Laacher Messbuch

2. Sonntag im Jahreskreis

20. Januar 2019

Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.
Ps 66,4

Ein wichtiger Begleiter für die Mitfeier der Gottesdienste vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils war der sogenannte »Schott«: jenes handliche Büchlein mit den liturgischen Texten, welche auch in der deutschen Sprache abgedruckt gewesen sind. Von meiner Urgroßtante, die als Ordensschwester in Dernbach bei den »Armen Dienstmägden Jesu Christi« war, besitze ich diesen alten »Mess-Schott«. Ich blättere gerne darin, nicht aus Nostalgie, sondern weil der Schott eine oft interessante theologische Hinführung für die Feier der Liturgie an den Sonn- und Festtagen bietet.
Die Einleitung für das Fest der Erscheinung (Epiphanie) des Herrn, den Dreikönigstag am 6. Januar, spricht von einem dreifachen Offenbarungsmoment; so heißt es dort: »Drei Offenbarungen der Herrlichkeit des Gott-Königs Christus werden heute gefeiert: die Anbetung und Huldigung der Weisen aus dem Osten; die feierliche Verkündigung durch den Vater bei der Taufe Christi: ›Diesen sollt ihr hören‹; endlich die Offenbarung der Herrschermacht Christi über die Elemente (Verwandlung des Wassers in Wein auf der Hochzeit zu Kana).«
Auch wenn der heutige Sonntag bereits in der Zeit des Jahreskreises liegt, so steht er dennoch in besonderer Verbindung zum Weihnachtsfestkreis. Denn mit dem heutigen Evangelium wird jener Bogen zu den Offenbarungsereignissen der Epiphanie geschlagen, die mit den vorhergehenden Festen im Blickfeld der Betrachtung standen. Bei der Neugestaltung der Leseordnung durch die Liturgiereform des Konzils wurde bewusst auf diesen zweiten Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr C das Evangelium von der Hochzeit zu Kana gelegt, damit dieser Zusammenhang bestehen bleibt.


Kyrie-Rufe

GL 104 • KG 160
Herr Jesus Christus, du zeigst dich der Welt in göttlichem Erbarmen. Kyrie, eleison.
Du verheißt den Deinen die Fülle des Lebens. Christe, eleison.
Herr Jesus Christus, du schenkst uns die Gaben des Heiligen Geistes. Kyrie, eleison.

Gloria



Tagesgebet


Allmächtiger Gott, du gebietest über Himmel und Erde, du hast Macht über die Herzen der Menschen. Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir; stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen, und schenke unserer Zeit deinen Frieden. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Erste Lesung

Jes 62,1–5
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Um Zions willen werde ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis hervorbricht wie ein helles Licht seine Gerechtigkeit und sein Heil wie eine brennende Fackel.
Dann sehen die Nationen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des HERRN für dich bestimmt.
Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des HERRN, zu einem königlichen Kopfschmuck in der Hand deines Gottes.
Nicht länger nennt man dich »Verlassene« und dein Land nicht mehr »Verwüstung«, sondern du wirst heißen: »Ich habe Gefallen an dir« und dein Land wird »Vermählte« genannt. Denn der HERR hat an dir Gefallen und dein Land wird vermählt.
Wie der junge Mann die Jungfrau in Besitz nimmt, so nehmen deine Söhne dich in Besitz. Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich. |F

¬ Mit der Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja wird für die Gottesdienstgemeinde das Motiv der Hochzeit eingeführt, welches das Evangelium fortführen wird. Der dritte Teil der Jesajaschrift lebt von der Verheißung, dass Jerusalem die Herrlichkeit Gottes nicht nur sehen wird, sondern dieses Offenbarungsmoment zum Beginn einer neuen Heilszeit werden wird. Die Zusage, dass Gott zu seinem Volk steht und sich ihm offenbaren wird (vgl. Jes 60), bündelt sich in jenem kleinen Gedicht, dessen Teilstück die Lesung umfasst. Die Erwählung Jerusalems besteht darin, die Braut des Herrn zu sein. Mit der Revision der Einheitsübersetzung wird diese Hochzeit mit der Inbesitznahme seiner Stadt durch den Herrn verbunden, wie es zu Beginn von Vers 5 heißt. Das schafft wiederum einen leichten Anklang an die adventlichen Verheißungen, die sich in der Weihnacht erfüllen sollten: »Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben« (vgl. Lk 1,32).

Antwortpsalm

Ps 96,1–4.6–7.10 (|R: vgl. 3a)
|R: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn!
Singt dem HERRN ein neues Lied, *
singt dem HERRN, alle Lande,
singt dem HERRN, preist seinen Namen! *
Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! / – |R
Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, *
bei allen Völkern von seinen Wundern!
Denn groß ist der HERR und hoch zu loben, *
mehr zu fürchten als alle Götter. – |R
Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, *
Macht und Glanz in seinem Heiligtum.
Bringt dar dem HERRN, ihr Stämme der Völker, *
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht! * – |R
Verkündet bei den Nationen: *
Der HERR ist König!
Fest ist der Erdkreis gegründet, er wird nicht wanken. *
Er richtet die Völker so, wie es recht ist. – |R

Zweite Lesung

1 Kor 12,4–11
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder! Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem anderen durch denselben Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, einem anderen in demselben Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem anderen Kräfte, Machttaten zu wirken, einem anderen prophetisches Reden, einem anderen die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem anderen verschiedene Arten von Zungenrede, einem anderen schließlich die Gabe, sie zu übersetzen.
Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. |F

¬ Im ersten Moment mag diese zweite Lesung nicht zum Duktus der Liturgie zu passen. Jedoch in der Verbindung zum Offenbarungsgeschehen in der Taufe des Herrn, das am vergangenen Sonntag gefeiert wurde, lässt sich eine erste Spur erkennen.
Paulus mahnt seine korinthische Gemeinde, in der Frage nach den Charismen und Begabungen der Einzelnen und ihrem Zusammenspiel in der Gemeinde nicht in eine Art Konkurrenzkampf zu verfallen. Sie sollen sich vielmehr bewusst sein, dass ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten ihren Ursprung in einem Offenbarungsgeschehen (vgl. 1 Kor 12,7) haben: In der Art und Weise, wie sie miteinander Gemeinde und füreinander Schwestern und Brüder im einen Glauben sind, soll sich in der Welt zeigen, welches Potenzial zur Veränderung im Evangelium Jesu Christi liegt. Wer aus der hochzeitlichen Beziehung zu Jesus lebt und Leben gestaltet, gibt der Gegenwart Gottes Raum und bezeugt das fortwährende Wirken des Heiligen Geistes im Leben der Kirche.


Ruf vor dem Evangelium

Vgl. 2 Thess 2,14
Halleluja. Halleluja.
Durch das Evangelium hat Gott uns berufen
zur Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn.
Halleluja.

Evangelium

Joh 2,1–11
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist! Sie brachten es ihm.
Dieser kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn. |F

¬ Das Evangelium beginnt mit einer konkreten Zeitangabe: »Am dritten Tag« (Joh 2,1), was jedoch im Lektionar durch die allgemeine Einleitungsformel ersetzt wurde, mit der ein jedes Evangelium eingeleitet wird: »In jener Zeit«. Der Hinweis auf den dritten Tag ist jedoch nicht unwichtig, zumal Johannes nach dem Prolog die Abfolge einer ganzen Woche schildert.
Diese Woche wird eröffnet durch die Offenbarung Jesu bei seiner Taufe am Jordan und gelangt zum Abschluss mit der Enthüllung seiner Herrlichkeit. Damit ist ein Begriff genannt, der uns schon in der Weihnacht begegnet ist: Der Engel des Herrn erscheint den Hirten bei Betlehem »und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie« (Lk 2,9). Im Alten Testament enthüllt sich die Herrlichkeit Gottes mit besonderer Deutlichkeit während des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten hinein in das Land der Verheißung am Berg Sinai. Der biblische Bericht hebt auch hier hervor: »Am dritten Tag« (Ex 19,16). Im Laufe der Erzählung wird der Hinweis auf den »dritten Tag« noch mehrmals wiederholt (vgl. Ex 19,11.15–16). Wer die biblische Geschichte kannte, der war in der Lage, die Erwähnung des dritten Tages und die Offenbarung der Herrlichkeit mit den Ereignissen am Berg Sinai zu verbinden. Die Ähnlichkeit zwischen dem Bundesschluss am Sinai und der Hochzeit zu Kana ist daher nicht zufällig. Im Evangelium des Johannes finden wir viele solcher Anspielungen: Die geschichtlichen Ereignisse der Offenbarung Christi tragen in sich eine zeichenhafte Tiefe; dabei verbindet sich das Leben Jesu mit seiner Vorbereitung im Alten Testament und mit seiner Bedeutung für unser persönliches Leben.
Worin besteht nun genau das Zeichen bei jener Hochzeit? Das in Wein verwandelte Wasser diente für die rituellen Waschungen, die das Gesetz des Moses vorschrieb. Der Wein verweist nun auf das neue Gesetz in Jesus Christus. Staunenswert ist dabei natürlich die Fülle des Weins: Die sechs Krüge fassen gemeinsam 600 Liter. Der Mangel an Wein erscheint im Alten Testament als Zeichen göttlicher Heimsuchung (Jes 24,8–11), während die Überfülle bester Weine die überreichen Güter der messianischen Zeit illustriert (Jes 25,6–9). Die wunderbare Verwandlung von Wasser in Wein erscheint in dieser Perspektive als prophetische Ankündigung des Neuen Bundes.
Dieser Neue Bund nun aber besitzt Qualitäten, die für unser persönliches Leben von großer Bedeutung sind. Dass Jesus auf diese Art und Weise sein erstes Zeichen tut, spricht für seine Lebensbejahung. Jesus geht nicht in die Einsamkeit, ist kein finsterer Asket, sondern geht mitten unter die Menschen, die Hochzeit feiern, und zeigt mit der Wandlung von Wasser in Wein, dass sich mit seinem Kommen die maßlose, nicht zu bändigende Liebe Gottes zu den Menschen offenbart hat.


Credo



Fürbitten


In seinem Sohn Jesus Christus hat uns Gott die Fülle des Lebens verheißen. Aus den Sorgen unseres Alltags heraus wenden wir uns vertrauensvoll an ihn und bitten:
V: Herr, unser Gott: A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Für alle Christen, die sich mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen in das politische oder kirchliche Leben einbringen.
– Für alle Brautpaare, die sich auf den Empfang des Ehesakramentes vorbereiten und im freien Jawort ihrer Liebe eine gemeinsame Zukunft planen.
– Für die Menschen, denen das Notwendigste zum Leben fehlt und die auf die Hilfe und Solidarität ihrer Mitmenschen angewiesen sind.
– Für unsere Verstorbenen, deren Leben in deiner barmherzigen Liebe bereits zur Vollendung gekommen ist.
Gott, unser Herr, wir danken dir, dass wir in deiner Gegenwart leben dürfen, und preisen dich im Heiligen Geist durch Jesus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Gabengebet


Herr, gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern; denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen, vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung. Durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Sonntage II
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau. Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns vom ewigen Tod befreit und durch seine Auferstehung uns das unvergängliche Leben erworben. Darum preisen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Einladung zum Vaterunser


Jesus schenkt uns die vielfältigen Gaben des Heiligen Geistes, der uns zu lebendigen Gliedern seines Leibes werden lässt. Lasst uns mit seinen Worten miteinander und füreinander beten: Vater unser im Himmel …

Einladung zum Friedensgebet


Herr Jesus Christus, du hast uns den Vater offenbart in der Macht seiner Liebe, durch die uns Rettung und Heil zuteil geworden ist. Wir bitten dich: Herr Jesus Christus …

Kommunionvers

1 Joh 4,16
Wir haben die Liebe erkannt und an die Liebe geglaubt, die Gott zu uns hat.
Oder: Ps 23,5
Herr, du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.
Du füllst mir reichlich den Becher.

Schlussgebet


Barmherziger Gott, du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt. Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe, damit wir ein Herz und eine Seele werden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Im Jahreskreis II
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

***

Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit
und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft.
Erbarm dich, Herr.

Lass uns eins sein, Jesu Christ, wie du mit dem Vater bist,
in dir bleiben allezeit heute wie in Ewigkeit.
Erbarm dich, Herr.


Christian David (1728; Strophen zu GL 481 »Sonne der Gerechtigkeit«)

Oder:

HERR Gott Vatter / mein starcker Heldt /
Du hast mich ewig / für der Welt / In deinem Sohn geliebet /
Dein Sohn hat mich jhm selbst vertrawt /
Er ist mein Schatz / ich bin sein Braut / Sehr hoch in jhm erfreuwet.
Eya / Eya / Himmlisch Leben / wirdt er geben Mir dort oben /
Ewig soll mein Hertz jhn loben.


Philipp Nicolai (1599; Liedstrophe aus GL 357 »Wie schön leuchtet der Morgenstern«)