Laacher Messbuch

23. Sonntag im Jahreskreis

6. September 2026

Herr, du bist gerecht, und deine Entscheide sind richtig.
Handle an deinem Knecht nach deiner Huld.
Ps 119 (118),137.124

In einzelnen deutschen Bundesländern dauern die Sommerferien noch an, während in den meisten anderen längst wieder der Alltag Einzug gehalten hat. Es ist eine Übergangszeit, bevor es endlich, allgemein gefühlt, in die zweite Jahreshälfte geht. Maria Geburt wird in zwei Tagen begangen und ein immer noch bekannter Spruch lautet: »An Maria Geburt fliegen die Schwalben furt«. Die Zugvögel machen sich auf den Weg nach Süden. Diese Wochen und Monate stehen bei uns im Zeichen der Ernte von Gemüse, Getreide und Obst. Landwirte und Winzer haben viel zu tun und zu bedenken. In dieser Woche wird die Welt wie jedes Jahr an Nine eleven denken, nun schon 25 Jahre her. Damals stürzten die Zwillingstürme von New York ein, nachdem von Terroristen gekaperte Flugzeuge in sie hineingesteuert worden waren. Zwei weitere Flugzeuge flogen ebenfalls mit ihren Passgieren in den Tod. Die ungeheuerlichen Bilder kann man nicht vergessen. Wieviel Schuld, wieviel Leid, wie viel Kreislauf des Bösen, aus dem nur ganz langsam und mit großer Kraftanstrengung und Geduld herausgefunden werden kann. Und manches bleibt für immer ein Rätsel und eine Wunde, in Amerika und im Nahen und Mittleren Osten. Die Texte von heute wissen um die großen individuellen und kollektiven Herausforderungen. In Übrigen beginnt am Abend des 11. September, nach Sonnenuntergang, in diesem Jahr das jüdische Neujahrsfest. An diesem Tag habe Gott den Menschen erschaffen als Krone der Schöpfung, der ägyptische Josef wurde an diesem Tag aus dem Gefängnis befreit. Und dieser Tag markiert das Ende der Gefangenschaft in Ägypten. Diese positiven Gedanken tun gut als Gegengewicht.

Kyrie-Rufe


Herr und Bruder Jesus Christus, du freust dich über alle, die zu dir kommen.
Herr, erbarme dich.
… du sprichst zu den Menschen einer jeden Zeit.
Christus, erbarme dich.
… du holst uns heraus aus den Hoffnungslosigkeiten und Ausweglosigkeiten.
Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gütiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Ez 33,7–9
Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
So spricht der Herr: Du Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen.
Wenn ich zum Schuldigen sage: Schuldiger, du musst sterben! und wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück.
Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und er sich nicht abkehrt von seinem Weg, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast
dein Leben gerettet.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS An diesem Text ist immer wieder schwer erträglich, wie direkt schuldiges Verhalten zum Tod führt und dass das Ganze als Gottesrede gestaltet ist. Ins Positive gewendet bedeutet das aber auch die unmittelbare Verbindung von Gebotserfüllung und Leben. Im Einklang mit Gott sein führt zum Leben bzw. auch umgekehrt: Leben empfindet man, weil man Gott einlässt in sein Leben oder auch, wenn man auf unbewusste Weise Gott schon eingelassen hat. Denn genau das ist nach Meinung dieses biblischen Autors nun einmal Gottes Wille: das Leben zu schenken, seine Bedrohungen zu vermeiden, es zu bewahren und wieder herzustellen.
Der Prophet wird hier beschrieben als Mitarbeiter Gottes. Er sorgt zusammen mit ihm für die Bewahrung des Lebendigen. Es ist nicht selbstverständlich, dass etwas Gutes weiterlebt und die Gebote Gottes gehalten werden. Aus Sicht dieses Textes ist ständig Skepsis angebracht, ganz nach dem Wort in Jeremia 17,9: Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen?
Gleichzeitig aber besteht immer eine berechtigte Hoffnung. Man kann sich verändern und umkehren. Man kann dem Tod immer von der Schippe springen. Gott geht es darum, dass man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht und anfängt aufzurechnen. Es geht ihm darum, dass die Richtung insgesamt klar ist und bleibt. Er hat keine Freude an der Abkehr von gutem Verhalten, keine Freude daran, dass einer ins Verderben läuft. Er will retten, was zu retten ist. Mit Warnungen und mit Kümmerern, die er sich sucht.


Antwortpsalm

Ps 95 (94),1–2.6–7c.7d–9 (Kv: vgl. 7d.8a)
Kv Hört auf die Stimme des Herrn;
verhärtet nicht euer Herz! – Kv

Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, *
jauchzen dem Fels unsres Heiles!
Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, *
ihm jauchzen mit Liedern! – (Kv)

Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, *
lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserm Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, /
wir sind das Volk seiner Weide, *
die Herde, von seiner Hand geführt. – (Kv)

Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /
Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, *
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht, *
sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen. – Kv

Zweite Lesung

Röm 13,8–10
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder! Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe! Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!
und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
Wort des lebendigen Gottes.

IMPULS Ein weiterer Abschnitt des bedeutenden Römerbriefes. Schon seit einigen Sonntagen (seit dem 10. Sonntag im Jahreskreis) ist das in der Leseordnung vorgesehen. Paulus ist es hier ein Anliegen, die Gesetzesfrömmigkeit rückzubinden an das Gebot der Nächstenliebe. Um Liebe und Gutes tun geht es und nicht um Buchstabenklauberei. Hier spiegelt sich etwas von den Auseinandersetzungen zwischen Jesus und den Gesetzeslehrern seiner Zeit wider, aber auch die Auseinandersetzung, die Paulus als gesetzesstrenger Jude, der er war, in seiner eigenen Glaubensbiographie erfahren hat. Natürlich muss sich Liebe im Konkreten zeigen. Das Problem ist nur, was passieren soll, wenn ein konkretes, an der Liebe orientiertes Gebot nicht erfüllt wurde. Da wurde eine Ehe gebrochen und niemand kann sie mehr retten, da wurde ein Mensch getötet und niemand kann ihn mehr ins Leben zurückrufen. Da wurde die Liebe zum Nächsten nicht geübt, aber welches Gebot gilt weiter für die Täter und auch für die Opfer, die noch am Leben sind. Wohin will der Wille Gottes führen, dann, wenn die Liebe verletzt wurde?

Ruf vor dem Evangelium

vgl. 2 Kor 5,19
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort von der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.

Evangelium

Mt 18,15–20
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

IMPULS Wie viele solche Situationen gibt es, wo Menschen sagen: Wir haben alles versucht? Aber irgendwann konnten wir nicht mehr. Zuviel ist zuviel. In Familien, nach Erbstreitigkeiten, in engsten Beziehungen, in denen Fehler, falsche Verdächtigungen und Verleumdungen tiefe Gräben gezogen haben, in Situationen, in denen jemand in einer Abhängigkeit gefangen ist. Den Bruder, die Schwester zurückgewinnen, das sollte das Anliegen eines Menschen sein, der sich an Jesus orientiert. Aber wie schon das Wort: Und willst du nicht mein Bruder sein, so hau ich dir den Schädel ein, bissig ausführt, kann das nicht um den Preis der Freiheit gehen, die man dem anderen immer zugestehen muss. Die aufgekündigte Gemeinschaft, das Ziehen lassen des Bruders, der Schwester, des Mannes, der Frau, des Kindes, des Elternteils, des Freundes etc. ist unter gewissen Umständen manchmal das einzig Mögliche. Es bleibt ein Stachel trotz aller Bemühungen und trotz eines einigermaßen guten Gewissens. Wenn im Schlussteil des Textes die Rede vom Gebet ist und von der verborgenen Anwesenheit Christi, dann ist das auch so etwas wie ein Trost oder ein Ausweg. Man kann immer noch beten, wenn sonst nichts mehr geht. Der Wortlaut zeigt, wie sehr es Jesus um die Überwindung von Trennung und Konflikten geht, wie sehr er tiefen Frieden stiften will.

Credo



Fürbitten


Jesus lädt uns ein, gemeinsam etwas zu erbitten und verheißt uns Erhörung. So lasst uns voll Vertrauen die Sorgen und Nöte in Nah und Fern bedenken und als Jesu Gemeinde ins Gebet bringen:
– Wir bitten für alle, die bis heute unter den Folgen des Terrorangriffs vom 11. September oder anderer Terrorakte leiden. Lass sie Verständnis und Mitgefühl in ihrer Umgebung finden, lass Menschen ihre Wege kreuzen, die professionelle Hilfestellung leisten können und mach sie offen für den Trost des Glaubens an deine Gerechtigkeit und Liebe.
– Wir bitten für alle, die gerade oder schon länger über ihr eigenes Tun erschrocken sind. Führe sie weiter auf dem Weg der Erkenntnis, der Reue und der Umkehr. Hilf ihnen, konkrete Schritte von Wiedergutmachung zu finden und lass sie Menschen finden, die ihnen helfen, in ihrem Leben einen neuen Anfang zu finden.
– Wir bitten für alle, die in Hass und tiefer Enttäuschung verschlossen sind. Lass sie nicht versinken in nie endender Trauer und Wut, sondern ebne ihnen den Weg zu Abstand und einem neuen Abschnitt ihres Lebens mit den Menschen, die ihre Liebe jetzt und in Zukunft brauchen.
– Wir bitten dich für alle, die gerade in Auseinandersetzungen sind, in ihrer Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der christlichen Gemeinde. Lehre uns stets Fairneß und die Kunst, Konflikte in guter Weise zu lösen.
– Wir bitten dich für die Länder der Welt, in denen Krieg und soziale Verunsicherung herrschen und erneuere in allen Beteiligten die Hoffnung, dass Friede möglich ist.
– Wir beten für uns und alle, die zu uns gehören, im Leben und über den Tod hinaus. Gib dass wir in stillen Momenten die Kraft der Zusammengehörigkeit und die Hilfe des Glaubens spüren.
Denn du, Herr Jesus, weist uns den Weg. Wir trauen dir schon sehr. Wir möchten in diesem Glauben aber gerne noch weiter wachsen. Dir sei Lob und Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, du schenkst uns den Frieden und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen. Laß uns dich mit unseren Gaben ehren und durch die Teilnahme an dem einen Brot und dem einen Kelch eines Sinnes werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage VII
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir Vater im Himmel, zu danken und deine Gnade zu rühmen. So sehr hast du die Welt geliebt, daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast. Er ist uns Menschen gleichgeworden in allem, außer der Sünde, damit du in uns lieben kannst, was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast. Durch den Ungehorsam der Sünde haben wir deinen Bund gebrochen, durch den Gehorsam deines Sohnes hast du ihn erneuert. Darum preisen wir das Werk deiner Liebe und vereinen uns mit den Chören der Engel zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Beten wir als Schwestern und Brüder das Gebet des Herrn: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Noch einmal wollen wir das Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium bedenken, in dem er uns rät, gemeinsam etwas zu erbitten. Das Gebet um Frieden soll auch ein Gebet im Frieden sein. Darum sprechen wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 42 (41),2–3
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Oder: Joh 8,12
So spricht der Herr: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Schlussgebet


Herr, unser Gott, in deinem Wort und Sakrament gibst du uns Nahrung und Leben. Laß uns durch diese großen Gaben in der Liebe wachsen und zur ewigen Gemeinschaft mit deinem Sohn gelangen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Schlusssegen

Im Jahreskreis V
Gott, der allmächtige Vater, segne euch; er bewahre euch vor Unheil und Schaden.
Er öffne eure Herzen für sein göttliches Wort und bereite sie für die unvergänglichen Freuden.
Er lasse euch erkennen, was zum Heile dient, und führe euch auf dem Weg seiner Gebote zur Gemeinschaft der Heiligen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.