Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit
12. April 2026
Wie neugeborene Kinder
verlangt nach der unverfälschten Milch des Wortes,
damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt.
Halleluja.
1 Petr 2,2
Oder:
Freut euch und dankt Gott, der euch zu sich gerufen hat.
Ihr seid Kinder Gottes und Erben seiner Herrlichkeit.
Halleluja.
Vgl. 5 Esra 2,36–37 (apokr.)
Eine Woche nach dem Osterfest schildert uns das Evangelium den Glauben der Apostel nicht ohne Anfechtung. Sie laufen weg, sie verraten Jesus, sie verleugnen ihn und auch nach seiner Auferstehung sind sie zunächst – das Beispiel des Thomas zeigt es uns – nicht einfach überzeugt. Es gibt Zweifel, Nachfragen, Skepsis. Das alles gehört zum Glauben mit dazu. Gerade da wird die Glaubensgemeinschaft ganz wichtig. Die anderen sagen dem Thomas, was sie erlebt haben. Es ist wieder der Wochentag der Auferstehung, der Sonntag, der Tag des gemeinsamen Mahles, das offenbar von Anfang an mit dazu gehört. Und Thomas wäre allein wohl skeptisch geblieben, wenn er nicht die Gemeinschaft gehabt hätte, die ihn mit hinein geholt hat und in deren Kreis dann auch die Begegnung mit dem Auferstandenen geschieht. Die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod braucht Erfahrungen, die sie bestärken und ermöglichen. Damals wie heute.
Kyrie-Rufe
Auferstandener Herr Jesus Christus, du lässt unser Fragen und unsere Skepsis zu. Du stärkst unseren Glauben.
Herr, erbarme dich.
Auferstandener Herr Jesus Christus, du lässt dich berühren und lässt Menschen deine Nähe erfahren.
Christus, erbarme dich.
Auferstandener Herr Jesus Christus, du schenkst deinen Frieden denen, die an dich glauben.
Herr, erbarme dich.
Gloria
Tagesgebet
Barmherziger Gott, durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes. Laß uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind, und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Erste Lesung
Apg 2,42–47Lesung aus der Apostelgeschichte.
Die Gläubigen hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.
Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte.
Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und fanden
Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.
Wort des lebendigen Gottes.
IMPULS Die Kirche des Anfangs und dann durch die Jahrhunderte hindurch hat nicht nur den Glauben an den Auferstandenen verkündet, sie hat auch so gelebt, dass diese Überzeugung glaub-würdig wurde. Das gemeinsame Gebet, der Gottesdienst, die Eucharistie und vor allem die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, das machte die Kirche groß. Bei allem Bewusstsein, dass auch die Anfangszeit nicht ohne Spannungen, Konflikte und Schwierigkeiten war: Die Apostelgeschichte berichtet von einem »roten Faden«, der zur Grundhaltung wurde. Diese Grundhaltung hat sich bei Christen über die Jahrhunderte hinweg beibehalten. Sie denken nicht nur an sich, sondern sind für andere da. Das macht sich bis heute, z. B. in der Spendenbereitschaft, deutlich. Und es wurde auch in »dunklen kirchlichen Zeiten« niemals vergessen. Selbst und gerade da hat es überall Armen- und Krankenfürsorge gegeben, da wurden die Notleidenden nicht vergessen, da lebte die Kirche in denen, die für andere sorgten. Das macht den Glauben glaub-würdig, dass er eben nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern immer auch ein Lebensmodell ist.
Antwortpsalm
Ps 118 (117),2.4.14–15.22–23.24.28 (Kv: 1)Kv Danket dem HERRN, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig. – Kv
Oder:
Kv Halleluja. – Kv
So soll Israel sagen: *
Denn seine Huld währt ewig.
So sollen sagen, die den HERRN fürchten: *
Denn seine Huld währt ewig. – (Kv)
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; *
er ist für mich zur Rettung geworden.
Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten: *
»Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie!« – (Kv)
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, *
er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt, *
ein Wunder in unseren Augen. – (Kv)
Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; *
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Mein Gott bist du, dir will ich danken. *
Mein Gott bist du, dich will ich erheben. – Kv
Zweite Lesung
1 Petr 1,3–9Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus.
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu gezeugt zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist.
Gottes Kraft behütet euch durch den Glauben, damit ihr die Rettung erlangt, die am Ende der Zeit offenbart werden soll.
Deshalb seid ihr voll Freude, wenn es für kurze Zeit jetzt sein muss, dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet.
Dadurch soll sich eure Standfestigkeit im Glauben, der kostbarer ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist, herausstellen – zu Lob, Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi.
Ihn habt ihr nicht gesehen und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude, da ihr das Ziel eures Glaubens empfangen werdet: eure Rettung.
Wort des lebendigen Gottes.
IMPULS Der Petrusbrief erzählt davon, dass es Prüfungen der Standfestigkeit gab. In einer Zeit, wo man eine kleine Schar war, die sich gegenüber dem Umfeld aus so vielen etablierten Religionen durchsetzen musste, gab es Verfolgungen, Repressalien, Anfeindungen.
Wenn unsere Kirche heute oft versucht, es allen recht zu machen, dann wird sie scheitern. Und wenn sie versucht, sich jeder öffentlichen Meinung anzuschließen oder anzubiedern – oder einfach versucht, Modetrends zu folgen, damit ihre »Zustimmungswerte« steigen, dann hat sie schon verloren.
Die ersten drei Jahrhunderte der Kirche waren eine Zeit der Verfolgung und sogar der »Untergrundkirche«. Die ersten Christen haben so überzeugt ihren Glauben gelebt, dass sie damit immer mehr Anhänger fanden. Das entschiedene Zeugnis für einen anderen Lebensstil war schwierig und hat sogar Leben gekostet. Aber es bildete sich auch das zutreffende Sprichwort: »Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche!« (Tertullian) Gerade in ihrem überzeugten Eintreten mit Rückgrat für ihre Werte und ihren Glauben haben sie Eindruck gemacht und wurden für viele zum Vorbild. Eine Kirche, die heute mit geringer werdenden Mitgliedszahlen kämpft und die Zeit der »Volkskirche« hinter sich lässt, kann vielleicht den Impuls der frühen Zeit aufnehmen und ihre Bedeutung vor allem aus dem »Kontrast« zur Umgebungsgesellschaft ziehen.
Ruf vor dem Evangelium
Joh 20,29Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Halleluja.
Evangelium
Joh 20,19–31+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
IMPULS Menschen wollen glauben, ja! Aber sie wollen auch ihre Zweifel benennen, mit Verstand die Fragen des Glaubens durchdringen und so verantwortet glauben. Wenn man mir einfach etwas erzählt, das ich nicht hinterfragen darf, das mir keiner erklären kann, das sogar gegen alle Vernunft ist und wofür es keine schlüssigen Argumente gibt, was unterscheidet einen solchen Glauben dann noch von einer Sekte, von den Verrücktheiten, die wir an vielen Orten unserer Welt kennen oder vom Fanatismus, der nicht zum Nachdenken, sondern zu dumpfer Sturheit führt? Thomas, der Zweifler, ist ein ganz wichtiger Apostel. Kein dummer, kein Ungläubiger, kein Verweigerer – er ist uns wichtig und er ist uns nahe, denn wir Christen des 21. Jahrhunderts müssen und wollen aus großer zeitlicher Entfernung an Jesus Christus glauben. Und dazu brauchen wir überzeugende Argumente, das Zeugnis von Menschen, die dabei waren und eben auch unseren Verstand und unsere Urteilskraft, die uns dabei hilft, die Botschaft des Evangeliums zu durchdringen und anzunehmen, ehe wir unser Leben darauf hin ausrichten. Daher braucht es die Gemeinschaft und Diskussion mit anderen Glaubenden, den Austausch, die Formen der Begegnung, die uns den Auferstandenen »erfahrbar« machen. In seinem Wort, in seiner Inspiration für die Menschen, in seinem heilenden Handeln durch das Werk seiner Kirche, im Gebet und in der Meditation … und in der mir persönlich eigenen Erfahrung.
Credo
Fürbitten
Gott, du hast durch die Auferstehung deines Sohnes die ganze Welt verändert und uns österliche Hoffnung geschenkt. Wir bitten dich:
V: Barmherziger Vater. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Für alle, die sich schwer tun mit dem Glauben und in denen Zweifel vorherrschen, ob sie der Botschaft von der Auferstehung trauen können. Schenke ihnen Erfahrungen und Begegnungen, die ihr Gottvertrauen stärken.
– Für alle, die heute das Apostelamt ausüben: für unseren Papst und die Bischöfe aller Länder und Völker. Hilf ihnen, mutig und überzeugend die frohe Botschaft zu verkünden.
– Der Sonntag der Barmherzigkeit, den die Kirche heute begeht, will uns dazu ermutigen, mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst barmherzig umzugehen. Bewahre uns vor Härte und abwertendem Umgang miteinander. Stärke Zuwendung und Mitgefühl.
– In vielen Gemeinden gehen heute Kinder zur ersten Heiligen Kommunion – in anderen Pfarreien bereiten sie sich noch darauf vor. Lass die jungen Menschen und ihre Familien in der Feier des Gottesdienstes echte Begegnungen mit dir erleben.
– Die Kirche in unserem Land befindet sich in einer tiefen Krise, die auch durch Schuld und Fehlverhalten in den eigenen Reihen verursacht ist. Hilf allen Gläubigen, den Weg der Umkehr und der Erneuerung zu gehen und so für deine Botschaft Zeugnis abzulegen.
– Die Freude über die Auferstehung will einen jeden Menschen erreichen. Schenke besonders denen Trost und neue Lebensfreude, die um einen Verstorbenen trauern. Führe alle, die uns schon vorangegangen sind, zum Leben in Fülle in deinem Reich.
Dich, Vater im Himmel, preisen wir mit deinem auferstandenen Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Heute und in alle Ewigkeit. Amen.
Gabengebet
Gott, du hast deinem Volk durch das Bekenntnis des Glaubens und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt. Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller) deiner Gläubigen gnädig an und laß uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation
Osterzeit IIn Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, immer und überall zu danken, diese Nacht diese Tage aber aufs höchste zu feiern, da unser Osterlamm geopfert ist, Jesus Christus. Denn er ist das wahre Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Durch seinen Tod hat er unseren Tod vernichtet und durch seine Auferstehung das Leben neu geschaffen. Darum jubelt heute der ganze Erdkreis in österlicher Freude, darum preisen dich die himmlischen Mächte und die Chöre der Engel und singen das Lob deiner Herrlichkeit.
Einladung zum Vaterunser
Das Gebet des Herrn verbindet uns mit den Jüngern der frühen Zeit und allen Glaubenden durch die Jahrhunderte hindurch. So beten wir: Vater unser im Himmel …
Einladung zum Friedensgebet
Jesus, der Auferstandene, schenkt seinen Geist den hinter verschlossenen Türen versammelten Jüngern. Ihn bitten wir um den Geist des Friedens auch für uns und für unsere Zeit: Herr Jesus Christus …
Kommunionvers
Joh 20,29Selig, die nicht sehen und doch glauben. Halleluja.
Schlussgebet
Allmächtiger Gott, im heiligen Sakrament haben wir den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Laß diese österliche Gabe in uns weiterwirken und fruchtbar sein. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Schlusssegen
In der OsterzeitDer allmächtige Gott hat uns durch die Auferstehung seines Sohnes aus Sünde und Tod befreit; er segne euch und schenke euch seine Freude.
Und Christus, mit dem wir auferstanden sind durch den Glauben, bewahre in euch die Gabe der Erlösung.
Gott hat uns in der Taufe angenommen als Kinder seiner Gnade; er schenke euch das verheißene Erbe.
Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn † und der Heilige Geist.
***
Die Heilige Teresa von Avila, eine der wenigen heiligen Frauen die sogar zu Kirchenlehrerinnen erhoben worden sind, sagt uns ein wichtiges Wort: »Vor unerleuchteter Frömmigkeit bewahre uns Gott!« (Vida 13, 16) – ein wenig freier übersetzt: »Vor Frömmigkeit, die mit Dummheit daherkommt, bewahre uns Gott!« Es geht im Glauben nicht darum, in einer Naivität, die an Dummheit grenzt, alle Zweifel einfach wegzuwischen oder mit Frömmigkeit zu übertünchen, sondern unser Verstand will verstehen und einsehen, was er glauben kann und soll. Das ist wichtig. Gerade in der katholischen Kirche gab es immer wieder hochgelehrte Personen, die auch heiliggesprochen wurden, und die mit der ganzen Kraft der Vernunft und des Verstandes die Zweifel der Glaubenden mit Argumenten durchleuchtet haben. Das ist wichtig. Ich will als christlicher Mensch glauben – ja! Aber ich will auch meine Zweifel benennen, mit Verstand die Fragen des Glaubens durchdringen und so verantwortet glauben.
Friedhelm Meudt