Laacher Messbuch

26. Sonntag im Jahreskreis

26. September 2021

Alles, was du uns getan hast, o Herr,
das hast du nach deiner gerechten Entscheidung getan,
denn wir haben gesündigt,
wir haben dein Gesetz übertreten.
Verherrliche deinen Namen und rette uns
nach der Fülle deines Erbarmens.
Vgl. Dan 3,31.29.30.43.42

Der Mensch denkt, Gott lenkt. In diesem Sprichwort steckt die Erfahrung, dass das Denken, Reden und Tun des Menschen nicht immer an das angepeilte Ziel gelangt. Mitunter wird das als Unglück betrachtet, je nachdem aber auch als rettendes Eingreifen. Gott sei Dank. Gott sei Dank, schreibt er auf (unseren) krummen Zeilen gerade. Gott sei Dank ist dem Einhalt geboten, hat sich ein Übel selbst beschädigt oder ohne unser Zutun verflüchtigt. Aber sich Gott einfach als berühmten »Deus ex machina« vorzustellen, ist erstens zu naiv und deckt sich auch nicht mit unseren Erfahrungen und Selbstverständnis. Der lenkende Gott, so man ihn glauben kann, braucht denkende, redende und handelnde Menschen. Sie sollen aus dem, was sie in der eigenen Innenschau an Einsicht gewinnen, und aus dem, wie sie ihre Welterfahrungen deuten, einen Weg der Wahrheit gehen. Und der ist manchmal schmal und streckenweise beschwerlich oder muss anderswo gesucht werden als wie zuletzt. Die Rede von Sünde und Verschonen im Eingangsvers und im Tagesgebet irritiert natürlich in ihrer Pointierung, ebenso tun es die Mahnungen und manche Bilder in den Lesungen dieses Sonntags. Aber die Ehre Gottes ist und bleibt der lebendige Mensch (Irenäus von Lyon). Dafür lenkt er. Mach schneller, du kannst es doch, so kann man den Satz lesen: Verherrliche deinen Namen und rette uns (zu uns selber)!

Kyrie-Rufe

Oder: GL 136,6 • KG 60,5
Wenn wir zu kleinlich denken. Herr, erbarme dich.
Wenn wir nur noch uns sehen. Christus, erbarme dich.
Wenn wir unbeweglich zu werden drohen. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen. Darum nimm uns in Gnaden auf, wenn uns auch Schuld belastet. Gib, daß wir unseren Lauf vollenden und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Num 11,25–29
Lesung aus dem Buch Númeri.
In jenen Tagen kam der HERR in der Wolke herab und redete mit Mose. Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen ruhte, redeten sie prophetisch. Danach aber nicht mehr.
Zwei Männer aber waren im Lager geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Auch über sie kam der Geist. Sie gehörten zu den Aufgezeichneten, waren aber nicht zum Offen barungszelt hinausgegangen. Auch sie redeten prophetisch im Lager.
Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm: Eldad und Medad sind im Lager zu Propheten geworden. Da ergriff Jósua, der Sohn Nuns, der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran!
Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern? Wenn nur das ganze Volk des HERRN zu Propheten würde, wenn nur der HERR seinen Geist auf sie alle legte! |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Der Mensch denkt, Gott lenkt, heißt es im Volksmund. Und wie Gott auf das ewige Murren des Volkes in der Wüste reagiert, wie er einem entnervten und burnout-gefährdeten Mose beispringt, wie er die Überfülle seiner Möglichkeiten sichtbar macht, davon erzählt das Buch Numeri hier. Es ist ein schönes Beispiel, wie die geistliche Verantwortung aufgeteilt werden kann und erinnert an Ex 18,17ff., wo in ganz ähnlicher Weise von einer Entlastung des Mose und von einer Beteiligung an seinem Auftrag für das Volk erzählt wird. Mose wehrt sich weder hier noch dort gegen eine Abgabe »seines« Gottes-Geistes, ganz im Gegenteil. Gott hat es ihm längst erklärt und ihn vorbereitet. Und seine Reaktion auf Josuas Ordnungsdenken und Formalismus unterstreicht nochmals sehr deutlich: Beim Dienst des Mose und der Ältesten geht es nicht um ein eifersüchtiges Bewahren eigener Macht, sondern um Offenheit auf Gott hin, um die Erkenntnis, dass er schon lenkend tätig ist, bevor der Mensch es merkt.

Antwortpsalm

Ps 19 (18),8.10.12–13.14 (Kv: 9ab)
Kv Die Befehle des HERRN sind gerade;
sie erfüllen das Herz mit Freude. – Kv

Die Weisung des HERRN ist vollkommen, *
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, *
den Unwissenden macht es weise. – (Kv)

Die Furcht des HERRN ist lauter, *
sie besteht für immer.
Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, *
gerecht sind sie alle. – (Kv)

Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; *
reichen Lohn hat, wer sie beachtet.
Versehentliche Fehler, wer nimmt sie wahr? *
Sprich mich frei von verborgenen Sünden! – (Kv)

Verschone deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen; *
sie sollen nicht über mich herrschen!
Dann bin ich vollkommen *
und frei von schwerer Sünde. – Kv

Zweite Lesung

Jak 5,1–6
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das über euch kommen wird!
Euer Reichtum verfault und eure Kleider sind von Motten zerfressen, euer Gold und Silber verrostet. Ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch fressen wie Feuer.
Noch in den letzten Tagen habt ihr Schätze gesammelt. Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, sind bis zu den Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen.
Ihr habt auf Erden geschwelgt und geprasst und noch am Schlachttag habt ihr eure Herzen gemästet. Verurteilt und umgebracht habt ihr den Gerechten, er aber leistete euch keinen Widerstand. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Der Jakobusbrief verabschiedet sich nach insgesamt fünf Sonntagen heute mit einer nochmals dramatisch gesteigerten Anklage gegen die Reichen. Als verblendet und unbelehrbar werden sie dargestellt, aber dafür werden sie in absehbarer Zeit die Zeche zahlen. Sie fahren die Karre ihres Lebens an die Wand. Ihr Gewinn wird sich in Nichts auflösen. Trotz Warnungen haben sie die Armen nicht als Brüder und Schwestern behandelt, haben die Kluft nicht verringert, haben ihre Ohren und Herzen verschlossen. Anklänge an den Brudermord, den Kain an Abel begeht, werden erkennbar: Es schreit zum Himmel. Und um das Maß voll zu machen, identifiziert der Schreiber am Schluss den Armen mit niemand Geringerem als dem Gekreuzigten selbst. Wie will sich einer Christ nennen, der dermaßen verschlossen ist gegenüber dem Wort und Beispiel Christi, gegenüber seiner Solidarität mit den Armen?

Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Joh 17,17
Halleluja. Halleluja.
Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit;
heilige uns in der Wahrheit!
Halleluja.

Evangelium

Mk 9,38–43.45.47–48
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.
Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

- Wehret den Anfängen, so könnte man diese Zeilen überschreiben. Das Heil, das Jeus angesagt hat und das die Menschen erfahren sollen, braucht eine offene und selbstkritische Jüngerschaft. Natürlich gibt es unvorhergesehene Entwicklungen, für die es bisher keine Verfahrensregeln gibt, und die Frage, was die eigene Identität ausmacht, muss dann neu buchstabiert werden. In der hier beschriebenen sehr sensiblen Frage fordert Jesus aber eindeutig Toleranz von den Seinen. Nichts wäre fataler, scheinen auch die folgenden Zeilen deutlich zu machen, als die zarten Pflänzchen des Glaubens an ihn und der Hochachtung gegenüber seinen Nachfolgern zu zerstören. Die radikalen Worte zur Gewissenserforschung wenden sich gegen ein selbstherrliches Schalten und Walten in seinem Namen. Die glaubwürdige Verkündigung des Reiches Gottes braucht ein Gespür für das, was wesentlich ist, und für das, was sekundär ist. »Fremde Wundertäter« können da schon mal zu einem heilsamen Werkzeug Gottes werden.

Credo



Fürbitten


Lasst uns beten zu Gott, dem Ursprung und Ziel allen Lebens:
V: Du Gott des Lebens und der Zukunft.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Wir beten für alle christlichen Kirchen und Gemeinschaften, dass sie das Wirken des Heiligen Geistes erkennen und immer neu darum bitten. Lass diejenigen, die neu hinzukommen, und die, die bisherige Gewohnheiten und Denkweisen infrage stellen, das Interesse und die Offenheit der anderen spüren.
– Wir beten für die Regierungen und die Verantwortlichen in Wirtschaft und Forschung, dass sie die Grenzen ihrer Macht im Auge behalten und bejahen. Lass in den internationalen Beziehungen der Völker und Konzerne solche Visionen die Gemüter bewegen, die zum Ende der Kriege und zu einer guten Zukunft aller Menschen beitragen.
– Wir beten für die Landwirte und Winzer, für alle Erntehelferinnen und -helfer, dass ihre Arbeit wertgeschätzt und gerecht entlohnt wird. Lass alle Menschen erkennen, dass der Weg von der Produktion über den Verbrauch hin zur Entsorgung zusammengesehen werden muss mit jener Lebens kette, die die gesamte Natur miteinander verbindet.
– Wir beten für Menschen, die mit einem schwerwiegenden schmerzlichen Verlust weiterleben müssen, wie z. B. einer Amputation, einer Erblindung, einer Suchtgefährdung, einer dauerhaften Trennung. Lass sie ihre Situation annehmen und gemeinsam mit denen, die ihr Leben teilen und begleiten, neuen Mut und neue Lebensfreude finden.
– Wir beten für unsere Familie und unsere Freunde. Lass uns dankbar füreinander bleiben und die Kraft haben, einander gerecht zu werden. Lass die Verstorbenen, die wir hergeben mussten, bei dir geborgen sein.
Großer Gott, du bist uns näher, als wir uns selbst nahe sind, du schenkst uns Halt und zugleich Weite und Mut. Höre und erhöre diese und andere Bitten unserer Herzen nach deinem Willen durch Christus unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Barmherziger Gott, nimm unsere Gaben an und öffne uns in dieser Feier die Quelle, aus der aller Segen strömt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage II
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Das Vaterunser hat schon in der Anrede Gottes einen einladenden Charakter. Es lässt uns nach den Brüdern und Schwestern schauen und nach dem vielen, was Menschen eint. So lasst uns beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Friede den Fernen und den Nahen, Friede allen Menschen guten Willens – Worte wie diese lassen auch an fremde Wundertäter des Friedens denken. Dankbar für den Frieden, zu dem wir und andere beitragen, aber auch besorgt, dass der Friede sich erhalten und vermehren möge, beten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers


Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!

Schlussgebet


Allmächtiger Gott, in der Feier der Eucharistie haben wir den Tod des Herrn verkündet. Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele und mache uns bereit, mit Christus zu leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Schlusssegen

Im Jahreskreis II
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Oder: Wettersegen
Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.
Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.