Laacher Messbuch

15. Sonntag im Jahreskreis

15. Juli 2018

Ich will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen,
mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich einst erwache.
Ps 17,15

Das Wort Messe hat mit dem Wort Mission zu tun. Jesus lädt uns ein, zu ihm zu kommen, sein Wort zu hören und an seinem Mahl teilzunehmen. Aber er sendet uns auch, gibt uns etwas mit für andere. Dass dieser Zusammenhang zwischen Kirchenraum und Leben sichtbarer wird, wäre wünschenswert. Es könnte dazu beitragen, die religiöse Sprachlosigkeit im Alltag zu überwinden. Es könnte auch umgekehrt in die Gottesdienste zurückwirken, in die Art der Betrachtung und Auslegung der Schriftlesungen oder in die Fürbitte hinein. Der Schwund der regelmäßigen Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher ist bedauernswert und niemand konnte den Trend bis jetzt stoppen. Aber es gibt auch bereits vielfältige Überlegungen, mehr Menschen in der Weise zu ermutigen, dass man ihnen sagt: Sucht neue Formen, euren Glauben zu teilen und auszudrücken. Überlegt, wie ihr mit anderen Christen im Geist Jesu zusammen kommen könnt. Überlegt, wozu und zu wem er euch sendet.

Kyrie-Rufe

GL 152 • KG 52
Herr Jesus Christus, wenn Hilfe uns unerreichbar erscheint, Herr, erbarme dich.
Wenn Selbstsucht uns verschließt, Christus, erbarme dich.
Wenn Angst uns lähmt, Herr, erbarme dich.

Gloria



Tagesgebet


Gott, du bist unser Ziel, du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit und führst sie auf den rechten Weg zurück. Gib allen, die sich Christen nennen, die Kraft, zu meiden, was diesem Namen widerspricht, und zu tun, was unserem Glauben entspricht. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Am 7,12–15
Lesung aus dem Buch Amos.
In jenen Tagen sagte Amazja, der Priester von Bet-El, zu Amos: Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot und tritt dort als Prophet auf! In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden; denn das hier ist ein Heiligtum des Königs und ein Reichstempel.
Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehzüchter und ich ziehe Maulbeerfeigen. Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel! |F

¬ Ein kurzer Dialog, der es in sich hat. Der Reichstempel-Priester Amazja, staatlich bedienstet und der Staatsraison verpflichtet, verweist den Propheten Amos des Tempels und des Landes. Er rede nicht so, wie es sich für einen im Tempel zugelassenen Propheten gezieme. Und der darauf: Ich bin kein Prophet des Königs und des religiösen Establishments, sondern ein Selbstverdiener, ein Independent, ein von Gott berufener Quereinsteiger. Das ist eine beißende Kritik an der Legitimation und am Glauben der Religionsdiener, durch alle Zeiten hindurch. Zu Gute halten mag man dem Chefpriester allerdings doch, dass er – warum nur? – davor zurückschreckt, mit Amos etwas weitaus Schlimmeres anzustellen.
Als Hinführung zum Evangelium gedacht, betont der kurze Text die innere Freiheit, mit der die Boten Gottes ihre Mission erfüllen sollen.


Antwortpsalm

Ps 85,9–14 (|R: 8)
|R: Erweise uns, Herr, deine Huld und gewähre uns dein Heil!
Ich will hören, was Gott redet: /
Frieden verkündet der Herr seinem Volk *
und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.
Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. *
Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. – |R
Es begegnen einander Huld und Treue; *
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor; *
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. – |R
Auch spendet der Herr dann Segen *
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her *
und Heil folgt der Spur seiner Schritte. – |R

Zweite Lesung

Eph 1,3–14 (Kf: 1,3–10)
Lesung aus dem Epheserbrief.
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn; durch sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt mit aller Weisheit und Einsicht und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat: die Fülle der Zeiten heraufzuführen in Christus und alles, was im Himmel und auf Erden ist, in ihm zu vereinen.< Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben.
Durch ihn habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; durch ihn habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt. Der Geist ist der erste Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen, der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden, zum Lob seiner Herrlichkeit. |F

¬ Der Epheserbrief, aus dem für heute und für die folgenden sechs Sonntage jeweils ein Abschnitt ausgewählt worden ist, hebt an mit einem hymnischen Lobpreis auf die Vorsehung Gottes. Sie hat den Briefschreiber und alle, die wie er schon länger Christen sind, zur geistigen Gemeinschaft mit dem Mensch gewordenen und nach Kreuz und Auferstehung erhöhten Gottessohn geführt. Diese Christusverbundenheit trägt ihn in seinem Leben. Er blickt mit tiefer Dankbarkeit und frommem Staunen auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Erlösung, Sündenvergebung, Weisheit und Einsicht, Erbe, Wahrheit, Rettung, Besiegelung mit dem Heiligen Geist – der Schreiber findet immer neue superlativische Ausdrücke, um das Gnadengeschenk Gottes zu beschreiben. Und er beglückwünscht die Neuen, die Adressaten seiner Zeilen, will Gott doch »alles, was im Himmel und auf Erden ist« in der Fülle der Zeit in Christus vereinigen. Uns mag diese Art feierlicher Rede vielleicht befremden, was aber dennoch beeindrucken kann, ist die Begeisterung, die einer empfindet, der wirklich gefunden hat, was ihm Kraft und Orientierung gibt.

Ruf vor dem Evangelium

Vgl. Eph 1,17–18
Halleluja. Halleluja.
Der Vater unseres Herrn Jesus Christus erleuchte die Augen unseres Herzens, damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Halleluja.

Evangelium

Mk 6,7–13
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.
Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie.
Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie. |F

¬ Ihr Reichtum ist die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben. Und das soll er auch bleiben. Nichts anderes darf an seine Stelle treten. Was Jesus verkündet und seinen Aposteln mitgibt, ist nichts Materielles, es ist etwas Geistiges: eine Umkehr, die Gottes Herrschaft anerkennt und fest mit seiner Hilfe rechnet, gegen alle »Aber-Geister«, wie jemand die Dämonen einmal umschrieben hat. Aber – das geht doch nicht. Aber – das bringt doch nichts. Aber – das ist doch sowas von … , wir können uns die Gegenargumente leicht ausdenken. Umgekehrt aber hat die Aussendung jeweils zu zweit, sowie die Offenheit und Wehrlosigkeit der Boten, das Potential, spannende Prozesse der Kommunikation in Gang zu setzen. Fragen, wie diese können dann auftauchen: Was ist die Basis deines Lebens? Gibt es vielleicht noch etwas Wichtigeres für dich als das, was immer zählte und existierte? Was hält dir die unreinen Geister vom Leib? Wem machst du deine Tür auf, weil du einen neuen Geist spürst, der belebend ist? Was macht dich heil?
Die Zwölf jedenfalls hatten genug Mut und Neugierde, genug Freundschaftssinn, sich zu zweit auf den Weg zu machen. Und Menschen mit solchen Botschaften werden zu jeder Zeit gebraucht.


Credo



Fürbitten


Gott weiß, was wir brauchen. Seiner treuen Sorge vertrauen wir uns und unsere Welt an:
– Wir beten für alle, die sich bewusst gegen Gier und Materialismus zur Wehr setzen, die spenden oder die Patenschaften übernommen haben,
(Stille)
dass ihr Verhalten Schule macht und die Welt ein Stück besser macht.
– Wir beten für alle, die in einer Kloster- oder Ordensgemeinschaft ihr Leben verbringen,
(Stille)
dass ihre Berufung sie auch durch Krisen trägt und sie spüren, wie ihr Zeugnis wichtige Signale in die Kirche und in die Gesellschaft ausstrahlt.
– Wir beten für alle, die für Kinder und Jugendliche sorgen, für die Eltern und Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten, Schulen und Einrichtungen,
(Stille)
dass sie geduldig und konsequent den Wert der Liebe und Gemeinschaft vermitteln und die Basis legen für eine lebenslange Bereitschaft, mit anderen zu teilen und nach gerechtem Ausgleich zu suchen.
– Wir beten für alle, die in einer Partnerschaft leben, als Ehepaar oder eingetragene Lebensgemeinschaft, als Freunde oder Verwandte,
(Stille)
dass sie dankbar und einander zugewandt bleiben, dass sie die Liebe und Zuneigung, die Fürsorge und die Konfrontationen des Anderen nie als selbstverständlich nehmen.
– Wir beten für alle, die an einer Suchtkrankheit leiden und überhaupt für alle, die seelisch oder körperlich krank sind,
(Stille)
dass sie Menschen finden, die ihnen weiterhelfen können und ihre Würde achten, dass die Gesellschaft die Hilfsbedürftigen und Leidenden nicht ins Abseits schiebt.
Darum, guter Gott, bitten wir dich. Erweise dich als Lebensspender und Erneuerer, sei letzter Halt in den Tiefen des Lebens und ewiger Friede allen, die aus diesem Leben geschieden sind. Dir sei Ehre und Dank in alle Ewigkeit. Amen.

Gabengebet


Gott, sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist, und nimm unsere Gaben an. Heilige sie, damit alle, die sie empfangen, in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage VII
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir Vater im Himmel, zu danken und deine Gnade zu rühmen. So sehr hast du die Welt geliebt, dass du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast. Er ist uns Menschen gleichgeworden in allem, außer der Sünde, damit du in uns lieben kannst, was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast. Durch den Ungehorsam der Sünde haben wir deinen Bund gebrochen, durch den Gehorsam deines Sohnes hast du ihn erneuert. Darum preisen wir das Werk deiner Liebe und vereinen uns mit den Chören der Engel zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Im Vaterunser beten wir um das tägliche Brot. Es ist aber nicht die erste und wichtigste Bitte. Sie ist eingebettet in die Bitte um das Kommen des Reiches Gottes und um den Geist der Gotteskindschaft. So lasst uns beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Jesus hat seine Apostel zu zweit ausgesandt. Kameradschaft, Freundschaft und Geschwisterlichkeit zu erleben, macht froh. Dabei ist es auch nötig, Konflikte bewältigen zu können. Bitten wir deshalb auch heute wieder den, der uns heute sendet: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

Ps 84,4–5
Der Sperling findet ein Haus und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein König! Selig denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben!

Schlussgebet


Herr, unser Gott, wir danken dir für die heilige Gabe. Lass deine Heilsgnade in uns wachsen, sooft wir diese Speise empfangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis III
Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare euch die Wege seiner Weisheit.
Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein Wille geschehe.
Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.
Das gewähre euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

***

Mein Leben ist bestimmt und ausgefüllt von einem Juden, der vor zweitausend Jahren gelebt hat, Jesus, der zu einigen Menschen gesagt hat: »ich schicke euch wie Lämmer unter die Wölfe.« Dieses Wort hat merkwürdigerweise auch mich erreicht, und er schickt mich wie ein Lamm unter die Wölfe und in diese wölfische Welt. Ich sage darauf zu ihm: »Das will ich nicht, denn erstens hat ein Lamm unter Wölfen keine Chance, und zweitens bin ich kein Lamm, sondern auch ein Wolf, genau wie wir alle hier mit unseren schönen Worten. Ich bin ein Mensch, dem es um sich selbst geht, der ein begrenztes Maß an Mut, aber auch ein ziemlich unbegrenztes Maß an Feigheit hat, der es gerne gut haben möchte im Leben. Ich bin genauso ein Wolf wie die anderen.«
Der Jude von vor zweitausend Jahre, Jesus, er bittet mich, ihm zu helfen in seiner Sache, die darin besteht, aus Wölfen Menschen zu machen und Kinder Gottes. Da er merkwürdigerweise mich dazu gebracht hat, ihm dabei zu helfen, frage ich ihn schließlich noch: »Wenn ich für dich da bin, wer ist für mich da?« Und darauf sagt er: »Ich bin für dich da.« Dass Jesus für uns da sein kann, für Lämmer, die er unter die Wölfe schickt, so viel habe ich verstanden vom Evangelium.

Helmut Gollwitzer