Neuigkeiten

O-Antiphone in der Vesper

17. Dezember 2021 / Neuigkeiten

In den Tagen vom 17. bis 23 Dezember wird das Magnifikat in der Vesper von besonderen Kehrversen umrahmt. Sie werden die O-Antiphonen genannt, weil sie alle mit einer Anrufung: O …! beginnen. Angesprochen wird jeweils Jesus Christus und zwar mit einem Titel oder einem Bild aus dem Alten Testament.

Jeden Tag vom 17. bis zum 23. Dezember soll vor der Vesper eine kurze Einführung in den reichen theologischen und spirituellen Gehalt dieser Antiphonen gegeben werden.

17. Dezember

O Weisheit, hervorgegangen aus dem Mund des Höchsten,
du umspannst die Welt von einem Ende zum andern,
und in Kraft und Milde ordnest du alles:
O komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht.

Weisheit ist mehr als Wissen. Sie ist Frucht von langer Erfahrung. Sie setzt den offenen Blick ohne Scheuklappen voraus, die nötige Distanz, aber auch Liebe; denn wirklich verstehen können wir nur, was wir lieben.
Hier wird aber die Weisheit aus dem Mund des Höchsten, die Weisheit Gottes, angesprochen. Sie bleibt nicht in Gott, sie kommt als Wort Gottes in die Welt und umfasst die ganze Schöpfung, denn die Schöpfung ist nicht sinnloses Chaos, durch Zufall entstanden und dazu bestimmt zugrunde zu gehen. Was Gott geschaffen hat, ist gut und wird von ihm geliebt.
Mit seiner Weisheit voll Kraft und und auch voll Liebe kann Gott auch mein Leben ordnen, mein Leben mit seinen Irrwegen und losen Enden und all den dunklen Stellen.
Daher steht am Ende der Antiphon der laute Ruf: Komm! Komm, lass uns erkennen, dass bei dir der richtige Weg ist, und führe uns auf ihn zurück.

18. Dezember

O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel!
Im flammenden Dornbusch bist du dem Moses erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
O komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Adonai, Herr, wird im Alten Testament dort gelesen, wo der Gottesname Jahwe steht, den ein gläubiger Jude nicht ausspricht.
Den Namen Jahwe hat Gott Moses im brennenden Dornbusch offenbart. Gestern schaute die O-Antiphon auf die ganze Schöpfung, heute auf die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel: die Selbstoffenbarung Gottes im brennenden Dornbusch, die Erwählung Israels, die Errettung aus der Gefangenschaft in Ägypten und den Abschluss des Bundes mit Israel auf dem Berg Sinai.
Die Antiphon ist ein Bekenntnis zu der Treue und der Macht Gottes, der sein Volk nicht verlässt, sondern es rettet. Das zeigt er endgültig für alle Menschen in Jesus Christus.
Jede der O.Antiphonen endet mit der Aufforderung: Komm! In allen Nöten, die auch unser Leben immer wieder bedrohen, möge der Herr, der Retter Jesus Christus, kommen

19. Dezember

O Spross aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die Völker!
Vor dir verstummen die Herrscher der Erde.
Dich flehen an die Völker:
O komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.

Auch diese Antiphon betrachtet die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Sie schaut auf David, den Sohn Isais, zurück. Gott hat David nicht nur zum König Israels berufen, er hat ihm auch verheißen, dass sein Haus und sein Königtum ewig Bestand haben werden.
Nichts auf Erden und keine politische Macht haben auf ewig Bestand. Mit dem Ende des Königreiches Juda und der Zerstörung Jerusalems wurde auch der prächtige Baum der Dynastie Davids gefällt. Aber es bleibt ein Stumpf, dem Gott seine Lebenskraft erhält. Erfüllt wird die Verheißung an David in Jesus Christus, dem Sohn Davids, dem Spross aus dem Baumstumpf Isais, den Gott auf ewig zum König einsetzt.
Ungefähr 1000 Jahre liegen zwischen David und der Geburt Jesu. Daher sind die Sehnsucht und die Ungeduld verständlich, die sich in dem dringenden Ruf Bahn brechen: Komm, säume nicht länger! In diese Bitte um Rettung und Hilfe stimmen auch wir ein, damit Jesus Christus immer wieder neu in unser Leben kommt.

20. Dezember

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand kann schließen,
du schließt und keine Macht vermag zu öffnen:
O komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes.

Schlüsselgewalt ist auch in unserer Zeit immer noch entscheidend, auch wenn es oft keine eigentlichen Schlüssel mehr sind, sondern Passwörter und Codes, die den Zugang beschränken und freigeben. Mehr als das traditionelle Herrschaftszeichen des Zepters geben Schlüssel Macht. Die offene Tür ist ein Sinnbild für Freiheit und Hoffnung. Die Tür zu verschließen, bedeutet Schutz. Aber wenn vor einem die Türen verschlossen werden, bleibt man hilflos und voller Angst, wie es weitergehen soll, zurück.
Auch wenn Jesus dem Petrus die Schlüsselgewalt in Mt. 16.19 anvertraut hat, bleibt er es, der uns die Tür zum Himmelreich öffnet, ist er selbst die Tür. Er ist das Licht und der Befreier. Ohne ihn bleiben wir in der Finsternis und gefangen in den Fesseln des Todes. Aus der Hilflosigkeit und der Angst, ausgeschlossen zu sein, vor verschlossenen Türen stehen bleiben zu müssen, erwächst die abschließende Bitte dieser Antiphon: Komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes.

21. Dezember

O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes
und Sonne der Gerechtigkeit;
o komm und erleuchte, die da sitzen
in Finsternis und im Schatten des Todes.

Nur wer noch finstere Nacht kennt, die nicht einfach taghell erleuchtet werden kann, indem man einen Schalter drückt, kann diese Antiphon wirklich nachempfinden. Aber eine Finsternis im Leben: Krankheit, Not, Einsamkeit, Depression, …, die wir nicht einfach beenden können, indem wir einen Schalter drücken, kennen viele. Die Erfahrung aus der Natur ist, dass der Sonnenaufgang die drückende Finsternis und die bedrohlichen Schatten vertreibt, dass wir uns mit dem aufsteigenden Licht sicher fühlen und neue Hoffnung fassen.
Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit, vor der das Heillose und das Unrecht nicht bestehen können. Bereits in der alten Kirche wurde Christus als das aufgehende Licht verehrt, auf das man sich ausrichtete und dem man entgegenschaute. Daher wurden die Kirchen nach Osten ausgerichtet.
Wer in seinem Leben die Finsternis kennt und um den Schatten des Todes weiß, der in unser Leben hineinreicht, der kann das abschließende Gebet zu seinem machen: Komm und erleuchte unser Leben.

22. Dezember

O König der Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht,
Schlussstein, der den Bau zusammenhält:
O komm und errette den Menschen,
den du aus Erde gebildet!

Könige sind bei uns aus dem Bereich der Politik und der Macht in den Bereich unterhaltsamer Historie und der Gesellschaftsnachrichten abgewandert. Aber diese Antiphon stammt noch aus einer Zeit, in der eine Krone nicht nur ein dekoratives Sahnehäubchen oben drauf war, sondern wirklich der Schlussstein, der den Bau zusammenhält.
Immer wieder meldet sich in der Geschichte die Sehnsucht nach dem starken Mann, der eine verfahrene Situation, in der alles auseinanderfällt und nichts mehr Bestand hat, rettet. Politisch hat sich das schon oft als Unheil erwiesen. Uns bleibt da die eigene Verantwortung.
Wenn wir über den Bereich der Poliik hinausschauen, stellen wir aber fest, dass wir Menschen vieles nicht machen können. Bewusst erinnert uns diese Antiphon daran, dass wir aus Erde gebildet sind und wieder zu Staub werden. Unsere Sehnsucht reicht aber über die Vergänglichkeit dieser Welt hinaus und erhofft für uns ein Leben, das nicht auseinanderfällt, sondern von Gott gehalten und in seine Ewigkeit geführt wird.
Jede der O- Antiphonen endet mit dem Ruf: Komm! Wir dürfen in Jesus den König sehen, der alles zusammenhält und rettet, und aus dieser Erwartung in den Ruf einstimmen: Komm!

23. Dezember

O Immanuel, unser König und Lehrer,
du Hoffnung und Heiland der Völker:
O komm, eile und schaffe uns Hilfe,
du unser Herr und Gott!

Heute in der letzten O-Antiphon fehlen die Bilder und Vergleiche. Der Herr wird direkt mit seinem Namen Emmanuel = Gott mit uns angeredet. Hinter allen Bildern ist die Hoffnung und die Wahrheit des Advents, dass Gott kommt, um in Jesus Christus der Emmanuel, der Gott mit uns zu sein.
Gott mit uns – das ist ein ganz kurzes Glaubensbekenntnis und daher eine Verheißung. Sie lässt uns erkennen, wer Gott ist und was wir von ihm erhoffen dürfen. Er ist nicht der ferne Gott, sondern der Gott, der uns liebt, der daher zu uns kommt, der mit uns geht, der bei uns bleiben will, so dass er uns zu sich führt.
Gott mit uns, das umfasst die Schöpfung und seine Geschichte mit uns Menschen, besonders seinem Volk Israel, das findet seinen Höhepunkt in Jesus Christus, wenn Gott Mensch wird, einer von uns und somit der, der mit uns ist.
Der Name Emmanuel wird durch vier Titel ergänzt: der König, der als Herrscher das Unrecht wendet und den Frieden schafft; der Lehrer, der uns Gott erkennen lässt und uns den Weg zu Gott lehrt; die Hoffnung, die alle unsere Sehnsucht erfüllt; der Heiland der Völker, der Retter und Erlöser, der die Sünde und den Tod besiegt.
In der abschließenden Bitte. Komm! werden Eile und Ungeduld deutlich. Es ist nun höchste Zeit, dass sich die Verheißung erfüllt, dass das Unheil in der Welt und auch in meinem Leben endet. Aber das dringende Gebet wird schon von Gewissheit umfangen, wenn wir es an den richten, der der Emmanuel, der Gott mit uns, ist.


Zurück