Laacher Messbuch

Pfingsten - Am Tag

20. Mai 2018

Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis.
In ihm hat alles Bestand.
Nichts bleibt verborgen vor ihm. Halleluja.
Vgl. Weish 1,7
Oder:

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Halleluja.
Röm 5,5:

Der Glaube der frühen Christengenerationen, dass ihr Herr und Meister nicht im Tod geblieben ist, dass er vielmehr im Ewigen aufgehoben und gleichzeitig in ihrem Leben gegenwärtig ist, war von solcher Dichte, dass sie dieser Überzeugung in einem zeitlich gegliederten Rahmen Gestalt gaben. 50 Tage, von der Auferweckung in der Osternacht über Himmelfahrt bis zum Pfingstfest, dauert dieses Erinnern. Dieses Zeitschema haben sie in der jüdischen Gemeinschaft vorgefunden: Juden feiern das Geschenk der Tora, in dem Gott sich Mose und dem Volk offenbart hat, 50 Tage nach Pesach, an Schawuot.
An diesem großen Wallfahrtsfest wird den versammelten Jüngern Jesu in Jerusalem das Geschenk von Gottes Heiligem Geist zuteil. In ihm werden sie sich der ungebrochenen Macht ihres geglaubten Gottes bewusst und schöpfen die Kraft, diesen Glauben in die Welt zu tragen.


Kyrie-Rufe

Oder: GL 165 • KG 480
Herr Jesus Christus, du hast dein ganzes Leben im Geist deines himmlischen Vaters geführt. Kyrie, eleison.
Dein befreiender Geist erfüllt auch unsere Herzen. Christe, eleison.
Mit deinem göttlichen Beistand wird das Antlitz der Erde neu. Kyrie, eleison.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger, ewiger Gott, durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen. Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Es können auch die Schrifttexte vom Lesejahr A genommen werden.

Erste Lesung

Apg 2,1–11
Lesung aus Apostelgeschichte.
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten:
Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. |F

¬ Wenn Gott sich den Menschen offenbart, tut er das laut biblischer Tradition in Auditionen und Visionen. Schon beim Sinaigeschehen lesen wir von Donner, Beben und Feuer (Ex 19, 16ff.); so verbindet auch Lukas die Theophanie am Pfingstfest in Jerusalem mit Brausen und Feuerzungen. Dieser Gott ist ein Gott, den man förmlich hören und sehen kann – wenn Augen und Ohren offen für seine Botschaft sind. Schon am Schluss des ersten Teils seiner Schrift lässt Lukas den Auferstandenen seinen Freunden das Geschenk des Geistes ankündigen: »Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet« (Lk 24,49). Wenn Gott sich zu erkennen gibt, kann das durchaus verwirrend und bestürzend sein; es versetzt womöglich in ungläubiges Staunen oder ruft sogar Unterstellungen und Anfeindungen hervor. Auf jeden Fall initiiert eine Gotteserfahrung bei den Gläubigen stets einen Aufbruch. Auf diesen Heiligen Geist des Aufbruchs, der keine Furcht kennt, sollten auch wir unsere Hoffnung setzen.

Antwortpsalm

Ps 104,1–2.24–25.29–31.34 (|R: vgl. 30)
|R: Halleluja. – Oder: Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu.
Lobe den Herrn, meine Seele! /
Herr, mein Gott, wie groß bist du! *
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, *
du spannst den Himmel aus wie ein Zelt. – |R
Herr, wie zahlreich sind deine Werke! /
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, *
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit, *
darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere. – |R
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin *
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen *
und du erneuerst das Antlitz der Erde. – |R
Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; *
der Herr freue sich seiner Werke.
Möge ihm mein Dichten gefallen. *
Ich will mich freuen am Herrn. – |R

Zweite Lesung

Gal 5,16–25
Lesung aus dem Galaterbrief.
Schwestern und Brüder! Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen.
Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, sodass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt.
Wenn ihr euch aber vom Geist führen lasst, dann steht ihr nicht unter dem Gesetz. Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben.
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht.
Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.
Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen. |F

¬ In der galatischen Gemeinde herrscht Aufruhr. Nach allem was wir wissen, besteht Uneinigkeit darüber, inwieweit die Heidenchristen sich an das jüdische Gesetz halten müssen, und beispielsweise die Beschneidung in der jungen Glaubensgemeinschaft zwingend notwendig ist. Paulus wiederholt und erklärt seine Position immer wieder; mit Herzblut wirbt er für den befreienden Gott des Lebens und verteidigt seine Autorität. Die Auseinandersetzungen müssen sehr heftig gewesen sein, denn im vorausgehenden Vers der eben gehörten Lesung heißt es: »Wenn ihr einander beißt und verschlingt, dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.« Der Apostel bleibt in seiner Argumentation, wie jeder von uns auch, geprägt durch seine Herkunft, seine Erziehung und sein gesellschaftliches Umfeld, in dem er groß geworden ist. Er wehrt sich zwar gegen die Einengung durch eine buchstäbliche und seelenlose Interpretation des Gesetzes, zieht aber genau diese Gesetzes-Karte zum Schluss seines Tugendkatalogs, um seinen Gegnern seine wahrhaftige Gesetzestreue darzulegen. Er steht somit ganz in der jüdischen Tradition seines Meisters Jesus, der bei aller Kritik an der praktischen Umsetzung das Gesetz nie abschaffen, sondern in Liebe, Friede und Güte zur Erfüllung bringen wollte.

Sequenz


Komm herab, o Heilger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

Stefan Langton (um 1200), Übertragung: Maria Luise Thurmair und Markus Jenny (1971); GL 343f. · KG 483

Ruf vor dem Evangelium


Halleluja. Halleluja.
Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!
Halleluja.

Evangelium

Joh 15,26–27; 16,12–15
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. Und auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden. |F

¬ Jesus verspricht seinen Jüngern, sie nicht sich selbst zu überlassen, selbst dann nicht, wenn er nicht mehr unter ihnen weilt. Er sichert ihnen göttlichen Beistand zu, der sie in die ganze Wahrheit führt.
Buchstäblich die ganze Wahrheit erkennen ist in dieser Welt unmöglich, weil wir Menschen immer nur Ausschnitte sehen, entsprechend unserem Wissen, welches stets begrenzt bleibt, unserem gesellschaftlichen Umfeld, unserem persönlichen Erleben. Wenn ich akzeptiere, dass nicht ich allein die Wahrheit besitze und meine Mitmenschen prinzipiell auch einen Anteil an ihr haben, dass es sozusagen Wahrheiten gibt, dann wird die gemeinsame Suche nach gangbaren Wegen des friedlichen Zusammenlebens möglich.
Als Christen glauben wir an die göttliche Zusage der Geistsendung. Dieser Glaube ist für uns gleichermaßen Verpflichtung und Ansporn, in unserem Alltag wahrhaftig gegenüber uns selbst und unseren Mitmenschen zu leben. Wenn wir anerkennen, dass gerade das Erhoffen und Ersehnen umfassender Wahrheit jenseits all unserer menschlichen Begrenzungen uns eint, ist uns eine gemeinsame und friedliche Zukunft geschenkt.


Credo



Fürbitten


Barmherziger Gott, wir sind in dieser Welt auf deinen heiligen Beistand angewiesen. Wir glauben, dass du uns nicht alleine lässt. Wir bitten:
A: Herr, erhöre unsere Bitten.
– Sende deinen Geist der Demut in unsere Kirchen, damit wir trotz allem Trennenden das geschwisterliche Miteinander immer wieder aufs Neue üben.
– Sende deinen Geist der Liebe über die Menschen, die in Partnerschaft und Familie eine schwierige Zeit haben, damit sie zur Versöhnung finden.
– Sende deinen Geist der Stärke über die kranken und alten Menschen, die an ihren Gebrechen leiden, damit sie ihr Leben annehmen können.
– Sende deinen Geist der Ehrfurcht über uns alle, damit wir unser Leben als Geschenk achten und heiligen.
Guter Gott, stärke uns mit deinem Geist, damit wir immer fähiger werden, zu unterscheiden zwischen dem, was Menschenwort und zweitrangig ist, und dem, was deinem göttlichen und barmherzigen Willen entspricht. Amen.

Gabengebet


Allmächtiger Gott, erfülle die Verheißung deines Sohnes: Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt und uns das Geheimnis dieses Opfers immer mehr erschließt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Vom Tag
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken und diesen Tag in festlicher Freude zu feiern. Denn heute hast du das österliche Heilswerk vollendet, heute hast du den Heiligen Geist gesandt über alle, die du mit Christus auferweckt und zu deinen Kindern berufen hast. Am Pfingsttag erfüllst du deine Kirche mit Leben: Dein Geist schenkt allen Völkern die Erkenntnis des lebendigen Gottes und vereint die vielen Sprachen im Bekenntnis des einen Glaubens. Darum preisen dich alle Völker auf dem Erdenrund in österlicher Freude. Darum rühmen dich die himmlischen Kräfte und die Mächte der Engel und singen das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


In der Taufe haben wir den Geist Gottes empfangen. In ihm sind wir Söhne und Töchter des guten Vaters, zu dem wir jetzt vertrauensvoll beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Christus hat seinen Jüngern aufgetragen Zeugnis abzulegen, sich für Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Vgl. Apg 2,4.11
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und verkündeten Gottes große Taten. Halleluja.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, du hast deine Kirche mit himmlischen Gaben beschenkt. Erhalte ihr deine Gnade, damit die Kraft aus der Höhe, der Heilige Geist, in ihr weiterwirkt und die geistliche Speise sie nährt bis zur Vollendung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Vom Heiligen Geist
Der gütige Gott hat am heutigen Tag die Jünger durch die Eingießung des Heiligen Geistes erleuchtet; er segne euch und schenke euch den Reichtum seiner Gaben.
Jenes Feuer, das in vielen Zungen auf die Jünger herabkam, reinige eure Herzen und entzünde in euch die göttliche Liebe.
Der Heilige Geist, der die vielen Sprachen im Bekenntnis des Glaubens geeint hat, festige euch in der Wahrheit und führe euch vom Glauben zum Schauen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.