Aus Kloster & Konvent

Ansprache zur Goldenen Profess

14. Juli 2026 / Aus Kloster & Konvent

Foto: Michael Jordan

Ansprache zur Goldenen Profess

Pater Benedikt Müntnich OSB, Abtei Maria Laach

Mein Dank, gesprochen am Ende der Messe zu meinen 50jährigen Professjubiläum am 12.7.2026

Meine Lieben alle,
50 Jahre sind eine lange Zeit, aber sie kommen mir gar nicht so lang vor, im Gegenteil: die Zeit verging wie im Flug. Wenn ich den hl. Benedikt richtig verstehe, ist das auch in Ordnung so. Er sagt, wir sollen vorwärts eilen und nicht zurückschauen und nicht am Vergangenen kleben. Aber vorwärts eilen heißt nicht kopflos und nicht atemlos. Wir haben ein Ziel, das wir in den Blick nehmen, ein doppeltes: Hier auf Erden soll unser Herz weit werden – ein wunderschönes Bild, das schönste in der Benediktregel – weil auch Gottes Herz weit ist, unsagbar weit für uns alle – und unser Endziel: das ist Gott selbst, der auf uns wartet und der uns bei sich haben will, im Himmel. Unser Auftrag als Ordensleute ist somit sehr anspruchsvoll: Wir sollen den Himmel zeigen, oder besser etwas heruntergeschraubt: ein Stückchen Himmel, aber auch nicht weniger! Ich glaube, ich darf sagen, dass wir das hier in Maria Laach versuchen, wobei wir uns jeden Abend beim Confiteor vor der Komplet an die Brust klopfen und sagen: „Durch meine Schuld, durch meine große Schuld.“
Wenn es ansatzweise gelingt, dieses Den-Himmel-Zeigen, dann nur, weil wir Sie und Euch haben, als Helfer und Helferinnen, als Freunde und Freundinnen. Dafür möchte ich zuerst danken, aus vollem Herzen. Das ist mir in den letzten 20 Jahren vor allem aufgegangen, obwohl es ja auf der ersten Seite der Bibel zu lesen ist: „Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist.“ Echte Freundschaft ist etwas sehr Bereicherndes und Beglückendes: sie spornt an, das Leben wirklich wahrzunehmen, und sie gibt Sicherheit und hilft einem über Schweres hinweg und durch Dunkles hindurch. Dass Sie und Ihr so zahlreich hier seid, das werte ich als Bekundung und Bekräftigung dieser Freundschaft. Von dem, was solche Freundschaft zuwege bringt, materiell und gestalterisch, davon will ich jetzt gar nicht sprechen, das kann man hier ja überall sehen. Ich will aber doch die Firma Meurin und Udo erwähnen, der vor Jahren mit seiner Leidenschaft für unsere Bibliothek einen kräftigen Startschuss gab.
Die 50 Klosterjahre sind der längste Abschnitt meines Lebens, nicht nur vom Zeitmaß, sondern auch von der Bedeutung her. Da habe ich vielfältig wirken dürfen. Dankbar darf ich sagen, wieder mit dem hl. Benedikt, dass Gott mir Gaben anvertraut hat, die ich – mehr oder weniger gut – entfalten konnte. Diese Gaben gründen tief in meiner Herkunft, meiner großen Familie, der ich unendlich dankbar bin; sie gründen in meiner moselländischen Heimat, das bezeugt die Gruppe meiner Schulkameraden, die auch hier sind – wie schön! – und dafür steht auch die Burg Eltz, sozusagen als Inbegriff, die wir als Kinder und Jugendliche so oft aufsuchten, geheimnisvoll angezogen, und deren Jahrhunderte für mich ein Wahrzeichen für Festigkeit, Beständigkeit und Treue sind. Lieber Graf Karl, verehrte Gräfin Sophie, in Ihrer Burg, die wir auch als Klostergemeinschaft mehrmals besuchen durften, wobei Sie uns sehr gastlich aufnahmen und bewirteten, hängt ein Bild, das unser Bruder Lukas auf meinen Wunsch hin gemalt hat: die wunderschöne Burg Eltz. Als wir wieder einmal kommen durften, diesmal mit unser Kölner Freunden, haben wir es mitgebracht. Als Br. Lukas es vollendet hatte, rief er mich ins Atelier: „Das war eine Arbeit!“ Die vielen Türmchen und Zinnen und Ecken und Kanten, welche die Burg so reizvoll machen: das gerade war Mühe und Arbeit. Das ist aber auch das Lebens-Bild, das die Burg uns vermitteln will: Echtes Leben ohne Mühe gibt es nicht. Das Leben, gerade das Zusammenleben hat immer Ecken und Kanten, an denen man sich stößt, die gegensätzlich zu sein scheinen. Aber ohne dies fehlt die Schönheit und das Leben wird klein und kümmerlich. So viel zur Botschaft der Burg Eltz.
Und weiter: „Das Bleiben wird immer belohnt“, so las ich in den Tagebuchaufzeichnungen des Dichters Hans Carossa. Ich bin Gott und mir selbst hoffentlich im Wesentlichen treu geblieben durch diese 50 Jahre hindurch, und dabei haben Sie, habt Ihr mir geholfen (das geht ja nicht allein). Nennen möchte ich jetzt den Namen Heiner Ant, mir seit Jugendjahren in treuer Freundschaft verbunden. Er gab mir den Hinweis „Maria Laach“, als ich auf der Suche war, und führte mich dorthin, an Pfingsten war das, ich glaube 1973. Das war für mich die bedeutsame Weichenstellung. Danke Dir dafür, lieber Heiner!
Von der Gemeinschaft des Klosters spricht der hl. Benedikt anspruchsvoll und realistisch zugleich. Anspruchsvoll ist, dass wir uns „selbstlos lieben sollen“; realistisch ist, dass wir dabei „unsere Schwächen mit allergrößter Geduld aneinander ertragen müssen“. Beides habe ich hier erlebt. Als wir im Jahr 2006 unser Kirchweihjubiläum feierten, sagte ich beim Festakt: „Ich möchte keine anderen Brüder haben als die, die ich habe“, und das bekräftige ich jetzt an dieser Stelle und in dieser Situation voll und aufrichtig nach 20 auch bewegten Jahren. Meine Brüder im Kloster haben es mir ermöglicht, dass mein Herz ein klein wenig weiter werden durfte (vorsichtig ausgedrückt, das ist ja eine verborgene Sache) – etwas Zeit für diesbezüglich mehr bleibt mir ja hoffentlich noch. Für diesen Vorgang kann ich nur dankbar sein, das ist meine Erkenntnis, für die ich viel Zeit und Gottes Nachhilfe brauchte.
Gemeinschaft im Kloster ML ist aber vielfältig, das soll wenigstens anklingen: Sie besteht aus den Brüdern, den Mitarbeitenden und den hier Wohnenden, den Oblaten, den Freunden, unseren Schützen (die immer einsatzbereit sind und für jede Bitte offen), den Gästen und den vielen, die hierherkommen, und – unseren lieben Freunden aus dem Kölner Bilderstöckchen, die jetzt hier sind. Womit ich nun aber richtig bei unserem Bruder Lukas bin, dessen Fest wir heute auch begehen: seinen 98. Geburtstag, den er vom Himmel aus mit uns feiert. Wir beide waren ja überein gekommen, gemeinsam zu feiern: seinen 98. und mein Jubiläum. Aber das hat der Vater im Himmel anders gewollt. Luki, sei gegrüßt – und gib auf uns alle Acht! Du hast unser aller Leben so unsagbar bereichert und uns gezeigt, worauf es hier auf Erden vor allem ankommt, nämlich „die Menschen lieb zu haben“. Es ist uns gelungen, zeitgerecht ein Buch zu erstellen, das von Bruder Lukas erzählt, mit Bildern, wie könnte es anders sein, mit Bildern, die er gemalt hat. Gleich bei unserer Begegnung auf dem Kirchplatz wird es präsentiert werden. Eine hoffentlich bleibende Erinnerung, damit wir Lukas nicht vergessen (übrigens hat unser jüngster Bruder im Noviziat größten Anteil an der Erstellung des Buches durch seine Computerkenntnisse, die mir völlig abgehen, und seine Kreativität, die er eingebracht hat: danke dafür!).
Mein Dank am heutigen Fest gilt besonders auch unseren Oberen: Abt Mauritius und Prior Maximilian. Beide kamen als Fremde nach Laach – und wurden binnen kürzester Frist heimisch, sie wurden unser Abt und unser Prior. ML verdankt Euch beiden viel, sehr, sehr viel. Gott vergelt’s. Von den Klosteroberen, hiearchisch nicht ganz einwandfrei, komme ich zu unserem Bischof, der mit uns feiert. Lieber Bischof, lieber Stephan, das weiß ich zu schätzen, das ist gar nicht selbstverständlich. Ich sehe es so: dass Du ein klein wenig meinetwegen hier bist (das darf ich mir doch einbilden?), aber vor allem wegen unseres Klosters, das in Deinem Sprengel liegt. Du hast immer Interesse und Hilfsbereitschaft uns gegenüber gezeigt und willst, dass wir unsere Verantwortung in unserem Bistum wahrnehmen: hier mit Gottes Hilfe ein geistlicher Ort zu sein. Dieses Zusammenspiel ist wünschenswert und vielversprechend. Danke, dass Du heute bei uns bist.
Ich habe mir vorgenommen, die Nennung von Namen tunlichst zu vermeiden, weil ich an kein Ende käme und mit Sicherheit auch welche vergessen würde, die einfach nicht vergessen werden dürfen. Aber ganz ohne Namen geht es nicht (ich habe ja auch schon etliche genannt). Ich nenne jetzt von einem besonderen Namen nur die Anfangsbuchstaben, in meiner Vorlage fett gedruckt: GM, für mich ein echter Freund, auch für ML, unser Kloster: verlässlich, wirksam, immer hilfreich, gerade, aufrichtig, treu; mit einem Wort: ein wahrer Freund. Von Herzen danke Dir, lieber Freund Gernot.
Ich komme zum Schluss, d.h. aber auch zum Allerwichtigsten: zu Gott, von dem der Patriarch Jakob am Ende seines Lebens, als er seine Söhne feierlich segnete, sagte: „Gott, mein Hirt mein Lebtag bis heute“ (Gen 48,15). Wir feiern unsere Gottesdienste, wie der hl. Benedikt sagt, unter den Augen Gottes (RB 19,1). Mich beeindruckt das Christusbild hier oben in der Apsis immer wieder von neuem: Der Herr schaut auf uns alle und sieht dabei jeden und jede von uns mit seinem Blick der Liebe. So zu schauen, mit Liebe zu schauen, immer und in jedem Fall, das dürfen wir bei ihm lernen; ML ist dafür ein besonderer Ort. Das kann ich aus Erfahrung sagen. So will ich zum Ende kommen, mit einem Psalmvers:

ICH WILL DIR DANKEN, HERR, AUS GANZEM HERZEN,
ERZÄHLEN WILL ICH ALL DEINE WUNDER.
ICH WILL MICH AN DIR FREUEN UND JAUCHZEN,
DEINEM NAMEN, DU HÖCHSTER, WILL ICH SINGEN. Psalm 9

Benedikt Müntnich


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