesus, den Menschen geschaut, gehört, berührt haben. Unser Glaube braucht ihre Erfahrungen.


Kyrie-Rufe

Oder: GL 215 • KG 435
Herr Jesus Christus, du unser Weg in ein erfülltes Leben. Herr, erbarme dich.
Du unsere Wahrheit für ein glaubwürdiges Leben. Christus, erbarme dich.
Du unser Leben in der Zeit und Ewigkeit. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, unser Vater, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Apg 6,1–7
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten:
Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an. |F

¬ Österlich leben – wie geht das? Eine erste Auskunft geben die Berichte der Apostelgeschichte. Aus ihr ist in der Osterzeit jeweils die erste Lesung genommen. »Praxeis apostoloon« hat Lukas seine Schrift genannt. Sie berichtet von der Praxis christlichen Lebens, davon, wie die ersten Gemeinden ihr Leben im Glauben an Jesus Christus, den auferstandenen Herrn, eingerichtet haben. Dabei geht es oft um sehr alltägliche Dinge des Zusammenlebens, für die eine praktikable Lösung gefunden werden muss.
Der heutige Abschnitt setzt bei einem Streit ein. Murren und Meckern, weil etwas nicht gut läuft, das ist nur allzu menschlich und mit Appellen an den guten Willen nicht zu beruhigen. Das Problem braucht eine strukturelle Lösung – das wissen auch »die Zwölf«.
Wir erfahren von zwei Gruppierungen in der Gemeinde, den Hebräern und den Hellenisten. Erstere sind die Juden in Palästina, sie sprachen Aramäisch und lasen die Schrift in der Synagoge auf Hebräisch, im Zentrum ihres religiösen Lebens standen der Tempel und sein Opferkult. Die Hellenisten kamen aus der Diaspora, sprachen griechisch und lasen die Schrift nach der Übersetzung der Septuaginta; manche Vorschriften des Gesetzes befolgten sie nicht. So war das Verhältnis beider Gruppen gespannt. Aus beiden Gruppierungen kamen Menschen zum Glauben an Jesus in der Urgemeinde zusammen. Sie brachten ihre Spannungen mit, die bei der Almosenverteilung dann aufbrachen.
Die Apostel nehmen das zum Anlass, Predigt und tätige Nächstenliebe als unterschiedliche Bereiche in der Gemeinde zu ordnen. Die Beauftragung unter Gebet und Auflegen der Hände gibt dem Dienst der Diakonie und Caritas eine priesterliche Qualität. Das geschieht unter dem »Beifall der Gemeinde«.


Antwortpsalm

Ps 33,1–2.4–5.18–19 (|R: 22)
|R: Halleluja – oder: Lass deine Güte über uns walten, o Herr, denn wir schauen aus nach dir.
Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn; *
für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.
Preist den Herrn mit der Zither, *
spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe! – |R
Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig, *
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht, *
die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn. – |R
Das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und
ehren, *
die nach seiner Güte ausschaun;
denn er will sie dem Tod entreißen *
und in der Hungersnot ihr Leben erhalten. – |R

Zweite Lesung

1 Petr 2,4–9
Lesung aus dem ersten Petrusbrief.
Schwestern und Brüder! Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist.
Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. |F

¬ Auch die Lesung aus dem ersten Petrusbrief spricht von der priesterlichen Berufung der Gläubigen. Sie ist allen eigen, die Gottes Ruf gefolgt sind, aus der Finsternis in sein wunderbares Licht zu kommen.
Der Verfasser des Briefs stellt sich unter die Autorität des Petrus und argumentiert aus der Vertrautheit mit der biblischen Tradition. Für die ersten Christen war das Jesus-Ereignis selbstverständlich mit Gottes Heilshandeln an den Vätern verbunden. Das zeigt sich hier deutlich, wenn ihnen Exodus 19,6 zugesprochen wird: »Ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als heiliges Volk gehören!« Das Neue hat seine Wurzeln im Alten.
Es wird angenommen, dass ein Teil des ersten Petrusbriefs als Homilie für die Feier der Osternacht geschrieben wurde. Der Grundgedanke steht in Vers 9: Die Christen sind durch den Eckstein Christus ein neues Bundesvolk geworden. Der Verfasser zitiert Jesaja 28,16: »Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.« Bei Jesaja wird das feste Vertrauen auf Gott mit einem »Bau Gottes« verglichen. Dieser Bau aus lebendigen Steinen ist die Kirche, insofern sie ihren Halt in Christus Jesu, dem Eckstein, hat.
Der erste Petrusbrief will den Christen in den zerstreuten Gemeinden in der Zeit beginnender Verfolgung Mut machen, ihr Leben ganz und einzig auf Christus zu bauen.


Ruf vor dem Evangelium

Joh 14,6
Halleluja. Halleluja.
So spricht der Herr: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.
Halleluja.

Evangelium

Joh 14,1–12
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.
Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?
Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. |F

¬ Im 13. Kapitel bei Johannes ist noch alles auf den unmittelbaren Anlass bezogen – Paschamahl, Fußwaschung, Weggang des Judas. Das letzte Wort kündigt den Verrat des Petrus an. Aber Jesus will keine Traurigkeit aufkommen lassen. Mit dem 14. Kapitel beginnt die große Abschiedsrede, die eigentlich eine Wiedersehensrede ist. Es geht Jesus um Trost und Stärkung für die Seinen. Und die beginnen im Herzen – dort, wo auch die Verwirrung beginnen könnte. Gleich mit dem ersten Bild von den Wohnungen im Haus des Vaters signalisiert Jesus: Wir haben einen gemeinsamen Platz, Trennung ist kein dauerhafter Zustand. Und wieder ist es Thomas, der zum Sprecher unserer Fragen wird (vgl. Joh 11,16; 20,25). Den Weg zu kennen, ist entscheidend, denn er führt zum Erkennen. Nur über Jesus, den Weg, die Wahrheit, das Leben, offenbart sich uns der Vater. Das Nachfragen des Philippus provoziert Jesus zu dem profunden Bekenntnis, das unserem Glauben an Gott den so wichtigen menschlichen Verstehenshorizont eröffnet. »Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.« Gott bleibt nicht abstrakt, nicht unvorstellbar im unzugänglichen Licht. Wenn wir auf Jesus schauen, können wir etwas von ihm verstehen und erkennen.
Das Gütesiegel auf den Worten Jesu sind seine Einheit mit dem Vater und die Werke. Es sind die Werke, die Jesus getan hat, und es sind die Werke, die der Vater künftig tun wird in den Glaubenden und durch sie. – Der Abschied Jesu steht unter der Ansage einer großen Hoffnung: Wir kennen den Weg zum Leben. Wir haben einen Platz im Haus des Vaters.


Credo



Fürbitten


Gott hat uns in sein wunderbares Licht gerufen, damit wir in dieser Welt seine Zeugen sind. Ihn bitten wir:
– Stärke in allen Christen den Wunsch, auf dem Weg Christi voranzuschreiten.
V: Herr, unser Gott. A: Erhöre uns.
– Gib Papst Franziskus und allen, denen der Auftrag der Verkündigung anvertraut ist, Worte, die heilen und ermutigen.
– Hole Zweifler und Enttäuschte immer wieder aus der Distanz in deine Nähe.
– Hilf den internationalen Diplomaten, Lösungen für die Beilegung der Konflikte im Nahen Osten zu finden.
– Stärke Frauen und Männer, die im Entwicklungsdienst gegen Krankheit, Unterernährung und soziale Ungerechtigkeit kämpfen.
– Sende allen Opfern von Gewalt und Terror den Geist des Trostes und der Hoffnung.
Gott, du rufst uns immer neu aus Dunkel und Verwirrung auf den Weg des Lichts, den Christus uns gezeigt hat. Wir preisen dich heute und alle Tage. Amen.

Gabengebet


Erhabener Gott, durch die Feier des heiligen Opfers gewährst du uns Anteil an deiner göttlichen Natur. Gib, daß wir dich nicht nur als den einen wahren Gott erkennen, sondern unser ganzes Leben nach dir ausrichten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Osterzeit V
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, in diesen Tagen freudig zu danken, da unser Opferlamm geopfert ist, Jesus Christus. Als er seinen Leib am Kreuz dahingab, hat er die Opfer der Vorzeit vollendet. Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Jesus Christus ist unser wahrhaftiger Weg zum Vater. Mit seinen Worten beten wir: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Frieden zwischen Menschen gibt es nur dort, wo zwischen ihnen auch Wahrheit ist. Deshalb bitten wir den Herrn, der die Wahrheit selber ist: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Vgl. Joh 15,1.5
So spricht der Herr: Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Rebzweige. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Halleluja.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, höre unser Gebet. Du hast uns im Sakrament das Brot des Himmels gegeben, damit wir an Leib und Seele gesunden. Gib, dass wir die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen und als neue Menschen leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

In der Osterzeit
Der allmächtige Gott hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes aus Sünde und Tod befreit; er segne euch und schenke euch seine Freude.
Und Christus, mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben, bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade; er schenke euch das verheißene Erbe.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Wege neuen Lebens –
Wo führen sie hin?
Keiner kann es sagen.
Geh! und finde Sinn.

Wege neuen Lebens –
gehst auch du sie mit?
Komm, wir geh’n zusammen,
tun den ersten Schritt.

Wege neuen Lebens –
geh’n wir nicht allein.
Der sein Volk geleitet,
stellt auch heut sich ein.

Wege neuen Lebens –
in die Hände leg,
dem, der für uns Wahrheit,
Leben ist und Weg.


Charis Doepgen OSB