Meditative Rast
Die Inhalte der „meditativen Rast“ werden mit Impulsen und Texten aus dem Laacher Messbuch gestaltet und werden wöchentlich aktualisiert.
6. Sonntag der Osterzeit
13. Mai 2012
Verkündet es jauchzend, damit man es hört!
Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde!
Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit. Halleluja.
Vgl. Jes 48,20
Alle Tagestexte erzählen vom Osterglauben. In der ersten Lesung ist der Glaube der Kern der Sache (wenn auch in der Versauswahl weggelassen). Die zweite Lesung ist in zwei Bekenntnissätze eingebettet. Im Johannesevangelium wird ab dem 13. Kapitel, beginnend mit der Fußwaschung, der Akzent vom »Glauben« mehr und mehr aufs »Lieben« verschoben. Johannes verwendet nie »Glaube« als Dingwort, das Tunwort »glauben« hingegen fast hundertmal. Glaube ist nicht Besitz einer Wahrheit, sondern ein Vorgang. Glauben bedeutet: kommen zu, dürsten, hungern, hören auf und lieben.
Die Dimension der Liebe in unserem Glauben zu entdecken, müsste uns leicht fallen, weil im deutschen Wort »glauben« die Liebe steckt. »Glauben« bedeutet von der Wortwurzel her: sich etwas lieb und vertraut machen. Die Stammverwandtschaft dem gotischen »Lubo« (= Liebe) verdeutlicht, dass Glaube Beziehung meint und viel weniger das Glauben von Satzwahrheiten. Zum Wortfeld gehören auch »erlauben«, »loben« und »geloben«. Wir denken hier an die Freiheit im Glauben, das Zurücktreten des eigenen Ichs und an die Treue. Das sind auch Themen des heutigen Muttertags, an dem wir dankbar sind für die Liebe, die wir durch unsere Mutter erfahren durften und dürfen.
Kyrie-Rufe GL 401 • KG 160
Herr Jesus Christus, du schenkst uns deine Liebe. Herr, erbarme dich.
Du weckst in uns den Glauben. Christus, erbarme dich.
Du machst uns fähig, die Liebe zu leben. Herr, erbarme dich.
Gloria
Tagesgebet
Allmächtiger Gott, laß uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen, damit das Ostergeheimnis, das wir in diesen fünfzig Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Erste Lesung Apg 10,25–26.34–35.44–48
Lesung aus der Apostelgeschichte.
Als Petrus in Cäsarea beim Hauptmann Kornelius ankam, ging ihm dieser entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm nieder. Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.
Dann begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
Petrus aber sagte: Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben. |F
In der Geschichte des Hauptmanns Kornelius wird modellartig die Bekehrung eines Nicht-Juden berichtet. Petrus erscheint als Begründer der Heidenmission. Sein Ruf »Auch ich bin nur ein Mensch« spricht unmittelbar an. Er geht auch uns über die Lippen, wenn wir von etwas überfordert sind: »Ich bin auch nur ein Mensch.« Es ist ein Bekenntnis, dass ich nicht aus eigener, sondern aus Gottes Kraft lebe. »Steh auf!« Mit dieser Aufforderung zeigt Petrus, dass Ehrfurchtsbezeugungen nur Gott gelten. Gott fürchten ist die Haltung, sich von ihm anschauen zu lassen. Und Kirche ist Gemeinschaft der Aufrechten, die sich auf Augenhöhe begegnen.
In den ausgelassenen Versen 36–43 findet sich ein Glaubensbekenntnis mit der klassischen Formulierung: »Am dritten Tag auferweckt« (V. 40). Petrus wird am Ende zum »Bleiben« eingeladen. Er teilt viel Zeit mit den Unbeschnittenen, was den »Hebräern« von Jerusalem als ungesetzlich erscheint (Apg 11,2f.). Liebe aber übersteigt das Gesetz. Augustinus sagt: »Liebe und tue, was du willst!«
Antwortpsalm Ps 98,1–4 (|R: vgl. 2)
|R: Halleluja – oder: Der Herr hat sein Heil enthüllt vor den Augen
der Völker.
VIII. Ton – GL 149,1 • KG 363
Singt dem Herrn ein neues Lied; *
denn er hat wunderbare Taten vollbracht.
Er hat mit seiner Rechten geholfen *
und mit seinem heiligen Arm. – |R
Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht *
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er dachte an seine Huld *
und an seine Treue zum Hause Israel. – |R
Alle Enden der Erde *
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, *
freut euch, jubelt und singt! – |R
Zweite Lesung 1 Joh 4,7–10
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.
Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. |F
Hauptanliegen des ersten Johannesbriefs ist es, die von Ketzern bestrittene Menschwerdung Jesu zu verteidigen: Jesus ist der Sohn Gottes. Alles dreht sich um die Liebe. Wie glauben und lieben zusammen gehören, gehören erkennen und lieben zusammen. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt. Glaube ist nicht allein Bekenntnis zum Sohn Gottes, sondern ein Christusförmig-Werden. Das Bekenntnis des Wortes drängt ins Handeln. Was vom Gläubigen zu bekennen ist, findet sich im Rahmenteil der Schriftstelle, der nicht verlesen wird: »Jeder Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen, ist aus Gott« (V. 2) und: »Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in ihm bleibt Gott, und er bleibt in ihm« (V. 15).
Liebe heißt nicht, dass wir Gott lieben, sondern dass er uns liebt. Am Menschen ist es, sich dem Freundschaftsangebot Gottes zu öffnen. Freundschaft kennt keine knechtische Furcht, sondern lebt im Respekt: lieben, achten, ehren, die Treue halten (ähnlich dem Bund der Ehe). Dies wird nach der Stelle ausdrücklich gesagt: »Die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht« (V. 18). Die Initiative von Gott her wird dann noch ausdrücklich benannt: »Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat« (V. 19).
Ruf vor dem Evangelium Vgl. Joh 14,23
Halleluja. Halleluja.
So spricht der Herr: Wer mich liebt, hält fest an meinem Wort. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden bei ihm wohnen.
Halleluja.
Evangelium Joh 15,9–17
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander! |F
Zu Beginn dominiert das Wort »bleiben«. »Bleiben« heißt zunächst sich aufhalten oder wohnen. Hiermit wird das Johannesevangelium eröffnet: »Meister, wo wohnst du? – Kommt und seht! – … und blieben jenen Tag bei ihm« (Joh 1,38f.). Das alltägliche Bleiben vertieft sich zu einer innigen Beziehung, die in dem Freundschaftsangebot Jesu gipfelt. Hier verdichtet sich, was Jesus über Jahre hin mit seinen Jüngern gelebt hat. Das waren keine schonenden Freundlichkeiten, sondern ein anstrengendes Hineinwachsen in das Lebensprogramm des Meisters. Bei diesem Reifungsprozess war Jesus den Jüngern das Vorbild schlechthin. Jesus selbst sagt: »Dies ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.« Das ist keine bloße Nachahmung. Jesus sagt, dass es zwischen Freunden eine innigere Beziehung gibt, ein Verhältnis der Freiheit. Er, der die Jünger Leben und Glauben lehrte, der sie in die Beziehung zu seinem Vater führte, betrachtet sie nicht als Schüler, sondern als echte Freunde. Von Jesus her ist Freundschaft eine Zusage (»ich habe euch erwählt«), vom Menschen her Weg und Wachstum in diese Zusage hinein (»dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt«). Zweimal ist von der Freude die Rede. So dürfen wir den Text als »österlichen Jubelruf« (Eugen Biser) bezeichnen und als Freunde Jesu die Freude über seine Auferstehung verspüren.
Credo
Fürbitten
Jesus Christus, Auferstandener, zu dir kommen wir wie zu einem Freund und bitten:
A: Erbarme dich.
– Liebe Christi, bewege das Herz des Papstes, der Bischöfe, und aller, die deine Auferstehung bezeugen.
– Atem Christi, belebe die Verantwortlichen in Gesellschaft und Gemeinwesen in ihrem Einsatz für die Schwachen.
– Freude Christi, tröste die Traurigen und Mutlosen, die Einsamen und Alleingelassenen in unserer Gemeinde.
– Hingabe Christi, begleite die Mütter und Großmütter, die sich mit Hingabe ihrer Kinder und Enkelkinder annehmen.
– Leiden Christi, stärke die Kranken in ihrer Hoffnung auf Heilung und lindere ihr Leiden.
– Leben Christi, nimm die Verstorbenen auf in die Wohnungen bei deinem Vater.
O Jesu, unser Leben bist du, heute und in Ewigkeit. Amen.
Gabengebet
Herr und Gott, laß unser Gebet zu dir aufsteigen und nimm unsere Gaben an. Reinige uns durch deine Gnade, damit wir fähig werden, das Sakrament deiner großen Liebe zu empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation Osterzeit II
Wir danken dir, Vater im Himmel, und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes zum ewigen Leben, durch ihn wird den Gläubigen das Tor des himmlischen Reiches geöffnet. Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden, in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.
Einladung zum Vaterunser
Gott hat uns zuerst geliebt und uns seinen Sohn gesandt. Mit den Worten Jesu dürfen wir zu ihm als dem liebenden Vater beten: Vater unser im Himmel …
Einladung zum Friedensgebet
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt. Immer wieder sündigen wir gegen die Liebe und stiften Unfrieden und Hass. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …
Kommunionvers Joh 14,15–16
So spricht der Herr: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, damit er immer bei euch bleibe. Halleluja.
Schlussgebet
Allmächtiger Gott, du hast uns durch die Auferstehung Christi neu geschaffen für das ewige Leben. Erfülle uns mit der Kraft dieser heilbringenden Speise, damit das österliche Geheimnis in uns reiche Frucht bringe. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Schlusssegen In der Osterzeit
Der allmächtige Gott hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes aus Sünde und Tod befreit; er segne euch und schenke euch seine Freude.
Und Christus, mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben, bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade; er schenke euch das verheißene Erbe.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn † und der Heilige Geist.
***
Ein Segen über Segen ist’s,
wenn Menschen um dich herum bereit sind,
durch ihr Dasein deine innere Unruhe zu lindern,
was du ihnen anvertraust, für sich zu behalten,
dir mit Rat und Tat weiterzuhelfen,
phantasievoll deinen Trübsinn aufzuhellen
und dich mit ihrem Anblick zu erfreuen.
Ein Segen über Segen ist’s,
in Jesus einen solchen Freund zu haben.
Ein Segen über Segen ist’s,
andern ein solcher Freund zu werden.
Wolfgang Steffel

