Laacher Messbuch

30. Sonntag im Jahreskreis

25. Oktober 2020

Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen.
Sucht den Herrn und seine Macht,
sucht sein Antlitz allezeit.
Ps 105,3–4

Die erste Predigt eines neuen Pfarrers in seiner Gemeinde wurde mit großer Spannung erwartet. Er predigte über die Liebe zu Gott und zum Nächsten – und erntete viel Lob von seinen Pfarrkindern. Als er am darauffolgenden Sonntag die gleiche Predigt hielt, waren manche verwundert, andere vermuteten, er habe in seiner Aufregung und Unerfahrenheit aus Versehen noch einmal das Manuskript von der vorhergehenden Woche eingesteckt. Als aber am dritten Sonntag wieder die gleiche Predigt kam, reagierten die Gläubigen ungehalten und man stellte ihn zur Rede. Die Antwort des Pfarrers: Wenn ihr die Liebe zu Gott und zum Nächsten praktiziert und damit Ernst macht, brauche ich diese Predigt nicht mehr zu halten; aber solange ihr nur zuhört und euch nicht ändert, werde ich euch weiterhin diese Botschaft Jesu ins Gewissen predigen.
Wir alle kennen das Hauptgebot Jesu: das Doppelgebot der Liebe. Und genauso wissen wir, wie schwer es uns fällt, im Alltag danach zu leben.


Kyrie-Rufe

GL 151 • KG 57
Herr Jesus Christus, wir glauben an deine Gegenwart. Herr, erbarme dich.
Wir hoffen auf deine Barmherzigkeit. Christus, erbarme dich.
Wir wollen leben aus deiner Liebe. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade zu lieben, was du gebietest, damit wir erlangen, was du verheißen hast. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Ex 22,20–26
Lesung aus dem Buch Éxodus.
So spricht der Herr: Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen. Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden.
Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Gläubiger benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Zins fordern. Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand, dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben; denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen? Wenn er zu mir schreit, höre ich es, denn ich habe Mitleid. |F
Wort des lebendigen Gottes.

¬ Geht es einem Menschen schlecht, freut er sich, wenn andere ihn unterstützen und aus der Krise heraushelfen. Doch ist eine schwere Phase erst einmal überwunden und hat man wieder Fuß gefasst, ist es nicht für alle selbstverständlich, selbst zum Helfenden zu werden, wenn andere Mitmenschen in Not geraten. Diese Erfahrung hat nicht nur das Volk Israel gemacht; sie trägt sich durch alle Generationen bis in unsere Gegenwart hinein. Die Erfahrung des Glücks lässt allzu leicht das Durchleben von Durststrecken und das Annehmen helfender Hände vergessen. Im Bundesbuch des Mose soll das Volk Israel sensibel gemacht und zum Helfen angeregt werden. Wie selbstverständlich klingen doch diese Vorschriften; aber wie oft ertappen wir uns selbst dabei, auf unseren eigenen Vorteil bedacht zu sein und anders zu handeln.

Antwortpsalm

Ps 18 (17),2–3.4.47.51.50 (Kv: 2)
Kv Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke. – Kv

Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke, *
HERR, du mein Fels und meine Burg und mein Retter;
mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, *
mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht. – (Kv)

Ich rufe: Der HERR sei hoch gelobt! *
und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels. *
Der Gott meiner Rettung sei hoch erhoben. – (Kv)

Seinem König verleiht er große Hilfe, /
Huld erweist er seinem Gesalbten, *
David und seinem Stamm auf ewig.
Darum will ich dir danken, HERR, inmitten der Nationen, *
ich will deinem Namen singen und spielen. – Kv

Zweite Lesung

1 Thess 1,5c–10
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalónich.
Schwestern und Brüder! Ihr wisst, wie wir bei euch aufgetreten sind, um euch zu gewinnen. Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn; ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. So wurdet ihr ein Vorbild für alle Glaubenden in Mazedónien und in Acháia.
Von euch aus ist das Wort des Herrn aber nicht nur nach Mazedónien und Acháia gedrungen, sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir darüber nichts zu sagen brauchen.
Denn man erzählt sich überall, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten, Jesus, den er von den Toten auferweckt hat und der uns dem kommenden Zorn entreißt. |F
Wort des lebendigen Gottes.

¬ Der erste Teil des 1. Thessalonicherbriefs ist ganz durchdrungen von der Dankbarkeit. Paulus erinnert die Gemeinde an das, was Gott Großes an ihr getan hat, wie er die Menschen erwählt und berufen hat. Es stimmt ihn sichtlich froh, dass die Gemeinde trotz aller Bedrängnis und aller Schwierigkeiten den Glauben angenommen hat und nun ein beredtes Zeugnis abgibt. Ihr Tun und Leben zieht Kreise; durch das gelebte Beispiel einer lebendigen Glaubensgemeinschaft werden andere angeregt, sich daran ein Vorbild zu nehmen. Wenn in unserer Zeit die Kirche viel an Aufmerksamkeit, an Anerkennung und Glaubwürdigkeit verloren hat, mag das auch daran liegen, dass wir nicht mehr das ausstrahlen, was wir im Innersten sind: eine Gemeinschaft von Menschen, die aus dem Glauben heraus versuchen, anders zu leben, als es in der säkularen Umwelt geschieht.

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Joh 14,23
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mich liebt, hält mein Wort.
Mein Vater wird ihn lieben und wir werden bei ihm Wohnung
nehmen.
Halleluja.

Evangelium

Mt 22,34–40
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit, als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie am selben Ort zusammen. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

¬ Viele Gesetze hatte ein gläubiger Jude zu beachten. Wenn sie auch alle gleiche Gültigkeit und Würde besaßen – denn sie stammten ja alle von Gott und wurden von Mose überliefert –, wurde doch zwischen schweren und leichten Geboten unterschieden, gemessen daran, ob ein Gebot einen größeren oder geringeren Aufwand erforderte. Die Antwort Jesu auf die Frage des Sadduzäers nach dem wichtigsten der Gebote macht daher deutlich, welchen Stellenwert für Jesus die Liebe zu Gott und zum Nächsten hat: Sie fordert die ganze Kraft des Menschen, sie muss mehr noch sein ganzes Leben, sein Handeln, Denken, Reden und Tun durchdringen.

Credo



Fürbitten


Zu Jesus Christus, unserem Herrn, der uns ein Beispiel der Liebe gegeben hat, lasst uns beten:
V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
– Für alle, die in Predigt und Katechese das Wort der Frohen Botschaft verkünden und auslegen: Lass sie mit Worten der Liebe zu Zeugen des Evangeliums werden.
– Für die Christen in den Gemeinden: Gib ihnen offene Ohren, dein Wort zu empfangen und ihr Leben daran auszurichten.
– Für Menschen, die im Streit leben: Schenke ihnen ein weites Herz, das verzeihen und in echter Liebe einen Neuanfang wagen kann.
– Für Kranke und Verzweifelte, für Mutlose und Einsame: Lass sie spüren, dass sie von dir geliebt werden.
– Für unsere Verstorbenen, die uns geliebt haben und denen wir manche Liebe schuldig geblieben sind: Schenke ihnen das Leben in Fülle.
Gott, du bist die Liebe. Darum wenden wir uns vertrauensvoll an dich und empfehlen dir unsere Mitmenschen und uns selber an. Lass uns deine Gegenwart spüren, der du lebst und uns liebst in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Allmächtiger Gott, sieh gnädig auf die Gaben, die wir darbringen, und laß uns dieses Opfer so feiern, daß es dir zur Ehre gereicht. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntag VI
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben. Denn in dir leben wir, in dir bewegen wir uns und sind wir. Jeden Tag erfahren wir aufs neue das Wirken deiner Güte. Schon in diesem Leben besitzen wir den Heiligen Geist, das Unterpfand ewiger Herrlichkeit. Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten und uns die sichere Hoffnung gegeben, daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet. Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Die Liebe des Vaters kennt keine Grenzen. Als seine Kinder dürfen wir zu im beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Jesus hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir leben sollen. Wenn wir einander lieben, wird jeder Streit beendet und der Friede wird Wirklichkeit. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Eph 5,2
Christus hat uns geliebt und sich für uns hingegeben als Gabe und Opfer, das Gott wohlgefällt.
Oder: Ps 20,6
Wir jubeln über die Hilfe des Herrn. Wir frohlocken im Namen unseres Gottes.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, gib, daß deine Sakramente in uns das Heil wirken, das sie enthalten, damit wir einst als unverhüllte Wirklichkeit empfangen, was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis VI
Gott, unser Vater, segne euch mit allem Segen des Himmels, damit ihr rein und heilig lebt vor seinem Angesicht.
Er lehre euch durch das Wort der Wahrheit; er bilde euer Herz nach dem Evangelium Christi und gebe euch Anteil an seiner Herrlichkeit.
Er schenke euch jene brüderliche Liebe, an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.