Laacher Messbuch

2. Fastensonntag

17. März 2019

Mein Herz denkt an dein Wort:
Sucht mein Angesicht!
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Verbirg nicht dein Gesicht vor mir!
Ps 27,8–9
Oder:

Denk an dein Erbarmen, Herr, und an die Taten deiner Huld;
denn sie bestehen seit Ewigkeit.
Laß unsere Feinde nicht triumphieren!
Befreie uns, Gott Israels, aus all unseren Nöten.
Ps 25,6.2.22

Für den Beter von Psalm 27 ist Gott die letzte Rettung! Und zwar nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Gott ist für ihn die »rettende Kraft« seines Lebens geworden! Dabei erinnert er sich in seinem Herzen, also dort, wo für den Hebräer Gefühl und Verstand zusammenkommen, dass Gott ja selbst dazu auffordert: »Sucht mein Angesicht!« Gott will sehen und gesehen werden. Im Sehen und Wahrnehmen verringert sich die Distanz und Vertrauen entsteht. Wem ich ohne Scheu ins Antlitz zu blicken vermag, bei dem kann ich auch eine Heimat finden. Gottes Blick zensiert nicht. Er nimmt mich so wahr, wie ich bin. Und Gott weiß, was ich wirklich brauche. Er schenkt es mir, weil ihm die Freiheit und das Wachstum seines Geschöpfs am Herzen liegt.

Kyrie-Rufe

GL 130 • KG 56
Herr Jesus Christus, du lässt uns deine Herrlichkeit sehen. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist Gottes auserwählter Sohn. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, auf dich sollen wir hören. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet


Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören. Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Gen 15,5–12.17–18
Lesung aus dem Buch Genesis.
In jenen Tagen führte der HERR Abram hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Und er glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.
Er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu eigen zu geben.
Da sagte Abram: Herr und GOTT, woran soll ich erkennen, dass ich es zu eigen bekomme?
Der HERR antwortete ihm: Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine junge Taube!
Abram brachte ihm alle diese Tiere, schnitt sie in der Mitte durch und legte je einen Teil dem andern gegenüber; die Vögel aber zerschnitt er nicht.
Da stießen Raubvögel auf die toten Tiere herab, doch Abram verscheuchte sie.
Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf. Und siehe, Angst und großes Dunkel fielen auf ihn.
Die Sonne war untergegangen und es war dunkel geworden. Und siehe, ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel waren da; sie fuhren zwischen jenen Fleischstücken hindurch.
An diesem Tag schloss der HERR mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Eufrat-Strom. |F

¬ Abraham besitzt zweifellos Mut. In einem Alter, da sich die meisten seines Jahrgangs auf einen ruhigen Lebensabend einstellen, folgt er dem Ruf Gottes (Gen 12,1ff.). Er macht sich auf den Weg in ein Land, das er noch nicht kennt. Er vertraut darauf, dass Gott ihm nicht das Blaue vom Himmel herunter verspricht. Und so will Gott mit Abraham einen Bund schließen. Mit einem archaisch anmutenden Ritus wird dieser Bund besiegelt. Die beiden Hälften der geopferten Tiere symbolisieren die beiden Vertragspartner. Abraham tut seinerseits alles dafür, dass dieser Bund zustande kommen kann, und verscheucht des Tags die Vögel, die das Opferfleisch fressen wollen. Vor dem nächtlichen Ritus lässt Gott Abraham in einen tiefen Schlaf fallen. Dieser spürt unterschwellig das Herannahende und bekommt darüber unheimliche Angst. In der Dunkelheit ereignet sich dann die Theophanie (Erscheinung) Gottes in Rauch und Feuer. Gott ist präsent und besiegelt den Bund. Abrahams Mut und sein Vertrauen in Gott wird sich für ihn und seine Nachkommen als segensreich erweisen. Er selbst wird sich in der Begegnung mit Gott verändern. Aus Abram wird »Abraham«: der »Vater einer Menge«.

Antwortpsalm

Ps 27,1.7–9.13–14 (|R: 1a)
|R: Der HERR ist mein Licht und mein Heil.
Der HERR ist mein Licht und mein Heil: *
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: *
Vor wem sollte mir bangen? – |R
Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; *
sei mir gnädig und gib mir Antwort!
Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! *
Dein Angesicht, HERR, will ich suchen. – |R
Verbirg nicht dein Angesicht vor mir; /
weise deinen Knecht im Zorn nicht ab! *
Du wurdest meine Hilfe.
Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, *
du Gott meines Heiles! – |R
Ich bin gewiss, zu schauen *
die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
Hoffe auf den HERRN, /
sei stark und fest sei dein Herz! *
Und hoffe auf den HERRN! – |R

Zweite Lesung

Phil 3,17 – 4,1 (Kf: 3,20 – 4,1)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi.
Ahmt auch ihr mich nach, Brüder und Schwestern, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt!
Denn viele – von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche – leben als Feinde des Kreuzes Christi.
Ihr Ende ist Verderben, ihr Gott der Bauch und ihre Ehre besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
Denn unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich auch alles unterwerfen kann.
Darum, meine geliebten Brüder und Schwestern, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im Herrn, Geliebte! |F

¬ »Heimat« – das ist ein oft gebrauchtes, aber auch häufig überstrapaziertes Wort. Es kann zum rückwärtsgewandten Inbegriff einer verklärten Vergangenheit werden, in der gefühlt »alles besser«, weil geordnet und übersichtlich, war. Es kann aber auch eine zukünftig utopische Auslegung erfahren, bei der man alle noch nicht erfüllten Hoffnungen in eine Heimat projiziert, in die man noch gelangen will. Zwischen der Vergangenheit und der Zukunft nun liegt die Gegenwart, an der man oft genug leidet, die es aber gleichwohl zu meistern gilt. Dieses Problem stellt sich jeder Generation aufs Neue. Die frühen Christen um Paulus haben sich für das utopische Verständnis von »Heimat« entschieden. In ihrem Erleben hatte diese »Heimat« schon einen konkreten Ort, nämlich »im Himmel«. Von dort her erwarteten sie das Kommen Jesu Christi, des Retters. Durch die Taufe, in der sie dem »alten Menschen« gestorben waren und den »neuen Menschen« angezogen hatten, waren sie ihrer »himmlischen Heimat« schon ein Stück nähergekommen. Ihre endgültige Verwandlung würde von ihrem Herrn Jesus Christus her erfolgen. Das Leben zwischen »jetzt« und »zukünftig«, zwischen »hier« und »dort« war zweifellos spannungsreich. Dennoch sollten die Christen nach dem Willen des Paulus diese Spannung aushalten. Keiner der beiden Spannungspole sollte vor der Wiederkunft Christi aufgelöst werden. Das war und ist wesentlich für die Gestaltung christlichen Lebens in der Gegenwart. Auf diesem Hintergrund könnten wir einmal die Frage stellen: Wo sehen wir unsere »Heimat« als Christen heute? Haben wir uns eine über die Zeit hin selbst geschaffen oder sehnen wir uns nach einer anderen, auf die wir uns hinbewegen wollen?

Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Mt 17,5
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!

Evangelium

Lk 9,28b–36
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit aber nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus mit sich und stieg auf einen Berg, um zu beten.
Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
Und siehe, es redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in Herrlichkeit und sprachen von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
Und es geschah: Als diese sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.
Während er noch redete, kam eine Wolke und überschattete sie. Sie aber fürchteten sich, als sie in die Wolke hineingerieten.
Da erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
Während die Stimme erscholl, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen niemandem von dem, was sie gesehen hatten. |F

¬ Die Erzählung von der »Verklärung Jesu« hat eine besonders reiche Wirkungsgeschichte. Die stark visuelle Grundausrichtung des Textes macht es den bildendenden Künsten seit jeher besonders leicht. Auch Petrus ist von dem, was er und die beiden anderen Jünger sehen, überwältigt. Seine Reaktion (»Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija«) vermittelt den Eindruck, als wolle er das Gesehene auf eine quasi materielle Weise festhalten. Dass dies nicht angemessen ist, macht die Stimme Gottes im Anschluss deutlich. Sie formuliert die zentrale christologische Aussage: »Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.« Himmel und Erde werden darin auf unüberbietbare Weise miteinander verbunden. Für die Jünger heißt das: Es soll euch nicht um den Bau von christlichen Erinnerungs- oder Denkmälern gehen, sondern um das beständige und aktive Hören auf die Stimme Jesu Christi jetzt, hier und in alle Zeit.

Credo



Fürbitten


Barmherziger Gott, du hast den Jüngern auf dem Berg gezeigt, wer Jesus wirklich ist: dein auserwählter Sohn. Mit unseren Bitten dürfen wir zu ihm und zu dir kommen:
V/A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Schenke uns in dieser Fastenzeit immer wieder Lichtblicke.
– Gib den Kranken immer wieder neue Hoffnung.
– Lass die Mutlosen erkennen, wer du wirklich bist.
– Schicke den Armen immer wieder Menschen, die sie unterstützen.
– Gib uns allen Lichtblicke in unseren ganz eigenen Nöten.
– Schenke den Trauernden Momente der Verbundenheit und des Trostes.
– Gib den Verstorbenen Heimat bei dir.
Wir danken dir und bitten dich. Bleibe uns nahe. Jetzt und immer. Amen.

Gabengebet


Herr, das Opfer, das wir feiern, nehme alle Schuld von uns. Es heilige uns an Leib und Seele, damit wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel, zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn er hat den Jüngern seinen Tod vorausgesagt und ihnen auf dem heiligen Berg seine Herrlichkeit kundgetan. In seiner Verklärung erkennen wir, was Gesetz und Propheten bezeugen: daß wir durch das Leiden mit Christus zur Auferstehung gelangen. Durch ihn rühmen wir deine Größe und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Jesus Christus ist Gottes auserwählter Sohn. Mit ihm zusammen dürfen wir zum Vater beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Frieden ist das, was die Welt im Großen und im Kleinen am meisten braucht. Menschen können sich einsetzen für den Frieden. Aber letztlich ist er ein Geschenk Gottes. So beten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Mt 17,5
Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe: Auf ihn sollt ihr hören.

Schlussgebet


Herr, du hast uns im Sakrament an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben. Wir danken dir, daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt an dem, was droben ist. Durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Vom Leiden des Herrn
Der barmherzige Gott, der seinen Sohn für uns dahingegeben und uns in ihm ein Beispiel der Liebe geschenkt hat, segne euch und mache euch bereit, Gott und den Menschen zu dienen.
Und Christus, der Herr, der uns durch sein Sterben dem ewigen Tode entrissen hat, stärke euren Glauben und führe euch zur unvergänglichen Herrlichkeit.
Und allen, die ihm folgen auf dem Weg der Entäußerung, gebe er Anteil an seiner Auferstehung und an seiner Herrlichkeit.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.