Pflanzen-Service (Laacher Kräuterblätter)

Salbei (Salvia)

Laacher Kräuterblätter Lippenblütler

Es existieren weltweit ca. 900 Arten aus der Gattung Salbei (Salvia). Darunter finden sich ein- und zweijährige Arten, aber auch mehrjährige, sommergrüne und immergrüne Arten. Viele Arten dieser Lippenblütler-Gewächse (oder neue Bezeichnung: Taubnessel-Gewächse) sind wahre Augenweiden, vor allem mit ihren meist blau bis violetten oder roten Blütenfarben. Seltener sind dagegen z.B. gelb blühende Arten.

Pflanzenbeschreibung

Beliebt sind bei uns als Sommerflor vor allem die einjährigen Arten wie z. B. der Mehlsalbei (S. farinacea) oder der rotblühende Feuersalbei (S.splendens), aber auch der winterharte Steppensalbei (S. nemorosa).

Mehrjährig, aber nicht winterhart sind einige Arten mit fruchtigen Aromen, die vor allem als Teepflanze immer mehr Liebhaber finden.

Unter den Arten, die gleichermaßen als Küchenkraut und auch als Heilpflanze geeignet sind, sticht vor allem der Echte Salbei oder Gartensalbei (S. officinalis) hervor. Auch ohne seine Talente als Heil- und Würzkraut ist er für jeden Garten eine Bereicherung, egal ob es sich um die „normale“ Art mit ihren blau-grünlichen Blättern oder einer der buntlaubigen Unterarten handelt.

Die Blätter des Echten Salbei sind länglich, schmal und beharrt. Die intensiven blauen – für Lippenblütler-Gewächse typischen – Blütenrispen und der runde Aufbau der Pflanze machen ihn zu einer attraktiven Gartenpflanze. Je nach Art kann der Salbei ca. 80-100 cm hoch und ca. 60-80 cm breit werden. Der Salbei gehört wie der Lavendel zu den immergrünen Halbsträuchern.
Er zieht also nicht wie die Stauden (und damit viele Kräuter) im Herbst ein, sondern ist auch im Winter noch ein Lichtblick im ansonsten eher kargen Garten. Das bedeutet aber auch, dasd man selbst im Winter immer noch schnell im Garten etwas frischen Salbei ernten kann, entweder als Gewürz – für den besonderen Pfiff bei mediterranen Gerichten – oder aber auch um schnell einen Tee, Tinktur oder Gurgellösung etc. aufzugießen.

Natürlich können die Blätter des Salbeis auch gut getrocknet werden, sie besitzen auch dann noch genug ihrer Heilkraft. Wenn man den Ernteschnitt nicht zu stark und nicht zu spät im Sommer macht, hat der Salbei noch ausreichend Zeit, bis zum Herbst erneut gut auszutreiben. Ältere und verholzte – sog. „hochbeinige“- Salbeipflanzen kann man ohne Schwierigkeiten stark zurückschneiden, sie verjüngen sich meist ohne Probleme aus dem alten Holz. Wenn man Zweifel über die Stelle für einen starken Rückschnitt hat (weil die Triebe an der Basis evtl. zu stark verholzt sind), sollte der Neuaustrieb im Frühjahr abgewartet werden. Dann kann man sehen, an welchen Stellen noch Leben ist.

Im Gegensatz zu vielen anderen Salbei-Arten ist der Echte Salbei absolut winterhart. Die buntblättrigen Arten bleiben etwas kürzer, sind aber allein vom Laub her eine Zierde für jeden Garten z. B.:

  • Salvia officinalis „Albiflora“ ist eine weißblühende Varietät
  • Salvia officinalis „Tricolor“, der dreifarbige Gartensalbei in rosa, weiß und grün
  • Salvia officinalis „Purpurascens“ mit purpurfarbenen Blättern
  • Salvia officinalis “Aurea” oder „Icterina“ mit gelb-marmorierten Blättern

Der Salbei liebt einen sonnigen Platz, sollte einen durchlässigen Boden haben und kommt eher mit Trockenheit zurecht als mit Staunässe. Während die eher fruchtigen Salbei-Arten aus Mittel- und Südamerika stammen, ist der Echte Salbei im Mittelmeerraum und Kleinasien beheimatet.

Die Blütenfarbe ist bei den meisten europäischen und asiatischen Salbei-Arten blau bis lila, selten weiß und rosa. Die Hochblätter an den Blütenrispen (Scheinähren) können sehr unterschiedliche Farben haben. Die Blütezeit beim Echten Salbei (Gartensalbei) ist in der Regel zwischen Juni und August.

    Verwendung

    Bei allen Salbei-Arten, die für die kommerzielle Weiterverarbeitung angebaut werden, ist die Zusammensetzung der ätherischen Öle teilweise grundverschieden. Ein absoluter Einzelfall in der ganzen Familie der Lippenblütler-Gewächse (Lamiaceae) ist der Heilige Salbei oder Azteken-Salbei (Salvia divinorum), der wegen seines Gehaltes an psychoaktiven Inhaltsstoffen von den mittelamerikanischen Indianern für religiöse Rituale verwendet wurde.

    Aber auch ohne solche psychoaktiven Inhaltsstoffe sind die ätherischen Öle (die ca. 1-2,5% der pflanzlichen Inhaltsstoffe ausmachen) wegen ihrer Konzentration in Übermaßen eher das Gegenteil von hilfreich und heilsam. Typisch sind als Inhaltsstoffe Thujon (35% bis 60% der ätherischen Öle) 1,8-Cineol, Kampfer, Borneol und Salven. Wie erwähnt, ist die Zusammensetzung je nach Art sehr unterschiedlich.

    So fehlt dem Spanischen Salbei (Salvia lavandulifolia) das Thujon und der Bitterstoff Carnosol, dafür hat er einen höheren Gehalt an Cineol (29%) und Kampfer (18%). Der Griechische Salbei (Salvia triloba) hat einen sehr hohen Gehalt an Cineol (64%) und sehr wenig Thujon (5%) und Kampfer (8%). Diese Arten sind deshalb als Heilpflanze nicht so geeignet. Im Gegensatz zum Dalmatinischen Salbei (Salvia officinalis ssp. minor): Thujon (35-60%), 1,8-Cineol (29%), Kampfer (18%) und Borneol (16%).

    Thujon findet sich unter anderem auch in der Thuja, Wermut und Beifuß. Es wird als gesundheitsschädlich eingestuft, vor allem als Hauptbestandteil des Wermuts. Er wird mitverantwortlich für die psychoaktive Wirkung von Absinth (der in Europa teilweise immer noch verboten ist) gemacht. Deswegen muss man auch hier wieder Paracelsus zitieren.

    Dass die Heilungskräfte des Salbeis spätestens seit dem Mittelalter allerhöchstes Ansehen hatten, verrät der botanische Name, der wie so oft (aber nicht immer) aus dem lateinischen kommt: salvus = gesund; salvere/salvare = retten/heilen. Während Dioskurides ihn auflistet, wird der Pflanze in der Antike bis ins frühe Mittelalter eine nur untergeordnete Rolle zugewiesen. Plinius d. Ä.(23-79 n. Chr.) war er nur wenige Zeilen wert – ein eher ungewöhnlicher Umstand.

    Das änderte sich mit der karolingischen Ära, Karl der Große (748-814) führte den Salbei in seinem „Capitulare de Villis“ und auch im St. Gallener Klosterplan durfte Salvia nicht fehlen. Abt Walahfrid Strabo (808-849) verglich den Salbei (bzw. seine eher ungewöhnliche Wachstumsart, nämlich dass die neuen Triebe aus der unteren Basis kommen) mit der damaligen politischen Situation. Der Mönch wurde zwischen 829 und 840 als Erzieher des jungen Prinzen Karl (später Karl der II.) an den Kaiserhof zu Aachen bestellt. Er beginnt mit dem Salbei sein „Hortulus“ und stellt somit die große Bedeutung des Heilkrautes heraus. Er traute dem Kraut die Heilung der meisten menschlichen Gebrechen zu.

    Im „Regimen sanitatis salernitanum“ – einer Sammlung einfacher Merksätze über die Heilkräfte von Pflanzen aus dem 14. Jahrhundert – wird sogar die Frage gestellt: „Warum stirbt den überhaupt der Mensch, der Salbei im Garten wächst?“

    Der Botaniker und Arzt Hieronymus Bock (1498-1554) schreibt in seinem „Kreuterbuch“: „Unter allen stauden ist kaum eyn gewächs über die Salbey, denn es dienet dem arztet, koch, keller, arme und reichen.“

    Die kräuterkundige Äbtissin Hildegard von Bingen wird aus ihrem „Physica“ zitiert: „Der Salbei ist von warmer und trockener Natur, … und er ist nützlich gegen die kranken Säfte, weil er trocken ist. … Nimm aber Salbei und pulverisiere ihn, iss dieses Pulver mit Brot, und es vermindert den Überfluss der schlechten Säfte in dir.“

    Salbei ist auch ein Mariensymbol. So ist wahrscheinlich auch zu erklären, warum im Mittelalter so viele Rezepte mit seltsam anmutenden, abergläubischen Ritualen in Verbindung mit christlichen Gebeten auftauchten.

    Die Indikationen für Salbei sind mannigfaltig, so dass man dem Satz aus dem „Regimen sanitatis salernitanum“ auch heute noch fast glauben mag: Er wirkt wundheilend, Appetit anregend, krampflösend, entschlackend, harntreibend, Blutdruck steigernd und fördert die Monatsblutung.

    Allerdings ist lediglich ein Teil wissenschaftlich anerkannt, so die antiseptische Wirkung z. B. bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Zahnschmerzen, Verdauungsproblemen und gegen Schweißausbrüche. Darüber hinaus wirkt er bei Diabetes, Herzschwäche, allgemeiner Erschöpfung, asthmatischen und bronchialen Erkrankungen. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Salbei nicht verwendet werden – es sei denn zum Abstillen.

    Die Möglichkeiten aus Salbei Medizin für die Hausapotheke zu gewinnen, sind sehr vielfältig. Das geht über Tee, Tinktur, Kräuterwein, Verwendung des ätherisches Öls bis zu Wundumschlägen usw.

    Salbei ist seit geraumer Zeit auch Bestandteil von Zahncremes und Mundwässern, man macht sich auch hier seine antiseptische Wirkung zunutze. Entzündungen im Mundraum können mit einer Mundspülung erfolgreich bekämpft werden. Von den frischen Blättern wird ein Tee aufgebrüht und mit dem ersten Aufguss mehrmals täglich gegurgelt. Den zweiten Aufguss kann man dann sehr gut als Tee trinken. Der erste Aufguss aus frischen Salbei-Blättern ist nicht nur sehr bitter, sondern natürlich auch sehr gehaltvoll, deswegen empfiehlt sich für einen Tee der zweite Aufguss. Eine Alternative dazu wäre es, den Tee lediglich 5 statt der üblichen 10 Minuten ziehen zu lassen.

    Wegen seiner nicht ganz ungiftigen Inhaltsstoffe sollte von der innerlichen Einnahme von Salbei über einen längeren Zeitraum abgesehen werden. Die Tageshöchstdosis wird mit ca. 6 g angegeben. Aber auch in der Küche ist Salbei eine Bereicherung, vor allem bei mediterranen Gerichten mit Fisch oder Fleisch – das Internet ist voll von tollen Gerichten.

    Züchtung

    Auch bei der Züchtung von Salvia officinalis hat sich einiges getan: So gibt es es z. B. die Sorte „Nazareth“ – der sog. Marzipan- oder Balsamsalbei. Er wächst – für einen „normalen“ Salbei – verhältnismäßig kompakt. Die Blätter sind etwas filigraner und haben ein süß-herbes Aroma. Die Sorte „Berggarten“ hat – wie die Sorte „Herrenhausen“ – ein relativ breites Blatt – ist aber nicht so winterhart. Beim Salvia off. cristata ist das Blatt zusätzlich noch gekräuselt.

    Für den heimischen Wiesensalbei (Salvia pratensis) gelten eigentlich die gleichen Indikationen wie für Salvia officinalis – allerdings ist er lange nicht so wirksam, aber im Notfall besser als gar nichts! Und auch als Bereicherung im Garten immer noch interessant.


    Zurück