Laacher Messbuch

20. Sonntag im Jahreskreis

18. August 2019

Gott, du unser Beschützer,
schau auf das Angesicht deines Gesalbten.
Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums
ist besser als tausend andere.
Ps 84,10–11

Unser Alltag ist geprägt von Entscheidungen. Viele laufen automatisch ab, sind Gewohnheiten geworden, die unser Leben erleichtern können. Andere hingegen müssen bewusst und überlegt getroffen werden. Die wohl schwierigsten sind die Lebensentscheidungen. Jeder muss nicht nur klären, was er will und wie er leben will, sondern auch eine Antwort auf die Frage »Wozu bin ich da?« finden. Von dorther bestimmt sich nämlich die eigene Ausrichtung und Lebenshaltung. Es ist dann sozusagen klar, wofür man steht. Ein Mensch, der für etwas brennt, kann nicht nur andere anstecken, sondern kämpft und streitet um dieses Zieles willen. Allerdings hat man auch solche Entschiedenheit(en) nicht für ewig. Sie will/wollen im Laufe des Lebens erneuert, aktualisiert werden, damit das Feuer weiterbrennt – oder anders gesagt, die Leidenschaft für Gott bleibt.

Kyrie-Rufe

GL 151 • KG 71
Herr Jesus Christus, du bist Mensch geworden, um uns Gottes Liebe nahezubringen. Herr, erbarme dich.
Du willst in unseren Herzen Glauben und Hoffnung entzünden. Christus, erbarme dich.
Du ermutigst uns zur Konsequenz in deiner Nachfolge. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Barmherziger Gott, was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat, das hast du denen bereitet, die dich lieben. Gib uns ein Herz, das dich in allem und über alles liebt, damit wir den Reichtum deiner Verheißungen erlangen, der alles übersteigt, was wir ersehnen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jer 38,4–6.8–10
Lesung aus dem Buch Jeremia.
In jenen Tagen sagten die Beamten zum König: Jeremia muss getötet werden, denn er lähmt die Hände der Krieger, die in dieser Stadt übrig geblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes, wenn er solche Worte zu ihnen redet. Denn dieser Mann sucht nicht Heil für dieses Volk, sondern Unheil.
Der König Zidkija erwiderte: Siehe, er ist in eurer Hand; denn der König vermag nichts gegen euch.
Da ergriffen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne des Königssohns Malkija, die sich im Wachhof befand; man ließ ihn an Stricken hinunter. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm und Jeremia sank in den Schlamm.
Da verließ Ebed-Melech den Palast und sagte zum König:
Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremia angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr.
Da befahl der König dem Kuschiter Ebed-Melech: Nimm dir von hier dreißig Männer mit und zieh den Propheten Jeremia aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt. |F

¬ Die Wahrheit hört man nicht gern, wenn sie den gängigen Vorstellungen widerspricht. Wer Dinge ans Licht bringt, die Sache so sagt, wie sie tatsächlich ist, riskante Folgen ungeschminkt aufzeigt, der setzt sich leicht in die Nesseln.
Jeremia jedenfalls hatte sich mit den Einflussreichen am Hofe angelegt oder besser gesagt, er kam ihnen in die Quere. Als Prophet Gottes kündigte er die Eroberung Jerusalems durch den König von Babel an und forderte dazu auf, nicht länger der Übermacht des chaldäischen Heeres zu trotzen und sich zu ergeben. Nur so könne Leben gerettet werden. Zum zweiten Mal wird er nun inhaftiert und mundtot gemacht. In einer Zisterne soll er verhungern. Der Wahrheit ins Auge zu sehen, erfordert Mut – Demut. Offensichtlich gab es aber auch schon damals so etwas wie postfaktische Realitäten, die die offensichtlichen Gegebenheiten ignorierten. Das Ende erweist sich (zumeist) als böse.
Und der unbequeme Mahner? Nicht immer finden sich Menschen wie der Höfling Ebed-Melech, die ihre Beziehungen für den sprachlos Gemachten spielen lassen. Ob ihre Botschaft dann aufgenommen wird, das steht auf einem anderen Blatt. Jerusalems König Zidkija jedenfalls hörte Jeremia an, aber handelte nach eigenen Plänen – und verlor das Leben.


Antwortpsalm

Ps 40,2–4b.18 (|R: vgl. Ps 70,2)
|R: O Gott, komm mir zu Hilfe,
HERR, eile, mir zu helfen.
Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. *
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, *
aus Schlamm und Morast. – |R
Er stellte meine Füße auf Fels, *
machte fest meine Schritte.
Er gab mir ein neues Lied in den Mund, *
einen Lobgesang auf unseren Gott. – |R
Ich aber bin elend und arm. *
Der Herr wird an mich denken.
Meine Hilfe und mein Retter bist du. *
Mein Gott, säume doch nicht! – |R

Zweite Lesung

LESUNG Hebr 12,1–4
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder! Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.
Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet!
Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet. |F

¬ Was ist, wenn meine Lebenseinstellung ins Kreuzfeuer gerät?
Was ist, wenn mein Glaube von Zweifeln durchsetzt wird?
Was ist, wenn ich in der Gefahr bin, alles aufzugeben, weil es ja doch nichts »bringt«?
Dann ist es notwendig, Vorbilder zu haben, sich einreihen zu können in die Gemeinschaft derjenigen, die »aufgrund des Glaubens« lebten und handelten. Man kann sich sozusagen abschauen, wie Glauben gehen kann und was man hinter sich lassen muss. Der Verfasser des Hebräerbriefs fordert, »mit Ausdauer in dem Wettkampf« zu laufen und den Blick auf Jesus, »den Urheber und Vollender des Glaubens«, zu halten. Nicht nur die eigenen Ressourcen und der Wille zum Mut sind gefordert, sondern vor allem auch das Vertrauen auf Christus, der uns Anführer (andere Übersetzung anstelle von Urheber) ist und das Ziel kennt. Unterwegs aber gilt es, die manchmal unerträglich erscheinende Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung auszuhalten. Wir brauchen einen Glauben, der – so paradox es klingen mag – feststeht in der Hoffnung auf Gott. Diesen aber muss man sich schenken lassen und zugleich mutig »erstreiten«.


Ruf vor dem Evangelium

Joh 10,27
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie und sie folgen mir.
Halleluja.

Evangelium

Lk 12,49–53
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!
Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist.
Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.
Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. |F

¬ Solche harten Worte als Frohe Botschaft sind wir nicht gewohnt – zumindest passen sie nicht in unser Bild eines heilenden und Frieden verkündenden Jesus. Spaltung statt Frieden, Zwiespalt statt Einigkeit – das bringt das Bekenntnis zu ihm mit sich.
Wer glaubt, er könne sich vor einer Entscheidung drücken, der irrt. Auseinandersetzungen nicht nur mit sich selbst, sondern gerade auch mit denen, die einem am nächsten stehen, können gefordert sein. Durchlavieren, sich nicht festlegen, flexibel bleiben in jede Richtung, zustimmen um des lieben Friedens willen, all das passt offensichtlich nicht zum Jünger Jesu. Er ist herausgefordert, sich für oder gegen seinen Herrn zu entscheiden – und das hat Konsequenzen, hat »Streiten« zur Folge. Neutralität ist nicht möglich. An Jesus scheiden sich die Geister. Kein Wunder, dass er wünscht, das Feuer, die Leidenschaft für Gott, möge brennen. Angst, Bedrückung, Schmerz gehören offensichtlich auch in den Prozess des christlichen »Profilings« hinein. Auch Jesus musste sich seiner »Taufe« stellen.


Credo



Fürbitten


Liebender Gott, wir stehen vor dir mit unseren Hoffnungen und Sorgen und bitten dich:
V/A: Herr, steh uns bei.
– Hilf deiner Christenheit, das Feuer deiner Liebe in ihrer Mitte lebendig zu halten und es auch in anderen zu entzünden.
– Schenke den verantwortlichen Politikern in ihren Entscheidungsprozessen Besonnenheit und den Blick auf das Wohl der Menschheit.
– Hilf Lehrern und Lehrerinnen in allen Schulen unseres Landes, den Kindern Werte und Lebenstüchtigkeit zu vermitteln.
– Stärke Männer und Frauen im kirchlichen Dienst und berufe immer neu junge Menschen, dir nachzufolgen.
– Schenk den ewigen Frieden allen, die durch Gewalt umgekommen sind.
Du, Gott, wirst uns zur Seite stehen. Dir danken wir und preisen dich mit unserem Leben. Amen.

Gabengebet


Herr, wir bringen unsere Gaben dar für die Feier, in der sich ein heiliger Tausch vollzieht. Nimm sie in Gnaden an und schenke uns dich selbst in deinem Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Präfation

Sonntage IV
Wir danken dir, Vater im Himmel, und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn durch seine Geburt hat er den Menschen erneuert, durch sein Leiden unsere Sünden getilgt, in seiner Auferstehung den Weg zum Leben erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir das Tor des Himmels geöffnet. Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Wir heißen Kinder Gottes und sind es. So rufen wir: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Wir sind gerufen, in Entschiedenheit und Konsequenz dem Ruf Jesu zu folgen. Nicht immer stehen wir in Treue zu unserem Glauben. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Joh 6,51
So spricht der Herr: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brote ißt, wird leben in Ewigkeit.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, im heiligen Mahl schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes. Dieses Sakrament mache uns auf Erden Christus ähnlich, damit wir im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Schlusssegen

Im Jahreskreis II
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Oder: Wettersegen
Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde.
Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Für wen gehst du?

Nicht immer bin ich entschieden.
Nicht immer bin ich konsequent.
Ich bin auf der Suche,
unsicher, tastend nach dem,
was dich und mich angeht.
In meinem Herzen
regt sich deine Stimme;
sie will durchdringen,
sich finden lassen in meinen Regungen
mitten im Alltag.
Nicht immer kann ich hören und spüren,
was richtig ist –
und manchmal fehlt mir der Mut.
Ich stoße an meine Grenzen.
Doch du kennst mich
und hältst mich in deiner Hand.
Deine Treue
lässt mich vertrauen und
mutig leben.


Sr. Renate Rautenbach SCC