Laacher Messbuch

Erster Fastensonntag

22. Februar 2026

Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören.
Ich bin bei ihm in der Not,
befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.
Ich sättige ihn mit langem Leben
und lasse ihn mein Heil schauen.
Ps 91 (90),15–16

Schon an Aschermittwoch wurde uns beim Empfang des Aschenkreuzes zugesprochen: »Kehre um und glaube an das Evangelium«, vielleicht auch die etwas härtere Formel »Bedenke, dass du Staub bist und zum Staube zurückkehrst«. Das klingt mehr nach Beerdigung als nach Ostern, trifft aber das, was heute an diesem ersten Fastensonntag in der ersten Lesung (vgl. Gen 2, 7–9; 3, 1–7) anklingt, zumindest in der Fortsetzung dieser Erzählung, in der die Schlange dazu verdammt werden wird, im Staub zu kriechen ein Leben lang. Denn die Schuldzuweisung ist klar: Nur auf Geheiß der Schlange hin greifen Adam und Eva nach dem Baum der Erkenntnis. Doch woher die Schlange kam und wer ihr den Auftrag zur Verführung gegeben hat, bleibt jedoch unerwähnt und damit der theologischen Deutung überlassen.

Kyrie-Rufe


Gott ist die Quelle unseres Lebens. Ohne ihn führt auch das Brot in den Tod.
Kyrie, eleison.
Gott ist der Garant unseres Lebens. Ohne ihn gibt es weder Glück noch Sicherheit.
Christe, eleison.
Gott ist das Leben selbst. Ohne ihn besitzen wir das Nichts.
Kyrie, eleison.

Tagesgebet


Allmächtiger Gott, du schenkst uns die heiligen vierzig Tage als eine Zeit der Umkehr und der Buße. Gib uns durch ihre Feier die Gnade, daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen. Darum bitten wir durch ihn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Erste Lesung

Gen 2,7–9; 3,1–7
Lesung aus dem Buch Génesis.
Gott, der HERR, formte den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.
Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.
Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS »Von der Erde bist du genommen, zur Erde kehrst du zurück«, so lautet es im kirchlichen Ritus der Beisetzung am Grab eines Menschen. Die Lesung führt uns zum Ursprung dieser Formel, wo die Erschaffung des Menschen aus dem Ackerboden erzählt wird. Wirklich zum Leben kommt der Mensch durch den göttlichen Odem, der ihm eingehaucht wird. Der Schrifttext will zugleich aber auch Antwort geben auf die drängenden Fragen, die sich dem Menschen stellen, wenn er nach sich und nach dem Sinn seines Lebens fragt, wenn er sich mit sich selbst konfrontiert und sein Leben unter dem Horizont des nahenden Todes bedenkt. Wird er nur geboren, um zu sterben? Die Schilderung des Sündenfalls möchte zu einer sinnstiftenden Antwort führen: Gott möchte nicht den Tod des Sünders, sondern dass dieser lebt. Der Ruf in die Gemeinschaft mit ihm gründet in seiner Gottesebenbildlichkeit.

Antwortpsalm

Ps 51 (50),3–4.5–6b.12–13.14.17 (Kv: vgl. 3)
Kv Herr, sei bei mir in der Bedrängnis! – Kv

Kv Erbarme dich unser, o Herr,
denn wir haben gesündigt. – Kv

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, *
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab *
und mach mich rein von meiner Sünde! – (Kv)

Denn ich erkenne meine bösen Taten, *
meine Sünde steht mir immer vor Augen.
Gegen dich allein habe ich gesündigt, *
ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. – (Kv)

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! – (Kv)

Gib mir wieder die Freude deines Heiles, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Herr, öffne meine Lippen, *
damit mein Mund dein Lob verkünde! – Kv

Zweite Lesung

Röm 5,12–19
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder! Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten.
Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheimgefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteilgeworden.
Und anders als mit dem, was durch den einen Sünder verursacht wurde, verhält es sich mit dieser Gabe: Denn das Gericht führt wegen eines Einzigen zur Verurteilung, die Gnade führt aus vielen Übertretungen zur Gerechtsprechung.
Denn ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteilwurde, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS In der zweiten Lesung wird der Moment des Sündenfalls aufgegriffen und durch Paulus auf die Erlösungstat Jesu am Kreuz gedeutet: die Übertretung von damals wird heute gesühnt durch das freiwillige Opfer Jesu am Kreuz. Aber über beiden Momenten der Heilsgeschichte schwebt der Wille Gottes bzw. seine Einbettung in die Schöpfungs- und Erlösungsordnung. Es bleibt eine Spannung, die nur im Wissen um Ostern aufgelöst werden kann. Paulus deutet daher das Geschehen von Golgota als jenen Tag der »Gerechtsprechung«, der zum Wendepunkt des Heils wurde: »Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt« (vgl. Röm 5,18).

Oder: Kurzfassung: Röm 5,12.17–19
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder! Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil
alle sündigten.
Denn ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteilwurde, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.
Wort des lebendigen Gottes.

Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Mt 4,4b
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! – Kv
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!

Evangelium

Mt 4,1–11
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift:
Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.
Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Für den Einstieg in die österliche Bußzeit wird uns im Evangelium Mut zugesprochen, in den Versuchungen des Lebens standzuhalten und nach dem Beispiel Jesu die notwendige Kraft aufzubringen, um sich allein dem Guten zuzuwenden (vgl. Mt 4,1–11). Hierzu ist es denn auch wichtig, sich in allem als ein geliebtes Gegenüber Gottes zu verstehen. Dies schließt denn auch alles mit ein, was uns ausmacht: die guten wie auch die schlechten Seiten, unsere Stärken wie auch unsere Schwächen.

Credo



Fürbitten


Auf die Liebe und Treue Gottes vertrauend beten wir zu ihm, unserem Vater:
V: Gott, unser Vater. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Für alle Christen: um Bewahrung vor den Verlockungen des Bösen und um die Kraft, sich für das Gute zu entscheiden.
– Für die Mächtigen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: um Bewahrung vor der Versuchung zu Unterdrückung und Habgier und um die Kraft, für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen.
– Für die Opfer von Überheblichkeit und Gewalt: um Bewahrung vor Rache und Vergeltung und um Befreiung aus ihrer Not.
– Für die Täter von Unrecht und Verbrechen: um Bewahrung vor Verhärtung und Verblendung und um die Kraft zur Umkehr und Wiedergutmachung.
– Für uns selbst: um Bewahrung vor der Verharmlosung des Bösen und um die Kraft, mit Entschiedenheit Gutes zu bewirken.
– Für unsere Verstorbenen: um das ewige Leben.
Herr, unser Gott, du schenkst uns die Kraft, Gutes zu tun. Wir danken dir und loben und preisen dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer, das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern. Nimm mit diesen Gaben uns selbst an und vereine unsere Hingabe mit dem Opfer deines Sohnes, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn er hat in der Wüste vierzig Tage gefastet und durch sein Beispiel diese Zeit der Buße geheiligt. Er macht die teuflische List des Versuchers zunichte und läßt uns die Bosheit des Feindes durchschauen. Er gibt uns die Kraft, den alten Sauerteig zu entfernen, damit wir Ostern halten mit lauterem Herzen und zum ewigen Ostern gelangen. Darum preisen wir dich mit den Kerubim und Serafim und singen mit allen Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Im Vaterunser bitten wir um den Geist der Unterscheidung und wir bitten um den Beistand des Geistes. Dass Jesus uns gerade diese Bitte anempfiehlt, spiegelt seine eigene Erfahrung in der Wüste wie im Garten Getsemani wider. So bitten und beten wir: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Wir sind gerecht gemacht aus dem Glauben. So haben wir den Auftrag, in unserer Kirche und in der Gesellschaft dafür Sorge zu tragen, dass Gerechtigkeit und Frieden herrschen. So bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Mt 4,4
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Oder: Ps 91 (90),4
Mit seinen Flügeln schirmt dich der Herr, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht.

Schlussgebet


Gütiger Gott, du hast uns das Brot des Himmels gegeben, damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen. Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot, das der Welt das Leben gibt, und stärke uns mit jedem Wort, das aus deinem Mund hervorgeht. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Vom Leiden des Herrn
Der barmherzige Gott, der seinen Sohn für uns dahingegeben und uns in ihm ein Beispiel der Liebe geschenkt hat, segne euch und mache euch bereit, Gott und den Menschen zu dienen.
Und Christus, der Herr, der uns durch sein Sterben dem ewigen Tode entrissen hat, stärke euren Glauben und führe euch zur unvergänglichen Herrlichkeit.
Und allen, die ihm folgen auf dem Weg der Entäußerung, gebe er Anteil an seiner Auferstehung und an seiner Herrlichkeit.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Bei aller Dramatik dessen, was in den kommenden Wochen der österlichen Bußzeit mit Jesus geschehen wird, müssen wir immer mit bedenken: Gott will nicht den Tod, sondern das Leben. Jesus ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben (vgl. Joh 10, 10). In ihm ist der neue Mensch sichtbar geworden, der ursprüngliche Mensch, wie Gott ihn am Anfang gemeint und geschaffen hat, und zu diesem hin sollen wir uns in der österlichen Bußzeit wieder entwickeln. Nur dies ist gemeint, wenn wir zur Umkehr gerufen sind.

Sascha Jung