Liturgische Erneuerung

Die Abtei Maria Laach wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Mittelpunkt der liturgischen Erneuerung und Forschung in Deutschland.

Die Feier der Liturgie in Eucharistie und Stundengebet ist die vornehmste Aufgabe der Mönche, die nach der Regel des hl. Benedikt leben. Sie ist „der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt.“ (Liturgie-Konstitution des II. Vaticanums, 10)

Als liturgische Bewegung werden die Erneuerungsbestrebungen des 19. und 20. Jahrhunderts bezeichnet, die eine stärkere Beteiligung der Gläubigen am Gottesdienst ermöglichten. Sie nahm in mehreren Benediktinerabteien, vor allem Maria Laach und Beuron ihren Ausgang.

Die Wahl Ildefons Herwegens zum Abt von Maria Laach 1913 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der liturgischen Bewegung in Deutschland und machte die Abtei zu einem Mittelpunkt der liturgischen Erneuerung und Forschung in Deutschland. 1918 wurde in der Krypta der Abteikirche die erste Gemeinschaftsmesse gefeiert.

Im Umfeld entwickelten Romano Guardini, Odo Casel und Johannes Pinsk ihre Gedanken. Romano Guardini schuf mit seinem 1918 erschienenen Werk „Vom Geist der Liturgie“ eine programmatische Zusammenfassung der Bewegung. Sein zentrales Anliegen war die „Weltzuwendung aus der Mitte des Glaubens“, und er sah „die eigentliche Würde des Menschen im Vollzug der Liturgie“. Dabei stand nach wie vor die tätige Teilnahme an der Liturgie im Vordergrund.

Wichtiges Instrument war die Verwendung der Volkssprache für gemeindliche Elemente zusätzlich zum Latein der priesterlichen Liturgie, etwa in der Betsingmesse. Auch die Feier der Osternacht und die Verwendung des Volksaltars waren wichtigen Elemente. Laien-Messbücher, wie das „Laacher Messbuch“ des Maria Laacher Benediktiners Urbanus Bomm und der „Schott“ der Benediktinerabtei Beuron, spielten eine große Rolle.

In der Liturgie wird dem Menschen Gelegenheit geboten, dass er, von der Gnade getragen, seinen eigensten Wesenssinn verwirkliche, dass er ganz so sei, wie er seiner göttlichen Bestimmung gemäß sein sollte und möchte: ein „Kind Gottes“.
aus: Romano Guardini, Vom Geist der Liturgie

Durch die Reformen unter den Päpsten Pius X. und Pius XII. und vor allem durch das Dekret über die Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils fand diese Bewegung ihre Bestätigung: Einführung der Muttersprache (statt ausschließlich Latein), aktive Einbindung der Laien in die Gestaltung der Liturgie, Lektorendienste, Kommunionausteilung, Kelchkommunion, Vorabendmesse u. a.