Neuigkeiten

Vortrag über Volk und Elite bei Romano Guardini und Ildefons Herwegen

16. November 2021 / Neuigkeiten

Vom 24.-27. November 2021 findet beim Campo Santo Teutonico (Vatikanstadt) eine Studientagung zum Thema „Kult des Volkes – Der Volksgedanke in den liturgischen Bewegungen und Reformen. Eine ökumenische Revision“ statt. Dazu laden das Römische Institut der Görres-Gesellschaft und die Fachhochschule der Diakonie (Bethel) in Kooperation mit dem Melanchthon-Zentrum Rom und der Liturgischen Konferenz der EKD ein. Der Vortrag von Stefan K. Langenbahn (Abt-Herwegen-Institut Maria Laach e.V.) über die beiden Protagonisten der Liturgischen Bewegung Laacher Prägung ist für Donnerstag, 25. Nov. 2021, um 17.30h vorgesehen.

Die Liturgische Bewegung Laacher Prägung setzte im Jahr 1911 ein – über Cunibert Mohlberg in unmittelbarem Anschluss an das von Lambert Beauduin geleitete „Bureau de l’action“ auf dem Mont-César in Louvain. Der belgische Background sollte noch zehn Jahre später in Romano Guardinis berühmtem Aufsatz „Über die systematische Methode in der Liturgiewissenschaft“ durchschimmern. Damit ist ein erster, über Jahrzehnte hin maßgeblicher Protagonist Liturgischer Bewegung im deutschen Sprachraum genannt: Aus seinen eigenen Anfragen an die liturgische Praxis (der katholischen Kirche), verstärkt durch seine Erfahrungen als Kaplan und als Leiter der Mainzer Jugendgruppe „Juventus“ sowie durch das Erlebnis „perfekter“ monastischer Liturgie erwuchs dem eigenständigen Denker eines seiner großen Lebensthemen: die Liturgiefähigkeit des Menschen in der Moderne und die Menschenfähigkeit der Liturgie.

Früh reflektierte er auf dieser Ebene den Begriff „Volk“, mit unverhohlener Sympathie für den „kümmerliche[n] Mann, der im Hochamt nichts wissen will, als seinem Gott den schuldigen Dienst zu erfüllen“ und für „das zusammengeschaffte Weib, das herkommt, um ihrer Last ein wenig erleichtert zu werden“. Er suchte auf Basis der römisch vorgegebenen Liturgie nach Lösungen, arbeitete zum einen an einer Hebung des Niveaus der Volksandacht und wünschte zum andern einen „umgänglichere[n] Typus der Liturgie“. Dieser sollte sich an den Normen und dem Geist des strengen Typus der Liturgie orientieren und zugleich „eine nach Ort und Umständen zu messende Annäherung an das Volksleben“ (Brief vom 30.9.1917 an I. Herwegen) vollziehen.

In seiner Erwartung, „Maria Laach“ wolle sich als liturgischer Feuerherd dieser Aufgabe zuwenden, sollte sich Guardini gründlich täuschen. Der Laacher Abt stand im Jahr 1917 noch in der Selbstfindungsphase, was seine Positionierung innerhalb der Liturgischen Bewegung betraf. Von Hause aus war er Monarchist und in eine den Hohenzollern verbundene Abtei eingetreten; seine Forschungsinteressen lagen vor allem auf dem Gebiet des Monastischen, des Rechtlichen und der Kunst. Eher zufällig kam er Ende 1912 in Kontakt mit der von Laien eingeforderten Liturgischen Bewegung. Im Sommer 1913 zum Abt des Klosters am See gewählt, pflegte er die Verbindung zum neugegründeten Akademikerverband, der 1914 in Maria Laach eine Liturgische Woche organisierte.

Neben dem Klerus waren „der Gelehrte“ und „der Gebildete“ Herwegens erste Ansprechpartner in liturgischen Dingen. Das Volk in seiner ständischen Verfasstheit bildete in seinen Vorträgen eine untergeordnete Rolle. Ab 1912 korrespondierte Herwegen mit Hermann Platz, einem der Düsseldorfer Akademiker und Protagonisten Liturgischer Bewegung; von diesem Demokraten lieh sich der Abt das Schlagwort von der Sehnsucht nach dem Organischen. Gleichzeitig mehrten sich seine Äußerungen, die das Ideal der frühen Kirche, des Monastischen und monastischer Liturgie zu überhöhen begannen: “Unser antik gerichtetes Denken muß mit seiner Objektivität dem schrankenlosen Individualismus steuern”.

So prallten schon 1919 Guardinis und Herwegens unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Diese erste Krise der Liturgischen Bewegung wird bis heute nicht wahrgenommen, weil es Guardini fernlag zu polarisieren. Ihm sei „vor allem der Begriff ,Volk‘ im Unterschied zur ,Menge der Gläubigen‘ nicht hinreichend klar … Und dann möchte ich nicht gleich am Anfang der Diskussion den Eindruck einer Richtungsverschiedenheit innerhalb der pro re liturgica Arbeitenden hervorrufen“ (am 8.8.1919 an Herwegen).

Wir danken der Katholische Akademie in Bayern für die freundliche Bereitstellung des Fotos von Romano Guardini.


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