Predigten

Abt Mauritius Predigt zum Benediktstag

21. März 2026 / Predigten

Predigt von Abt Mauritius zum Benediktstag am 21.März

Liebe Schwestern und Brüder,

heute feiern wir den Heimgang unseres Heiligen Vaters Benedikt. Der 21. März ist das ursprüngliche und eigentliche Benediktsfest, das nur wir Benediktiner beibehalten haben. Die Universalkirche hat beim Zweiten Vatikanischen Konzil den Liturgischen Kalender etwas aufräumen müssen, und dabei vor allem auch die Fastenzeit von Gedenk- und Festtagen leergeräumt. So wird Benedikt im Allgemeinen am 11. Juli gefeiert. Für uns aber bleibt der 21. März wichtig, er ist sozusagen in der Fastenzeit unser benediktinisches Fastenbrechen. Normalerweise feiern wir ja in der Kirche immer den Todestag eines Heiligen, weil es sein Geburtstag zum Himmel ist.
Die Benediktsvita beschreibt den Tod Benedikts als einen Weg. Gregor der Große erzählt, wie zwei seiner Mönche durch ein und dieselbe Schau eine Offenbarung erhielten: Sie sahen, wie eine Straße von Benedikts Zelle genau in östlicher Richtung bis zum Himmel reichte; sie war mit Teppichen ausgelegt und leuchtete von zahllosen Fackeln erhellt.
Ein bisschen haben wir die Strasse hier nachgestaltet: mit Teppichen ausgelegt – Richtung Osten – mit Fackeln, bei uns sind es Kerzen – erhellt. Und bei Gregor sagt ein Mann, der wohl für einen Ältesten in der Apokalypse steht: „Dies der Weg, auf dem Benedikt, den der Herr liebt, zum Himmel emporsteigt.“

Das Sterben, der Übergang vom Tod zum Leben – ist also ein Aufstieg. Auch beim Tod Scholastikas, seiner Schwester, heißt es, ihre Seele sei in Gestalt einer Taube zum Himmel aufgestiegen und in die Vollendung eingegangen.
Dieser Weg wird im Lateinischen als Transitus, Übergang, bezeichnet. Im Deutschen haben wir den schönen Titel „Heimgang“ unseres Vaters Benedikt. Das erinnert an den Philipperbrief: „Unsre Heimat ist im Himmel“ (3,20). Manchmal sagen wir das auch von unseren Toten: Er ist zum Vater heimgegangen. Der Himmel als unsere Heimat. Wenn das dort im Himmel unsere Heimat ist, dann kamen wir ursprünglich von dort, denn Heimat ist ja dort, wo man geboren ist, wo man herkommt. Wir kehren also wieder zurück, das ist unser „Heimgang“.
Im Himmel also sind wir usprünglich zu Hause. Das lässt uns darüber nachdenken, wo wir eigentlich zu Hause sind. Wir können uns selbst einmal fragen: Fühle ich mich dort, wo ich gerade bin, zu Hause? Kann ich sagen: Das ist mein Zuhause? Die Brüder unter uns, die schon lange hier sind, können das sicher leicht sagen. Aber auch die, die erst kürzere Zeit hier sind. Denn es hängt eigentlich gar nicht in erster Linie von der Zeitspanne ab, ob man sich zu Hause fühlt, zu Hause ist. Das hängt von anderen Kriterien ab. Wovon?
Sankt Benedikt beschreibt das Kloster als „Haus Gottes“. Dreimal spricht er in seiner Regel davon. Ja, das macht den Unterschied aus: Wenn ich in einem Haus Gottes wohne, dann bin ich zu Hause. Wenn ich bei ihm bin, dann bin ich zu Hause. Dann lebe ich jetzt schon, auf dieser Erde, dort, wo ich hergekommen bin und wo ich einmal hingehen werde – in den Himmel. Unsere Zufriedenheit, unser Glück, hängt wesentlich davon ab, ob ich im Hause Gottes wohne. Ob Gott da ist, wo ich bin. Oder besser: Ob ich da bin, wo Gott ist. Sonst fühle ich mich fremd, und werde leicht unglücklich. Benedikt will also quasi den Himmel im Kloster ein wenig vorwegnehmen. Wir bereiten uns hier schon darauf vor, wie es dort drüben ist. Wir fangen hier schon einmal an, im Angesicht der Engel zu singen – in unserem Chorgebet. Wir bereiten uns vor, in jedem Menschen, im Gast, im Pilger, im Armen Christus zu sehen. Wir bereiten uns darauf vor, dass Gottes Augen stets auf uns ruhen, ob gelegen oder ungelegen. Wenn wir daran üben, dann sind wir – schon auf diese Erde – zu Hause. Aber wie kommen wir dahin, dass wir wirklich dort zu Hause sind, wo wir gerade sind?

Der heutige Festtag gibt uns einen Hinweis: der Weg zum Himmel ist ein Aufstieg – wie Gregor beschreibt. Und diesen Aufstieg können wir schon hier auf Erden beginnen. Wie können wir das tun? Benedikt gibt uns in seiner Regel den entscheidenden Hinweis. Lassen wir unseren Vater selber sprechen:
„Brüder, wenn wir also den Gipfel höchster Demut erreichen und rasch zu dieser himmlischen Höhe gelangen wollen, zu der man durch ein demütiges Leben hienieden aufsteigt,
muß jene Leiter aufgerichtet werden – in unserem Tun besteigen wir sie – die Jakob im Traum erschien,
und auf der er Engel auf- und niedersteigen sah.
Jenes Herab- und Hinaufsteigen kann unserer Ansicht nach
gar nicht anders verstanden werden,
als daß die Erhöhung absteigen, die Erniedrigung aufsteigen läßt.
Die aufgerichtete Leiter ist unser irdisches Leben,
das der Herr himmelwärts emporrichtet,
wenn unser Herz demütig wird.

Liebe Schwestern und Brüder, Freunde des Hl. Benedikt: Es ist die Demut, die uns den Weg zum Himmel zeigt, die uns diesen Weg schon jetzt beginnen lässt. Durch sie steigen wir auf. Aufstieg durch Abstieg. So war es im Sterben und Tod für Benedikt ein Leichtes, zum Himmel aufzusteigen. Er ging einfach so weiter, wie er es in seinem Leben schon eingeübt hatte: himmelwärts – in Demut.
Ich wünsche uns allen an diesem Festtag, dass wir diese heitere Demut leben können. Ich wünsche uns, dass wir uns immer mehr dem Himmel annähern können. Ich wünsche uns, dass unsere Sehnsucht nach der himmlischen Heimat nicht nachlässt. Und ich wünsche uns, dass wir schon hier, auf dieser Erde, an dem Ort, an dem wir wohnen, in dem Leib, in dem wir wohnen, uns bereits zu Hause fühlen. Denn im Hause Gottes soll niemand verwirrt oder traurig sein, sagt unser heiliger Vater Benedikt. Drum lasst uns heute das Fasten brechen und unseren Heiligen Vater Benedikt feiern. Amen.

Abt Mauritius Wilde OSB


Zurück