Laacher Messbuch

3. Sonntag im Jahreskreis

24. Januar 2021

Singet dem Herrn ein neues Lied,
singt dem Herrn, alle Lande!
Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht,
Macht und Glanz in seinem Heiligtum!
Ps 96,1.6

Am heutigen Sonntag ist eine Zeitwende im Blick. Johannes tritt ab und Jesus tritt auf. Von Johannes übernimmt Jesus wörtlich den Ruf: »Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe!« Mit diesem Appell ist eng das Wort Evangelium verbunden, das bei Markus (1,1) zum ersten Mal auftaucht. Zur Umkehr gehört der Glaube an das Evangelium, wie umgekehrt zum Evangelium der Glaube gehört. Gott bleibt sich treu mit dem Umkehrruf. Seit die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden, gibt Umkehr, Heimkehr, Rückkehr die Richtung an, in der das Leben wiedergefunden wird.
Das griechische Wort εὐαγγέλιον (eu-angélion) ist die Gute Nachricht im Sinne von Siegesbotschaft oder, wie es uns geläufig ist, Frohe Botschaft. Damit ist die Verkündigung Jesu auf eine Kurzformel gebracht, die nach jedem Vortrag einer Perikope in der Liturgie den Hörern zugerufen wird: Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Bis zum Ende des Kirchenjahrs werden wir Woche für Woche tiefer und weiter hineingeführt in den Heilssinn dieser Botschaft.
Im aktuellen Lesejahr B ist weitgehend die Fassung von Markus der Leittext an den Sonntagen. Der Stil des Evangelisten ist knapp und holzschnittartig. Sein Jesusbild zeigt den machtvollen Wundertäter in Galiläa. Mit Schweigegeboten soll das Messiasgeheimnis geschützt werden, das sich erst in der Passion in Jerusalem offenbaren wird. – Mit der Berufung der ersten Jünger, von der wir heute hören, beginnt eine Geschichte, in der auch unser Glaube aufgehoben ist.


Kyrie-Rufe

GL 137 • KG 58
Herr Jesus Christus, du rufst uns auf einen Weg der Umkehr. Herr, erbarme dich.
Du rufst uns zum Glauben an deine gute Botschaft. Christus, erbarme dich.
Du rufst die Menschen in deine Nachfolge. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger, ewiger Gott, lenke unser Tun nach deinem Willen und gib, daß wir im Namen deines geliebten Sohnes reich werden an guten Werken. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jona 3,1–5.10
Lesung aus dem Buch Jona.
Das Wort des HERRN erging an Jona: Mach dich auf den Weg und geh nach Nínive, der großen Stadt, und rufe ihr all das zu, was ich dir sagen werde! Jona machte sich auf den Weg und ging nach Nínive, wie der HERR es ihm befohlen hatte.
Nínive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Nínive ist zerstört!
Und die Leute von Nínive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.
Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht. |F
Wort des lebendigen Gottes.

¬ Die Geschichte von Jona ist hier an dem Punkt angekommen, wo der Prophet endlich den Auftrag Gottes ausführt. Er hatte sich lange geweigert, aber nun ist er »auf dem Weg«, den er eigentlich nicht gehen wollte – hinein nach Ninive. Die Reaktion der Bewohner auf die Bußpredigt muss jedes Prediger-Herz höher schlagen lassen. Die Botschaft kommt an, die Leute bekehren sich. Also voller Erfolg für den Propheten – oder was? Jona prophezeit Zerstörung, aber was eintritt, ist das Verzeihen Gottes. Nicht nur die Leute von Ninive waren umgekehrt, auch Gott. Was Jona von Anfang an vermutet hatte, ist eingetreten. »Das missfiel Jona« (4,1) und so hält er Gott entgegen: »Ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und reich an Huld und dass deine Drohungen dich reuen« (4,2). Im letzten Kapitel des Jonabuches bekommt der schmollende Prophet noch eine persönliche Lektion von Gott (es lohnt sich, das 4. Kap. noch ganz zu lesen).
Den Leuten von Ninive wurde eine Frist gesetzt. Sie nutzen die Zeit umgehend. Sind auch wir bereit, ernst zu machen, bevor unsere Zeit abgelaufen ist? – Die Jonageschichte stellt noch eine andere Frage: Gibt es diese »Gottesmänner« vielleicht auch heute noch, die lieber sehen möchten, dass über die Sünder Strafen hereinbrechen, als dass sich Gottes Barmherzigkeit an ihnen – an uns – zeigt?


Antwortpsalm

Ps 25 (24),4–5.6–7.8–9 (Kv: 4)
Kv Zeige mir, HERR, deine Wege,
lehre mich deine Pfade! – Kv

Zeige mir, HERR, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heiles. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag. – (Kv)

Gedenke deines Erbarmens, HERR, /
und der Taten deiner Gnade; *
denn sie bestehen seit Ewigkeit!
Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! *
Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig!
– (Kv)

Der HERR ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
Die Armen leitet er nach seinem Recht, *
die Armen lehrt er seinen Weg. – Kv

Zweite Lesung

1 Kor 7,29–31
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth.
Ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. |F
Wort des lebendigen Gottes.

¬ Unabhängig sollen wir werden von dem, was uns fesselt an die Gestalt dieser Welt. Sie wird vergehen. Soll das eine Einladung zur Unverbindlichkeit sein? Sicher nicht. Aber es geht um Klugheit und Freiheit in unserem Leben. Wer in kurzer Zeit Wichtiges erledigen muss, wird das weniger Wichtige ausblenden, nicht um es abzuwerten, sondern um frei zu sein für das Eigentliche. Wir müssen Prioritäten setzen in unserem Leben – und diese müssen noch gültig sein, wenn die Gestalt dieser Welt vergangen ist. Das ist keine Absage an die Liebe, an die Freude oder an den Besitz. Das alles ist gut, aber es darf nicht zur Fessel werden.
Im Credo bekennen wir unseren Glauben an »das Leben der kommenden Welt«. Erwarten wir sie wirklich?


Ruf vor dem Evangelium

Mk 1,15
Halleluja. Halleluja.
Das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
Halleluja.

Evangelium

Mk 1,14–20
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
Nachdem Johannes der Täufer ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Und sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.
Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her. Sogleich rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

¬ Die ersten Worte des Rabbi aus Nazaret, die im Neuen Testament stehen, bilden heute den Anfang des Evangeliums. »Die Zeit ist erfüllt …« – das bedeutet, etwas ist zum Abschluss gekommen und ein Neues beginnt. »Die Zeit (kairós), die erfüllt ist, ist nicht nur die Zeit des Wartens, die jetzt zu Ende geht (man würde dann chrónos vermuten), sondern die denkbar dichteste Gegenwart. Deren Qualität wird durch die Nähe der Gottesherrschaft definiert« (Thomas Söding). Kairos meint einen Zeitpunkt, den es zu nutzen gilt, den man auf keinen Fall verpassen darf. Es ist der Moment der Entscheidung, die einmalige Gelegenheit, in der gehandelt werden muss, will man den Sinn des Lebens nicht verfehlen.
Die beiden Berufungsgeschichten verdeutlichen, was gemeint ist. Jesus geht am See entlang, er beobachtet zwei Brüder bei ihrer Arbeit; vielleicht längere Zeit schon. Ein Entschluss reift in ihm. Er ruft sie zu sich. Die Einladung klingt wie ein Befehl. Es folgt keine Diskussion. Dieser kleine »Werbespot für kirchliche Berufe« hat kurze Einstellungen. Sogleich sehen wir Simon und Andreas in der Gesellschaft Jesu. Und weiter geht’s. Wieder zwei Brüder, die mitten aus ihrer täglichen Arbeit für einen Dienst im Reich Gottes ausersehen werden, lassen sofort alles liegen und stehen – nicht nur die Netze, auch ihren Vater und die Kollegen.
Vier Menschen haben ihren Kairos erkannt und ohne Zögern gehandelt. Vor allem aus Liebesgeschichten kennen wir eine solche Dynamik. – Unser Glaube eine Liebesgeschichte?

Credo



Fürbitten


Jesus Christus, der Menschen in seine Nachfolge ruft, damit sie seine Botschaft vom Reich Gottes weitertragen, bitten wir:
V/A: Herr, erhöre uns.
– Für Papst Franziskus und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berufungspastoral.
– Für die Kirche in Deutschland und ihren synodalen Weg zur Erneuerung im Glauben.
– Für Frauen und Männer, die sich für ein geeintes Europa aufder Basis gemeinsamer christlicher Werte einsetzen.
– Für Politiker in Bund und Ländern auf der Suche nach wirksamen Mitteln im Kampf gegen terroristische Gewalt.
– Für die Aussöhnung zwischen den verfeindeten Gegnern in den Ländern des Nahen Ostens.
– Für die jüdischen Gemeinden in Deutschland.
– Für Familien, die durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit in Not geraten sind.
– Für die Kranken in unserer Gemeinde und alle, die sie betreuen.
Herr, du gehst mit uns durch diese Zeit und schenkst uns dein Wort und deine Nähe. Wir danken dir und preisen dich heute und alle Tage. Amen.

Gabengebet


Herr, nimm unsere Gaben an und heilige sie, damit sie zum Sakrament der Erlösung werden, das uns Heil und Segen bringt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage III
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem, was du an uns getan hast: Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit zu Hilfe gekommen und hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn Rettung und Heil gebracht aus unserer menschlichen Sterblichkeit. So kam uns aus unserer Vergänglichkeit das unvergängliche Leben durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Das Reich Gottes ist nahe. Dass seine Gestalt unter uns immer mehr sichtbar werde, erbitten wir mit dem Gebet Jesu: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Die Gestalt dieser Welt vergeht und mit ihr Gewalt und Zwang. Wo wir dem Frieden eine Chance geben, ist das Reich Gottes schon angebrochen. Darum bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Joh 8,12
Ich bin das Licht der Welt – so spricht der Herr. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen. Er wird das Licht des Lebens haben.
Oder: Ps 34,6
Blickt auf zum Herrn, so wird euer Gesicht leuchten, und ihr braucht nicht zu erröten.

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, in deinem Mahl schenkst du uns göttliches Leben. Gib, daß wir dieses Sakrament immer neu als dein großes Geschenk empfangen und aus seiner Kraft leben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis III
Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare euch die Wege seiner Weisheit.
Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein Wille geschehe.
Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.
Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Im Vorübergehen
angeschaut
ein Funke springt über –
Liebesgeschichten
beginnen so
und gemeinsame Wege

später dann
– viel war geschehen –
die Frage:
Liebst du mich?

zaghaft und felsenfest
die Antwort:
Du weißt es, Herr!


Sr. Charis Doepgen OSB

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