Aus Kloster & Konvent

Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt….

8. November 2023 / Aus Kloster & Konvent

Wenn sie eine Kirche betreten und dort eine Fatimastatue, eine Lourdesgrotte oder das Marienbild von Schönstatt sehen, dann wissen sie, dass heute in dieser Gemeinde Maria unter dieser Darstellung, in diesem Bild verehrt wird. So haben auch die einzelnen Ordensgemeinschaften vom frühen Mittelalter an ihr eigenes, ganz besonderes Marienbild. Oft ist die Entstehungsgeschichte mit einer Legende verbunden, die es für spätere Generationen noch verehrungswürdiger macht.

Die Karmeliten:
Dieser Orden ist zur Zeit der Kreuzzüge im Heiligen Land entstanden. Kreuzfahrer schlossen sich zu einer Eremitengemeinschaft zusammen und bezogen die leer stehenden Wohnhöhlen im Karmelgebirge bei Haifa, wo auch vor vielen Jahrhunderten der Prophet Elia mit seinen Schülern gelebt hat. Ihre Kirche weihten sie der Gottesmutter Maria. Deshalb nannten sie sich Brüder der Jungfrau Maria vom Berge Karmel.
Als 1244 das christliche Königreich der Kreuzfahrer von den Moslems wieder zurückerobert wurde, mussten die Christen das Heilige Land wieder verlassen und kehrten nach Europa zurück. Die meisten Karmeliter stammten aus England und vom Niederrhein und dort errichteten sie jetzt in den Städten ihre ersten Klöster. In dieser schweren Zeit soll der englische Generalprior des Ordens, der heilige Simon Stock, Maria um ihre Hilfe angefleht haben und in einer Vision habe sie ihm das Skapulier als Schutzkleid überreicht und ihren Beistand versprochen.
1465 wurde ganz in unserer Nähe in Tönisstein ein Karmelitenkloster gegründet, das wie Maria Laach 1802 in der Säkularisation aufgelöst und zum Abbruch frei gegeben wurde.
Ich habe mich bemüht, dass die wenigen erhaltenen Mauerreste gesichert und die Fundamente der Klosteranlage wieder frei gelegt werden, aber leider keine Unterstützung gefunden.



Die Dominikaner:
Das Rosenkranzgebet entstand zwar in der Trierer Kartause und wurde als betrachtendes Gebet zunächst in den umliegenden Schwesternconventen gepflegt. Erst durch die Kölner Dominikaner wurde der Rosenkranz in vereinfachter Form zu dem beliebten Volksgebet, das sich sehr schnell verbreitet hat. Um es noch attraktiver zu machen, entstand bald auch die Legende, Maria habe den Rosenkranz dem Ordensgründer, dem heiligen Dominikus überreicht, wie auf diesem Altar zu sehen ist. Die Heilige auf der rechten Seite ist die heilige Katharina von Siena. Sie vertritt die große Schar der Dominikanerinnen.






Die Augustiner:
Sie verehren die Gottesmutter unter dem Titel „Maria vom Guten Rat“. Bei der Hochzeit zu Kana gibt Maria den Tischdienern den guten Rat: „Was Er euch sagt, das tut.“ Diesen Rat hat sie selbst ihr Leben lang befolgt.
Das dazu gehörige Bild ist ein Fresko. Engel sollen es im Jahr 1467 nach der Eroberung Albaniens durch die Osmanen in einer dortigen Kirche von der Wand abgelöst und nach Genazzano übertragen haben. Dort wird es in der Kirche der Augustiner Eremiten verehrt und durch diesen Orden hat es weltweite Verbreitung gefunden. Der Wallfahrtsort Genazzano liegt etwa 30 km östlich von Rom in der Nähe von Subiaco.






Die Redemptoristen: Diesmal handelt es sich nicht um eine Legende sondern um eine Tatsache. Zur Fertigstellung der Kirche San Alfonso in der Nähe von Maria Maggiore in Rom schenkte Papst Pius IX den Redemptoristen eine Ikone aus dem 14.Jahrhundert. In der Ikonenkunst heißt diese Darstellung Hodogetria – Wegbegleiterin. Maria hat Jesus begleitet bis unter das Kreuz. Das göttliche Kind klammert sich an seine Mutter und verliert vor Schreck seine Sandalen. Der Grund: das Jesuskind schaut in die Zukunft, die es einmal erwarten wird. Es sieht im Hintergrund den Erzengel Gabriel mit dem Kreuz und den Erzengel Michael mit der Lanze und dem Stab mit dem Schwamm.
Eine besondere Aufgabe der Redemptoristen in der Kirche waren und sind die Volksmissionen in den Pfarreien. Dadurch ist gerade diese Darstellung in vielen Kirchen und Wohnungen weit verbreitet. Man gab dem Bild allerdings einen neuen Titel: „ Mutter von der immerwährenden Hilfe.“




Die Benediktiner:
Auch sie haben ihr besonderes Marienbild, das leider bei uns weitgehend in Vergessenheit geraten ist.
Papst Gregor beginnt die Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt:
“Es lebte ein verehrungswürdiger Mann. Er hieß Benediktus. Der Gnade und dem Namen nach war er ein Gesegneter… Er stammte aus angesehenem Geschlecht in der Gegend von Nursia. Zur Ausbildung und zum Studium wurde er nach Rom geschickt. Dort sah er viele in die Abgründe des Lasters fallen. Er wandte sich vom Studium der Wissenschaften ab. Gott allein wollte er gefallen.“
Der heilige Benedikt stammte also aus angesehenem Geschlecht und verbrachte die Kindheit in Nursia auf dem Land. Zum Studium wurde er zu Verwandten nach Rom geschickt. Im Stadtteil Trastevere gibt es eine Kapelle mit dem Namen San Benedetto in Piscinula, beim Fischteich. Sie wurde im 11.Jahrhudert auf den Ruinen eines antiken Hauses, das dem Geschlecht der Anicier gehörte, erbaut. Dort soll der heilige Benedikt als Student gewohnt haben.
Beim Bau der Kapelle – so die Legende – fand man ein altes Marienbild. Vor diesem Bild soll der heilige Benedikt im Gebet seine Berufung erkannt haben. Er verließ Rom und zog sich in die Berge nach Subiaco zurück.

Ein Blick auf den Marienaltar mit dem Gnadenbild in der Kirche San Benedetto in Rom.
In früheren Jahren war diese kleine Kirche immer verschlossen, jetzt aber sie, seit sie durch die brasilianische Gemeinsaft der Herolde des Evangeliums betreut wird, täglich geöffnet und wenn man von der Tiberinsel über die Brücke nach Trastevere geht, leicht zu finden.
Das Marienbild trägt den Namen „Deliciae Benedictinae“ Maria – die Freude, die Wonne des Benediktinerordens.

Alle diese ordenseigenen Marienbilder fanden durch die vielen Niederlassungen der Orden weltweite Verbreitung. Das gilt auch für unser benediktinisches Marienbild. Eine besondere Hochschätzung erfuhr es in den Ländern der Habsburger Donaumonarchie wie der Marienaltar in der Abteikirche Brevnov in Prag zeigt.

Unter dem Bild steht der Titel Deliciae Benedictinae und ein lateinischer Vers als Einladung an den Beter:
Hac Puer, hac coluit Benedictus imagine Matrem
Hanc Puer, hanc cole Vir, sic Benedictus eris.

In diesem Bild verehrte der hl. Benedikt die Mutter Maria.
Verehre sie als Kind, verehre sie als Mann, so wirst du ein Benedictus werden
Das lateinische Wort Benedictus heißt ein von Gott Gesegneter.

Seit einigen Jahren befindet sich eine Kopie dieses Marienbildes auch im Kloster Ebernach bei Cochem. Es wurde den Franziskanerbrüdern von Hausen von einem Priester aus der Diözese Mainz geschenkt. Der Stifter ist inzwischen leider verstorben, so dass sich die Herkunft und Geschichte dieses Bildes nicht mehr feststellen lässt.
Die lateinische Inschrift unter dem Bild lautet übersetzt: “Getreue Kopie des Bildes der seligen Jungfrau Maria unseres heiligen Vaters (Patriarchen) Benediktus.“
Getragen und geborgen in den Armen Marias segnet Jesus mit der rechten Hand und in der linken hält er das Kreuz empor.

Ebernnach war eine Propstei der Abtei Maria Laach. Schon ein Jahr vor der Säkularisation 1801 mussten dort die Mönche ihr Kloster verlassen und kamen nach Laach zurück. Grund war der Plan des französischen General J.Jong, der zusammen mit seinem Freund und Logenbruder, dem Cochemer Arzt Dr. Karl Josef Boost in diesem Gebäude eine Freimaurerloge einrichten wollte. Die Loge hatte allerdings nicht lange Bestand. 1852 starb der Besitzer Dr. Boost und Erben waren sein Sohn, der die Landwirtschaft bekam, und seine Tochter, die das Propsteigebäude erhielt. Diese übergab später ihr Erbe der Pfarrgemeinde Cochem mit der Auflage in Ebernach ein Krankenhaus zu errichten. Dieses Vorhaben scheiterte allerdings an der weiten Entfernung zum Bahnhof, so der Einspruch der umliegenden Dörfer, und an der Bevölkerung der Stadt, die ein Krankenhaus in der Stadt selbst haben wollten. So konnten 1887 die Franziskanerbrüder von Hausen 1887 Ebernach erwerben und eine Pflegeanstalt für behinderte Männer einrichten.
So hat Maria „ Deliciae Benedictinae – die Freude des Benediktinerordens“ in der ehemaligen Propstei der Abtei Laach wieder ein schönes zu Hause gefunden.

Pater Basilius


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