Ökumene

IM DIALOG (Blattmaske am Portalfries des Laacher Paradieses)

Ökumene in Maria Laach

„Ort ökumenischer Begegnung“ zu sein und es immer mehr zu werden, ist Verheißung und Auftrag auch für unsere Abtei. Denn – mit den Worten Benedikts XVI. gesprochen – „die beste Form des Ökumenismus besteht darin, nach dem Evangelium zu leben.“ (P. Augustinus Sander OSB)

Zu einem „Ort ökumenischer Begegnung“ wird Maria Laach in zunehmendem Maß durch die ökumenischen Besucher und Gäste, die, ungeachtet ihrer verschiedenen Konfessionszugehörigkeit, hier ein Zentrum gelebten Glaubens suchen und bei aller zugestandenen Vorläufigkeit und Bruchstückhaftigkeit auch finden. Gerade die fundamentale Normalität des benediktinischen Lebensstils hat ihre eigene, eben nicht zuletzt ökumenische Anziehungskraft, weil sie zur Mitte des Glaubens führt – zur Begegnung mit dem dreieinigen Gott.


Rückblick

Einem ausgesprochen ökumenischen Apostolat hat sich die Laacher Kommunität zu keiner Zeit gewidmet. Aber das persönliche ökumenische Engagement einzelner Laacher Patres darf nicht unerwähnt bleiben. So standen P. Odo Casel OSB und P. Prior Theodor Bogler OSB in engerem Kontakt mit der von Dr. Max Josef Metzger begründeten „Bruderschaft Una Sancta“. Nach dem Krieg war es insbesondere P. Viktor Warnach OSB, der die ökumenische Bedeutung der Laacher Mysterientheologie im interkonfessionellen Dialog zu vermitteln wusste. Mit Recht wird man ihn nicht nur einen ökumenischen Benediktiner, sondern zugleich einen benediktinischen Ökumeniker nennen dürfen, war er doch bereits 1946 in den „Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen“ berufen worden, dem er bis zu seinem Tod 1970 angehörte.


Gegenwart

Heute steht P. Augustinus Sander OSB als Lutherexperte und freier Mitarbeiter des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn seit vielen Jahren im Dienst der Ökumene- und Lutherforschung. Er arbeitet mit an dem internationalen Projekt einer „Ökumenischen Kommentierung der 95 Ablassthesen Martin Luthers“, das das Johann-Adam-Möhler-Institut gemeinsam mit dem Institut für ökumenische Forschung in Strasbourg auch im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017 durchführt.

Die Katholisch-Theologische Fakultät Erfurt und das Johann-Adam-Möhler-Institut luden im September 2014 zu einem von P. Augustinus mitkonzipierten Luther-Symposium unter dem Thema „Luther. Katholizität und Reform. Wurzeln – Wege – Wirkungen“ ins evangelische Augustiner-Kloster in Erfurt ein, um sich mit den Erkenntnissen der neuesten Luther-Forschung und mit dem geschichtlichen und theologischen Kontext der Reformation zu beschäftigen. P. Augustinus vertiefte dort das Thema Ordination durch eine genauere Beleuchtung des diözesanen Bischofsamtes im frühen Luthertum. Durch seine Dissertation „Ordinatio Apostolica. Studien zur Ordinationstheologie im Luthertum des 16. Jahrhunderts. Band I: Georg III. von Anhalt (1507-1553)“ ist er ein ausgesprochener Kenner der Materie.

P. Augustinus hält viele Vorträge und gibt zahlreiche Veröffentlichungen heraus, u. a. über „Luther und die Wittenberger Reformbewegung“, in der er auf die Verwurzelung Martin Luthers in der monastischen Tradition aufmerksam macht und an ausgewählten Beispielen verdeutlicht, dass Luther in seiner Zeit eher ein „Reformkatholik” als ein „Kirchenspalter“ war.

Neben den Einflüssen des Kirchenvaters Augustinus auf Martin Luther war das Denken des Reformators sehr von dem Ordensreformer und Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux (1090-1153) geprägt. Für Martin Luther war Bernhard von Clairvaux „der letzte der Väter und ein vom Heiligen Geist begabter Seelsorger“.

P. Dr. Augustinus Sander OSB

Finde dich niemals ab
mit dem Skandal
der Trennung unter den Christen,
die sich alle so leicht
zur Nächstenliebe bekennen,
aber zerspalten bleiben.
Habe die Leidenschaft
für die Einheit des Leibes Christi.
(Aus der Regel von Taizé)