Laacher Messbuch

2. Sonntag im Jahreskreis

18. Januar 2026

Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.
Ps 66 (65),4

Johannes der Täufer erkennt in Jesus den ersehnten Messias. Ein Kreis schließt sich für ihn, weil sich die Verheißung des Alten Bundes endlich erfüllt und zugleich ist es ein Neubeginn: Alles verändert sich für die, die im Zimmermannssohn aus Nazaret den Sohn Gottes erkennen. Wir sind eingeladen und aufgefordert, wie Johannes auf Christus zu schauen und uns von Ihm innerlich ergreifen zu lassen.

Kyrie-Rufe


Herr Jesus Christus, Sohn des allmächtigen Vaters.
Kyrie, eleison.
In Dir verbinden sich Himmel und Erde.
Christe, eleison.
Gottes Geist ruht auf Dir.
Kyrie, eleison.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger Gott, du gebietest über Himmel und Erde, du hast Macht über die Herzen der Menschen. Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir; stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen, und schenke unserer Zeit deinen Frieden. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 49,3.5–6
Lesung aus dem Buch Jesája.
Der HERR sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
Jetzt aber hat der HERR gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammelt werde. So wurde ich in den Augen des HERRN geehrt und mein Gott war meine Stärke.
Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Die Prophetenworte über Israel als »Knecht« wollen kein Unterdrückungs- oder Machtverhältnis ausdrücken, sondern sind von Mitleid und Ermutigung geprägt. Das Volk wird nicht von der Hand Gottes niedergedrückt, sondern leidet unter Heimatlosigkeit, Verunsicherung, ist orientierungslos und untereinander uneinig.
Darum erinnert der Prophet sie an ihre Identität als Gottesvolk, an den ewigen Bund und das Versprechen JHWHs, die Verlorenen zu sammeln, Israel Heimat zu schenken und in ihrer Mitte, im Herzen des Volkes und der Menschen zu sein und zu bleiben. Diese Bindung und Beziehung wird durch das Wort »Knecht« dann nicht mehr angemessen bezeichnet, vielmehr sollen sie »Licht der Nationen« sein: Herausgerufen aus der Ver(w)irrung, heimgeführt in die Gemeinschaft Seines Bundes und leuchtendes Wegzeichen sollen die Menschen, soll das Gottesvolk sein, zum eigenen Wohl und zur Ehre Seines Namens, der groß sein soll, über alle Grenzen hinweg. Diesen Auftrag bekommen Geliebte und Vertraute, keine »Knechte«.


Antwortpsalm

Ps 40 (39),2.4ab.7–8.9–10 (Kv: vgl. 8a.9a)
Kv Mein Gott, ich komme;
deinen Willen zu tun, ist mein Gefallen. – Kv

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. *
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er gab mir ein neues Lied in den Mund, *
einen Lobgesang auf unseren Gott. – (Kv)

An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, /
doch Ohren hast du mir gegraben, *
Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. *
In der Buchrolle steht es über mich geschrieben. – (Kv)

Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen *
und deine Weisung ist in meinem Innern.
Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, *
meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es. – Kv

Zweite Lesung

1 Kor 1,1–3
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth.
Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sósthenes an die Kirche Gottes, die in Korínth ist – die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen –, mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen, bei ihnen und bei uns.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS In der Antike waren Briefe die übliche Kommunikationsform über weite Entfernungen hinweg. Es brauchte dazu Menschen, die lesen und schreiben konnten und außerdem Boten, um die Schriften persönlich zu überbringen. Briefe waren also nichts für kurze, schnelle Nachrichten, sondern hatten sich vielmehr zu Kunstformen entwickelt, die im Aufbau und der Wortwahl festen literarischen Regeln folgten und damit schon bestimmte Aussagen beinhalteten. So galt für die Eröffnung der dreigliedrige Aufbau: Absender, Adressaten, Gruß.
Paulus folgt dieser Ordnung: Er als Apostel Gottes schreibt an die Kirche Gottes in Korinth, der die in Christus »Geheiligten« angehören. Diese Formel ist identitätsstiftend und betont den Urgrund der Gemeinde. Paulus sieht sich als von Christus persönlich beauftragt und wendet sich in dessen Namen an die Gemeinde. Er gehorcht also keiner weltlichen Autorität und wird nicht von Ehrgeiz und persönlichen Interessen geleitet, sondern ist ganz und gar durchlässig für die Frohe Botschaft. Die Gemeindemitglieder bilden die »ekklesia«, Kirche. Berufen, herausgerufen aus der Menge durch Christus selbst, durch Sein Handeln. Sie sind »geheiligt« durch Christus, dessen Namen sie tragen, bis heute! Auch wir tragen Seinen Namen, sind Christen. Gehören auch wir Seiner Kirche an, weil wir durch Seine Gnade und Zuwendung mit Ihm und untereinander herausgerufen und verbunden sind oder sind wir zu Gewohnheitschristen geworden?


Ruf vor dem Evangelium

Joh 1,14a.12a
Halleluja. Halleluja.
Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Allen, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.
Halleluja.

Evangelium

Joh 1,29–34
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.
Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.
Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Als Johannes der Täufer Jesus erkennt, geht dieses Erkennen weit über das reine Sehen hinaus. Im Anblick dieses Menschen erfüllt sich für Johannes die Prophetie Jesajas vom Gottesknecht als Lamm (vgl. Jes 53,7) und zugleich ist dies auch das erste Wort, das der Täufer im Johannesevangelium über Jesus spricht: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. In dieser ersten Begegnung und im ersten Wort erfährt Johannes die Erfüllung der ganzen Verheißung. Dieser ist es! Das gewöhnliche und alltägliche Wasser, mit dem er die Menschen taufte, ist sein sichtbares Zeichen für Umkehr und Neuanfang, sinnlich erfahrbar. Die »Taufe« Jesu, die in diesem Evangelium nicht explizit beschrieben wird, vollzieht sich, als »der Geist Gottes vom Himmel herabkam wie eine Taube«. Das ist kein sinnlich-dinglich erfahrbares Zeichen wie Wasser, sondern Johannes und alle, die dabei waren, spüren und fühlen eine innige und zugleich entgrenzende Verwandlung: Jesus und Gott werden eins im Geist, die Identität Jesu offenbart sich: Er ist Menschensohn UND Gottessohn, nicht nur für einen Moment, sondern als bleibende Verbindung: Gesalbter, Erwählter, Retter und Messias.

Credo



Fürbitten


Herr Jesus Christus, du zeigst uns den Weg zum Vater und bleibst an unserer Seite. Wir bitten dich:
V/A: Lass dein Licht leuchten.
– Wir beten für alle Kinder, die getauft werden, und für ihre Familien. Für ein Leben in Liebe, Geborgenheit und Sicherheit.
– Wir beten für alle, denen der Glaube fremd geworden ist und die in der Kirche keine Heimat und keinen sicheren Ort mehr sehen.
– Wir beten für alle, die wegen ihres Glaubens verfolgt und an ihrer Religionsausübung gehindert werden.
– Wir beten für alle, die Entbehrungen und Unsicherheiten auf sich nehmen, um an der Seite der Armen und Rechtlosen zu sein und ihnen beizustehen.
– Wir beten für unsere Verstorbenen, die uns auf dem Weg in dein himmlisches Reich vorausgegangen sind.
Herr Jesus Christus, bei dir finden wir Zuflucht. Wir loben dich und danken dir, heute und in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern; denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen, vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung. Durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage II
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Der Heilige Geist, der nach dem Zeugnis des Johannes auf Jesus herabgekommen ist, lebt auch in uns, in unserer Mitte, und verbindet uns mit Ihm und untereinander. Diese Gemeinschaft stärken wir, wenn wir jetzt mit den Worten Jesu beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Frieden und Versöhnung scheinen in unserer Welt oft unerreichbar fern und verlangen immer wieder nach kleinen Schritten aufeinander zu. Auf diesem Weg geht Christus mit uns. Ihn wollen wir bitten: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 23,5
Herr, du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du füllst mir reichlich den Becher.
Oder: 1 Joh 4,16
Wir haben die Liebe erkannt und an die Liebe geglaubt, die Gott zu uns hat.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt. Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe, damit wir ein Herz und eine Seele werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis II
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

In den Stürmen des Lebens
wenn uns das Wasser nicht
freundlich umfließt
sondern
bedrohlich und gewaltig
uns überflutet

Erinnere uns an Deinen Geist
den Du mit dem Wasser
über uns ausgießt

vom Himmel herab
in unser Herz

wo Du zu Hause bist
und sagst

Ich Bin Da


Angela Boog