Predigten

Predigt zur Beisetzung von Bruder Lukas Ruegenberg

7. März 2026 / Predigten

Bruder Lukas Ruegenberg OSBFoto: Marie-Luise Preiss

Predigt von Abt Mauritius anlässlich der Beisetzung von Bruder Lukas Ruegenberg OSB

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Angehörige und Freunde von Br. Lukas,

„In seinem Buch war schon alles verzeichnet“, singt Psalm 139. Können Sie sich vorstellen, dass in Gottes Buch schon von Anfang an alles von Br. Lukas verzeichnet war – was für ein Buch muss es gewesen sein, wie voll, wie reich! Jedes Kapitel berührend. Übrigens hat Gott von jeden von uns so ein Buch vorgesehen…

Die Kapitel sind vielfältig: Mönch, Maler, Sozialarbeiter, so beschreibt es Br. Lukas selbst, als er gebeten wurde, dieses „sein Buch“ in Worte zu fassen. Drei Facetten seines Lebens, die unterschiedlicher nicht sein konnten und durchaus hier und da zueinander in Spannung standen. Es war nicht leicht, als Mönch der Beuroner Kongregation, als Sozialarbeiter in Köln tätig zu sein. Es war nicht leicht, in einer geprägten Kunstschule seinen eigenen Malstil zu entwickeln und ihm treu zu bleiben. Aber Br. Lukas ging da hindurch.
Die Resilienz muss er gleich zu Anfang seines Lebens geschenkt bekommen haben. Ein Drittel seiner Autobiographie handelt von Kindheit und Jugend und seiner Zeit im Krieg. Noch als Minderjähriger musste er in den Kampfeinsatz. Sein Leben war mehrfach mit dem Tod bedroht. Er hat furchtbare Sachen gesehen und erlebt, auch in den Bombennächten.
In all dem war seine Familie eine Konstante, eine Heimat, in der er Vertrauen lernen konnte. Er hat Vertrauen geschenkt bekommen, und ein Schlüssel in seinem Leben war, Vertrauen zu geben. Besonders seine Mutter Helene prägte ihn zutiefst. Eine fromme und mutige Frau, die unter hohem Risiko den Juden half. Sie war es, die ihn vor der Napola bewahrte und ihm später das Kunststudium ans Herz legte. Auch von seinem Vater erzählt Br. Lukas immer mit Respekt, auch wenn er ein Nationalsozialist gewesen war. Denn er hatte in schwierigen Zeiten die Familie durchgebracht. Nach der Kriegsgefangenschaft kehrte Alfred, Br. Lukas, zu seiner Familie zurück, einem sicheren Hafen, auch wenn die Wohnung halbzerstört war und die Ruegenbergs wie viele andere im ersten Winter nach dem Krieg hungern musste.
Später wurden die Mönche von Maria Laach seine Familie. Er hatte entdeckt, dass nur Jesus Christus ihm Erfüllung und Sinn geben konnte. So entschloss er sich, 1951 hier einzutreten. Und ist bis letzten Dienstag hier treu geblieben. Im 72. Jahr seiner Profess ist er gestorben. Und auch in der Zeit als Sozialarbeiter fand er einen guten Rhythmus, um immer mit der Gemeinschaft in Verbindung zu bleiben.
Seine Profession war das Malen. Er hatte eine solide, ja exzellente Ausbildung an der Kunstakademie in Berlin, und später in München bekommen. Zu seinen Lehrern gehörten Max Kaus und Karl Schmidt-Rottluff. Die Freiheit sich auszudrücken fand er im Stil des Expressionismus. Er malte alles, aber vor allem Landschaften, weniger biblische Motive. Mir scheint, seine Frömmigkeit und Religiosität waren eher implizit. „Predige das Evangelium jederzeit, und wenn nötig, benutze Worte“ sagte einmal Franz von Assisi. Für Br. Lukas könnte man sagen: „Predige das Evangelium jederzeit, und wenn nötig, benutze religiöse Motive.“ Es war die tätige Nächstenliebe, die sein Kunstwerk werden sollte. Erst in jüngerer Zeit, so hat er es mit uns geteilt, waren auch religiöse Motive dazugekommen.
Die Sozialarbeit entdeckte er in den Aufbruchsjahren Anfang der 70er, zusammen mit einigen Mitbrüdern. Aber nur er hielt wirklich auf Dauer durch. Und da gab er sich ganz hinein. Er lebte mit den Obdachlosen, er holte die jungen Menschen von der Straße. „Unser Don Bosco“ nannte ihn ein Mitbruder. Er sorgte für sinnvolle Arbeit, er richtete eine Disco ein, ja, er gestaltete für sie eine Kapelle zu Ehren der Hl. Edith Stein. Gemeinsam ging es ins Pfingstlager, in den gemeinsamen Urlaub. Dabei hatte er mit den jungen Menschen eine unendliche Geduld, auch wenn sie wieder straffällig wurden oder Sucht-Probleme hatten. Er war immer ruhig, respektvoll, geradezu vornehm, manchmal auch kindlich-naiv. Apropos: 40 Kinderbücher hat Br. Lukas illustriert. Sein Herz schlug für die Kleinen und die am Rande. So prägte er in Springborn und später in Bilderstöckchen die katholische Kirche in Köln, bis heute. Kardinal Meisner schätze ihn in diesen aktiven Jahren sehr und unterstütze ihn bis zum Schluss. Die Menschen aus dem Kellerladen sind seine wirklichen Freunde geworden, wie er schreibt. Das spürte man bis zum letzten Tag.

Br. Lukas behielt seine Positivität bis zum Schluss. Jeden Tag ging er zweimal in sein Atelier. Er weilte in seinem Rollstuhl mit uns in der Rekreation. Er war immer ganz dabei, brachte sich ein, auch wenn etwas schwerhörig, fühlte sich wohl. Er war im Frieden. Sein Streben war, im Vergleich zu seinem langen Leben, kurz – und friedlich. Wir Brüder waren bei ihm, vor allem unsere jungen Brüder liebten ihn. Er wird uns fehlen. Er wird vielen von uns fehlen. Und doch bleibt er bei uns. Bischof Stephan Ackermann schriebt in seiner Kondolenzpost: „Ich habe ja die Freude, eine ganze Reihe von Bildern von Br. Lukas in meiner Wohnung zu haben. Sie werden mich weiter an ihn erinnern.“ Auch mich persönlich und P. Prior hat er beschenkt. Als wird gerade hier in Laach angekommen waren, bat er uns, uns Fotos unserer Ursprungsabteien zu geben. Und so malte er sie, wunderschöne Bilder. Das Malen war der Ausdruck seiner Liebe, ja der Liebe Gottes, zu ihm und zu allen Menschen.
Gibt es wohl in diesem langen und dicken und reichen Buch des Lebens von Br. Lukas einen roten Faden? Vielleicht ist es die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes. Er hat sie selbst erfahren, und so hat er sie weitergegeben. An die Menschen am Rand in Köln. Sie hat ihn motiviert zu den Hilfsgütertransporten in die osteuropäischen Länder, nach Polen, in die Ukraine, und in das Roma-Lager Habes in der Slowakei. Wir freuen uns besonders, dass heute der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma, Romani Rose, bei uns ist. Gottes Großzügigkeit und Barmherzigkeit und seine Vergebung waren sein Thema. Als junger Soldat hatte er Kolonnen von KZ-Häftlingen gesehen. So zog es ihn später immer wieder in die Konzentrationslager, und er schloss Freundschaft mit Überlebenden, mit Anita Laska-Wallfisch und besonders mit Inge Deutschkron. Wenn Sie, liebe Schwestern und Brüder, sein Sterbebildchen betrachten, ein Bild des barmherzigen Vaters mit dem verlorenen Sohn, dann kommt einem der Sohn vor wie ein ausgemergelter Häftling. Wie könnte man so einen Menschen nicht an sein Herz drücken? So ist Gott, wollte Br. Lukas uns damit sagen.

Liebe Schwestern und Brüder, wie könnte Gott uns nicht an sein Herz drücken?
Und wie könnte er ihn selbst, Br. Lukas, der nun nackt wieder zu seinem Schöpfer zurückkehrt, nicht an sein Herz nehmen?
Und gibt es Zufälle? Das heutige Tagesevangelium ist tatsächlich das vom Barmherzigen Vater. Ich denke, es war wohl schon in Gottes Buch verzeichnet.

Wir danken Gott, dass uns Br. Lukas etwas von Gottes Barmherzigkeit durch sein Leben gezeigt hat. Und wir glauben fest, dass er nun in der Familie der Heiligen zu Hause ist, die Schönheit Gottes vor Augen, und geborgen in der Freiheit der Kinder Gottes, und dass Gott Vater ihm nun zuflüstert: „Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein.“ Amen.

Abt Mauritius Wilde OSB


Die Predigt wurde bei der Beisetzung von Bruder Lukas Ruegenberg OSB am 07.März 2026 von Dr. Mauritius Wilde OSB, Abtei der Abtei Maria Laach gehalten.

Weitere Informationen zum Tod von Bruder Lukas Ruegenberg OSB



Foto: Michael Jordan
Bild von Michael Jordan


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