Laacher Messbuch

2. Sonntag der Osterzeit - Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit

11. April 2021

Wie neugeborene Kinder
verlangt nach der unverfälschten Milch des Wortes,
damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt.
Halleluja.
1 Petr 2,2
Oder:

Freut euch und dankt Gott, der euch zu sich gerufen hat.
Ihr seid Kinder Gottes und Erben seiner Herrlichkeit.
Halleluja.
Vgl. 5 Esra 2,36–37 (apokr.)

Die Liturgie der Osterzeit blickt auf die Anfangszeit der Christen zurück. Der Eröffnungsvers des heutigen Sonntags spricht von den neuen Christen: Was macht ihr Leben aus? Sie werden als neugeborene Kinder bezeichnet, die nach der unverfälschten Milch des Wortes verlangen. Wiederum taucht das Motiv der Paradiesesnahrung auf: Milch und Honig. Milch wird hier nicht abwertend gebraucht wie in 1 Kor 3,2. Da war die Milch die Speise für diejenigen, die feste Speisen nicht vertragen konnten. Paulus betrachtete die Gemeinde als unmündig, die irdisch eingestellt war, nicht vom Geist erfüllt lebte. Ganz anders im 1. Petrusbrief. Hier sind die neuen Christen Menschen, die keine Kinder bleiben sollen. Sie sollen vielmehr erwachsen werden und die Nahrung erhalten, die notwendig ist, um zu reifen. Hier wird Milch bildlich verstanden für das Wort Gottes. Christen leben vom Hören des Wortes. Oder wie es nachher noch im Text des Briefes heißt, von der Erfahrung, gekostet zu haben, wie gütig der Herr ist. Die einzelnen Glieder der Gemeinde sind nicht einander untergeordnet oder voneinander abhängig, sondern alle werden vom Wort Gottes, dem unverfälschten Wort des Evangeliums, erfüllt. Es ist das Evangelium, die Schrift, die in ihrer Fülle verkündet wird, einschließlich der Passion des Herrn. Wer sich dieser Fülle der Botschaft aussetzt, dessen Leben wird auch selber erfüllt sein vom Wort und vom Geist des Wortes. Es ist eine Fülle, die nicht abstrakt ist, sondern auch die emotionale Seite des Menschen anspricht.

Kyrie-Rufe

Oder: GL 215 • KG 435
Herr Jesus Christus, du bist das Wort, das uns Leben schenkt. Herr, erbarme dich.
Du sendest uns den Beistand, der uns durch diese Zeit führt. Christus, erbarme dich.
Du bist der Friede, der uns verheißen ist. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Barmherziger Gott, durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes. Laß uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind, und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Apg 4,32–35
Lesung aus der Apostelgeschichte.
Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war e i n Herz und e i n e Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.
Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Heute hören wir einen der sogenannten Sammelberichte der Apostelgeschichte. Sie geben keine Notiz über eine historische Begebenheit. Sie fassen zusammen und bringen es konzentriert zur Sprache, worauf es in der Gemeinde der Christen ankam. Diese Gemeinde war eine Gemeinde der Einheit. Dazu gehörte zu sorgen, dass die einzelnen Unterschiede nicht zu groß waren. Es ging darum, sich um die Unterprivilegierten zu sorgen, für jene, die am Rande stehen. Der Bericht bezieht sich auf Dtn 15,4, wo es heißt, dass es eigentlich in Israel gar keine Armen geben soll. Es wird damit hier dokumentiert, dass dieser Anspruch erfüllt worden ist: Es gibt keinen, der Not leidet. Es geht nicht um einen gemeinsamen Besitz und um Güterteilung, sondern es geht um die gerechte Verteilung der materiellen Güter. Beide Texte stehen in einer Spannung zu einer Aussage Jesu: Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer. Die eine Aussage sieht die gegenwärtige Realität, die andere Aussage sieht die Utopie, die nicht vergessen wird und die zum Bild der Gemeinde dazugehört. Neben dieser Solidargemeinschaft gehört dazu die Offenheit der Gemeinde. Die Apostel lebten nicht für sich allein, sondern sie legten Zeugnis ab und verkündeten das Wort der Schrift.

Antwortpsalm

Ps 118 (117),2.4.16–17.18.22.23–24 (Kv: 1)
Kv Danket dem Herrn, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig. – Kv
Oder:
Kv Halleluja. – Kv

So soll Israel sagen: *
Denn seine Huld währt ewig.
So sollen sagen, die den HERRN fürchten: *
Denn seine Huld währt ewig. – (Kv)

Die Rechte des HERRN, sie erhöht, *
die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben, *
um die Taten des HERRN zu verkünden. – (Kv)

Der HERR hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt, *
doch mich dem Tod nicht übergeben.
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, *
er ist zum Eckstein geworden. – (Kv)

Vom HERRN her ist dies gewirkt, *
ein Wunder in unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; *
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen. – Kv

Zweite Lesung

1 Joh 5,1–6
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Schwestern und Brüder! Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist. Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus. Er ist nicht nur im Wasser gekommen, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt; denn der Geist ist die Wahrheit. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Wohl kein Text in der Bibel reflektiert so sehr über die Liebe, die sich mit dem Glauben verbindet. Aber es ist wohl auch kein Text, der so eindeutig und klar beschreibt, was Liebe bedeutet. Sie ist nicht ein romantisches Gefühl. Es ist die Liebe, die an die Gebote, an die Worte Jesu, an das Evangelium, eben an das Wort Gottes gebunden ist. Aber hiermit ist kein legalistisches Verständnis intendiert. Das Wort der Bibel und damit auch die Worte Jesu sind Leben. Hört und ihr werdet leben (Dtn 4,1). Das Wort ist Richtschnur und Lebensweisheit. Es ist Jesu Bergpredigt – die Tora –, die Halt und Sicherheit schenkt. Zum biblischen Verständnis des Wortes gehört auch die Tat. Das Wort bewirkt, was es sagt. Gott sprach und es geschah, hören wir immer wieder im Schöpfungsbericht. Liebe meint das Tun des Wortes, ergriffen sein vom Wort, das zur Tat drängt, zum Handeln, das den anderen Menschen anerkennt und ihn bestätigt. Die Liebe, die Bejahung des anderen Menschen, wird greifbar und konkret, indem ich durch mein Verhalten den anderen Menschen anerkenne und respektiere. Das Evangelium wird dadurch nicht zu einer Moralpredigt. Es macht nur ernst damit, dass Jesus gekommen ist, um für uns Menschen zu leben. Wer an Jesus glaubt, wer glaubt und bekennt, dass er der Christus ist, der kann diesen Glauben nur leben im Blick auf die Menschen, für die Jesus gelebt hat, für die Christus bei seinem Vater im Himmel eintritt.

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Joh 20,29
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Halleluja.

Evangelium

Joh 20,19–31
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Thomas, der Dídymus – Zwilling – genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei.
Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

- Der »ungläubige Thomas« bleibt eine populäre Figur, damals wie heute. Zu den berühmtesten Gemälden von Carravagio gehört das Gemälde vom ungläubigen Thomas, das sich heute in der Bildergalerie im Park von Sanssouci befindet. Thomas steht vor Jesus und führt seinen Zeigefinger tief in die Seitenwunde Jesu ein. Plastischer kann man die Begegnung Jesu mit Thomas nicht zeichnen. Es wird gemalt, was das Evangelium offenlässt. Der Evangelist berichtet nicht, ob Thomas die Seitenwunde Jesu berührte. Der Zweifel und die Fragen gehören zum Glauben. Es wird niemals einen Glauben geben, bei dem nicht irgendwann ein Zweifel auftaucht. Er macht den Glauben menschlich. Er verhindert, dass der Glaube totalitär ist. Die Szene des Thomas macht immer wieder neu bewusst, dass es dieses Ringen durch alle Zeiten hindurch gibt und geben wird. Es ist ein Evangelium, das an der Schwelle steht zwischen den Zeitgenossen und den späteren Generationen. Für sie ist das Evangelium geschrieben. Sie haben keine Erfahrung gemacht wie die erste Generation. Sie kommen zum Glauben durch das Wort der Schrift, das ihnen verkündet wird. Das Wort der Schrift hat die gleiche Kraft, Glauben zu erwecken, wie eine persönliche Begegnung mit Jesus. So ist es geschrieben für die Menschen, die nicht sehen können, weil sie zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort leben. Aber sie sind nicht benachteiligt. Sie gelangen genauso zum Glauben. Und das Ziel des Glaubens ist die Fülle des Lebens: leben zu können in der Dunkelheit der Welt, in der Vergänglichkeit und in der Begrenztheit der Gegenwart.

Credo



Fürbitten


Zu Gott, unserem Vater, der alles zum Leben erschaffen hat, beten wir:
V: Vater im Himmel. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Um die Erfahrung der Freude und der Heilung in der Begegnung mit dem Wort des Evangeliums.
– Um Gottes Segen für alle, die in der Wirtschafts- und Finanzwelt Europas Verantwortung tragen und wichtige Entscheidungen treffen.
– Um ein Ende der Gewalt in den Kriegsgebieten der Erde.
– Um Gottes Beistand für die Mütter, die in den Familien oder als Alleinerziehende für ihre Kinder sorgen.
– Um menschliche Anteilnahme und Zuwendung für alle, die unter Einsamkeit leiden.
Gütiger Gott, du schenkst uns die Hoffnung auf Erlösung. Wende dich uns zu und gewähre uns, worum wir dich anrufen durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Gott, du hast deinem Volk durch das Bekenntnis des Glaubens und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt. Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller) deiner Gläubigen gnädig an und laß uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Osterzeit I
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, immer und überall zu danken, diese Nacht (diesen Tag, diese Tage) aber aufs höchste zu feiern, da unser Osterlamm geopfert ist, Jesus Christus. Denn er ist das wahre Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Durch seinen Tod hat er unseren Tod vernichtet und durch seine Auferstehung das Leben neu geschaffen. Darum jubelt in dieser Nacht (heute) der ganze Erdkreis in österlicher Freude, darum preisen dich die himmlischen Mächte und die Chöre der Engel und singen das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Christus ist unser Mittler beim Vater. In ihm beten wir, wie er seine Jünger zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Christus ist uns gleich geworden, er hat mitgefühlt mit unserer Schwäche und Angst. Zu ihm beten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Joh 20,29
Selig, die nicht sehen und doch glauben. Halleluja.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, im heiligen Sakrament haben wir den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Laß diese österliche Gabe in uns weiterwirken und fruchtbar sein. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

In der Osterzeit
Der allmächtige Gott hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes aus Sünde und Tod befreit; er segne euch und schenke euch seine Freude.
Und Christus, mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben, bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade; er schenke euch das verheißene Erbe.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Jesus, unser Trost und Leben

Jesus, unser Trost und Leben, der dem Tode war ergeben, der hat herrlich und mit Macht Sieg und Leben wiederbracht: Er ist aus des Todes Banden als ein Siegsfürst auferstanden. Halleluja, Halleluja.
Nunmehr liegt der Tod gebunden, von dem Leben überwunden, wir sind seiner Tyrannei, seines Stachels quitt und frei. Nunmehr steht der Himmel offen, wahrer Friede ist getroffen. Halleluja, Halleluja.
Alle Welt sich des erfreuet, sich verjünget und verneuet, alles, was lebt weit und breit, leget an sein grünes Kleid. Ja, das Meer vor Freuden wallet, Berg und Tal weithin erschallet. Halleluja, Halleluja.


Ernst Christoph Homburg (1659)