Laacher Messbuch

8. Sonntag im Jahreskreis

26. Februar 2017

Der Herr wurde mein Halt.
Er führte mich hinaus ins Weite,
er befreite mich, denn er hat an mir Gefallen.
Ps 18,19–20

Zu allen Zeiten suchen Menschen nach Land, um zu leben. Menschen fliehen wegen Gewalt oder Hunger, um neue Lebensmöglichkeiten zu finden. Auch die Bibel weiß um diese Not und um die Notwendigkeit des geschützten Lebens. Die Glaubenszeugnisse Israels beginnen mit Aufbrüchen in das verheißene Land. Abraham bricht auf und er sucht das Land, das ihm Gott verheißen hat. Israel bricht auf aus dem Sklavenhaus in Ägypten, aus einem Leben in der Entfremdung, um ein Land, in dem Milch und Honig fließen, zu finden, ein Land, in dem es Israel gut geht.
Der heutige Eröffnungsvers greift diese Bilder auf. Sie werden übertragen auf einen König in Israel. In Bedrängnis und Anfechtung bekennt er, dass Gott ihm Halt ist, dass er ihn hinausführt aus der Enge in die Weite. Es ist der Weg der Befreiung – nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade, weil er Gefallen gefunden hat bei Gott.
Gottesdienst zu feiern, meint auch, einander Befreiungsgeschichten zu erzählen. Biografien von uns Christen sollten zu Lebensgeschichten werden, in denen auf ganz individuelle und konkrete Weise etwas spürbar wird von Gottes befreiendem Wort.


Kyrie-Rufe

Oder: GL 142 • KG 46
Herr Jesus Christus, du zeigst uns dein Vertrauen in die Güte unseres himmlischen Vaters. Herr, erbarme dich.
Du rufst uns auf, in den Sorgen des Lebens auf die Güte Gottes zu schauen. Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns in aller Angst die Freude am Geschenk unseres Lebens. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger Gott, deine Vorsehung bestimmt den Lauf der Dinge und das Schicksal der Menschen. Lenke die Welt in den Bahnen deiner Ordnung, damit die Kirche in Frieden deinen Auftrag erfüllen kann. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Erste Lesung

Jes 49,14–15
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen.
Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht – Spruch des Herrn. |F

¬ Die heutige Lesung dürfte die wohl kürzeste Lesung in den Gottesdiensten sein. Aber sie gehört dabei zu den gehaltvollsten. In ihnen wird ein Gottesbild überliefert, das in der Vergangenheit leider viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist.
Die Verse stammen aus dem zweiten Teil des Jesajabuchs. Sie entstehen in einer Zeit der Krise und der Erschütterung. Jerusalem ist erobert worden. Der Tempel wurde zerstört und der König abgesetzt. Weite Teile der Bevölkerung wurden nach Babylon verschleppt. Die Zivilbevölkerung trug die Folgen der Kriege. So ist es bis heute geblieben. Aber dabei gab es für das Volk eine neue Erfahrung. Die Zeit der Vertreibung wurde zu einer Stunde der Mütter Israels. Sie zeigten Mut und Tapferkeit. Sie hatten nichts im politischen Leben zu entscheiden. Aber sie sorgten sich unerschrocken und mit dem Einsatz ihres Lebens für ihre Kinder. Sie ließen sich nicht verängstigen oder von den Mächtigen davon abbringen.
Diese Erfahrung beeindruckte. Es ist wie so oft – die Stunde des Kriegs und der Vernichtung war die Stunde der Männer. Der Einsatz für das Leben sowie die Aufhebung der Kriegsfolgen war die Stunde der Frauen und Mütter. Wenn aber die Mütter in Israel sich so um das Leben und um die Kinder sorgen – ist dann nicht auch Gott wie eine Mutter? Diese Frage beschäftigt den heutigen Text. Es gilt als unvorstellbar, dass eine Mutter ihr eigenes Kind verstößt. Die unerschütterliche mütterliche Liebe gehört zu den bleibenden Erfahrungen des Lebens. Und so wird Gott auch als Mutter gedacht. Fiktiv wird gefragt, ob eine Mutter ihr Kind vergessen kann. Eigentlich nicht. Undenkbar. Falls das aber einmal vorkommen würde – Gott vergisst seinen Sohn, Israel, niemals. Hier ist Gott eine Mutter. Hier wird von Gott in einem mütterlichen Bild gesprochen. Das ist eine der ganz wenigen Stellen, die in die Sammlung der biblischen Texte aufgenommen wurden. Aber die Häufigkeit der Bilder entscheidet nicht über die Bedeutung und den inhaltlichen Gehalt. Es gehört zu den alten Bildern Gottes in der Bibel, dass Gott nicht nur im Bild des Vaters, sondern auch im Bild der Mutter gesehen wird.


Antwortpsalm

Ps 62,2–3.6–9 (|R: 2a)
|R: Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe.
Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, *
von ihm kommt mir Hilfe.
Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; *
darum werde ich nicht wanken. – |R
Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; *
denn von ihm kommt meine Hoffnung.
Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; *
darum werde ich nicht wanken. – |R
Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; *
Gott ist mein schützender Fels, meine Zuflucht.
Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! /
Schüttet euer Herz vor ihm aus! *
Denn Gott ist unsere Zuflucht. – |R

Zweite Lesung

1 Kor 4,1–5
Lesung aus dem ersten Korintherbrief.
Schwestern und Brüder! Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen.
Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht; ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht.
Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten. |F

¬ In der heutigen Lesung spricht der Apostel Paulus von seinem Dienst. Er sieht sich als Verwalter und als Diener Christi. Bis heute bezeichnen wir Personen, die politische Verantwortung übernommen haben, als Minister, Diener. Sie werden ernannt, um für das öffentliche Gemeinwohl zu sorgen, nicht für sich selbst. Auch die Aufgaben und Funktionen in der Kirche sind zuerst ein Dienst. Die sie innehaben, dienen nicht sich selbst. Sie sind etwas anderes. Sie weisen hin auf einen anderen. Sie verwalten etwas, was anvertraut wird. Paulus versteht sich als Verwalter Christi. Auch in der Kirche hat man bis in die Gegenwart ein Amt mit seiner Macht umschrieben. Paulus will einen anderen Blick. Wie kann ich dem Evangelium gerecht werden? Wie kann ich Vertreter des Evangeliums in der Welt werden? Bis heute erfahren wir die Anfälligkeit der Kirche, um sich selbst zu kreisen. Man schaut auf sich. Man beschäftigt sich dauernd mit dem Erscheinungsbild der Kirche. Aber für Paulus ist das entscheidende Kriterium für ein Amt in der Kirche der Aufbruch. Der Apostel soll von sich absehen. Er soll weggehen und verkünden. Er soll reden – nicht über sich selbst und seinen Dienst, – sondern über den, der ihn gesandt hat. Wenn jemand ein Verwalter der Geheimnisse Gottes ist, dann muss er die Geheimnisse bekannt machen. Es muss offenbar werden, was Gott uns zu sagen hat.
Noch einen weiteren wichtigen Gedanken bringt Paulus in der Beschreibung seines Dienstes. Wer eine Aufgabe übernimmt und wer öffentlich redet, der wird auch beurteilt. Andere sehen ihn und machen sich über ihn Gedanken. Aber die Lesung erinnert daran, dass keiner von uns sich ein letztes Urteil erlauben kann. Keiner kann alles beurteilen, was ein Mensch sagt und tut. Er kennt die Hintergründe nicht. Es wird Gott sein, der das Urteil spricht. Auch hier kommt noch einmal die Unverfügbarkeit des Menschen zum Ausdruck. Keiner ist Herr über den anderen. Das ist Gott allein. Das, was Gottes Gericht aussagt, das wird erst in der Zukunft bekannt. Wie viel Freiheit und Menschlichkeit würde es geben in der Kirche, wenn wir warten könnten, wenn wir das letzte Urteil Gott überlassen könnten.


Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Hebr 4,12
Halleluja. Halleluja.
Lebendig ist das Wort Gottes und kraftvoll. Es richtet über die Regungen und Gedanken der Herzen.
Halleluja.

Evangelium

Mt 6,24–34
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.
Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.
Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage. |F

¬ Dieses Evangelium fasziniert und irritiert. Die Worte faszinieren, weil sie von einer nicht alltäglichen Lebenseinstellung sprechen: sich nicht zu sorgen. Und es irritiert, weil wir alle wissen, wie sehr wir für das Leben verantwortlich sind und welcher Schaden ein sorgloser Lebensstil haben kann. Aber es geht hier nicht um einen Gegensatz zwischen Gott und Welt. Es geht auch nicht darum, sorglos in den Tag hineinzuleben, ohne sich weitere Gedanken zu machen und sich um Probleme zu sorgen. Die Worte fragen vielmehr, wie ein Leben aussehen sollte, wenn wir damit ernst machen, dass Gott unser Vater ist. Irgendwie muss das ablesbar sein. Jesus greift hier die Sorge auf. Zum Leben gehört die Sorge. Wir machen uns Sorgen um die Zukunft der Natur. Wir machen uns Sorge um die Alterssicherung. Wir machen uns Sorgen, wie die Kinder die nötige Ausbildung erhalten. Das streitet Jesus nicht ab. Aber es geht darum, was die Grundausrichtung ausmacht: die Sorge vor den ungewissen Ereignissen des morgigen Tages oder die Sorge um Gottes Dasein und seine Gerechtigkeit. Jesus setzt auf einen Gott, der sich um uns sorgt. Jesus verkündet einen Gott, der um unsere Ängste und Sorgen weiß, der weiß, was wir brauchen und notwendig haben zum Überleben.
Der Blick in die Natur, die Blütenpracht und das sorglose Leben der Vögel sollen uns ermutigen, etwas von dieser Freiheit und Gelöstheit in uns zu tragen. Wir können über die Welt nachdenken – können uns bewusst machen, was Gott uns bedeutet. Wir sind es, die eigentlich wissen können, dass wir nicht die Beherrscher der Natur sind, dass wir nicht das Leben bestimmen können. Der Lauf des Lebens, die Länge unseres Lebens, liegt nicht in unserer Hand. Zu unserem Dasein gehören die Begrenztheit und die Veränderlichkeit. Aber sie sollen uns nicht in die Enge führen, in eine Einstellung der Angst, sondern des Vertrauens. Die Fragen des Lebens stellen sich ganz neu, wenn ich auf sie eingehe als ein Mensch, der sich geliebt und angenommen weiß. Es sind gerade die kurzen Zeiten, die kurze Zeit, in der Lilien blühen, und die kurze Zeit, in der Vögel leben, die Jesus zum Vorbild nimmt. Im Kleinen darf etwas, soll etwas von Gottes Größe und Sorge spürbar werden.


Credo



Fürbitten


Christus verheißt uns das ewige Leben. Zu ihm beten wir voll Vertrauen:
V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
– Für alle Getauften, dass Gott sie im Bekenntnis seines Namens eine und sie Gottes Ja zum Leben bezeugen und verkünden.
– Für die Politiker in der Regierung und im Parlament, dass sie die rechten Wege zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Frieden finden.
– Für die Diplomaten bei den Vereinten Nationen, dass sie in den Krisengebieten Auswege aus Hass und Gewalt suchen.
– Für die Verzweifelten, dass sie aus dem Wort des Evangeliums neue Hoffnung schöpfen und dem Leben vertrauen können.
Gütiger Gott, du leitest uns auf dem Weg durch diese Zeit. Höre unser Gebet und schenke uns den Trost deiner Gegenwart durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Gütiger Gott, du selber hast uns die Gaben geschenkt, die wir auf den Altar legen. Nimm sie an als Zeichen unserer Hingabe und gib uns die Kraft zu einem Leben nach deinem Willen, damit wir einst den ewigen Lohn empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage VIII
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dein Erbarmen zu rühmen. Die Sünde hatte die Menschen von dir getrennt, du aber hast sie zu dir zurückgeführt durch das Blut deines Sohnes und die Kraft deines Geistes. Wie du eins bist mit dem Sohn und dem Heiligen Geist, so ist deine Kirche geeint nach dem Bild des dreieinigen Gottes. Sie ist dein heiliges Volk, der Leib Christi und der Tempel des Heiligen Geistes zum Lob deiner Weisheit und Liebe. Darum preisen wir dich in deiner Kirche und vereinen uns mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Lasset uns beten zu Gott, unserem Vater, der weiß, was wir zum Leben brauchen: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Unser Herr Jesus Christus bleibt bei uns bis zum Ende der Welt. In diesem Vertrauen bitten wir ihn: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Mt 28,20
Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt – so spricht der Herr.
Oder: Ps 13,6
Singen will ich dem Herrn, weil er mir Gutes getan hat, den Namen des Höchsten will ich preisen.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, du hast uns in diesem Mahl die Gabe des Heiles geschenkt. Dein Sakrament gebe uns Kraft in dieser Zeit und in der kommenden Welt das ewige Leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis II
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.