Laacher Messbuch

2. Sonntag im Jahreskreis

16. Januar 2022

Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.
Ps 66,4

Das Evangelium des heutigen Sonntags, die Hochzeit von Kana, schließt noch an den Weihnachtsfestkreis an. Sowohl die Taufe Christi wie auch die Hochzeit zu Kana gehörten ursprünglich zu den Festgeheimnissen von Epiphanie, denen allen gemeinsam war, dass die Herrlichkeit Jesu Christi als des Sohnes Gottes in ihnen offenbart wurde. So endet das heutige Evangelium mit dem Satz: So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.
Zwei Aspekte sind diesem Vers wichtig: die Offenbarung von Jesu Herrlichkeit und der Glaube der Jünger. Wunder werden im Johannesevangelium Zeichen genannt, weil das Entscheidende an ihnen nicht das Wunderbare und Mirakelhafte ist, sondern ihr Offenbarungscharakter, der zum Glauben einlädt. Der Glaube der Jünger ist die Folge dieses ersten Zeichens Jesu. Allerdings führen die Zeichen nicht automatisch zum Glauben. Das Gegenstück zu dem Weinwunder in Kana ist die wunderbare Speisung in Johannes 6, die nicht nur zur Ablehnung durch das Volk, sondern auch zum Weggang vieler Jünger führt.
Die Hochzeit von Kana weist aber nicht nur auf den Weihnachtsfestkreis zurück, sondern auch schon voraus auf Tod und Auferstehung Jesu Christi, in denen sich die Zeichen vollenden und in denen sich Jesu Herrlichkeit und Liebe endgültig offenbaren, sodass auch wir zum Glauben an ihn geführt werden können.
Jesu Tod und seine Auferstehung feiern wir auch in dieser Messe, in der er selbst zu uns kommen und uns seine Macht und Liebe zeigen und zusprechen will.


Kyrie-Rufe

GL 104 • KG 160
Herr Jesus Christus, du zeigst uns deine Macht und Herrlichkeit. Herr, erbarme dich.
Du schenkst uns deine Liebe. Christus, erbarme dich.
Du willst uns zum Glauben an dich führen. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger Gott, du gebietest über Himmel und Erde, du hast Macht über die Herzen der Menschen. Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir; stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen, und schenke unserer Zeit deinen Frieden. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 62,1–5
Lesung aus dem Buch Jesája.
Um Zions willen werde ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis hervorbricht wie ein helles Licht seine Gerechtigkeit und sein Heil wie eine brennende Fackel.
Dann sehen die Nationen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des HERRN für dich bestimmt.
Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des HERRN, zu einem königlichen Kopfschmuck in der Hand deines Gottes.
Nicht länger nennt man dich »Verlassene« und dein Land nicht mehr »Verwüstung«, sondern du wirst heißen: »Ich habe Gefallen an dir« und dein Land wird »Vermählte« genannt. Denn der HERR hat an dir Gefallen und dein Land wird vermählt.
Wie der junge Mann die Jungfrau in Besitz nimmt, so nehmen deine Söhne dich in Besitz. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- Der Prophet kann um Jerusalems willen nicht schweigen, bis das von Gott verheißene Heil, bis Gott selbst zu Zion kommt. Jerusalem wird wieder zu einem wertvollen Schmuckstück, an dem Gott seine Freude hat. Die Stadt wird zu der Krone von Gottes Königtum. Die Verbindung von Jahwe und Jerusalem beschreibt der Prophet dann mit dem Bild der Freude des Bräutigams an der Braut.
Jerusalem, die wegen ihrer Sünden verlassene und zerstörte Stadt, bleibt die geliebte Stadt Gottes. Sie bleibt auch in der Zerstreuung die Stadt der Sehnsucht und der Hoffnung der Juden und auch für die Christen bleibt sie die Heilige Stadt. Aber wir können diese Lesung weiter als nur auf Jerusalem deuten.
Wir Menschen bleiben Gottes geliebte Schöpfung, die Krone seines Königtums, auch nach dem Sündenfall, dem Verlust des Paradieses und der langen Geschichte der Sünde und des Unheils, die bis heute fortdauert. Allen Menschen gilt die Verheißung, dass Gott sein Heil für uns alle hervorbrechen lassen will wie ein helles Licht und dass wir nicht mehr verlassen und verwüstet sein sollen, sondern Gott seine Freude an uns haben wird wie der Bräutigam an der Braut.
Auch auf die Kirche können wir diese Lesung deuten; denn von Anfang an wurde von den christlichen Theologen Jerusalem in der Bibel als Bild für die Kirche verstanden. In den letzten Jahren haben wir die Kirche neu als eine Gemeinschaft von Sündern sehen müssen, in der die Sünden selbst bis zu den höchsten Stellen reichen. Wir haben schmerzlich die Abwendung von vielen Menschen von der Kirche erlebt und uns stärker mit dem Bild einer verlassenen und verwüsteten Kirche vertraut machen müssen. Doch als Christen können wir von der Kirche nicht schweigen und können auf die Gerechtigkeit und Herrlichkeit hoffen, die Gott – nicht wir – ihr schenken will. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er sie liebt und als kostbare Krone tragen will, sodass die Kirche an der Freude, die Gott an ihr hat, neu werden kann.


Antwortpsalm

Ps 96,1–4.6–7.10 (Kv: vgl. 3a)
Kv Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn! – Kv

Singt dem HERRN ein neues Lied, *
singt dem HERRN, alle Lande,
singt dem HERRN, preist seinen Namen! *
Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! / – (Kv)

Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, *
bei allen Völkern von seinen Wundern!
Denn groß ist der HERR und hoch zu loben, *
mehr zu fürchten als alle Götter. – (Kv)

Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, *
Macht und Glanz in seinem Heiligtum.
Bringt dar dem HERRN, ihr Stämme der Völker, *
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht! * – (Kv)

Verkündet bei den Nationen: *
Der HERR ist König!
Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. *
Er richtet die Völker so, wie es recht ist. – Kv

Zweite Lesung

1 Kor 12,4–11
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder! Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch denselben Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken, einem anderen prophetisches Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.
Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. |F
Wort des lebendigen Gottes.

- In dieser Lesung schildert Paulus eine ganze Fülle an Charismen in der Gemeinde. Er breitet die Verschiedenheit der Geistesgaben und damit die Fülle und den Reichtum an Berufungen in der Gemeinde aus, wobei es sich hier nicht um eine abschließende Liste handelt. In der Gemeinde wirkt Gott in reichem Maß. Jeder hat seine eigene Geistesgabe und Gott wirkt sie in allen.
Aber bevor Paulus einige dieser Charismen einzeln nennt, betont er zunächst ihren einheitlichen göttlichen Ursprung und damit ihre prinzipelle Gleichrangigkeit und ihren Charakter als göttliche Gaben. Der Mensch kann über sie daher nicht autonom ohne Rückbindung an den Geber verfügen. Auffällig ist dabei, dass Paulus nicht nur den Geist, sondern alle drei Personen der Trinität nennt. Der Geist lässt sich nicht aus dem trinitarischen Kontext herauslösen und erst recht lassen sich nicht die einzelnen Charismen gegeneinander ausspielen.
Gott gibt und wirkt diese Gaben nach seinem Maß. Der von Gott mit einem Charisma Begabte erkennt sich als der aus Gnade Beschenkte und zum Dienst Verpflichtete, der seine Gabe zum gemeinsamen Nutzen hat. Dadurch, dass die Gaben des Geistes zum Dienen verwendet werden, erweist sich der Geist als der Geist des erhöhten Herrn Jesus Christus, der gekommen ist, um zu dienen. Das Dienen ist Merkmal jedes echten Charismas. Daher ist die einem verliehene Geistesgabe nie Privateigentum.
Die Fülle der Charismen ist ein Reichtum, über den wir uns freuen dürfen, genauso wie über die Menge derer, auf die sie verteilt sind. Nicht nur die Amtsträger haben sie empfangen. Wer die Fülle der Charismen nicht anerkennt, schadet gerade dadurch der Einheit der Kirche. Damit sie aber ein Reichtum bleiben, müssen sie im Dienst an und in der Kirche eingesetzt und können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Da sie empfangene Gaben sind, ist es auch ausgeschlossen, dass sich einer ihretwegen über einen anderen überhebt.


Ruf vor dem Evangelium

Vgl. 2 Thess 2,14
Halleluja. Halleluja.
Durch das Evangelium hat Gott uns berufen
zur Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn.
Halleluja.

Evangelium

Joh 2,1–11
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist! Sie brachten es ihm.
Dieser kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn. |F
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

- In der Mitte des Evangeliums stehen die Wasserkrüge und das verweist noch einmal zurück auf die Taufe Jesu am letzten Sonntag. Aber das Wasser bleibt nicht Wasser, sondern wird zu Wein, und die Gabe des Weins hat eine tiefere Bedeutung.
Das Wasser ist Lebenszeichen und steht am Beginn des christlichen Lebens, aber Jesus will uns mehr schenken. Der Wein ist Zeichen der Freude, der Fülle, des Festes – gerade wenn er in einer solchen Menge von 600 Litern geschenkt wird. Das Leben, das aus dem Wasser kommt, unser christliches Leben, soll ein Leben der Freude und der Fülle werden. Wir feiern die Eucharistie nicht mit Brot und Wasser – lebenserhaltend, aber Brot und Wasser sind eine sprichwörtliche Gefängnisnahrung. Wir feiern die Eucharistie mit Brot und Wein, Zeichen eines Festes.
Wir können den Wein bei der Hochzeit von Kana schon auf den Wein der Messe beziehen, wir können ihn aber auch allgemeiner deuten. Er ist Zeichen des Lebens, der Liebe und der Fülle, die in Jesus Christus zu uns gekommen sind, die Jesus, indem er sich schenkt, uns in überreichem Maß schenken will – und der beste Wein steht am Ende, er steht uns noch bevor. Diese Freude, die Gott uns gibt, ermöglicht auch uns, Freude weiterzugeben; denn Freude kann nicht verborgen bleiben und nicht geizig für sich behalten werden.
Wir dürfen immer wieder feiern, dass Gott uns seine Liebe schenkt, und uns daran freuen, dass das Wasser der Taufe Wein des Lebens, Wein der Freude wird.


Credo



Fürbitten


Unseren Herrn Jesus Christus, der seine Kirche durch seinen Geist führt und sie immer neu mit seinen Gaben beschenkt, bitten wir in unseren Anliegen:
V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
– Um Gottes Kraft für unseren Papst und die Bischöfe in ihrem Dienst in der Kirche.
– Um die Freude am Glauben für alle, die sich mit ihren Gaben in die Kirche einbringen.
– Um Gottes Segen für alle Paare, die sich auf ihre Hochzeit vorbereiten.
– Um Friede und gegenseitiges Verstehen in unseren Familien.
– Um Genesung und Trost für unsere Kranken.
– Um das ewige Leben für unsere Verstorbenen.
Allmächtiger Gott, in unserer Not finden wir bei dir Hilfe und zeigst du uns deine Macht und Herrlichkeit. Höre unser Gebet durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Herr, gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern; denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen, vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung. Durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage II
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


In der Taufe werden wir mit dem neuen Namen als Kinder Gottes gerufen. Daher dürfen wir voll Vertrauen zu Gott als unserem Vater beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Der Herr gibt uns seinen Geist. Seine Gaben machen uns fähig, Gott und einander zu dienen und so am Aufbau der Kirche teilzunehmen. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

1 Joh 4,16
Wir haben die Liebe erkannt und an die Liebe geglaubt, die Gott zu uns hat.
Oder: Ps 23,5
Herr, du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du füllst mir reichlich den Becher.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt. Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe, damit wir ein Herz und eine Seele werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis II
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Je größer die Freude ist, desto weniger lässt sie sich verbergen. Das Geschenk der Freude möchte sie von Natur aus auf viele ausgießen, sich in viele eingießen und sie alle kostenlos als Teilhaber um sich sammeln. Die Freigebigkeit kann nicht habgierig sein, die Güte nicht geizig, die Liebe nicht müßig. Und die Freude bringt es nicht fertig, verborgen und einsam zu sein.

Isaak von Stella (um 1100–1178)