Laacher Messbuch

28. Sonntag im Jahreskreis

13. Oktober 2019

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,
Herr, wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung, Gott Israels.
Ps 130,3–4

Eucharistie bedeutet »Gesinnung der Dankbarkeit, Danksagung, Dankbarkeit«, das Verb eucharistein schlicht »danken«. Die ältesten Bezeichnungen der Eucharistie sind »Herrenmahl« und »Brotbrechen«. Die Bezeichnung »Eucharistie« verwendete erstmals Justin um 160 n. Chr. und sie setzte sich dann allmählich durch. Dankbarkeitstöter sind Stolz (»Ich kann das, ich mach das selbst«), Selbstverständlichkeit (so etwa die mangelnde Wahrnehmung für das Schöne und Gute) und falsches Anspruchsdenken (auf alles ein Recht zu haben glauben). Dankbarkeit gehört grundlegend zum Glauben. »Wäre das Wort ›Danke‹ das einzige Gebet, das du je sprichst, es würde genügen«, sagte Meister Eckhart. Richard Rohr schreibt: »Ja, Gott rettet die Welt und er arbeitet ständig daran, auch wenn wir es nicht bemerken, wenn wir uns nicht daran freuen, es nicht weitersagen und unser eines, einzigartiges Leben nicht in der Fülle leben.« Wir wollen heute Gottes Mühen für uns bewusst mit einem »Danke!« beantworten.

Kyrie-Rufe

Oder: GL 162 • KG 66
Herr Jesus Christus, wir ehren durch dich den Vater. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, wir danken dir für deine Liebe. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, wir preisen dich in der Kraft des Geistes. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Herr, unser Gott, deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

2 Kön 5,14–17
Lesung aus dem zweiten Buch der Könige.
In jenen Tagen ging Naaman, der Syrer, zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann Elischa befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein.
Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an!
Elischa antwortete: So wahr der HERR lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab.
Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als dem HERRN allein. |F

¬ Elischa ist es, jener Prophet, der vom Pflügen weg in den Dienst Gottes gerufen wurde: »Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn. Sogleich verließ Elischa die Rinder und eilte Elija nach« (1 Kön 19,19f.). Machte er bisher Strecke im Acker beim Pflügen, streckt er sich jetzt über den leblosen Körper eines Kindes, einen toten Acker, um ihn zu beleben: »Als er sich so über das Kind hinstreckte, kam Wärme in dessen Leib« (2 Kön 4,34). So lesen wir kurz vor der heutigen Lesung. Elischa heilt, er gibt sich hin und er gibt, ohne zu zählen, ohne etwas zurückzuerwarten. Er tut einfach seinen Dienst. Er steht im Dienst dessen, der selbst gibt, ohne zu zählen – im Dienst Gottes, der ausschüttet und ausschüttet, der seine Hilfe nicht auf dem sparsamsten Weg gibt, sondern in Fülle. Wer im Dienst dessen steht, der gibt, ohne zu zählen, soll seinen Dienst tun, ohne zu zählen. Elischa weiß um diese Logik des Dienstes. Er lehnt ein Dankgeschenk Naamans ab, auch als dieser ihn ein zweites Mal dringend bittet. Die Lesung lädt uns zur Hingabe ein. Alfred Delp sagte: »Fang einmal an zu geben, da und dort. Die ewigen Geber, die sind es, die den Egoismus in der Welt überwinden. Du wirst sehen, sobald du anfängst zu verzichten und zu geben, wirst du anfangen zu erhalten.« Paulus fordert: »Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken« (Röm 12,8). Und in der Apostelgeschichte wird als Wort Jesu überliefert: »Geben ist seliger als nehmen« (Apg 20,35). Das Wort ist in den Evangelien allerdings nicht zu finden. Hoffentlich aber in unserem Leben!

Antwortpsalm

Ps 98,1–4 (|R: vgl. 2)
|R: Der HERR hat sein Heil enthüllt
vor den Augen der Völker!
Singet dem HERRN ein neues Lied, *
denn er hat wunderbare Taten vollbracht!
Geholfen hat ihm seine Rechte *
und sein heiliger Arm. – |R
Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht *
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er gedachte seiner Huld *
und seiner Treue zum Haus Israel. – |R
Alle Enden der Erde *
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem HERRN, alle Lande, *
freut euch, jubelt und singt! – |R

Zweite Lesung

2 Tim 2,8–13
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus.
Denke an Jesus Christus, auferweckt von den Toten, aus Davids Geschlecht, gemäß meinem Evangelium, um dessentwillen ich leide bis hin zu den Fesseln wie ein Verbrecher; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.
Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus erlangen mit ewiger Herrlichkeit.
Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.
Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen. |F

¬ »Deine Güte, Herr, reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, Herr, so weit die Wolken ziehn.« Diesen Vers finden wir nicht nur einmal in den Psalmen, sondern dreimal (Ps 36,6; 57,11; 108,5). Es scheint fast so, dass die Treue Gottes öfter besungen werden müsste, weil sie wahrhaft treu ist. Wir dürfen die dreimalige Nennung auch auf die Treue des Dreifaltigen, auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist bedenken. Alfred Delp, der in nationalsozialistischer Gefangenschaft mit gefesselten Händen seine Texte schrieb, fordert uns auf: »Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern weil Gott es mit uns lebt.« Paulus und Delp und mit ihnen viele Glaubenszeugen halten an der Treue Gottes auch dann fest, wenn sie als Verbrecher gefesselt im Gefängnis sitzen. Die Zusage Gottes kennt keine Bedingungen, sein Wort kennt keine Fesseln menschlicher Konvention. Sein Wort entfesselt eine »Zivilisation der Liebe« (Papst Johannes Paul II.). Sein Wort tröstet die Menschen, die unter gesellschaftlicher Ungerechtigkeit leiden, die, weil sie sich für Gerechtigkeit einsetzen, verfolgt und eingekerkert werden. Dietrich Bonhoeffer schreibt an Weihnachten 1944 im Kellergefängnis der Gestapo an seine Braut Maria von Wedemeyer im Begleitbrief zum Gedicht »Von guten Mächten« von der Kraft des Wortes Gottes und anderer Kraftquellen: »Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat.«

Ruf vor dem Evangelium

1 Thess 5,18
Halleluja. Halleluja.
Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes
für euch in Christus Jesus.
Halleluja.

Evangelium

Lk 17,11–19
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie rein.
Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.
Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samariter.
Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun?
Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet. |F

¬ Nach der Heilung kehrt einer zu Jesus zurück, um ihm zu danken. Er stammt aus einem Landstrich, in dem die Jünger einst ein ganzes Dorf vernichten wollten, weil es Jesus nicht aufgenommen hatte. Jesus hatte die Jünger ob dieses Ansinnens zurechtgewiesen (Lk 9,51–55). Es ist bloß ein Gedankenspiel, aber dieser Mann könnte gerade aus diesem Dorf stammen. Der Samariter dankt Jesus und ehrt Gott, während die jüdischen Aussätzigen entsprechend ihren Gesetzen und der Weisung Jesu sich den Priestern zeigen. So ist die Erzählung ein Lehrstück darüber, dass die gesetzlichen Forderungen einer Religion bisweilen das Wesentliche verstellen. Nichts ist dem Lob Gottes vorzuziehen und doch werden von uns oft diese und jene religiösen Regeln wichtiger genommen. Vielleicht aber ist die Stelle noch mehr ein Lehrstück über den Glauben, der ins Wort, in den Lobpreis, ins Bekenntnis drängt. An Jesus geglaubt und auf ihn gebaut haben doch alle zehn! Jesus freilich nennt dies »Glauben«, dass einer auf ihn vertraut, von ihm Heilung erwartet und nach der Heilung dem Sohn dankt und dem Vater die Ehre gibt. »Alles zur größeren Ehre Gottes«, war das Lebensmotto des Ignatius von Loyola. Dieser Ignatius hatte in seiner Wertschätzung des Lobpreises auch ein besonderes Gespür für die Undankbarkeit, die er »zu den verabscheuungswürdigsten Dingen vor unserem Schöpfer und Herrn und vor den Geschöpfen« zählte. Ein Ausleger schrieb einmal, die neun Undankbaren hätten sich blamiert. Das stimmt nicht! Sie sind auch Glaubende, vielleicht sogar mehr als wir, die wir oft gar nichts von Jesus erhoffen. Das wäre die Krankheit im Glauben schlechthin, Jesus nicht ans Krankenbett unseres Lebens herantreten zu lassen. Wer Gott lobt, lobt seine Wirklichkeit, lobt sein Wirken an uns und lobt so seine Fähigkeit, uns zu heilen.

Credo



Fürbitten


Gott, guter Vater, du lädst uns ein, unsere Sorgen auf dich zu werfen. Heute bringen wir unsere Bitten mit Dank zu dir und bitten dich für alle Menschen, denen wir dankbar sind:
V: Gott, guter Vater. A: Sei bei ihnen in ihrem Wirken.
– Wir danken dir für alle, die in Gesellschaft und Politik Verantwortung für das Wohlergehen vieler Menschen übernehmen, und bitten dich:
– Wir danken dir für alle, die in der Kirche den Glauben erschließen und Menschen in Not beistehen, und bitten dich:
– Wir danken dir für Lehrer, Erzieher, Eltern und Großeltern, die Kinder in ihrem Grundvertrauen stärken und ihnen christliche Werte vermitteln, und bitten dich:
– Wir danken dir für Ehrenamtliche, die sich in Vereinen, Initiativen und Projekten um die Stärkung des Gemeinwesens kümmern, und bitten dich:
– Wir danken dir für alle Missionarinnen und Missionare, die in der ganzen Welt den Armen deine Liebe in der Tat bezeugen, und bitten dich:
Gott, du sorgst für uns Tag für Tag, Stunde um Stunde, unser ganzes Leben lang. Dafür danken wir dir heute und in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr und Gott, nimm die Gebete und Opfergaben deiner Gläubigen an. Laß uns diese heilige Feier mit ganzer Hingabe begehen, damit wir einst das Leben in der Herrlichkeit des Himmels erlangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage IV
Wir danken dir, Vater im Himmel, und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn durch seine Geburt hat er den Menschen erneuert, durch sein Leiden unsere Sünden getilgt, in seiner Auferstehung den Weg zum Leben erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir das Tor des Himmels geöffnet. Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Jesus betet in den frühen Morgenstunden zu seinem Vater. Beten wir mit ihm – wach, erwartungsvoll und dankbar: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Friede ist nicht bloß Abwesenheit von Krieg, sondern heilsame Beziehung Gottes zum Menschen und zwischen den Menschen untereinander. So bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 34,11
Reiche müssen darben und hungern. Wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.
Oder: 1 Joh 3,2
Wenn der Herr offenbar wird, werden wir ihm ähnlich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, in der heiligen Opferfeier nährst du deine Gläubigen mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes. Gib uns durch dieses Sakrament auch Anteil am göttlichen Leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis IV
Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns tröstet in jeder Not, segne euch und lenke eure Tage in seinem Frieden.
Er bewahre euch vor aller Verwirrung und festige eure Herzen in seiner Liebe.
In diesem Leben mache er euch reich an guten Werken; und im künftigen sei er selbst euer unvergänglicher Lohn.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Glaube als Tankstelle:
Schon bevor mein Tank ganz leer ist,
mich durch ein Bibelwort und ein Gebet
innerlich anfüllen und erfüllen lassen

Glaube als Trankstelle:
Gott tränkt mich am Bach,
er füllt mir reichlich den Becher,
ich kann von Neuem mein Haupt erheben

Glaube als Dankstelle:
Immer wieder zwischendrin
will ich Gott danken und daran denken,
was er in meinem Leben wirkt

Glaube als Aufdankstelle:
Der Dank hebt meine Seele empor,
dankend erhebt sich mein Herz zu Gott,
der sein Ohr an meinem Herzen hat


Wolfgang Steffel