Laacher Messbuch

19. Sonntag im Jahreskreis

9. August 2020

Blick hin, o Herr, auf deinen Bund
und vergiß das Leben deiner Armen nicht für immer.
Erhebe dich, Gott, und führe deine Sache.
Vergiß nicht das Rufen derer, die dich suchen.
Vgl. Ps 74,20.19.22.23

Wer nach seinem Besuch des Petersdoms in Rom die Vorhalle betritt und im mittleren Portikus nach oben schaut, der erblickt ein Mosaik über dem mittleren Portal des Portikus, das die Szene des heutigen Evangeliums ins Bild setzt: die Rettung des Petrus aus den Fluten. Da wird das kleine Boot, die »Navicella«, mit den Jüngern von den Wellen hin- und hergeworfen. Eine lebensbedrohliche Situation ist es, in die hinein Jesus tritt. Petrus, einmal mehr der Prototyp des Jüngers, muss in seinem Übermut auf eigene Kosten die Demut lernen. In seiner Ängstlichkeit geht Petrus im Wasser unter und ruft Jesus um Hilfe an. Und sofort streckt dieser ihm seine rettende Hand entgegen.
Ich habe mich schon oft gefragt, warum dieses Mosaik, das ein Werk des Künstlers Giotto zu ersetzen hatte, auf so verlorenem Posten von St. Peter angebracht wurde. Die Betrachtung des Evangeliums kann eine mögliche Antwort auf diese Frage geben: Das Evangelium ist wie das Mosaik die trostvolle Zusage des Herrn Jesus Christus an seine Kirche und die Christen zu jeder Zeit: »Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!« (vgl. Mt 14,27).


Kyrie-Rufe

GL 151 • KG 51
Herr Jesus Christus, du sammelst die Menschen um dich als Gemeinschaft der Kirche. Herr, erbarme dich.
Du lenkst deine Kirche durch die Stürme dieser Zeit. Christus, erbarme dich.
Du hast deiner Kirche deinen Beistand versprochen bis zum Ende der Zeiten. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger Gott, wir dürfen dich Vater nennen, denn du hast uns an Kindes statt angenommen und uns den Geist deines Sohnes gesandt. Gib, daß wir in diesem Geist wachsen und einst das verheißene Erbe empfangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

1 Kön 19,9ab.11b–13a
Lesung aus dem ersten Buch der Könige.
In jenen Tagen kam Elíja zum Gottesberg Horeb. Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des HERRN erging an ihn: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den HERRN!
Da zog der HERR vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem HERRN voraus. Doch der HERR war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der HERR war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der HERR war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elíja es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. |F
Wort des lebendigen Gottes.

¬ Es ist eine beständige Herausforderung, ein »stiller Mensch« zu sein oder in der Stille bleiben zu können. Allzu schnell kehren wir zu einer Geschäftigkeit zurück, die unseren Alltag bestimmt, schlimmstenfalls in eine Geschwätzigkeit, die lärmend die Wesentlichkeiten des Lebens übertönt. »Die wirklich wichtigen Dinge im Leben müssen schweigend gesagt werden«, so sagte es eine Ordensschwester, die in einem Anbetungskloster lebt.
Der stille Mensch ist dabei selbst jemand, der etwas sucht und erst dann findet, wenn er es nicht mehr sucht. Denn solange er es sucht und folglich noch bestimmte Zielvorstellungen hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er seinen eigenen Erwartungen zum Opfer fällt, also Gefahr läuft, immer bloß sich selbst an der Nase herumzuführen. Martin Buber bezeichnet dieses Be wusstsein mit dem Begriff der »Gewärtigkeit« und ist sich sicher, dass Gott erst dann in uns zu reden beginnen kann, wenn es in uns nicht mehr redet. Stille ist dann kein innerer oder äußerer Zustand, sondern eine Haltung, die es einzunehmen und zu wahren gilt.


Antwortpsalm

Ps 85 (84),9–10.11–12.13–14 (Kv: 8)
Kv Lass uns schauen, o HERR, deine Huld
und schenke uns dein Heil! – Kv

Ich will hören, was Gott redet: /
Frieden verkündet der HERR seinem Volk und seinen Frommen, *
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, *
seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. – (Kv)

Es begegnen einander Huld und Treue; *
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor; *
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. – (Kv)

Ja, der HERR gibt Gutes *
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her *
und bahnt den Weg seiner Schritte. – Kv

Zweite Lesung

Röm 9,1–5
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder! Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist: Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz.
Ja, ich wünschte selbst verflucht zu sein, von Christus getrennt, um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind. Sie sind Israeliten; ihnen gehören die Sohnschaft, die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse; ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen; ihnen gehören die Väter und ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach. Gott, der über allem ist, er sei gepriesen in Ewigkeit. Amen. |F
Wort des lebendigen Gottes.

¬ Die Lesung konfrontiert uns mit einer autobiografischen Notiz des Apostels in einem seiner wichtigsten Briefe. Aus seiner Erfahrung als Sohn Israels und aus jüdischen Prägung heraus befasst sich Paulus mit der Frage der heilsgeschichtlichen Rolle, die Israel nun in Bezug auf das Offenbarungsgeschehen Gottes in Jesus einnehmen muss. Hierbei geht es dann auch um die »Vergangenheit« des Paulus und sein Ringen, das jüdische Erbe in die Theologie des Neuen Bundes einzuordnen. So erklärt sich, warum er besonders jene im Blick hat, die den Glauben an Jesus als den Messias nicht angenommen haben. Im Blick auf die Aussagen des gesamten Römerbriefs wie auch des Galaterbriefs, die in einem engen inhaltlichen Verhältnis zueinander stehen, wird deutlich, dass Paulus nicht verurteilt oder verdammt. Vielmehr trägt ihn das Vertrauen, dass Gott ein bestimmten Ziel damit verfolgt, dass sich nicht gleich alle zu ihm in Christus bekennen, jedoch am Ende der große Lobpreis steht, in den alle Menschen einstimmen werden und alle im Glauben und in der Liebe miteinander verbunden sind.

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Ps 130 (129),5
Halleluja. Halleluja.
Ich hoffe auf den HERRN, ich warte auf sein Wort.
Halleluja.

Evangelium

Mt 14,22–33
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin- und hergeworfen; denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

¬ Mit diesem Evangelium, das im Grunde ein Offenbarungsbericht über Jesus ist, wendete sich der Evangelist Matthäus an die Christen seiner Zeit, die wegen des Glaubens bedroht und verfolgt wurden. Und auch wir bekommen heute mehr denn je den »Gegenwind« in der Welt zu spüren, im Bekenntnis zu Gott, zur Kirche, in der Nachfolge Jesu – und was uns noch viel mehr aus dem Fahrwasser der Sicherheit bringt: der »Gegenwind« aus den eigenen Reihen und so manche »Fallwinde« von oben.
Der Schrifttext kann daher in uns neues Vertrauen wecken. Gerade, wenn uns Enttäuschungen lähmen, ist es wichtig, diesen Blick des Vertrauens einzunehmen, so wie ihn Petrus auf Jesus hatte. Denn das Vertrauen zieht zum Himmel hin und trägt über die Fluten der Lebensangst und des Todes hinweg. Ebenso kann das Evangelium in uns die Bereitschaft stärken, uns die Kräfte des Gegenwinds zu eigen zu machen. Wenn uns auch der Wind, von welchen Seiten auch immer er kommt, kräftig ins Gesicht bläst und die Wellen um uns hoch schlagen, so dürfen wir uns nicht ängstlich zurückziehen. Vielmehr wird es in einer solchen Situation nötig sein, sich erst einmal festen Halt zu verschaffen, seinen Standpunkt zu finden und sich dann der konkreten Situation zu stellen, sich ihr auszusetzen. Dabei wird es dann möglich sein, die Kraft des Windes für sich zu gewinnen, so wie es ein chinesisches Sprichwort sagt: »Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.« Haben wir daher den Mut, uns im Glaubensalltag und in der Kirche den Herausforderungen der Zeit zu stellen, den Gegenwind einzufangen und in eine Kraft zu verwandeln, die Neues möglich machen wird. Das dazu nötige Vertrauen gibt uns der Herr, denn: Jesus sitzt mit uns in einem Boot!


Credo



Fürbitten


Gott ist bei uns und er weiß um das, was wir auf dem Herzen tragen. Dennoch können wir in Worte bringen, was uns bewegt, und bitten ihn:
V: Gott, unser Vater, A: wir bitten dich, erhöre uns.
– Für die Menschen, die an Gott glauben und die dankbar sind, weil sie seine rettende Nähe in ihrem Leben erfahren haben. – Stille
– Für die Menschen, die nach dir suchen, die mit dir ringen oder nicht mehr an dich glauben können. – Stille
– Für die Menschen, die erfahren müssen, dass ihre Umgebung auf ihre Frömmigkeit und Religiosität mit Unverständnis oder Spott reagiert. – Stille
– Für die Menschen, die sich im Leben neu orientieren müssen, oder eine neue Aufgabe übernehmen wollen. – Stille
– Für die Menschen, die um einen lieben Verstorbenen trauern. – Stille
Dir, gütiger Vater, gilt unser Lobpreis, heute und in Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, wir bringen die Gaben zum Altar, die du selber uns geschenkt hast. Nimm sie von deiner Kirche entgegen und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage III
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem, was du an uns getan hast: Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit zu Hilfe gekommen und hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn Rettung und Heil gebracht aus unserer menschlichen Sterblichkeit. So kam uns aus unserer Vergänglichkeit das unvergängliche Leben durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Beten ist nicht nur Ausdruck unseres Glaubens, sondern auch der Erweis unseres Vertrauens, das Gott uns erhört. So beten wir zu ihm: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Der Friede ist, der auch unsere aufgescheuchten Seelen und unser unruhiges Herz in den Gleichklang mit Gott und der Welt bringen kann. So bitten wir unseren Herrn Jesus Christus: Schau nicht auf unsere Sünden …

Kommunionvers

Joh 6,51
So spricht der Herr: Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch; ich gebe es hin für das Leben der Welt.
Oder: Ps 147,12.14
Jerusalem, preise den Herrn, er sättigt dich mit bestem Weizen.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Das heilige Sakrament bringe uns Heil, es erhalte uns in der Wahrheit und sei unser Licht in der Finsternis. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Segen über das Volk, Nr. 9
Steh uns bei, Herr, unser Gott, und laß uns deine Hilfe erfahren. Wir rühmen dich als unseren Schöpfer und als den Lenker unseres Lebens. Erneuere in uns, was du geschaffen, und erhalte, was du erneuert hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit. Amen.

***

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben. Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit; in deiner Weisheit und Allmacht führst du das Steuer der Kirche und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes. In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen, in Not und Bedrängnis zu dir rufen und in Tagen der Freude dir danken durch unseren Herrn Jesus Christus.

Präfation vom Heiligen Geist II (Messbuch)