Laacher Messbuch

11. Sonntag im Jahreskreis

16. Juni 2024

Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen,
sei mir gnädig und erhöre mich.
Du bist meine Hilfe: Verstoß mich nicht,
verlaß mich nicht, du Gott meines Heils!
Ps 27 (26),7.9

Manche Menschen begleiten uns ein Leben lang. Unsere Höhen und Tiefen erleben sie hautnah mit. Wenn es nötig ist, sprechen sie uns Mut zu. In schwierigen Situationen sind sie einfach da und bestärken uns auf vielerlei Weise. Unser Leben würde anders verlaufen, wenn wir sie als Freunde nicht hätten. Genauso ist das mit Gott. Auch er ist unser Begleiter durchs Leben. Auch er ist unser Freund. An ihn wenden wir uns aber meist, wenn – menschlich gesehen – nichts mehr geht. Das ist verständlich. Doch wäre es nicht auch gut, wenn wir ihn mit in unseren Alltag hineinnehmen? Denn Gott interessiert sich nicht nur für das Große, sondern ebenso sehr für das Unspektakuläre und Kleine. Warum tut er das? Ganz einfach, weil er uns liebt. Bei Menschen, die einander von Herzen zugetan sind, sehen wir, dass sie an jeder Kleinigkeit des anderen interessiert sind. So ist das auch bei Gott. Also öffnen wir unser Leben ganz für Gott, im Großen wie im Kleinen.

Kyrie-Rufe


Herr Jesus Christus, du hast die Welt mit Gott versöhnt.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du hast uns gesandt, Gottes Gerechtigkeit zu verkünden.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du hast uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen.
Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Ez 17,22–24
Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
So spricht GOTT, der Herr: Ich selbst nehme vom hohen Wipfel der Zeder und setze ihn ein. Einen zarten Zweig aus ihren obersten Ästen breche ich ab, ich selbst pflanze ihn auf einen hohen und aufragenden Berg. Auf dem hohen Berg Israels pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder. Alle Vögel wohnen darin; alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten ihrer Zweige.
Dann werden alle Bäume des Feldes erkennen, dass ich der HERR bin. Ich mache den hohen Baum niedrig, den niedrigen Baum mache ich hoch. Ich lasse den grünenden Baum verdorren, den verdorrten Baum lasse ich erblühen. Ich, der HERR, habe gesprochen und ich führe es aus.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Der Prophet Ezechiel (»Gott möge kräftigen«) ist ein Visionär erster Güte. Der heutige Lesungstext entstammt einem bildreichen allegorischen Lied, in welchem es um das politische Versagen des Herrscherhauses in der Gegenwart geht. Dieses muss versuchen, sich im Spannungsfeld zwischen dem babylonischen Großreich im Osten und der Großmacht Ägypten im Südwesten zu behaupten. Ein schwieriges Unterfangen. Ezechiel mahnt den jüdischen Herrscher Zidkija, gerade in dieser Situation keine leichtfertigen Allianzen einzugehen, sondern sich vielmehr an seinen eigentlich relevanten Partner, nämlich Gott, zu halten. Dieser bestimmt aus der Sicht des Propheten Ezechiel in Wahrheit das politische und geschichtliche Geschehen. In der allegorischen Rede Ez 17,22-24 wird Gott folgerichtig als der allein Handelnde vorgestellt. Er ist es, der neues Heil schafft. Er verleiht Israel eine neue Größe. Dann werden die umgebenden Völker die gewandelte Bedeutung Israels und ihres machtvollen Gottes sehen und anerkennen.

Antwortpsalm

Ps 92 (91),2–3.13–14.15–16 (Kv: 2a)
Kv Gut ist es, dem HERRN zu danken. – Kv

Gut ist es, dem HERRN zu danken, *
deinem Namen, du Höchster, zu singen und zu spielen,
am Morgen deine Huld zu verkünden *
und in den Nächten deine Treue. – (Kv)

Der Gerechte sprießt wie die Palme, *
er wächst wie die Zeder des Líbanon.
Gepflanzt im Hause des HERRN, *
sprießen sie in den Höfen unseres Gottes. – (Kv)

Sie tragen Frucht noch im Alter *
und bleiben voll Saft und Frische;
sie verkünden: Der HERR ist redlich, *
mein Fels! An ihm ist kein Unrecht. – Kv

Zweite Lesung

2 Kor 5,6–10
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder! Wir sind immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein.
Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind. Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Wenn zwei Menschen sich innig lieben, möchten sie möglichst immer beieinander sein. Doch das Leben lässt das nicht immer zu und so gibt es Phasen, in denen sie getrennt voneinander sind. Dann setzt jedoch bald die innere Dynamik des Sehnens ein. Die fühlt sich an, als ob die Seele sich weit ausstrecken würde bis zum geliebten Du hin. Genau so ergeht es dem Apostel Paulus. Mit viel Herz engagiert er sich Tag für Tag für das Evangelium in den Gemeinden. Immer wieder setzt bei ihm auch ganz persönlich das große Sehnen ein. Das zieht ihn dann mit Macht zu der großen Liebe seines Lebens: Christus Jesus. Da ist er letztlich daheim. Da ist für ihn und für die Gläubigen alles gut. Aus dieser Gewissheit schöpft er die Kraft für das Hier und Jetzt. Aus dieser Gewissheit des Paulus dürfen auch wir heute leben.

Ruf vor dem Evangelium


Halleluja. Halleluja.
Der Samen ist das Wort Gottes, der Sämann ist Christus.
Wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.
Halleluja.

Evangelium

Mk 4,26–34
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Im Zentrum von Jesu Verkündigung und Wirken steht das »Reich Gottes«. Am Anfang fand seine Botschaft bei vielen Gehör. Doch unter den etablierten Parteiungen innerhalb des Judentums formierte sich bald Widerstand. Die Verkündigung der Botschaft vom Gottesreich wurde schwieriger. Vor allem die Jünger Jesu konnten immer weniger damit umgehen. In diese Situation hinein spricht Jesus die beiden Gleichnisse. Sie sollen Mut und Zuversicht unter seinen Anhängerinnen und Anhängern verbreiten. Das erste Gleichnis befasst sich mit dem Wachstum des Gottesreiches. Der Bauer (Verkündiger) bringt es wie einen Samen unter die Menschen. Dort wächst es von selbst und bringt, ohne dass man etwas dafür tun muss, »automatisch« seine Frucht (»automáte« im griechischen Urtext Mk 4,28). Für die Verkündiger bedeutet das eine riesige Entlastung. Sie wissen nun um die göttliche Eigendynamik dieses »Samens« und müssen sich nicht ständig darum sorgen. Im zweiten Gleichnis geht es um den Kontrast zwischen dem kleinen Anfang des Reiches und dem Großen, das daraus wird. Aber es gibt noch eine weitere, sehr pfiffige Sinnspitze. Das Senfkorn gilt bei den Bauern der Zeit als Unkraut, das man kaum bekämpfen kann. Jesus will also damit sagen: »Leute, das Reich Gottes kriegt ihr nicht mehr los! Es wächst und wächst, weil Gott es so will!«

Credo



Fürbitten


Guter Gott, dein Reich kommt. Es ist dein Werk, du machst einen neuen Anfang.
Wir bitten dich:
V: Gott, unser Vater. A: Dein Reich komme.
– Lass uns etwas spüren von der Gegenwart deines Reiches.
– Gib uns Glauben und Gelassenheit, auch wenn wir nichts von deiner Gegenwart merken.
– Lass uns dankbar sein für alles Gute, das geschieht.
– Lass uns nicht verzweifeln ob all dem Schlimmen, das in der Welt oder in unserem Leben passiert.
– Lass Nahrung wachsen für alle Menschen auf der Erde und lass die, die mehr als genug haben, teilen.
– Heiße du die Verstorbenen willkommen in deinem Reich.
– Höre unsere ganz persönlichen Bitten…
Guter Gott, ja dein Reich kommt, wie im Himmel so auf Erden. Amen.

Gabengebet


Herr, durch diese Gaben nährst du den ganzen Menschen: Du gibst dem irdischen Leben Nahrung und dem Leben der Gnade Wachstum. Laß uns daraus immer neue Kraft schöpfen für Seele und Leib. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage III
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem, was du an uns getan hast: Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit zu Hilfe gekommen und hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn Rettung und Heil gebracht aus unserer menschlichen Sterblichkeit. So kam uns aus unserer Vergänglichkeit das unvergängliche Leben durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Jesus lebte und wirkte aus der tiefen Verbindung zu seinem Vater heraus. Er nimmt uns mit hinein in diese Verbindung, wenn wir gemeinsam das Gebet beten, das er uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Die Welt kommt nicht zur Ruhe, weil Menschen der Versuchung erliegen, mehr Macht und mehr Besitz haben zu wollen. Gehen wir den Weg Gottes und bitten wir ihn, uns seinen Frieden zu schenken: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 27 (26),4
Nur eines erbitte ich mir vom Herrn, danach verlangt mich: im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens.
Oder: Joh 17,11
Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen, daß deine Gläubigen in dir eins sind. Laß diese Feier wirksam werden für die Einheit der Kirche. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis V
Gott, der allmächtige Vater, segne euch; er bewahre euch vor Unheil und Schaden.
Er öffne eure Herzen für sein göttliches Wort und bereite sie für die unvergänglichen Freuden.
Er lasse euch erkennen, was zum Heile dient, und führe euch auf dem Weg seiner Gebote zur Gemeinschaft der Heiligen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Das Höchste, was ein Mensch vermag, ist,
dass er sich von Gott helfen lassen kann.
Gott dringend nötig zu haben,
ist des Menschen höchste Vollkommenheit.


Søren Kierkegaard (1813-1855)

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