Laacher Messbuch

33. Sonntag im Jahreskreis

18. November 2018

So spricht der Herr:
Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Unheils.
Wenn ihr mich anruft, so werde ich euch erhören
und euch aus der Gefangenschaft
von allen Orten zusammenführen.
Vgl. Jer 29,11.12.14

Wer spricht schon gern von Grenzen im Leben im Sinne der eigenen Begrenzung? Werden warnende Stimmen oft nicht eher als pessimistische Stimmen wahrgenommen? Was gilt schon eine Stimme, die mahnend auf Grenzen hinweist? In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts schlug der Bericht »Grenzen des Wachstums« des Club of Rome wie eine Bombe ein. Es kam zu erregten Diskussionen. Aber die Reaktion zeigte auch, wie schwierig es ist, sich mit Grenzen des Lebens zu beschäftigen und sie anzunehmen.
Gilt diese gleiche Aufgabe nicht auch für unseren Glauben? Gilt nicht, dass ein Glaube, der diese dunklen Erfahrungen mit unserer Welt, diese schmerzlichen Begegnungen mit der Begrenztheit des eigenen Lebens nicht mit einbezieht, sie nicht ernstnimmt und aufgreift, dass dies ein trügerischer und vertröstender Glaube ist? Es wäre ein Glaube, der uns eher blind macht als dass er uns in unserer Verantwortung für das Leben stärkt. Auch ein Gottesdienst einer Gemeinde muss die Sorgen und die Nöte der Menschen aus der heutigen Zeit zur Sprache bringen. Sonst geht er am Leben vorbei. In seinem Auftreten zeigt sich Jesus immer wieder als ein Realist. Er sieht die Grenzen, er sieht das Unrecht, er hat einen Blick für diejenigen, die leiden und die zu kurz kommen. Das nennt Jesus beim Namen und verschweigt es nicht. Aber zugleich ist er ein Mensch der Zukunft. Hinter all den zerstörerischen Kräften sieht er das Kommende. Gott hat seine Welt als Schöpfung nicht vergessen. Ja, weil wir nicht aus dem liebenden Blick Gottes fallen, gerade deswegen können wir immer wieder neu beginnen, in der Begrenztheit unseres Lebens auf die unbegrenzte Liebe Gottes zu vertrauen. Und so wie der Menschensohn auf diese Welt blickt, so können wir im Wissen um unser Ende für das Leben eintreten und zum Leben ermutigen.


Kyrie-Rufe

Oder: GL 160 • KG 68
Herr Jesus Christus, du bist der Weg, der aus Enge und Angst herausführt. Herr, erbarme dich.
Du hast im Dunkeln unserer Zeit das Licht deines Wortes gebracht. Christus, erbarme dich.
Du wirst wiederkommen als der verheißene Menschensohn, um uns in das Reich deines Vaters zu führen. Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, du Urheber alles Guten, du bist unser Herr. Lass uns begreifen, dass wir frei werden, wenn wir uns deinem Willen unterwerfen, und dass wir die vollkommene Freude finden, wenn wir in deinem Dienst treu bleiben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Dan 12,1–3
Lesung aus dem Buch Daniel.
In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.
Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu.
Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten. |F

¬ Der Text ist eine der wenigen Stellen, die im Ersten Testament von der Auferstehung der Toten spricht. Es ist sogar das erste Zeugnis in der Bibel. Dieser Glaube an die Auferstehung ist nicht erst im Neuen Testament entstanden. Er hat eine lange Entwicklung durchlaufen, bis es zum Bekenntnis kommt, dass Jesus von den Toten auferweckt worden ist und lebt.
In einer Zeit der Bedrängnis will die Lesung ein Trostbuch sein. Im Kapitel 11 ist von vier Weltreichen die Rede, die sich gegenseitig ablösen. Sie werden als grausam und unmenschlich erlebt und beschrieben. Die vier Weltreiche stehen symbolisch für die größtmögliche Expansion weltlicher Mächte. Vor dieser erdrückenden Macht gibt das Buch Daniel Trost und Zuversicht. Menschliche Phantasie reicht nicht aus, sich mögliche Schrecken und Drangsale auszudenken. Aber das letzte Wort spricht Gott, nicht ein Herrscher dieser Welt. Gott spricht als ein Gott des Lebens. Er tritt ein für die Schwachen und für die Unterdrückten. Ihr Leben wird nicht vergessen und untergehen. So ist bereits dieser Text ein Zeugnis, wie der Glaube an die Auferstehung nicht vertrösten will, sondern Menschen in der gegenwärtigen Not stärkt. Der Glaube an die Auferstehung ist der Glaube an das Nein Gottes zu unmenschlichen Lebensbedingungen. Am Ende wirkungsvoller steht sein Ja zum Leben und dieses äußerste Ja – das die größte menschliche Machtentfaltung übertrifft – ist das ewige Leben. So wird der Glaube an das ewige Leben zu einem eindeutigen und klaren Einspruch gegen alle Versklavung und Ausbeutung des Menschen.


Antwortpsalm

Ps 16,5.8.–10.2.11 (|R: vgl. 1)
|R: Behüte mich, Gott, denn ich vertraue auf dich.
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; *
du hältst mein Los in deinen Händen.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen. *
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht. – |R
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; *
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; *
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. – |R
Ich sage zum Herrn: »Du bist mein Herr; *
mein ganzes Glück bist du allein.«
Du zeigst mir den Pfad zum Leben. /
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, *
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. – |R

Zweite Lesung

Hebr 10,11–14.18
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können.
Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.
Wo aber die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Sündopfer mehr. |F

¬ Jesus Christus wird im Hebräerbrief in den Vorstellungen des priesterlichen Wirkens beschrieben. Zum priesterlichen Tun gehören die Opfer, die dargebracht werden zur Vergebung der Sünden. In der Vorstellungswelt der Bibel hat sich ein Mensch durch die Sünde von Gott entfernt. Diese Abwendung musste durch einen Ritus wiederhergestellt werden. Dazu wurde das Sündopfer dargebracht und das Blut im Heiligtum versprengt. Das Blut – Sitz des Lebens – gehört Gott und bewirkt Leben und Heil. Für den Verfasser unserer Lesung wird diese Praxis als veraltet und wirkungslos hingestellt. Es mussten dauernd Opfer dargebracht werden, die aber nichts bewirken. Sie nehmen Sünden nicht hinweg, weil allein Gott Sünden vergeben kann. Dies war auch der Anstoß, wenn Jesus Sünden vergab, weil nur Gott Sünden vergeben konnte (Lk 7,48; Mk 2,7).
Der Hebräerbrief sieht Jesus als den einzigen Priester, der die Macht hat, Sünden zu vergeben. Er hat es getan durch sein einziges Opfer, durch seinen Tod, durch das Blut, das er am Kreuz vergossen hat.


Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Lk 21,36
Halleluja. Halleluja.
Wacht und betet allezeit, damit ihr hintreten könnt vor den Menschensohn.
Halleluja.

Evangelium

Mk 13,24–32
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.
Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.
Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. |F

¬ An den Sonntagen im November werden uns Jahr für Jahr immer wieder Worte Jesu vom Ende zugemutet. Jede Zeit findet ihre eigenen Bilder, die von der Vergänglichkeit des Lebens sprechen. Es sind Worte, die unseren Traum von einem Leben in Frage stellen, in dem einmal der Tod überwunden sein wird und uns der Fortschritt zu immer neuen Möglichkeiten der Lebensbewältigung führt. Jesu Worte zeigen stattdessen eine harte, unverrückbare Grenze auf. Sie sind dadurch auch eine Zumutung. Doch in der Härte und Eindeutigkeit nehmen sie unser Leben ernst. Weil Jesus unsere Ängste anspricht und sie nicht verdrängt, zeigt er uns auch die heilende Kraft der Begegnung. Mitten in diesen dunklen Bildern des Untergangs steht die Verheißung eines neuen Lebens: »Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sehen« (Mk 13,26). Das Wort fällt an der Stelle, in der unsere Welt zusammenbricht und es keinen Ausblick und keinen Ausweg gibt. Nicht wir finden eine Lösung, sondern wir überleben, weil jemand uns begegnet und auf uns zukommt. In der Stunde, in der wir lieber die Augen verschließen wollen, weil es so dunkel und düster wird, da werden wir sehend. Wenn Jesus vom Ende des bisherigen gewohnten Lebens spricht, kündet sich der Anfang eines neuen Lebens an. Es ist die neue Begegnung, die die Hoffnung darauf ist, dass nichts verloren geht und nichts vergeblich wird, wo Menschen geliebt, wo sie gehofft und wo sie geglaubt haben. Es ist das Bild der Begegnung mit dem Menschensohn, das verheißt, wie keiner vergessen, wie keiner übersehen oder überhört wird. Es ist das Bild des Trostes, das andeutet, wie die Liebe die Kraft hat, uns zu befreien, wie die Liebe stärker ist als der Tod.

Credo



Fürbitten


Zu unserem Herrn Jesus Christus, der das Heil der Welt ist, beten wir in unseren Anliegen:
V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
– Für die Kirche in der Diaspora und für das Bonifatiuswerk: der Herr stärke sie in ihrem Zeugnis für das Evangelium.
– Für alle, die in Politik und Wirtschaft große Verantwortung tragen: der Herr leite sie in ihren Aufgaben und Pflichten.
– Für die Bevölkerung in den Armutsstaaten: der Herr wende ihre Not und stärke alle, die dort den Bedürftigen helfen.
– Für die Kinder, die durch Krieg und Terror ihre Eltern verloren haben: der Herr gebe, dass Menschen sich ihrer annehmen und ihnen Liebe und Zuwendung schenken.
– Für die Toten der beiden Weltkriege, wie für die vielen, die Opfer von Terror und Gewalt wurden: der Herr schenke ihnen das ewige Leben und tröste jene, die um ihren Tod trauern.
Gott, du bist ein Gott der Geduld und des Trostes. Schenke uns deinen Geist und gib Antwort auf unser Rufen durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gabengebet


Herr, unser Gott, die Gabe, die wir darbringen, schenke uns die Kraft, dir treu zu dienen, und führe uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage II
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Lasset uns beten, wie unser Herr Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Unser Herr Jesus Christus wird am Ende der Zeit als der Fürst des Friedens erscheinen. Ihn bitten wir: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 73,28
Gott nahe zu sein ist mein Glück. Ich setze mein Vertrauen auf Gott, den Herrn.
Oder: Vgl. Mk 11,23–24
So spricht der Herr: Amen, ich sage euch: Betet und bittet, um was ihr wollt, glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt und sein Gedächtnis begangen. Die heilige Gabe, die wir in dieser Feier empfangen haben, helfe uns, dass wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern Christus nachfolgen, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Schlusssegen

Im Jahreskreis III
Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare euch die Wege seiner Weisheit.
Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein Wille geschehe.
Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.
Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.