Laacher Messbuch

24. Sonntag im Jahreskreis

16. September 2018

Herr, gib Frieden denen, die auf dich hoffen,
und erweise deine Propheten als zuverlässig.
Erhöre das Gebet deiner Diener und deines Volkes.
Sir 36,18.21–22

Jesus stellt Fragen. Viele sind es in den Evangelien. Die meisten haben mit unserer Beziehung zu ihm zu tun. Er möchte wissen und er möchte bewusst machen. Was sucht ihr? Worüber habt ihr gesprochen? Wollt auch ihr weggehen? Konntet ihr nicht eine Stunde wachen? – das sind nur einige, die direkt auf eine persönliche Antwort zielen. – Heute nun die zweifache Frage, für wen die Leute den Menschensohn halten und die anschließende Wendung von der Information zum Bekenntnis: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (Mk 8,29 par.) – Jetzt muss jeder, der noch unsicher ist, mit seiner Antwort aus der Deckung heraus.
Kaum eine Stelle im Evangelium berührt mich so nachhaltig wie diese Frage Jesu an seine Jünger. Sie erreicht mich immer sogleich als persönliche Frage Jesu: Wer bin ich für dich? – Das geht zu Herzen. Da wird unvermittelt etwas von der Menschlichkeit Jesu sichtbar. Der Überlegene, der Lehrende, der Heilende, der Gute Hirt ... alle Bilder von ihm treten zurück und vor mir steht Jesus als einer, der meinen Zu-Spruch sucht. Jesus, der wirklich wissen will, was ich von ihm halte. In dieser Situation steht er wirklich als Bruder und Freund vor mir. – Es geht dabei nicht um den exegetischen Zusammenhang mit dem Messiasbekenntnis des Petrus. Für meine persönliche Christusbeziehung ist es wichtig, Jesus auch so wahrzunehmen – und vor allem mich als die direkt Angefragte zu sehen.
In der Nachfolge Jesu kommt niemand an dieser Frage vorbei. So begegnen in der geistlichen Literatur auch immer wieder Antworten. Etwa diese von Lothar Zenetti:
»Was Jesus
für mich ist?
Einer der
für mich ist.
Was ich
von Jesus halte?
Das er
mich hält.«


Kyrie-Rufe

GL 152 • KG 57
Herr Jesus Christus, du zeigst uns den wahren Weg zum Leben. Herr, erbarme dich.
Dein Kreuz steht als Zeichen der Hoffnung und des Widerspruchs in unserer Welt. Christus, erbarme dich.
Du rufst uns in deine Nachfolge und gehst alle Wege mit. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns. Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen und die Macht deiner Liebe an uns erfahren. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 50,5–9a
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate. Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen. |F

¬ Die Lesung aus dem Propheten Jesaja ist Teil des dritten Lieds vom Gottesknecht. Diese geheimnisvolle Gestalt, in der die Exegese den leidenden Menschensohn vorgebildet sieht, vertritt eine Spiritualität der Gewaltlosigkeit. Sie nimmt Maß an der Langmut Gottes. Johannes Bours hat einmal von Gott als der »wehrlosen Liebe« gesprochen. Das ist eindrucksvoller als das Bild der Ohnmacht. Ohnmacht kann nicht anders, Wehrlosigkeit und Gewaltverzicht sind freie Entscheidungen. Wer Jesus nachfolgen will, macht sich wie Gott wehrlos, verzichtet auf Vergeltung. Dem »Gegner im Rechtsstreit« begegnet er in der Kraft Gottes, nicht im Ausleben menschlicher Rachegedanken.

Antwortpsalm

Ps 116,1–6.8–9 (|R: vgl. 9)
|R: Halleluja. – Oder: Ich gehe meinen Weg vor Gott im Land der Lebenden.
Ich liebe den Herrn; *
denn er hat mein lautes Flehen gehört
und sein Ohr mir zugeneigt *
an dem Tag, als ich zu ihm rief. – |R
Mich umfingen die Fesseln des Todes, /
mich befielen die Ängste der Unterwelt, *
mich trafen Bedrängnis und Kummer.
Da rief ich den Namen des Herrn an: *
»Ach Herr, rette mein Leben!« – |R
Der Herr ist gnädig und gerecht, *
unser Gott ist barmherzig.
Der Herr behütet die schlichten Herzen; *
ich war in Not und er brachte mir Hilfe. – |R
Ja, du hast mein Leben dem Tod entrissen, /
meine Tränen getrocknet, *
meinen Fuß bewahrt vor dem Gleiten.
So gehe ich meinen Weg vor dem Herrn *
im Land der Lebenden. – |R

Zweite Lesung

Jak 2,14–18
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?
Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke. |F

¬ Glaube muss geerdet sein. Das heißt, er steht in einer Verbindung zu der oft bedrückenden Realität auf unserer Erde. Alle erbaulichen Gedanken und Worte fallen wie ein Kartenhaus zusammen, wenn ihnen das Fundament in der irdischen Wirklichkeit fehlt.
»Irdisch hab ich dich gewollt«, schreibt der expressionistische Dichter Konrad Weiss in der Gedichtfolge »Wettlauf des Knechtes mit Gott, mit der Erde und dem Menschen«. – Der nüchterne Realismus des Jakobusbriefs ist als Wort Gottes genauso wichtig für unseren Glauben wie die hohe Theologie des Paulus.


Ruf vor dem Evangelium

Gal 6,14
Halleluja. Halleluja.
Ich will mich allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
Halleluja.

Evangelium

Mk 8,27–35
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit ging Jesus mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.
Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.
Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber.
Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. |F

¬ Unterwegs fragt Jesus seine Jünger. Das hat etwas Beiläufiges. Unterwegs, da redet man dies und das. Die großen existenziellen Fragen sind da eher nicht dran. – Aber genau um die geht es hier. Wer ist dieser Jesus von Nazaret? Diese Frage ist auch nach zweitausend Jahren noch spannend. Die Antworten darauf sind vielfältig. Die Christenheit ist bunt. Jesus interessiert sich nicht nur für den theologischen Mainstream. Die Jünger sind persönlich gefragt: »Ihr aber ...?« – was letztlich heißt: Du aber ...? Kein Christ, keine Christin kommt in ihrem Leben an dieser Frage Jesu vorbei. Erst wenn sie beantwortet ist, spricht Jesus von sich selbst als dem leidenden Messias. Um diese Rede auszuhalten – wie schwer das ist, zeigt sich an Petrus – muss ich wissen, was mir Jesus bedeutet. Nur für die Nummer EINS in meinem Herzen werde ich mein Leben aufs Spiel setzten. Darum geht es. Das Wort von der Kreuzesnachfolge gilt den Jüngern und der Volksmenge – es gibt also nur diesem einen Weg für alle.
Der fragende Jesus in diesem Evangelium hat etwas menschlich Rührendes. Alle drei Synoptiker berichten von dieser Situation, das gibt ihr Gewicht. Der souveräne Lehrer und Menschenkenner wird mit seiner persönlichen Frage zu einem Bedürftigen. Meine Antwort ist ihm wichtig. Er will sie hören – sie muss ausgesprochen werden. Glaubens-Bekenntnis.


Credo



Fürbitten


Gott, unser Vater, im Namen Jesu, den du der Welt als Erlöser gesandt hast, wir bitten dich:
V: Herr, erbarme dich. A: Christus, erbarme dich.
– Für unsere Kirche und ihren Auftrag, deine Barmherzigkeit sichtbar zu machen.
– Für uns selbst, die wir oft hadern und zweifeln, wenn unser Weg mühsam wird.
– Für alle Völker, die sich von korrupten Machthabern befreien wollen.
– Für alle Frauen und Männer, die durch Luxus und Verschwendung hartherzig geworden sind.
– Für alle Menschen, die noch keinen Zugang zu sauberem Wasser und geregeltem Einkommen haben.
– Für Kinder, denen Gesundheitsfürsorge und Bildungschancen fehlen.
– Für alle Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben heimatlos geworden sind.
– Für die Armen und Ausgegrenzeten, die in den reichen Industrienationen oft keine Lobby haben.
– Für die Patienten in Hospizen, die Abschied von ihrem irdischen Leben nehmen.
Gott, für unsere Welt, in der so viele Menschen auf der Schatten seite leben, bitten wir immer wieder um den Geist der Leben schafft. Dir sein Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, nimm die Gebete und Gaben deiner Kirche an; und was jeder einzelne zur Ehre deines Namens darbringt, das werde allen zum Heil. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Prätation

Sonntage VIII
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dein Erbarmen zu rühmen. Die Sünde hatte die Menschen von dir getrennt, du aber hast sie zu dir zurückgeführt durch das Blut deines Sohnes und die Kraft deines Geistes. Wie du eins bist mit dem Sohn und dem Heiligen Geist, so ist deine Kirche geeint nach dem Bild des dreieinigen Gottes. Sie ist dein heiliges Volk, der Leib Christi und der Tempel des Heiligen Geistes zum Lob deiner Weisheit und Liebe. Darum preisen wir dich in deiner Kirche und vereinen uns mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Unser Weg zu Gott führt durch Licht und Schatten. Jederzeit dürfen wir auf Gottes Hilfe vertrauen und mit Jesu Worten beten: Vater unser im Himmel ...

Einladung zum Friedensgebet


Gottes Verheißungen und unsere irdischen Gedanken passen oft nicht zusammen. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus ...

Kommunionvers

Vgl. 1 Kor 10,16
Der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, ist Teilhabe am Blut Christi. Das Brot, das wir brechen, ist Teilhabe am Leib Christi.
Oder: Ps 36,8
Gott, wie köstlich ist deine Huld. Die Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du uns Anteil am Leib und Blut Christi gegeben hast. Lass nicht unser eigenes Streben Macht über uns gewinnen, sondern gib, dass die Wirkung dieses Sakramentes unser Leben bestimmt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis VI
Gott, unser Vater, segne euch mit allem Segen des Himmels, damit ihr rein und heilig lebt vor seinem Angesicht.
Er lehre euch durch das Wort der Wahrheit; er bilde euer Herz nach dem Evangelium Christi und gebe euch Anteil an seiner Herrlichkeit.
Er schenke euch jene brüderliche Liebe, an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Oder: Wettersegen
Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.
Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Zwiegespräch

Wer bist Du
für mich?
Wer bin ich
für Dich?

Liebende fragen so

Gottes Antwort
kommt mir
auf jeder Seite der Schrift
deutlich entgegen

Und was hört ER
von mir?


Charis Doepgen OSB