Laacher Messbuch

Zweiter Fastensonntag

25. Februar 2024

Mein Herz denkt an dein Wort:
Sucht mein Angesicht!
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.
Verbirg nicht dein Gesicht vor mir.
Ps 27 (26),8-9
Oder:

Denk an dein Erbarmen, Herr, und an die Taten deiner Huld;
denn sie bestehen seit Ewigkeit.
Laß unsere Feinde nicht triumphieren!
Befreie uns, Gott Israels, aus all unseren Nöten.
Ps 25 (24),6.2.22

Wann haben Sie zuletzt an etwas Schönes gedacht? – Bei dieser Frage kommen Ihnen sicher bezaubernde Erinnerungen aus Ihrem letzten Urlaub in den Sinn. Vielleicht ist der schon eine Zeit lang her, aber die schönsten Momente sind Ihnen so präsent, als ob sie gestern erst stattgefunden hätten: eine erfüllende Wanderung in den Bergen, ein köstliches Essen, ein grandioser Sonnenaufgang am frühen Morgen, ein tiefgehendes Gespräch mit Freunden bis spät in die Nacht, …
Wann haben Sie zuletzt das Gute und Schöne wahrgenommen, das Sie in Ihrem Alltag umgibt? – Ihre Wohnung, wo Sie Ihr eigener Herr, Ihre eigene Herrin sind, die zwitschernden Vögel in den Bäumen, die blühenden Blumen, den blauen Himmel, die Partnerin, den Partner, Ihre Kinder, das wärmende Sonnenlicht, Freunde, Nachbarn, dass Sie sich frei bewegen können, dass Sie Ihre Meinung offen sagen dürfen, … dass Sie danken können und dass Sie zu einem schönen Moment im Leben Ihrer Mitmenschen werden können.


Kyrie-Rufe


Herr Jesus, du bist gestorben, damit wir leben.
Herr, erbarme dich.
Du offenbarst uns den Vater.
Christus, erbarme dich.
Du entzündest in uns die Liebe zu dir und zu den Menschen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet


Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören. Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Gen 22,1–2.9a.10–13.15–18
Lesung aus dem Buch Génesis.
In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Ísaak, geh in das Land Moríja und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar!
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf. Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Es ist doch einfach zum Kopfschütteln: Wie kann Gott nur so etwas fordern! Da spürt man doch eine leise Sympathie für sämtliche Religionskritiker von der Antike bis in die Gegenwart, oder? Kann eine Religion, die einen solchen Gott verehrt, überhaupt Gutes im Menschen bewirken? – Am Ende des Textes wird dann zwar mit hehren Worten kundgetan, warum sich diese »Herausforderung« gelohnt hat. Aber es bleibt doch ein fader Beigeschmack: Hätte Gott diese ja wirklich grandiose Zusage an Abraham nicht auch mit einer weniger grausamen »Story« verbinden können? Und das Sterben seines Sohnes am Kreuz? Ist Erlösung nur möglich durch Leid und Tod?
»Per aspera ad astra«, sagen die Lateiner, »durch das Raue zu den Sternen«. Es ist unser aller Alltagserfahrung, die aus dieser Redewendung spricht. Schatten und Licht, arm und reich, gut und böse, dumm und schlau, gesund und krank, tot und lebendig … – die Auflösung dieser Gegensätze muss der Himmel sein!


Antwortpsalm

Ps 116 (115),10 u. 15.16–17.18–19 (Kv: vgl. 9)
Kv Ich gehe meinen Weg vor Gott
im Lande der Lebenden. – Kv

Ich glaube – auch wenn ich sagen muss: *
Ich bin tief erniedrigt!
Kostbar ist in den Augen des HERRN *
der Tod seiner Frommen. – (Kv)

Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, /
dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd! *
Gelöst hast du meine Fesseln.
Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, *
ausrufen will ich den Namen des HERRN. – (Kv)

Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen *
in Gegenwart seines ganzen Volkes,
in den Höfen des Hauses des HERRN, *
in deiner Mitte, Jerusalem. – Kv

Zweite Lesung

Röm 8,31b–34
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder! Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Die Frage »Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?« ist scheinbar schnell beantwortet: Eine Zeit, in der sich vor allem die katholische Kirche mehr denn je ihrem eigenen moralischen Anspruch stellen muss, macht es Kritikern leicht, Argumente zu finden. Wo früher Frömmelei ein probates Mittel der Vertuschung war, steht die Institution nun mit dem Rücken zur Wand – im Angesicht der fragenden Mehrheit der Bevölkerung.
Wie konnte es bei dieser eindeutigen Botschaft des Heils und der Liebe überhaupt so weit kommen? Warum konnte eine Läuterung nicht bereits früher stattfinden? Warum tut sich die Kirche immer noch so schwer, ihre Ohren für die Botschaft der Liebe zu öffnen und diese konsequent umzusetzen?
Die Frage, wer gegen uns ist, ist der wohl größte Hemmschuh für die »Transformation« der Kirche, denn dann müssten wir uns ja gegen jemanden wehren. Es ist aber niemand gegen uns! Doch, vielleicht gegen die Kirche in ihrer aktuellen Erscheinung. Aber niemand ist gegen die Botschaft (Gottes) von Liebe und Gerechtigkeit! Sie wird in der Welt immer noch verstanden und praktiziert und bildet die eigentliche DNA der Menschheit! An uns, der Kirche, liegt es, aus dieser DNA einen wohlgestalteten Körper zu formen!


Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Mt 17,5
Lob dir, Christus, König und Erlöser! – Kv
Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!

Evangelium

Mk 9,2–10
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.
Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.
Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
Da kam eine Wolke und überschattete sie und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich außer Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Lieber Petrus, tja, Glück muss man haben im Leben! Vor dem Hintergrund dieses ganzen Schlamassels hier bei uns – Klimawandel, Kriege, Teuerung, Pandemien – beneide ich Dich! Ehrlich! Das muss doch damals gewesen sein wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig. Was wär ich damals gerne dabei gewesen! Und, soll ich Dir was sagen? Ich versteh Dich gut, dass Du damals diese drei Hütten bauen wolltest: Wenn sich schon mal eine solche Gelegenheit bietet, dann sollte man nicht einfach tatenlos daneben stehen und sowas an sich vorbeiziehen lassen. Festhalten für die Ewigkeit ist die Devise! Mir spricht Goethes Faust aus der Seele: »Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zugrunde gehn!« Den meisten würde heute wohl ein Selfie mit dem Handy reichen – aber ich – ich hätte es stecken gelassen und hätte nach dem anfänglichen Schreck einfach nur genossen! Beneidenswert …!

Credo



Fürbitten


Jesus, du zeigst dich uns immer wieder in wandelnden Gestalten: als leuchtender Körper auf dem Berg der Verklärung, als Brot in der Eucharistie, als mein Mitmensch im Alltag. Höre auf unsere Bitten.
V: Jesus, uns so nahe. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Wir beten für alle, die dich erkennen wollen.
– Wir beten für alle, die deiner Liebes-Botschaft ein Gesicht geben wollen.
– Wir beten für alle, die uns die Augen öffnen.
– Wir beten für alle, die sich in einem dunklen Tal des Lebens befinden.
– Wir beten für uns, die wir deine Stimme in unserm Leben hören wollen.
– Wir beten für unsere lieben Verstorbenen, für die wir hoffen, dass sie dich sehen, wie du bist.
Jesus Christus, du bist das Licht unseres Lebens – bis in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, das Opfer, das wir feiern, nehme alle Schuld von uns. Es heilige uns an Leib und Seele, damit wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel, zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn er hat den Jüngern seinen Tod vorausgesagt und ihnen auf dem heiligen Berg seine Herrlichkeit kundgetan. In seiner Verklärung erkennen wir, was Gesetz und Propheten bezeugen: daß wir durch das Leiden mit Christus zur Auferstehung gelangen. Durch ihn rühmen wir deine Größe und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Gott sagt, dass wir auf seinen Sohn Jesus Christus hören sollen – so wie er auf uns hört. Deshalb dürfen wir sprechen: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Die Jünger fragen sich, was das sei: von den Toten auferstehen. Christus ist für uns auferstanden und lebt mitten unter uns in unserer Zerrissenheit und unserm Unfrieden. Ihn bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommuninvers

Mt 17,5
Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe: Auf ihn sollt ihr hören.

Schlussgebet


Herr, du hast uns im Sakrament an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben. Wir danken dir, daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt an dem, was droben ist. Durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Vom Leiden des Herrn
Der barmherzige Gott, der seinen Sohn für uns dahingegeben und uns in ihm ein Beispiel der Liebe geschenkt hat, segne euch und mache euch bereit, Gott und den Menschen zu dienen.
Und Christus, der Herr, der uns durch sein Sterben dem ewigen Tode entrissen hat, stärke euren Glauben und führe euch zur unvergänglichen Herrlichkeit.
Und allen, die ihm folgen auf dem Weg der Entäußerung, gebe er Anteil an seiner Auferstehung und an seiner Herrlichkeit.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Maria Laach ist ein ausgezeichneter Arbeitgeber!