Laacher Messbuch

Dreifaltigkeitssonntag

16. Juni 2019

Gepriesen sei der dreieinige Gott:
der Vater und sein eingeborener Sohn
und der Heilige Geist;
denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.

Das Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit stellt kein explizites Heilsereignis in den Mittelpunkt wie an Weihnachten die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus oder an Ostern die Auferstehung. Es ist ein thematisches, besser noch, ein dogmatisches Fest, welches einen Glaubenssatz und ein entscheidendes Geheimnis des Christentums in den Blick nimmt – nämlich das der göttlichen Dreifaltigkeit und somit die Lehre von Gott als einer und zugleich drei Personen. Auch wenn das Hochfest das Geheimnis der göttlichen Seinsweise gar nicht zu erklären versucht, so stellt es uns doch die Wesentlichkeit dieser Glaubenswirklichkeit vor Augen. Jeden Gottesdienst eröffnen wir nämlich trinitarisch, indem wir das Kreuzzeichen machen und die trinitarische Formel sprechen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Auch die Präsidialgebete der Messe hören stets mit der Formel »durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir (Vater) lebt und herrscht in alle Ewigkeit« auf. Der gleichsam trinitarische Höhepunkt begegnet uns am Ende des eucharistischen Hochgebets mit der Schlussdoxologie: »Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.« Das Geheimnis ist immer ganz, heißt es so schön und das gilt umso mehr für das Geheimnis des dreifaltigen Gottes.


Kyrie-Rufe

GL 113 • KG 69
Herr Jesus Christus, du hast uns den Vater bekannt gemacht. Herr, erbarme dich.
Du hast uns deinen Heiligen Geist geschenkt. Christus, erbarme dich.
Du willst uns einführen in das Geheimnis der Liebe Gottes. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Herr, himmlischer Vater, du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt, um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren. Gib, daß wir im wahren Glauben die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen und die Einheit der drei Personen in ihrem machtvollen Wirken verehren. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Spr 8,22–31
Lesung aus dem Buch der Sprichwörter.
So spricht die Weisheit Gottes: Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren.
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands.
Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer sein Gesetz gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.
Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein. |F

¬ Die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter beschreibt die Weisheit Gottes gleichsam als personale Größe, die »im Anfang seiner Wege« schon da war, »beim Ursprung der Erde«. Sie ist in der Genesis Gottes Geist, der über dem Wasser schwebte (vgl. Gen 1,2). Auch wenn das Judentum die Trinität strikt ablehnt, so ist es doch interessant, dass die genannten Schriften von Gott in anderen Seinsweisen sprechen, als seine Freude, die vor ihm spielt, oder eben als Geist. Gott ließ seine Weisheit auch nicht bei sich, wie wir lesen; sie kam in die Welt und es war ihr eine Freude, bei den Menschen zu sein. Sicher können wir hier ein Vorausbild des Heiligen Geistes erkennen, der in die Welt gekommen ist, den Atem Gottes, seine Liebe, lebendig unter uns Menschen wirken und wehen zu lassen.

Antwortpsalm

Ps 8,4–9 (|R: 2ab)
|R: HERR, unser Herr,
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!
Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, *
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, *
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? – |R
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, *
du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner
Hände, *
alles hast du gelegt unter seine Füße: – |R
Schafe und Rinder, sie alle *
und auch die wilden Tiere,
die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, *
was auf den Pfaden der Meere dahinzieht. – |R

Zweite Lesung

Röm 5,1–5
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder! Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch, wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. |F

¬ In diesem kurzen Abschnitt aus dem Römerbrief erschließt Paulus eine ganze Trinitätstheologie. Vom Alten Bund her denkt er Gott als den, vor dem der Mensch gerecht sein soll und will. Es ist das dauernde Thema der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel, der Abfall von Gott und immer wieder seine neuerliche Anbindung an ihn. Gottes Gerechtigkeit schien auch unbarmherzig zu sein, weil nur das Recht im Vordergrund zu stehen schien, der entweihte Bund und das gebrochene Versprechen. Doch nun ist dieser Bund ein für alle Mal unverbrüchlich geschlossen, es ist »Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn«. Jesus ist der Mittler zwischen Gott und den Menschen (vgl. 1 Tim 2,5), er hat dem unsichtbaren Gott ein Gesicht gegeben, welches die Liebe ist. Diese Liebe ist aber nicht mehr von uns genommen, etwa durch die Himmelfahrt Jesu. Vielmehr ist sie dauerhaft und bleibend bei uns durch die Ausgießung des Heiligen Geistes, der uns »in unsere Herzen« gegeben ist.

Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Offb 1,8
Halleluja. Halleluja.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Ehre sei dem einen Gott,
der war und der ist und der kommen wird.
Halleluja.

Evangelium

Joh 16,12–15
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden. |F

¬ Was ist es, was sein ist und was er, der Geist, uns verkünden wird? Was sein, was Gottes ist, ist die Liebe. Liebe ist ein kommunikatives Geschehen und ohne Kommunikation gibt es keine Liebe. So ist eine der schönsten Deutungen des dreifaltigen Gottes, dass der Heilige Geist das Kommunikationsgeschehen, also das Liebesgeschehen zwischen Vater und Sohn ist. Diese Liebe, der Heilige Geist, verbindet den Vater und den Sohn, durch den Geist des dreieinen Gottes geschieht diese Liebe und wird lebendige Wirklichkeit. Diese göttliche Liebe ist so groß, so überfließend und erfüllend, dass sie durch den Geist auch in unsere Herzen kommen will, sich ausgießt, damit auch wir Anteil haben an dem Kommunikationsgeschehen mit Gott, mehr noch, damit wir überhaupt mit Gott kommunizieren können. Wer nicht liebt, kann auch keine Kommunikation führen, also Gemeinschaft herstellen. Was für das Zwischenmenschliche gilt, gilt freilich auch für Gott. Wenn der Geist von dem nimmt, was Jesu ist, dann wird Jesus nichts weggenommen oder reduziert, weil die Liebe Gottes nie kleiner, weniger oder geringer werden kann, im Gegenteil: Sie vermehrt sich, je mehr seine Kinder in das Kommunikationsgeschehen der göttlichen Dreifaltigkeit hineingenommen werden wollen. Da, wo Liebe geteilt wird, wird sie mehr und nicht weniger. Das ist das Paradox der Liebe und ein Stückweit das Geheimnis der Liebe der göttlichen Dreifaltigkeit.

Credo



Fürbitten


Gott, unser Vater, du hast deine Liebe durch deinen Sohn bei uns bekannt gemacht und durch deinen Heiligen Geist ausgegossen in unsere Herzen. Dich bitten wir:
V/A: Wir preisen Gott, den Vater, durch seinen Sohn im Heiligen Geist.
– Lass deine Kirche zur Zeugin deiner Liebe werden und lass die Liebe in ihr und durch sie in dieser Welt groß werden.
– Schenke den Eheleuten die Kraft, ihre Liebe zu bewahren, die Kommunikation nicht aufzugeben und sich von deiner Liebe berühren zu lassen.
– Erfülle die Mächtigen der Welt und alle, die in Politik und Wirtschaft engagiert sind, mit deiner Weisheit, damit sie Maß und Ziel ihres Dienstes erkennen.
– Nimm unsere Verstorbenen auf in deine Liebe und stärke die Hoffnung derer, die sich auf den Tod vorbereiten.
Gott, unser Vater, du hast uns in deinem Sohn dein Wort geschenkt, das unserem Leben Halt und Richtung gibt. Stärke uns mit der Kraft deines Geistes, damit wir ihn hören und ihm folgen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Gott, unser Vater, wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein. Heilige diese Gaben und nimm mit ihnen auch uns an, damit wir dir auf ewig gehören. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Mit deinem eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geist bist du der eine Gott und der eine Herr, nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens. Was wir auf deine Offenbarung hin von deiner Herrlichkeit glauben, das bekennen wir ohne Unterschied von deinem Sohn, das bekennen wir vom Heiligen Geiste. So beten wir an im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes die Sonderheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die gleiche Fülle in der Herrlichkeit. Dich loben die Engel und Erzengel, die Kerubim und Serafim. Wie aus einem Mund preisen sie dich Tag um Tag und singen auf ewig das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Jesus Christus hat dem Vater ein Gesicht gegeben und gezeigt, wie er ist. In der Kraft des Heiligen Geistes beten wir, wie er uns zu beten gelehrt hat. Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Herr Jesus Christus, Du hast uns den Geist des Friedens gesandt und uns in deinem Leben gezeigt, wie Frieden möglich werden kann. So bitten wir dich: Schau nicht auf unsere Sünden …

Kommunionvers

Gal 4,6
Weil ihr Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Erhalte uns durch dieses Sakrament im wahren Glauben und im Bekenntnis des einen Gottes in drei Personen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis VI
Gott, unser Vater, segne euch mit allem Segen des Himmels, damit ihr rein und heilig lebt vor seinem Angesicht.
Er lehre euch durch das Wort der Wahrheit; er bilde euer Herz nach dem Evangelium Christi und gebe euch Anteil an seiner Herrlichkeit.
Er schenke euch jene brüderliche Liebe, an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.