Ökumene

IM DIALOG (Blattmaske am Portalfries des Laacher Paradieses)

Ökumene in Maria Laach

„Wir müssen mit Trauer erkennen, dass die Christen nicht einig sind. Gleichzeitig können wir darauf vertrauen, dass uns der Herr der Geschichte in unseren Spaltungen nicht verlassen hat. In Weisheit und Langmut führt er uns durch seine Gnade zu immer ernsterer Reue über die Spaltungen und zu immer grösserer Sehnsucht nach Einheit. Es ist Zeit nötig für den Prozeß der Versöhnung und Heilung. Nicht alles kann sofort getan werden, aber wir müssen tun, was wir heute tun können, in der Hoffnung auf das, was morgen möglich sein wird.“ (Hl. Papst Johannes Paul II.)


Geschichte

Einem ausgesprochen ökumenischen Apostolat hat sich die Laacher Kommunität zu keiner Zeit gewidmet. Doch das persönliche ökumenische Engagement einzelner Laacher Patres darf nicht unerwähnt bleiben. So standen etwa P. Odo Casel OSB und P. Prior Theodor Bogler OSB in engerem Kontakt mit der von Dr. Max Josef Metzger begründeten „Bruderschaft Una Sancta“.
Nach dem Krieg war es freilich P. Viktor Warnach OSB, der die ökumenische Bedeutung der Laacher Mysterientheologie im interkonfessionellen Dialog zu vermitteln wusste. Mit Recht wird man ihn nicht nur einen ökumenischen Benediktiner, sondern zugleich einen benediktinischen Ökumeniker nennen dürfen, war er doch bereits 1946 in den „Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen“ berufen worden, dem er bis zu seinem Tod 1970 angehörte.


Gegenwart

Heute widmet sich P. Augustinus Sander OSB im Auftrag der Abtei der katholischen Luther- und Ökumeneforschung. Der für das Anliegen der Einheit der Christen besonders aufgeschlossene Abt Anno Schoenen OSB hatte ihn 1999 nach Innsbruck entsandt, wo er die u.a. mit dem Karl-Rahner-Preis ausgezeichnete Dissertation „Ordinatio Apostolica. Studien zur Ordinationstheologie im Luthertum des 16. Jahrhunderts. Band I: Georg III. von Anhalt (1507-1553)“ verfaßte.

Als langjähriger freier Mitarbeiter des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn war und ist er in vielfältige ökumenische Aufgaben eingebunden. In der Lutherdekade luden die Katholisch-Theologische Fakultät Erfurt und das Johann-Adam-Möhler-Institut im September 2014 zu einem von P. Augustinus mitkonzipierten Luther-Symposium unter dem Thema „Luther. Katholizität und Reform. Wurzeln – Wege – Wirkungen“ ins evangelische Augustiner-Kloster in Erfurt ein. 2017 fand in Rom das vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen, der Jesuitenuniversität Gregoriana und dem Johann-Adam-Möhler-Institut verantwortete Symposium „Luther und die Sakramente“ statt, bei dem P. Augustinus ebenfalls an der inhaltlichen Vorbereitung beteiligt war.

Er war Berater der Lutherisch-Katholischen Dialogkommission für Finnland, die 2017 die Erklärung zu Kirche, Eucharistie und Amt, Communion in Growth , herausgab, und nimmt teil an den Theologischen Gesprächen zwischen Vertretern des Johann-Adam-Möhler-Instituts (im Auftrag des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen) und des International Lutheran Council (ILC).

Zudem ist er mitverantwortlich für die Erstellung einer dreibändigen historischen Dokumentation zum Ablasstreit im Rahmen des Projektes einer „Ökumenischen Kommentierung der 95 Ablassthesen Martin Luthers“, das das Johann-Adam-Möhler-Institut gemeinsam mit dem Institut für Ökumenische Forschung in Strasbourg durchführt.

In Kooperation mit dem Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz und dessen Leiterin, Dr. Annette Gerlach, kuratierte P. Augustinus 2017/18 die Ausstellung „Luther in Laach“. Sie wurde in Maria Laach, Koblenz, Berlin und Speyer gezeigt und fand bundesweites Interesse. In der Ausstellung ging es hauptsächlich um zwei Fragen: “Woher hat Luther das, was er sagt?” und: “Was wurde aus dem, was Luther gesagt hat?” Die Ursprungs- und die Wirkungsgeschichte(n) der Wittenberger Reformbewegung wurden anhand ausgewählter Exponate der Klosterbibliothek Maria Laach veranschaulicht, von denen die meisten inzwischen auch in digitalisierter Form vorliegen.

In seinen Vorträgen, Seminaren und Veröffentlichungen entfaltet P. Augustinus den Ansatz einer vor-konfessionellen, konfessorisch-katholischen Lutherinterpretation. Dabei betont er besonders den „monastischen“ Luther. Dessen Klosterzeit ist keine vorübergehende Episode, sondern besitzt durch alle biographischen Brechungen hindurch eine fortdauernde Prägekraft. Zeit seines Lebens bleibt Luther im wertschätzenden Dialog mit Augustinus, seinem Ordens- und Namenspatron, und Bernhard von Clairvaux, dem „Letzten der Kirchenväter“.

Derzeit befindet sich P. Augustinus zu einem längeren Forschungsaufenthalt in Erfurt.

P. Dr. Augustinus Sander OSB

Finde dich niemals ab
mit dem Skandal
der Trennung unter den Christen,
die sich alle so leicht
zur Nächstenliebe bekennen,
aber zerspalten bleiben.
Habe die Leidenschaft
für die Einheit des Leibes Christi.
(Aus der Regel von Taizé)