Predigten

Abt Mauritius Wilde zum Karfreitag

4. April 2026 / Predigten

Foto: Mauritius Wilde

Predigt von Abt Mauritius zum Karfreitag 2026

Wir feiern das Leiden und den Tod Jesu Christi.
Jesus leidet und stirbt am Kreuz.
Entsetzlich sah er aus. Entstellt.

Das ist ein Skandal, dass der Sohn Gottes, dass Gott stirbt. Dass Gott sterben kann.
Und doch: Für uns ist es die Erlösung.

Es gibt nichts Absurderes als den Tod – nennen Sie mir etwas Absurderes im Leben? Was für einen Sinn soll er haben? Es gibt auch nichts Absurderes als das Leiden, das Leiden neigt ja irgendwie schon hin zum Tod.
Wenn Jesus, der Sohn Gottes, freiwillig in das Leiden und Sterben hineingeht, bedeutet das, dass wir keine Angst mehr haben müssen vor dem Leiden und Sterben. Auch wenn es uns noch unverständlich bleibt: Gott ist im Leiden und im Sterben: Gott hängt am Kreuz.
Wenn wir gleich anschließend das Kreuz verehren, dann drücken wir damit aus: Im Leiden und im Sterben glaube ich – erkenne ich – Christus.
Die Menschen meinten, Jesus sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt für uns. Denn sein Tod bestätigt uns: Du kannst das Leiden und den Tod annehmen, weil auch Jesus es angenommen hat.

Es gibt noch einen weiteren Trost im Kreuz: „Gott ist tot“, hat Friedrich Nietzsche gesagt, und in gewisser Weise hat er recht, zumindest für den Karfreitag. Dass es den Karfreitag gibt, erlaubt uns aber, dass auch in unserem Leben Gott einmal abwesend sein kann. „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“?

„Es ist vollbracht“, waren Jesu letzte Worte im Johannesevangelium. Und tatsächlich: Mit dem Tod Jesu am Kreuz ist die Inkarnation, die Menschwerdung Jesu, eigentlich erst richtig abgeschlossen. Wenn er – Gott selbst – stirbt, wie jeder Mensch, wie wir alle sterben müssen, dann ist Gott wirklich Mensch geworden. „Ecce homo“ – Siehe, der Mensch. Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht etwa mitleiden könnte mit unserer Schwäche.

Abt Mauritius Wilde OSB


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