Heute in Te Deum

Dienstag · 9. August 2022

HL. EDITH STEIN

Gott ist Geist, und die ihn anbeten,
die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Johannes 4,24

Teresia Benedicta vom Kreuz (1891–1942), in einer jüdischen Familie geboren als Edith Stein, bezeichnete sich mit 15 Jahren als Atheistin. Sie studierte Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte, arbeitete 1915 als Freiwillige in einem Lazarett, promovierte mit Auszeichnung und wurde Assistentin bei dem Philosophen Edmund Husserl. Eine Habilitation wurde ihr als Frau verwehrt. 1922 ließ sie sich nach der Lektüre der Autobiografie der Theresa von Ávila taufen und pflegte intensiven Kontakt zur Erzabtei Beuron. Als Lehrerin und Dozentin für Pädagogik hielt sie Vorträge zur Frauenfrage und Mädchenbildung. 1933 trat sie in Köln in den Karmel ein. Vergeblich bat sie Papst Pius XI. um eine Stellungnahme gegen den Antisemitismus und die Pogrome der Nazis. Als 1938 ihre jüdische Abstammung bekannt wurde, floh sie in den Karmel in Echt (Niederlande). 1942 wurde sie zusammen mit ihrer Schwester Rosa nach Auschwitz gebracht und ermordet. Noch auf dem Transport verfasste sie ein Testament mit der Erklärung ihrer Hingabe an Gott, der ihr Leben und Sterben annehmen möge »zu seiner Ehre und Verherrlichung, für alle Anliegen der heiligsten Herzen Jesu und Mariä und der heiligen Kirche … und damit der Herr von den Seinen aufgenommen werde und sein Reich komme in Herrlichkeit, für die Rettung Deutschlands und den Frieden der Welt …« Sie ist die erste geborene Jüdin, die heiliggesprochen wurde (1998). Johannes Paul II. ernannte sie 1999 zur Mitpatronin Europas.

Morgenlob

Herr, öffne meine Lippen.
Damit mein Mund dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)


  • Hymnus

    Erhör, o Gott, mein Flehen,
    hab auf mein Beten Acht.
    Du sahst von fern mich stehen,
    ich rief aus dunkler Nacht.
    Auf eines Felsens Höhe
    erheb mich gnädiglich.
    Auf dich ich hoffend sehe:
    Du lenkst und leitest mich.

    Du bist gleich einem Turme,
    den nie der Feind bezwang.
    Ich weiche keinem Sturme,
    bei dir ist mir nicht bang.
    In deinem Zelt bewahren
    willst du mich immerdar.
    Mich hütet vor Gefahren
    dein schirmend Flügelpaar.

    Vor Gottes Angesichte
    steh ich in Ewigkeit.
    Es wird ja nie zunichte
    des Herrn Barmherzigkeit.
    So will dein Lied ich singen,
    wie ich es dir versprach,
    mein Lobesopfer bringen
    von Neuem Tag um Tag.
    Edith Stein (1936), nach Ps 61; GL 439 die Strophen 1–2–4

  • PSALM 130

    Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: *
    Herr, höre meine Stimme!
    Wende dein Ohr mir zu, *
    achte auf mein lautes Flehen!
    Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, *
    Herr, wer könnte bestehen?
    Doch bei dir ist Vergebung, *
    damit man in Ehrfurcht dir dient.
    Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, *
    ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.
    Meine Seele wartet auf den Herrn *
    mehr als die Wächter auf den Morgen.
    Mehr als die Wächter auf den Morgen *
    soll Israel harren auf den Herrn.
    Denn beim Herrn ist die Huld, *
    bei ihm ist Erlösung in Fülle.
    Ja, er wird Israel erlösen *
    von all seinen Sünden.
    PSALM-GEBET: Barmherziger Gott, du hörst auf unsere Gebete. Wende dich uns zu, verzeih uns unsere Sünden und komm uns zu Hilfe.

  • Lesung

    Johannes 4,23–24

    Jesus sagte zu der Frau: Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

    Benedictus - Lobgesang des Zacharias

    Antiphon:

    Die Stunde kommt, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit.

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    Benedictus

    Lobgesang des Zacharias (Lk 1,68-79)

    Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! *
    Denn er hat sein Volk besucht
    und ihm Erlösung geschaffen;

    er hat uns einen starken Retter erweckt *
    im Hause seines Knechtes David.

    So hat er verheißen von alters her *
    durch den Mund seiner heiligen Propheten.

    Er hat uns errettet vor unseren Feinden *
    und aus der Hand aller, die uns hassen;

    er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet /
    und an seinen heiligen Bund gedacht, *
    an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;

    er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, /
    ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit *
    vor seinem Angesicht all unsre Tage.

    Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; /
    denn du wirst dem Herrn vorangehn *
    und ihm den Weg bereiten.

    Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken *
    in der Vergebung der Sünden.

    Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes *
    wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

    um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen
    und im Schatten des Todes, *
    und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

    Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
    und dem Heiligen Geist,

    wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
    und in Ewigkeit. Amen.

  • Bitten

    Jesus Christus, den Sohn Davids aus dem Stamm Juda, bitten wir:
    A: Herr, wende dich uns zu.
    – Wecke unser Interesse am Glauben Israels und der jüdischen Kultur.
    – Hilf uns, immer mehr mit Gottes Wort vertraut zu werden.
    – Lehre uns, wie wir wahrhaft beten können.

  • Vaterunser

    Jesus Christus offenbart uns Gott und zeigt uns, wie wir beten können: Vater unser im Himmel …

  • Ora et labora

    Es hat mir immer sehr fern gelegen, zu denken, dass Gottes Barmherzigkeit sich an die Grenzen der sichtbaren Kirche binde. Gott ist die Wahrheit. Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht.

    Teresia Benedicta vom Kreuz – Edith Stein (1891–1942; Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft, Ordensfrau und Märtyrin)


Segen

Gott, nimm uns bei der Hand, wenn wir in Bedrängnis sind.
Führe uns an deiner Hand, wenn wir Entscheidungen treffen.
Halte uns an deiner Hand, wenn uns der Glaube schwerfällt.
Segne uns mit starker Hand, wenn wir unserem Tod entgegengehen.
Amen.

Schriftlesung

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.

Treuer Gott, führe uns durch dein Wort zusammen zu deinem einen Volk.


  • Lesung

    Ester 4,17k.17l–m.17r–t (4,17n.p–r.aa–bb.gg–hh)

    In jenen Tagen wurde die Königin Ester von Todesangst ergriffen und suchte Zuflucht beim Herrn. Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels:
    Herr, unser König, du bist der Einzige. Hilf mir! Denn ich bin allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir. Von Kindheit an habe ich in meiner Familie und meinem Stamm gehört, dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast; du hast dir unsere Väter aus allen ihren Vorfahren als deinen ewigen Erbbesitz ausgesucht und hast an ihnen gehandelt, wie du es versprochen hattest.
    Denk an uns, Herr! Offenbare dich in der Zeit unserer Not und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte! Leg mir in Gegenwart des Löwen die passenden Worte in den Mund und stimm sein Herz um, damit er unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet.
    Uns aber rette mit deiner Hand! Hilf mir, denn ich bin allein und habe niemand außer dir, o Herr!

    Impuls

    Die Geschichte kann sich so nur in einem ungebrochenen Patriachat ereignen. Die erste Frau des König Artaxerxes wird verstoßen, weil sie sich königlichem Willen widersetzt hat. Der König kann sich eine neue Frau aussuchen, damit er Herr im eigenen Haus bleibt (Est 1,22). Die Jüdin Ester wird zur neuen Königin ernannt. Das erweckt großen Ärger beim Hofbeamten Haman; er überredet den König, einen Erlass herauszugeben, der die Tötung der Juden erlaubt. In dieser Situation geht Ester zum König, um ihn umzustimmen, die Anordnung zu widerrufen, die ihr Volk bedroht. Für dieses Gespräch bittet sie um göttlichen Beistand. Sie wächst über sich hinaus, sie mischt sich in das politische Geschehen ein. Welche Gefahr! Das Schicksal ihrer Vorgängerin ist ihr bekannt, für den geplanten Regelverstoß erbittet sie göttlichen Beistand. Was ein Stoßgebet: »Leg mir in Gegenwart des Löwen die passenden Worte in den Mund.«

  • Evangelium

    Johannes 4,19–24

    In jener Zeit sagte eine samaritische Frau zu Jesus: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
    Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

    Impuls

    Was ist das für eine Frage, von welchem Berg aus Gott anzubeten sei? Dies war ein wesentlicher Streitpunkt zwischen Juden und Samaritern. Dahinter steht ein Thema, das Jesus bereits bei der Bitte um Wasser angesprochen hat: Es ist die Frage nach dem, was zählt, wo Leben stattfindet. Es ist der Wunsch nach einem Leben, das nicht aufreibt, das nicht ständig neue Anregung braucht, um über den Tag und durch die Nacht zu kommen. Das ist so eine Frage für einen Urlaub, die das Nachdenken lohnt! Jesu Antwort ist Hoffnung und Gegenwart zugleich: »Die Stunde kommt und sie ist schon da.« Die Ewigkeit beginnt hier. Sie beginnt nicht erst mit dem Tod. Ewigkeit beginnt, wenn Glauben geschenkt wird, wenn ein Bekenntnis zu Jesus aus vollem Herzen möglich ist. Die Gemeinschaft mit Jesus im Gebet, im Wort, im Mahl des Brotes ist nicht nur eine abstrakte Perspektive auf das Leben, sondern eine verändernde Lebenspraxis. Vielleicht kann die Frau künftig zusammen mit den anderen am Morgen zum Brunnen gehen, statt in der Mittagshitze allein, als Ausgestoßene, dorthin gehen zu müssen. Vielleicht wird die Grenze zwischen Juden und Samaritern überschritten. Vielleicht fällt der nächste Schritt leichter, wenn ich den ersten großen gehe. Es gehört der Mut dazu zu bekennen.


Gebet

Ich will glauben in meinem Leben, dankbar sein für dein Geschenk. Dich mitnehmen, Schritt für Schritt in meinem Lebenslauf. Wie öde kann es sein, jeden Tag dieselbe Strecke zu gehen, dieselben Orte zu sehen. Vielleicht, ja vielleicht bleiben es dieselben Straßen, dieselben Orte, aber wenn du mir deine Wege zeigst, o Herr, kann ich einen neuen Gedanken finden, eine neue Art, ich zu sein. Amen.

Abendlob

O Gott, komm mir zu Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)


  • HYMNUS

    Alles Gelingen: in deine Fülle.
    In dein Erbarmen: meine Grenzen.
    Und meine Sehnsucht: in deinen Frieden.
    In deine Hände gebe ich mich.

    All meine Freude: in deine Schönheit.
    In deinen Abgrund: meine Klagen.
    Und meine Hoffnung: in deine Treue.
    In deine Hände gebe ich mich.

    All meine Wege: in deine Weite.
    In deine Schatten: meine Schwachheit.
    Und meine Fragen: in dein Geheimnis.
    In deine Hände gebe ich mich.
    Stundengebet der Abtei Burg Dinklage

  • PSALM 122

    Ich freute mich, als man mir sagte: *
    »Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.«
    Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: /
    Jerusalem, du starke Stadt, *
    dicht gebaut und fest gefügt.
    Dorthin ziehen die Stämme hinauf,
    die Stämme des Herrn, /
    wie es Israel geboten ist, *
    den Namen des Herrn zu preisen.
    Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht, *
    die Throne des Hauses David.
    Erbittet für Jerusalem Frieden! *
    Wer dich liebt, sei in dir geborgen.
    Friede wohne in deinen Mauern, *
    in deinen Häusern Geborgenheit.
    Wegen meiner Brüder und Freunde *
    will ich sagen: In dir sei Friede.
    Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes, *
    will ich dir Glück erflehen.
    PSALM-GEBET: Gütiger Gott, führe uns zu dir, lass uns in dir geborgen sein und mach uns zu Bürgern deiner himmlischen Stadt.

  • LESUNG

    Ester 4,17l

    Herr, unser König, du bist der Einzige. Hilf mir! Denn ich bin allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir.

  • Magnifikat – Lobgesang Mariens

    Antiphon:

    Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

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    Zur Aufnahme des gesungenen Magnificat mit monatlich wechselnder Antiphon.

    Magnifikat

    Lobgesang Mariens (Lk 1, 46-55)

    Meine Seele preist die Größe des Herrn, *
    und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

    Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. *
    Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!

    Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, *
    und sein Name ist heilig.

    Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *
    über alle, die ihn fürchten.

    Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: *
    er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;

    er stürzt die Mächtigen vom Thron *
    und erhöht die Niedrigen.

    Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *
    und lässt die Reichen leer ausgehn.

    Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *
    und denkt an sein Erbarmen,

    das er unsern Vätern verheißen hat, *
    Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

    Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
    und dem Heiligen Geist,

    wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
    und in Ewigkeit. Amen.

  • Fürbitten

    Zu Gott, der alle Menschen zu seinem Volk beruft, beten wir:
    A: Höre die Bitten deines Volkes.
    – Für alle Opfer von Rassenwahn und Völkermord.
    – Für alle Menschen, die nach der Wahrheit suchen.
    – Für einen fruchtbaren jüdisch-christlichen Dialog.
    – Für einen gerechten Frieden im Heiligen Land und allen Ländern der Erde.

  • Vaterunser

    Gott ist uns Zuflucht und Beistand in der Not. Wir dürfen allezeit beten: Vater unser im Himmel …


Segen

Gott, sei uns nahe in jeder Not.
Gib uns die Kraft, auf dich zu vertrauen.
Schenk uns die Worte, um zu dir zu beten.
Tritt du als unser Retter für uns ein. Amen.