Neuigkeiten

Meditation zum Fest Allerheiligen

1. November 2020 / Neuigkeiten

Zum Fest ALLERHEILIGEN, 1.11.2020

von Abt em. Benedikt Müntnich OSB

1 Joh 3,1-3

Was ist der tiefe Sinn dieses Festes? Es kann ja nicht darum gehen, alle Heiligen zu feiern, sicherheitshalber sozusagen, um keinen zu vergessen, so wie Paulus in Athen auf dem Areopag den Altar mit der Aufschrift sah: EINEM UNBEKANNTEN GOTT (Apg 17,23). Ich denke, es geht in einer ganz bestimmten Weise um uns, um “unsere Hoffnung”, wie es im Tagesgebet heißt. Was unsere Hoffnung konkret ist, sagt uns die Lesung aus dem 1. Johannesbrief: “Jetzt sind wir Kinder Gottes.” Was werden wir einmal sein? “Wir wissen, dass wir IHM ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird.” Wir werden Jesus Christus ähnlich sein. Ein unerhörtes Ziel – so unerhört, dass wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen?
Nein, die Lesung fährt fort: Jeder, der das hofft, “heiligt sich, so wie Er heilig ist.” Wie ist Er heilig? Er sagt es selbst vor seinem Leiden im Gebet an den Vater: “Für sie heilige ich mich” (Joh 17,19). Damit ist seine Hingabe gemeint, sein Sterben für uns.

Soll das unser Maßstab sein? Das wäre doch völlig überhöht und unrealistisch. Im Geistlichen Tagebuch von Papst Johannes XXIII. gibt es eine schöne Stelle: Der junge Angelo Giuseppe Roncalli, noch Konviktschüler in Bergamo, hat sich ernsthaft vorgenommen, heilig zu werden. Und er orientiert sich ausgerechnet am engelgleichen hl. Aloisius, wie er ihn nennt. So wie man Aloisius damals sah und interpretierte, konnte das nicht gutgehen. So findet man etliche Seiten später den Eintrag: Schluss! Ich bin nicht der hl. Aloisius; ich will auf meine Weise heilig werden.

Auf meine Weise – aber immer mit dem Blick auf Jesus. Was ist das eigentlich, ein Heiliger? Einer, dem Gott die Hand auf die Schulter legt und der sie nicht abschüttelt. Ich denke, damit ist etwas anzufangen. Die Hand Gottes auf meiner Schulter, das ist Gottes Anspruch an mich. Ich brauche dich, heißt das, für meine Sache in dieser Welt.

Was ist unser tiefes Problem? Dass der Glaube so wenig konkret wird. Mit dem Es-gut-Meinen kommt man nicht weit. Ich muss das Evangelium tun, auf meine Weise, wie Johannes XXIII. Jetzt in Corona-Zeiten: sich nicht nur an die unumgänglichen Vorschriften halten – Maske und Abstand. Wir müssen unsere Art zu leben ändern. So wie bisher geht es nicht mehr! Es geht um ein Leben, das wirklich wahrnimmt: Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums, Krise der Umwelt, ungerechte Verteilung dessen, was allen gehört und allen zukommen muss … Und wieder besteht die Gefahr, dass das alles in der Theorie stecken bleibt.

Papst Franziskus hat eine neue Enzyklika geschrieben zum Thema Geschwisterlichkeit, auf seine zupackende, konkrete Art: “Es ist keine pure Utopie, jeden Menschen als Bruder oder Schwester anerkennen zu wollen und eine soziale Freundschaft zu suchen, die alle integriert.” Es folgen Anregungen für Politik und Wirtschaft, sehr konkret. Aber dann schreibt er: Die Anderen dürfen nicht als “Hindernisse für die eigene angenehme Ruhe” gesehen werden, wie eine Belästigung. Man muss sich “für die Freundlichkeit entscheiden. Es gibt Menschen, die dies tun und wie Sterne in der Dunkelheit leuchten.” Wie wirksam das sein kann. Vor Jahren schon fragte man Mutter Teresa bei einem Besuch in den USA: Was können wir denn tun angesichts der Not der Welt? Die Antwort, wunderbar einfach und so wirksam:

“Lächelt einander zu!” Ich denke, so lässt sich heilig werden.


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