Predigt und Segnung der Insignien - 100 Jahre Basilica minor -
6. Januar 2026 / Aus Kloster & Konvent
Während des Konventamt am Fest der Epiphanie am Dienstag, dem 6. Januar sprach Abt Mauritius Wilde OSB die folgenden Worte:
Liebe Brüder und Schwestern,
wie wunderbar ist doch die Geschichte der Heiligen Drei Könige, eine Geschichte voller Licht, voller Hoffnung. Der Himmel zeigt uns an, wo die Erlösung liegt. Ein Stern geht uns voran. Er begleitet uns auf unserem Weg, bis wir den wahren König finden.
Ich lade Sie ein, liebe Brüder und Schwestern, sich aktiv hineinzubegeben in diese Geschichte des Matthäusevangeliums. Wo befinde ich mich auf diesem Weg zur Krippe?
Vielleicht bin ich noch dort, wo die Sterndeuter herkommen, im Ausland. Vielleicht bin ich wie ein Fremder, der Orientierung sucht, der noch weit weg ist vom Stall? Vielleicht habe ich nicht mehr als eine Ahnung von diesem Licht, oder ich sehe es bereits, doch nicht wo es mich hinführen will. Ich bin fasziniert davon, aber dennoch weit entfernt davon.
Vielleicht bin ich schon unterwegs, folge dem Stern, bin auf der Straße und suche den neuen König? Wie wir Mönche, wir sind Menschen, die Gott suchen… Wo ist er? Wo kann ich ihn finden? Ich glaube fest, dass er da ist, muss ihn aber noch suchen, muss noch wandern. Ich liebe ihn bereits, den mein Herz sucht, bin aber noch nicht angekommen. Der Stern lässt mich weitergehen. Was ist der Stern, der mich zu Christus führt, wer ist der Stern, der mir den Weg zu Gott zeigt?
Vielleicht habe ich das Kind schon gefunden. Vielleicht bin ich schon angekommen. Vielleicht habe ich Christus schon gesehen, bin ihm begegnet. Vielleicht wurde mir dieses unglaubliche, unvergängliche Licht schon offenbart, und habe meine armseligen Gaben gegen das große Geschenk eingetauscht, das er selbst ist. Vielleicht spüre ich schon diese große Freude! Vielleicht habe ich mich schon vor ihm niedergeworfen, bin schon versunken in der Anbetung.
Vielleicht bin ich auch auf dem Rückweg in mein Land. Ich habe den neuen König gesehen, der wirklich mein Leben regiert. Ich habe den gefunden, der der wahre König ist, und nicht den, der sich seine Macht immer wieder erschleicht, so wie Herodes. Drum kehre ich zurück, um meine Freude mit meinen Lieben zu teilen und ihnen zu erzählen, was ich erlebt habe. Ich muss es ihnen erzählen. Und dazu lege ich selbst weite Strecken zurück.
Auch Herodes könnte ich sein. Ich bin nicht glücklich über die Gegenwart dieses neuen Königs in meinem Leben. Stattdessen bin ich beunruhigt, weil ich weiß, dass ich eigentlich mein Leben ändern müsste. Ich fürchte, dass ein Teil meiner Macht in Gefahr ist, dass ich einen Teil der Kontrolle über mich abgeben müsste, an jemanden, der größer und würdiger ist als ich. Trotzdem bin ich neugierig auf den neuen König, aber ich habe noch Angst. Und der Gedanke, dass ein anderer Macht über mich hat, macht mich aggressiv.
Vielleicht aber darf ich auch wie der Stern selbst sein. Nicht ein Star. Nicht wie einer, der glaubt, er habe das Licht aus sich selbst. Sondern jemand, der den Weg zu Christus weist, weil er sich von der Sonne der Gerechtigkeit selbst bescheinen lässt. Vielleicht bin ich wie einer, der anderen in dunklen Situationen Licht schenkt.
Oder wie wäre es mit Ochs oder Esel? Ich bin da, am Stall. Ich bin einfach da, bleibe einfach da, bin dort, wo das göttliche Kind ist. Seine Gegenwart genügt mir. Ich genieße Seine Gegenwart. Ich finde meine Nahrung dort, wo Christus ist.
Liebe Schwestern und Brüder, dieses Neue Jahr markiert auch eine besondere Etappe auf dem Weg unserer Mönchsgemeinschaft hier in Maria Laach. Denn auch wir sind unterwegs. In der langen Geschichte von Maria Laach haben wir viele gute Schritte getan, und noch weitere gute liegen vor uns – das verheißt uns der Stern.
Vor 100 Jahren wurde unsere Abteikirche zur Basilica Minor erhoben.
Das war damals eine Auszeichnung von Seiten des Heiligen Vaters Pius XI für Abt Ildefons Herwegen und sein Werk, aber auch für die ganze Klostergemeinschaft. Mit diesem Ehrentitel würdigte der Papst die Tatsache, dass hier ein Ort des Gebets, der würdigen Liturgie und der pastoralen Aktivität ist. Und das wollen wir bis heute sein. Denn mehr denn je braucht unsere Welt genau dies: das Gebet, das Feiern seiner Gegenwart und das praktische Zeugnis des christlichen Glaubens.
Die Ehrenzeichen, die eine Basilica Minor auszeichnen, haben wir nun wieder erneuert, das Padiglione, den Schirm und den Schellenbaum. Wir werden ihn gleich neu segnen. Damit wollen wir zum Ausdruck bringen, dass wir den Auftrag des Papstes weiterführen wollen. Beten wir darum, dass Gott unsere Gemeinschaft, und uns all beschirme und behüte auf unserem Weg zu Christus, dem wahren König. Sein Stern möge uns leiten. Amen.
Abt Mauritius Wilde OSB