Laacher Messbuch

28. Sonntag im Jahreskreis

11. Oktober 2026

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,
Herr, wer könnte bestehen?
Doch bei dir ist Vergebung, Gott Israels.
Ps 130 (129),3–4

Gastmähler spielen in der Bibel eine wichtige Rolle. Sie sind Gelegenheiten zur Freude und zum Fest. Wenn Gott der Gastgeber ist oder teilnimmt, intensivieren sie die Gottesbeziehung und bringen sie weiter. Mit ihnen verbinden sich die Verheißungen Gottes an uns. Wir begegnen ihnen heute in der Lesung aus dem Alten Testament und im Evangelium. In der Lesung ist das Gastmahl, das Gott allen Völkern gibt, mit der Verheißung verbunden, dass Gott alle Tränen abwischen und dem Tod ein Ende setzen wird. Im Evangelium ist das Hochzeitsmahl, das der König für seinen Sohn ausrichtet, offen auf die Verheißung des himmlischen Hochzeitsmahls hin, zu dem wir alle eingeladen sind. Entscheidend für das richtige Verständnis von Lesung und Evangelium ist aber, dass wir sie beide im Rahmen eines weiteren Gastmahls hören, zu dem Gott uns einlädt. Wir hören sie im Rahmen einer Messe und die ist immer ein Mahl, das Gott uns bereitet und in dem er uns seinen Sohn schenkt. Die Geschichte der Gastmähler in der Bibel ist so nicht nur eine Geschichte der Verheißung der Freude, sondern wird in der Eucharistie auch eine ihrer Erfüllung.

Kyrie-Rufe


Herr Jesus Christus, du bist der Grund unserer Freude.
Herr, erbarme dich.
Du lädst uns ein zum ewigen Gastmahl beim Vater.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst dich uns auch in dieser Messe.
Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Herr, unser Gott, deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 25,6–10a
Lesung aus dem Buch Jesája.
An jenem Tag wird der HERR der Heerscharen auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen. Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt.
Er hat den Tod für immer verschlungen und GOTT, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, denn der HERR hat gesprochen.
An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der HERR, auf ihn haben wir gehofft. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. Denn die Hand des HERRN ruht auf diesem Berg.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Golgotha, auf dem die Kreuzigung stattfand, liegt zwar in Jerusalem, ist aber nicht der Berg Zion. Trotzdem verweist das Gastmahl, das Gott in der Lesung auf dem Berg Zion gibt, schon auf die Kreuzigung vorweg. Bei diesem Gastmahl nimmt Gott die Hülle, die alle Völker verhüllt, hinweg. Das erinnert an den Bericht über den Tod Jesu, dass der Vorhang des Tempels mitten entzweiriss (Mt. 27,51). Der Vorhang trennte das Allerheiligste vom Heiligtum. Der Zugang zu Gott steht nun allen offen, selbst den Heiden. Im Tod Jesu am Kreuz wird der Tod besiegt. Entsprechend heißt es in der Lesung, dass Gott den Tod verschlingt – in der Umkehr des Bildes, dass der Tod der ist, der alles verschlingt. Dass Gott allen Völkern, allen Menschen, den Zugang zu ihm schenkt und dass er den Tod endgültig wegnimmt, das geschieht in Jerusalem am Kreuz und bei der Auferstehung.
Verbunden ist das auch hier mit einem Gastmahl. Im letzten Abendmahl werden Kreuz und Auferstehung vorweggenommen und in jeder Messe werden sie gefeiert. Das, was damals für das Gastmahl auf dem Sion verheißen wurde, und das, was auf Golgotha geschah, wird in der Eucharistie gegenwärtig. Es wird nun mit der besten Speise und dem erlesensten Wein, Fleisch und Blut Jesu Christi, von uns gefeiert. Wir können diese Lesung daher auch als eine eucharistische Lesung verstehen. Jede Messe ist das große Fest, zu dem Gott einlädt und in dem wir schon jetzt an seinen Verheißungen Anteil haben.


Antwortpsalm

Ps 23 (22),1–3.4.5.6 (Kv: vgl. 6b)
Kv Im Haus des HERRN werde ich wohnen
für immer und ewig. – Kv

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. /
Er lässt mich lagern auf grünen Auen *
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück. *
Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit,
getreu seinem Namen. – (Kv)

Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, *
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir, *
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. – (Kv)

Du deckst mir den Tisch *
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, *
übervoll ist mein Becher. – (Kv)

Ja, Güte und Huld *
werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN *
für lange Zeiten. – Kv

Zweite Lesung

Phil 4,12–14.19–20
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíppi.
Schwestern und Brüder! Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch den, der mich stärkt. Doch ihr habt recht daran getan, an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen.
Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken. Unserem Gott und Vater aber sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Der Schlüssel zu der Lesung ist der letzte Satz. Gott sei die Ehre in alle Ewigkeit. Zur Ehre Gottes verrichtet der Apostel seinen Dienst, zu dem ihn Gott berufen hat; und er tut das in allen Umständen und Situationen, so gegensätzlich sie auch sein mögen. Da er das nicht aus eigener Kraft vermag, sondern allein aus Gott, der ihn stärkt, dient er auch damit Gottes Ehre. Der Ehre Gottes dient auch die Gemeinde, die sich mit ihm verbunden fühlt und ihn in seiner Bedrängnis unterstützt. Einmal verrichtet sie damit das gute Werk, jemanden zu unterstützen, der bedürftig ist. Dann wirkt dadurch aber auch sie am Werk des Apostels mit. Mit beidem dient sie Gottes Ehre. Gottes Ehre dient es dann auch, wenn Gott wiederum der Gemeinde das schenkt, was sie nötig hat, und damit ihr gutes Werk der Unterstützung des Apostels anerkennt und belohnt und ihr einen Ausgleich dafür gibt. Auch wenn dieser abschließende Abschnitt im Philipperbrief dem Dank für die Gabe der Gemeinde gewidmet ist, schaut der Text zwar auf den Apostel und die Gemeinde, aber beide weisen auf Gott hin; denn ihm allein sei die Ehre in Ewigkeit.

Ruf vor dem Evangelium

vgl. Eph 1,17–18
Halleluja. Halleluja.
Der Vater unseres Herrn Jesus Christus
erleuchte die Augen unseres Herzens,
damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Halleluja.

Evangelium

Mt 22,1–14
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm.
Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Da bekommt man eine ganz besondere Einladung, eine Einladung zu einer königlichen Hochzeit. Eine solche Hochzeit wäre das Medienereignis des Jahres und um eine solche Einladung würden sich alle reißen. Sie müssten sich sagen: Das ist der Höhepunkt meines Lebens, etwas, wovon ich noch Kindern und Enkeln erzählen kann. Aber die Eingeladenen in diesem Evangelium kümmern sich nicht um die Einladung, sondern haben nichts Besseres zu tun, als ihren Alltag fortzusetzen. Der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Ein Verhalten, das wohl bereits die Zuhörer zu Jesu Zeit nicht verstehen konnten. Sie sind selbst schuld, wenn diese Einladung nun anderen gilt – und zwar allen. Die Diener gingen auf die Straße hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute.
So könnte dieses Gleichnis Jesu enden. Es warnt davor, die einmalige Chance der Einladung Gottes nicht zu verpassen und zeigt uns Gottes übergroße Liebe, die alle, wirklich alle, einlädt: Gute und Böse. So schließt das Gleichnis dann trotz der Ablehnung durch die ursprünglich Eingeladenen fast als Happy end.
Aber es folgt noch ein Nachtrag und der hat es in sich. Es gibt mehrere Gleichnisse, die zwei Gipfel, zwei Pointen haben und das warnt uns davor, die Gleichnisse zu eindeutig und zu einfach auszulegen. Es sind offene Geschichten, die wir weiterdenken können. Über das Himmelreich und über unser Leben als Christen können wir immer noch mehr sagen, weitere Dimensionen entdecken.
In diesem Nachtrag tritt nun endlich der König, Gott, selbst auf, und er entdeckt einen Mann ohne Hochzeitsgewand. Selbst der Bettler von der Straße kann sich also noch etwas hochzeitlich herrichten. Wer einer solchen Einladung nachkommt, nimmt das Beste, was er hat, und wer das nicht tut, der nimmt nicht ernst, was für ein großes Fest es ist und welche Ehre und Freude es bedeutet, dabei zu sein.
Der König im Gleichnis lädt ein zur Hochzeit, zum großen Fest, zur einmaligen Gelegenheit, aber er erlebt eine doppelte Enttäuschung und die ist für uns eine doppelte Warnung. Es gibt die, die diese Einladung einfach übergehen und weiter ihrem kleinen Alltag nachgehen, und es gibt die, die ihr zwar nachkommen, aber sie nicht ernst nehmen, nicht die wahre Freude an diesem Fest haben und sich daher auch keine Mühe geben. Wir alle sind eingeladen, Gute und Böse; das Evangelium erinnert uns daran. Wir würden die Chance unseres Lebens verpassen, wenn wir die Einladung überhören; aber wir können das Fest nicht feiern, wenn wir zu diesem Fest ohne Bereitschaft und Freude gehen, wenn wir uns nicht darauf einlassen, also nicht das hochzeitliche Gewand tragen.


Oder: Kurzfassung: Mt 22,1–10
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König,der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein! Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Credo



Fürbitten


Lasst uns zu Gott, unserem Vater, beten, der uns einlädt in sein Reich:
V: Gott, unser Vater. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Für die Missionare, die weltweit den Glauben verkünden.
– Für die Jugendgruppen in der Kirche.
– Für Erfolge bei der atomaren Abrüstung.
– Für die Abgeordneten in den Parlamenten unseres Landes.
– Für die Ehen, die in eine Krise geraten sind.
– Für alle, die durch große Sorgen bedrückt sind.
– Für unsere Verstorbenen.
Gott, du unser Vater, du hast uns geschaffen und willst uns als deine Kinder um dich sammeln. Höre unsere Bitten und führe alle Menschen zu dir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Herr und Gott, nimm die Gebete und Opfergaben deiner Gläubigen an. Laß uns diese heilige Feier mit ganzer Hingabe begehen, damit wir einst das Leben in der Herrlichkeit des Himmels erlangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage IV
Wir danken dir, Vater im Himmel, und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn durch seine Geburt hat er den Menschen erneuert, durch sein Leiden unsere Sünden getilgt, in seiner Auferstehung den Weg zum Leben erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir das Tor des Himmels geöffnet. Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Alles vermögen wir durch den, der uns stärkt. So beten wir voll Vertrauen zu Gott, unserem Vater: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Gott will alle Tränen abwischen und uns das neue Leben schenken. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 34 (33),11
Reiche müssen darben und hungern. Wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren.
Oder: 1 Joh 3,2
Wenn der Herr offenbar wird, werden wir ihm ähnlich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, in der heiligen Opferfeier nährst du deine Gläubigen mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes. Gib uns durch dieses Sakrament auch Anteil am göttlichen Leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis IV
Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns tröstet in jeder Not, segne euch und lenke eure Tage in seinem Frieden.
Er bewahre euch vor aller Verwirrung und festige eure Herzen in seiner Liebe.
In diesem Leben mache er euch reich an guten Werken; und im künftigen sei er selbst euer unvergänglicher Lohn.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn † und der Heilige Geist.

***

Achtet doch die Güte dessen, der euch berufen; keiner behalte ein schmutziges Kleid an, jeder sei bemüht um ein reines Seelengewand. Höret es, ihr Frauen, höret es, ihr Männer. Nicht goldgewirkte Kleider, die euch äußerlich schön machen, sind euch vonnöten, sondern Kleider, die euch innerlich schmücken. Solange man jene trägt, ist es schwer, diese anzulegen. Es ist nicht möglich, zugleich Seele und Leib zu schmücken; es ist nicht möglich, zugleich dem Mammon zu dienen und Christo zu folgen, wie es Pflicht ist. Lasset uns also dieses drückende Joch abschütteln. Du würdest es gewiss nicht ruhig hinnehmen, wenn man in deinem Hause goldene Vorhänge anbrächte und dich halbnackt in Lumpen dasitzen ließe. Aber du selbst handelst so an dir, wenn du die Wohnung deiner Seele, nämlich den Leib, mit allen möglichen Stoffen schmücktest, die Seele dagegen in Lumpen gehüllt lässt. Weißt du nicht, dass man den König schöner schmücken muss als die Stadt? Deshalb werden die Häuser der Stadt mit Linnen geziert, der König mit Purpur und Krone angetan. So sollst auch du es machen. Deinen Leib brauchst du nur in ein einfaches Gewand zu hüllen, die Seele aber sollst du in Purpur kleiden, ihr ein Diadem aufdrücken und sie auf einen erhabenen, strahlenden Thron setzen. Du tust aber das Gegenteil; du schmückst die Stadt prächtig, den König, die Seele, lässt du gefesselt von den ungezügelten Leidenschaften dahinschleppen. Denkst du nicht daran, dass du zu einer Hochzeit geladen bist, zur Hochzeit bei Gott? Kümmert es dich nicht, dass die geladene Seele in goldverbrämte Prachtgewänder gekleidet in das Brautgemach eintreten soll?

Johannes Chrysostomus