Neuigkeiten

Zum Laacher Patrozinium

12. August 2021 / Neuigkeiten

Am Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ – 15. August 2021

Unsere Kirche ist der Jungfrau und Gottesmutter Maria geweiht, und seit alters feiern wir ihr Patrozinium am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. An besonderer Stelle, im Mittelfenster der Ostapsis, befindet sich ein schönes Bild, das auf dieses Geheimnis verweist und zugleich versucht, es auf unser Leben zu beziehen: Wir sehen die Gestalt einer Frau mit betend ausgebreiteten Armen und einer Krone auf dem Haupt, umgeben von der Sonne, dem Mond und zwölf Sternen. Damit wird auf die Vision des Sehers von Patmos verwiesen, dem wir das letzte Buch der Bibel verdanken, die „Offenbarung des Johannes“. Unten links ist er zu sehen, wie er auf die Frau hinweist und mit der rechten Hand auf das vor ihm liegende Spruchband schreibt: „Mutter Gottes – Frau des Lammes.“ So steht es im Buch der Offenbarung: „Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. Da entrückte er mich im Geist auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam, erfüllt von der Herrlichkeit Gottes“ (21,9-10). Wir erkennen in dieser Gestalt Maria in der Vollendung. Um das ganze Bild zieht sich der Text der Weiheinschrift, wie er in einem Laacher Sakramentar des 12. Jahrhunderts überliefert ist:

IM JAHRE 1156 NACH DER GEBURT DES HERRN, ALS HADRIAN III. DEN APOSTOLISCHEN STUHL INNEHATTE, UNTER DES ERHABENEN KAISERS FRIEDRICH HERRSCHAFT, UNTER FULBERT, DES ZWEITEN ABTES DIESES KLOSTERS UMSICHT, AM NEUNTEN VOR DEN KALENDEN DES SEPTEMBER, WURDE DIE KIRCHE GEWEIHT VON HERRN HILLIN, DEM EHRWÜRDIGEN ERZBISCHOF VON TRIER UND LEGATEN DES APOSTOLISCHEN STUHLES, ZU EHREN DER HEILIGEN DREIFALTIGKEIT UND DER ALLZEIT JUNGFRÄULICHEN GOTTESMUTTER MARIA, DES HEILIGEN BEKENNERS NIKOLAUS UND ALLER HEILIGEN, EIN GLÜCKHAFTES WERK. AMEN.

Die Krone, welche die Frau trägt, ist auffällig: eine “Mauerkrone”, wodurch auf „die heilige Stadt Jerusalem“ verwiesen wird. Sie symbolisiert „das neue Jerusalem“ – die Kirche –, von der Offb 21,1-22,5 handelt. Ihr fehlt nichts mehr, “denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.” Umgeben ist die Gestalt von vielerlei Pflanzen und Tieren, die an das Glück des neuen Paradieses denken lassen, das Gott uns schenkt, an unsere Vollendung bei ihm. (Noch der Vollständigkeit halber: Zu Füßen der Frau ist kniend die Gräfin Hedwig von Are zu sehen mit dem Ostchor der Kirche, den sie gestiftet hat, und der Laacher See.)

Maria in der Verherrlichung – wir können auch sagen, jetzt ist sie endgültig “zu Hause”, am Lebensziel. Und das heißt nach unserem Glauben, sie ist jenseits des Todes, sie ist im vollkommenen Glück Gottes: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offb 21,4).

Trauer, Klage, Mühsal, Tod – das müssen wir an die Menschen denken, die von der Flutwasserkatastrophe betroffen sind, an ihr unvorstellbares Leid, an ihren Verlust von geliebten Menschen und von Hab und Gut und die Gefährdung ihrer Existenz. Das konfrontiert uns mit der Unbegreiflichkeit Gottes. Wie passt das zusammen, seine Liebe und das unbegreifliche Leid? Jedes erklären wollende Wort wäre unangebracht und falsch. Keiner kann das erklären. Aber Maria, so wie sie vor uns steht, sie weiß um das Leid. Sie stand ja unter dem Kreuz ihres Sohnes, fassungslos. Sie ist die Mutter der Schmerzen. In unserer Laacher Kirche beten unzählige Menschen, viele davon Frauen und Mütter, vor dem Bildnis der Pietá, der schmerzhaften Muttergottes, der man gerade ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn in den Schoß gelegt hat. Was im Herzen dieser Betenden ist, das weiß nur Gott …

Maria ist Vorbild für unseren Glauben. Sie hilft uns auch glauben. Bei ihr sehen wir, wie sie in aller jugendlichen Bereitschaft das Ja des Glaubens gibt: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Wir sehen ihren Schmerz, als sie den zwölfjährigen Jesus im Tempel sucht: „Warum nur hast du uns das angetan?“ Wir sehen ihre leidvolle Ratlosigkeit, als sie ihren Sohn nicht mehr versteht, der sagt: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? … Die, die das Wort Gottes hören und tun.“ Und wir sehen sie im Schmerz wie erstarrt unter dem Kreuz.
Zahllose Menschen beten zu Maria und finden Trost – im Vertrauen, dass sie bei Gott ihre Fürsprecherin ist; bei Gott verherrlicht und doch immer eine von uns. Sie ist unsere Mutter und unsere Schwester. Da sie viel gelitten hat, kann sie auch trösten. Diesen mütterlichen Trost wünschen wir denen, die jetzt leiden und verzweifelt sind, und wir beten für sie und mit ihnen: „Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes! O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.“

Abt em. Benedikt Müntnich OSB


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