Laacher Messbuch

33. Sonntag im Jahreskreis

17. November 2019

So spricht der Herr:
Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Unheils.
Wenn ihr mich anruft, so werde ich euch erhören
und euch aus der Gefangenschaft
von allen Orten zusammenführen.
Jer 29,11.12.14

Eine tiefe Verunsicherung hat unsere Zeit erfasst. Die politischen Verhältnisse sind instabiler geworden. Wirtschaftliche Umbrüche folgen immer schneller aufeinander. Hinzu kommen Herausforderungen wie die Klimakatastrophe – von Meldungen wie Krieg und Terror ganz zu schweigen. All das löst Unsicherheit und Ängste aus. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass bedrohlich empfundene Zeiten in der Geschichte der Menschheit nicht unbedingt neu sind. Auch im heutigen Evangelium – also vor fast 2000 Jahren – ist von Unruhen, Kriegen und anderen Katastrophen die Rede. Jesus warnt davor, aus aktuellen Katastrophen voreilige Schlüsse zu ziehen. Vor allem warnt er vor selbst ernannten Rettern, die die Verunsicherung der Menschen für ihre Zwecke nutzen. Jesu Rat lautet, standhaft zu bleiben. Aber was bedeutet das? Vielleicht an erster Stelle, nicht hektisch und panisch zu reagieren. Nur wer sich nicht irritieren lässt, kann klare Gedanken fassen. An zweiter Stelle bedeutet Standhaftigkeit, der negativen Realität standzuhalten, d. h. sie nicht auszublenden und sich mit Konsum oder anderem zu betäuben. Verbunden ist eine solche Nüchternheit mit der Frage: Wo leiden Menschen unter dieser Realität? Drittens ist mit Standhaftigkeit gemeint, hinter den Bedrohungen der Zeit auf eine andere Wirklichkeit zu hoffen. Diese andere Wirklichkeit trägt den Namen Jesu. Standhaft in diesem Sinne ist der, dem es gelingt, trotz negativer Meldungen mit ganzer Kraft auf die angekündigte Gottesherrschaft zu vertrauen.

Kyrie-Rufe

GL 104 • KG 69
Herr Jesus Christus, du hast wie wir Verunsicherung und Angst erlebt. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du hast in allen Höhen und Tiefen an deinem Vater festgehalten. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, schenke uns Kraft, jeden Tag neu an deinem Wort festzuhalten. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, du Urheber alles Guten, du bist unser Herr. Laß uns begreifen, daß wir frei werden, wenn wir uns deinem Willen unterwerfen, und daß wir die vollkommene Freude finden, wenn wir in deinem Dienst treu bleiben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Mal 3,19–20b
Lesung aus dem Buch Maleachi.
Seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden alle Überheblichen und alle Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen dann bleiben.
Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung. |F

¬ Es gibt Menschen, für die ist Gott vor allem der liebe Gott – nett, harmlos, jemand, der niemanden wehtut. Dazu wollen Texte wie dieser aus dem Buch des Propheten Maleachi nicht recht passen. Er ist nicht der einzige biblische Text, der vom Tag des Gerichts spricht. Die Vorstellung, dass Gott einmal Gericht halten wird, irritiert und erschreckt. Es gab und gibt viele Versuche, solche Texte zu entschärfen. Aber ist es nicht ein wichtiger Gedanke, dass Gott dieser Welt als Korrektiv gegenübertritt? Braucht diese Welt nicht den Tag, an dem Gott der Überheblichkeit der Mächtigen ein Ende setzt? Das Bild des brennenden Ofens sollte man dabei wirklich auch als Bild verstehen. Wichtig ist: Gott ist nur dann nicht überflüssig, wenn er den Tätern in den Arm fällt und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lässt.

Antwortpsalm

Ps 98,5–9 (|R: vgl. 9a)
|R: Der HERR wird kommen, um die Erde zu richten.
Spielt dem HERRN auf der Leier, *
auf der Leier zu lautem Gesang!
Mit Trompeten und lautem Widderhorn *
jauchzt vor dem HERRN, dem König! – |R
Es brause das Meer und seine Fülle, *
der Erdkreis und seine Bewohner.
In die Hände klatschen sollen die Ströme, *
die Berge sollen jubeln im Chor. – |R
Jubeln sollen alle vor dem HERRN, denn er kommt, *
um die Erde zu richten.
Er richtet den Erdkreis in Gerechtigkeit, *
die Völker so, wie es recht ist. – |R

Zweite Lesung

2 Thess 3,7–12
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder! Ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll. Wir haben bei euch kein unordentliches Leben geführt und bei niemandem unser Brot umsonst gegessen; wir haben uns gemüht und geplagt, Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen.
Nicht als hätten wir keinen Anspruch auf Unterhalt; wir wollten euch aber ein Beispiel geben, damit ihr uns nachahmen könnt.
Denn als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten.
Diesen gebieten wir und wir ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr eigenes Brot zu essen. |F

¬ Der Satz »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen« hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. So schaffte er es zum Beispiel in die Verfassung der Sowjetunion von 1936. Dort wurde er im Artikel 12 fast wörtlich zitiert. Auch heute wird dieser Satz immer dann gerne angeführt, wenn es darum geht, Menschen das Recht auf Leben nur dann zuzugestehen, wenn sie etwas leisten. In den ersten frühen christlichen Gemeinden hatte er jedoch eine andere Bedeutung. Es gab offensichtlich Amtsträger und Reiche in den Gemeinden, die auf Kosten der Armen lebten. Paulus war damit überhaupt nicht einverstanden und gab daher seinen Mitarbeitern die Anweisung, sich von der eigenen Hände Arbeit zu ernähren. Er selbst machte es genauso und verzichtete darauf, sich als Wandermissionar versorgen zu lassen. Er verdiente sein Brot als Zeltmacher. Damit wollte er dazu beitragen, die soziale Spaltung in den Gemeinden zu überwinden.

Ruf vor dem Evangelium

Lk 21,28
Halleluja. Halleluja.
Richtet euch auf und erhebt euer Haupt;
denn eure Erlösung ist nahe.
Halleluja.

Evangelium

Lk 21,5–19
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit, als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird.
Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll?
Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!
Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.
Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben.
Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.
Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.
Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen. |F

¬ Für die damalige Welt muss der Tempel in Jerusalem eine Art Weltwunder gewesen sein. Viele (wahrscheinlich nicht nur fromme Pilger) kamen von weither, um dieses Prachtgebäude zu sehen. Wir wissen nicht, wie beeindruckt Jesus war, als er den Tempel zum ersten Mal sah. Wir wissen aber, dass für ihn der architektonische Glanz eher im Hintergrund stand. Vielleicht sah er in der äußeren Pracht sogar eine Gefahr, weil sie die eigentliche Bestimmung des Tempels in den Hintergrund rückte. Denn für Jesus war der Tempel das Haus seines Vaters und damit sichtbarer Ausdruck der Verheißungen Gottes von der Fülle des Lebens für alle Menschen. Von dieser ursprünglichen Bestimmung hatte sich der Tempel aber aus der Sicht Jesu weit entfernt. Der Tempel war zu einer Räuberhöhle verkommen, ein Ort, der den Armen das Brot wegfraß. Dass dieser Tempel untergeht, ist für Jesus daher eine fast logische Konsequenz und kein Anzeichen für das Weltende. Was Kriege und Unruhen, Erdbeben, Hungersnöte, Verfolgung angeht – fast könnte man meinen, als würden hier aktuelle Meldungen der Tagesschau vorgetragen –, gilt es dagegen, sich nicht verwirren zu lassen. Jesu Rat ist eindeutig: Standhaft bleiben! Den Weg der Nachfolge weitergehen und fest darauf vertrauen, dass in der Not und in der Krise auf Jesus und seine Stimme Verlass sein wird.

Credo



Fürbitten


Gütiger Gott, du bist unser Halt in den Wechselfällen unseres Lebens. Voller Vertrauen tragen wir dir unsere Anliegen vor:
V/A: Herr, stärke uns mit deinem Geist.
– Für Menschen, die angesichts ungelöster persönlicher oder globaler Herausforderungen das Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten verloren haben.
– Für junge Menschen, die sich in Nichtregierungsorganisationen für die Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
– Für die Menschen, die Terror und Gewalt ausgesetzt sind und um ihr Leben und das ihrer Angehörigen bangen.
– Für Menschen, die sich in Pflegeheimen um alte und kranke Menschen sorgen.
Guter Gott, du lässt uns nicht allein. Lass uns deine Gegenwart spüren, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, die Gabe, die wir darbringen, schenke uns die Kraft, dir treu zu dienen, und führe uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage II
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Angesichts vieler Herausforderungen im Kleinen und Großen mahnt Jesus, standhaft zu bleiben. Dazu hilft uns das Gebet, das er uns gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Unsere Welt ist voller Kriege und Unruhen. Wir bitten um den Frieden Gottes, der stärker ist als unser Hang zu Zwietracht und Streit: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 73,28
Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ich setze mein Vertrauen auf Gott, den Herrn.
Oder: Mk 11,23–24
So spricht der Herr: Amen, ich sage euch: Betet und bittet, um was ihr wollt, glaubt nur, daß ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt und sein Gedächtnis begangen. Die heilige Gabe, die wir in dieser Feier empfangen haben, helfe uns, daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern Christus nachfolgen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Schlusssegen

Im Jahreskreis III
Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare euch die Wege seiner Weisheit.
Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein Wille geschehe.
Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.
Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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