Laacher Messbuch

5. Sonntag der Osterzeit

15. Mai 2022

Singt dem Herrn ein neues Lied,
denn er hat wunderbare Taten vollbracht
und sein gerechtes Wirken enthüllt
vor den Augen der Völker. Halleluja.
Ps 98,1–2

Die Osterzeit schreitet voran und nähert sich ihrem Höhepunkt, der Himmelfahrt Christi und der Geistspendung am Pfingsttag. In den Lesungstexten haben wir in den vergangenen Wochen verfolgt, wie die Apostel sich in ihrem neuen Leben als »Menschenfischer« eingefunden und bewährt haben, in oft schwierigen Situationen und Konflikten. Auch die Urgemeinde ist auf einem guten Weg und entwickelt sich zu einer wachsenden Gemeinschaft. Es hat nichts mit Geschichtsunterricht zu tun, die Erlebnisse und Erfahrungen der ersten Christen zu verfolgen. Unsere Glaubensmütter und -väter konfrontieren uns vielmehr mit der Frage nach unserem eigenen Standpunkt: Was und wem glauben wir? An was, an wem hängt unser Herz? Wie sind wir verwurzelt und wie sicher und fest ist der Lebensgrund, auf dem wir stehen? Mit diesen Fragen und allem, was unser Herz bewegt, stellen wir uns unter Gottes großes Erbarmen.

Kyrie-Rufe

GL 163,5 • KG 60,5
Herr Jesus Christus, nach deiner Auferstehung bist du den Menschen erschienen, damit sie sehen, hören und glauben. Herr, erbarme dich.
Du sagst: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Christus, erbarme dich.
Deine Worte sind uns Weg, Wahrheit und Leben. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, unser Vater, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Apg 14,21b–27
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen kehrten Paulus und Barnabas nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien, verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab.
Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes übereignet hatte.
Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Paulus und Barnabas kehren an den Ort und zu den Menschen zurück, wo Paulus gerade nur knapp dem Tod durch Steinigung entronnen war (vgl. Apg 14,19–21). Es ist ein eindrucksvoller Beleg für ihren Mut, ihre Glaubensstärke und die innere Freiheit ihres Geistes: Beide wissen sich buchstäblich getragen vom Geist Jesu und ihrem Verkündigungsauftrag. Und mit diesem waren sie offensichtlich erfolgreich, denn bei ihrer Rückkehr finden sie trotz des gewaltsamen Widerstands, dem sie bei ihrem ersten Besuch ausgeliefert waren, eine wachsende Gemeinschaft von Jüngerinnen und Jüngern vor und werden von diesen Menschen herzlich und freudig aufgenommen.
Von diesem Missionserfolg beflügelt, können Paulus und Barnabas Ablehnung und Verfolgung als notwendige Konsequenz in der Nachfolge deuten und ertragen. Während wir in der westlichen Welt vielfach in sicheren und gut situierten Verhältnissen frei und unbehelligt leben und glauben dürfen, werden an anderen Orten der Welt damals wie heute Menschen wegen ihres Glaubens drangsaliert und verfolgt. Für sie sind die Berichte der ersten Christen hoffentlich ein wertvoller Schatz, aus dem sie Mut und Zuversicht schöpfen.
In der Folge beschreibt die Lesung Grundvollzüge des Gemeindelebens, wie sie sich in der Urkirche allmählich etablierten und die bis heute gültig und aktuell sind: den Glauben miteinander teilen und verkünden, füreinander sorgen und einander beistehen, sich versammeln und gemeinsam beten – wenn wir uns an die coronabedingten Hygieneregeln und Abstandsgebote erinnern, bekommen wir eine Ahnung davon, wie elementar und notwendig es für Gemeinden ist, die Gemeinschaft im Glauben, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu gestalten und zu pflegen – und was uns fehlt, wenn wir auf diese menschliche Nähe verzichten müssen, damals wie heute.


Antwortpsalm

Ps 145,1-2.8-11.13c-14 (Kv: 1a)
Kv Halleluja. – Oder: Ich will dich erheben, meinen Gott und
König. – Kv

Ich will dich erheben, meinen Gott und König, *
ich will deinen Namen preisen auf immer und ewig.
Jeden Tag will ich dich preisen *
und deinen Namen loben auf immer und ewig. – (Kv)

Der HERR ist gnädig und barmherzig, *
langmütig und reich an Huld.
Der HERR ist gut zu allen, *
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. – (Kv)

Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, *
deine Frommen sollen dich preisen.
Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, *
von deiner Macht sollen sie sprechen. – (Kv)

Treu ist der Herr in seinen Reden *
und heilig in all seinen Werken.
Der HERR stützt alle, die fallen, *
er richtet alle auf, die gebeugt sind. – Kv

Zweite Lesung

Offb 21,1–5a
Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.
Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.
Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Die doxologische Formel des »Ehre sei dem Vater …« als Gebetsabschluss endet bekanntermaßen mit den Worten: »… wie im Anfang so auch jetzt und allezeit …« Die neue Welt Gottes, wie sie hier im letzten Kapitel der Offenbarung beschrieben wird, folgt dem gedanklichen Ablauf der Doxologie: Der Seher beschreibt am Beginn seiner Vision den Anfang, die vergangene erste Erde und das Meer als Urzustand ganz am Anfang der Schöpfungsgeschichte, das Tohuwabohu von wüster und wirrer Erde und zerstörerischer Urflut (Gen 1,2).
Diesem Anfang steht nun die Vision vom Ende, der Blick in die Ewigkeit, entgegen: Das Alte, Tod, Klage, Mühsal ist vergangen, an ihrer Stelle herrscht paradiesischer Friede. Dieser paradiesische Zustand vom Garten Gottes, in dem alles so ist, wie Er es von Ewigkeit her gedacht hat, wird am Ende wiederhergestellt. Anfang und Ende werden durch eine Brücke verbunden, wie das »wie auch jetzt« in der Doxologie: Diese Verbindung von Anfang und Ende ermöglicht überhaupt erst die Wiederherstellung des gottgewollten paradiesischen Zustands: »Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein« (Offb 21,3).
Hier wird keine Utopie beschrieben, keine ferne, unerreichte oder unerreichbare Verheißung im Jenseits, sondern diese Worte sind schon Realität, haben ein Gesicht, Hand und Fuß und einen Namen: Jesus Christus. In Ihm ist Gott Mensch unter Menschen geworden, hat sich für uns erlebbar und erfahrbar gemacht. Alle Dimensionen des menschlichen Lebens hat Christus durchlebt und durchlitten. Dieses Leben, sein Sterben, Sein Tod und Seine Auferstehung, sind die Brücke zwischen dem, was war, und dem, was sein wird: Gott in unserer Mitte, Liebe über den Tod hinaus – wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.


Ruf vor dem Evangelium

Joh 13,34ac
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Halleluja.
Oder: Vgl. Joh 13,34ab
Halleluja. Halleluja.
Dies ist mein Gebot:
Liebt einander, wie ich euch geliebt!
Halleluja.

Evangelium

Joh 13,31–33a.34–35
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Als Judas vom Mahl hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.
Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen.
Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.
Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

- »Liebe und tue, was du willst«, sagte der Bischof von Hippo, der heilige Augustinus (354–430). Eine nur auf den ersten, flüchtigen Blick widersprüchliche Aussage, dahinter aber liegt eine buchstäblich »entwaffnende« Logik! Das Evangelium ist den Abschiedsreden entnommen, in die der Evangelist Johannes das Letzte Abendmahl eingebettet hat. So können wir uns vielleicht vor unserem inneren Auge diese Szene der um den Tisch versammelten Gemeinschaft vorstellen. Judas hat den Saal bereits verlassen und in der Folge werden die bekannten Ereignisse unaufhaltsam ihren Lauf nehmen bis zu ihrem bitteren, bösen Ende. Liebe und tue, was du willst? Ja! Judas konnte nicht (mehr) lieben, in ihm war dafür kein Platz (mehr), sondern Angst, Enttäuschung, blinder Eifer, Frustration. Judas war ein Gefangener seiner Gefühle, handelte unter großem inneren Druck. Jesus dagegen ist völlig frei, innerlich durchdrungen und eins mit der Liebe vom und zum Vater: Liebe und tue, was du willst. Diese innere Einheit und Einigkeit strahlt nach außen und eröffnet den Jüngern einen Raum, in den sie eintreten können, wo sie einen Platz finden und sichere, verlässliche Zuwendung und Bindung erfahren. Keiner bleibt allein, sie teilen Brot und Wein und Leben, sie sind versammelt um ihre Mitte, das Herz ihrer Gemeinschaft, von dem jede Bewegung ausgeht und zu dem jede Reaktion zurückstrahlt. Die Tischgemeinschaft beim Abendmahl ist Sinnbild der Liebe, die Jesus lebt und verkörpert: »Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (V. 35). Es klingt so einfach und ist offensichtlich doch so schwierig – unmittelbar vor diesen Worten hatte einer aus dem Kreis das Band der Liebe schon zerschnitten und die Gemeinschaft verlassen, um Jesus auszuliefern. Liebe ist kostbar und zerbrechlich, sie erträgt auf Dauer keine Erschütterungen durch Angst und Misstrauen. Die Liebe Jesu gleicht einer Spur, die den Weg weist und dazu einlädt, der Sehnsucht nach mehr Raum zu geben, den kleinen Zeichen der Liebe und Hoffnung zu folgen und Gemeinschaft zu suchen mit Ihm und untereinander nach dem Beispiel der ersten Apostelinnen und Apostel – in aller Freiheit und Kreativität, die uns geschenkt und zugesagt ist, denn es gilt: »Liebe und tue, was du willst.«

Credo



Fürbitten


Herr Jesus Christus, du hast uns das Gebot der Liebe ins Herz gelegt. Wir vertrauen dir unsere Bitten an und beten:
V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
– Für alle Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
– Für alle Regierenden, die über Frieden oder Krieg zu entscheiden haben.
– Für alle, die in ihrem Leben Missachtung, Gewalt und Vernachlässigung erfahren haben.
– Für alle, die sich in der Kinder- und Jugendhilfe, in Frauenhäusern und therapeutischen Einrichtungen für traumatisierte Menschen einsetzen.
– Für alle, die alte, kranke und sterbende Menschen pflegen und begleiten.
Herr Jesus Christus, wir danken dir für die Liebe, mit der du allen Menschen begegnet bist. Lass uns nach deinem Vorbild leben und handeln und schenke uns deinen Frieden, heute und an allen Tagen, durch Zeit und Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Erhabener Gott, durch die Feier des heiligen Opfers gewährst du uns Anteil an deiner göttlichen Natur. Gib, daß wir dich nicht nur als den einen wahren Gott erkennen, sondern unser ganzes Leben nach dir ausrichten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Osterzeit V
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, in diesen Tagen freudig zu danken, da unser Opferlamm geopfert ist, Jesus Christus. Als er seinen Leib am Kreuz dahingab, hat er die Opfer der Vorzeit vollendet. Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


In Gemeinschaft mit allen, die an Christus glauben, sind wir hineingenommen in Gottes große Liebe und beten mit den Worten Jesu: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Glaube und Liebe können Berge versetzen, können aus Fremden Vertraute machen und aus Feinden Freunde. Dann wird Frieden. Darauf hoffen und vertrauen wir und bitten: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Vgl. Joh 15,1.5
So spricht der Herr: Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Rebzweige. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Halleluja.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, höre unser Gebet. Du hast uns im Sakrament das Brot des Himmels gegeben, damit wir an Leib und Seele gesunden. Gib, daß wir die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen und als neue Menschen leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

In der Osterzeit
Der allmächtige Gott hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes aus Sünde und Tod befreit; er segne euch und schenke euch seine Freude.
Und Christus, mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben, bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade; er schenke euch das verheißene Erbe.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Woran werden wir Dich erkennen wenn Du kommst?
Werden wir Dich erkennen wenn Du kommst?
Erkennen wir Dich?
Kommst Du?

wir sehen – und werden gesehen
wir leiden – und leiden mit
wir tragen – und werden ertragen
wir hören – und werden gehört
wir warten – und werden erwartet
wir sprechen, singen, schweigen, lachen, weinen

wir leben:
glauben
hoffen
lieben

DU kommst, DU bist, DU bleibst:
Liebt einander wie ich euch geliebt habe


Angela Boog