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Heute in Te Deum

Samstag · 1. November 2014

Allerheiligen
Gedenken aller Heiligen

Selig sind die Barmherzigen;
denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Matthäus 5,7

Die Anfänge des Hochfestes Allerheiligen gehen im Osten bis ins 4. Jahrhundert zurück. Im griechischen Kalender heißt der 1. Sonntag nach Pfingsten »Sonntag der Heiligen«. Im Abendland gab es seit dem 7. Jahrhundert am 13. Mai ein Fest aller heiligen Märtyrer und Märtyrerinnen als Gedenktag der Einweihung des römischen Pantheons zu Ehren der seligen Jungfrau Maria und aller heiligen Märtyrer und Märtyrerinnen. Das Fest aller Heiligen am 1. November kam im 8. Jahrhundert aus Irland und England auf den europäischen Kontinent und hat sich bald allgemein durchgesetzt. Inhaltlich kann man Allerheiligen »ein Erntedankfest für die Frucht des Pascha-Mysteriums nennen« (Adolf Adam). Es ist das »herbstliche Osterfest«, an dem die Kirche das neue Leben in Gott feiert, in das die Heiligen gelangt sind, das allen Christen verheißen ist.

Morgenlob

Herr, öffne meine Lippen.
Damit mein Mund dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)

Hymnus

Schon zieht herauf des Tages Licht,
wir flehn zu Gott voll Zuversicht:
Bewahre uns an diesem Tag
vor allem, was uns schaden mag.

Bezähme unsrer Zunge Macht,
dass sie nicht Hass und Streit entfacht;
lass unsrer Augen hellen Schein
durch Böses nicht verdunkelt sein.

Rein sei das Herz und unversehrt
und allem Guten zugekehrt.
Und gib uns jeden Tag das Brot
für unsre und der Menschheit Not.

Senkt sich hernieder dann die Nacht
und ist das Tagewerk vollbracht,
sei dir all unser Tun geweiht
zum Lobe deiner Herrlichkeit.

Dich, Vater, Sohn und Heil’ger Geist,
voll Freude alle Schöpfung preist,
der jeden neuen Tag uns schenkt
und unser ganzes Leben lenkt. Amen.
Nach „Iam lucis orto sidere“; Ambrosius († 397) zugeschrieben
Melodie: GL 595 oder 704 • KG 679 oder 763

PSALM 119

Verse 1–8

Wohl denen, deren Weg ohne Tadel ist, *
die leben nach der Weisung des Herrn.
Wohl denen, die seine Vorschriften befolgen *
und ihn suchen von ganzem Herzen,
die kein Unrecht tun *
und auf seinen Wegen gehn.
Du hast deine Befehle gegeben, *
damit man sie genau beachtet.
Wären doch meine Schritte fest darauf gerichtet, *
deinen Gesetzen zu folgen!
Dann werde ich niemals scheitern, *
wenn ich auf all deine Gebote schaue.
Mit lauterem Herzen will ich dir danken, *
wenn ich deine gerechten Urteile lerne.
Deinen Gesetzen will ich immer folgen. *
Lass mich doch niemals im Stich!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *
und in Ewigkeit. Amen.
Psalm-Gebet
Heiliger Gott, schenke uns die Gemeinschaft mit dir, in der wir neu werden und aus dir leben und so deinen Willen tun.

Lesung

Matthäus 5,1–3

Als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Benedictus - Lobgesang des Zacharias

Antiphon:

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

Bitten

Herr Jesus Christus, du rufst uns, dir nachzufolgen, um das Himmelreich zu gewinnen, wir bitten dich:
A: Herr, sei du unsere Hilfe.
– Gib uns Freude an Gottes Wort und unserer Berufung.
– Hilf uns, deinem Ruf zu folgen und dir immer ähnlicher zu werden.
– Führe uns in das Reich des Vaters.

Vaterunser

In Jesus Christus will Gott uns alles schenken, so werden wir fähig, das Himmelreich zu empfangen. Wir beten:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott, segne uns mit Augen, die dich suchen.
Segne uns mit einem Herz, in dem du Platz hast.
Segne uns mit Händen, die deinen Willen tun.
Segne uns mit Füßen, die auf deinem Weg gehen.
Segne uns mit der Liebe, in der wir dich finden,
und mit der Gemeinschaft mit deinen Heiligen.
Amen.

Ora et labora

Der Blick in den Himmel, die Religion, die Spiritualität, das Gebet – es bleibt eine halbe Sache, wenn nicht die Erde, die Tat, das Soziale und Gesellschaftliche, auch das Politische in den Blick genommen werden.

Michael Bünker (* 1954; Bischof der evangelischen Kirche in Österreich)

Schriftlesung

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.

Ewiger Gott, dein Wort helfe uns, mit dir immer enger verbunden zu sein.

1. Lesung

Offenbarung 7,2–4.9–14

Ich, Johannes, sah vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen die Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten unseres Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben.
Und ich erfuhr die Zahl derer, die mit dem Siegel gekennzeichnet waren. Es waren hundertvierundvierzigtausend aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen.
Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

Impuls

Die erste Szene dieses Textes spielt auf der Erde. Da werden die, die Gottes »Knechte« sind, mit einem Siegel bezeichnet. Das bewahrt sie, wie es im letzten Abschnitt heißt, allerdings vor keiner Bedrängnis. Aber es bewahrt sie in der Bedrängnis, sodass sie in den Drangsalen ausharren und sie durchstehen können.
Im Himmelsbild schaut der Seher die, für die die Rettung durch alle Bedrängnis hindurch schon voll geschehen ist. Jesus Christus hat sie gerettet, Gott hat sie ganz aufgenommen. Alles mündet ein in den großen Lobpreis Gottes im Himmel, schon jubeln auch die von der Erde, aus der Bedrängnis mit. Es sind schon welche dabei, die uns nahestanden, Menschen wie unsereins. Wir sind in der Bewegung daraufhin.

2. Lesung

1 Johannes 3,1–3

Schwestern und Brüder! Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie Er heilig ist.

Impuls

Sehen und Erkennen oder Nichtsehen und Nichterkennen, dass wir Kinder Gottes sind, davon sprechen diese Worte. »Wir sehen«, heißt es fast jubelnd. Aber nur der Glaube kann das sehen, alle Logik bleibt hier blind. Glaube als Antwort auf die Erfahrung der großen Liebe, die Gott zu uns hat. Die Annahme der Erfahrung und die Entscheidung für sie sind unverzichtbar. Wenn sie aber geschieht, Mensch für Mensch, beginnt ein leises, großes Werden, ein immer Ähnlicherwerden.
Wir sind noch nicht fertig, es ist längst nicht alles reif. Aber wir sind schon dran, es lebt und arbeitet schon in uns die große Liebe Gottes. Wir gehören, unausgewachsen wie wir sind, schon ganz zu ihm.

Evangelium

Matthäus 5,1–12a

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Impuls

Mit diesem Abschnitt beginnt Matthäus in seinem Evangelium die Bergpredigt, das Herzstück der Botschaft Jesu und seiner Lehre. In ihr steht uns vor Augen, wie sehr Jesus eingebunden ist in die Glaubenstradition Israels und wie sehr er darüber hinauswächst. An ihrem Anfang stehen nicht Gebote, sondern acht Seligpreisungen, die sich einzeln auch noch an anderen Stellen der Evangelien finden.
Sie sind Zielbilder, die allen Schritten, allem Tun und Lassen Richtung geben. Ohne Ziel keine Richtung, das ist immer so. In diese Richtung zu gehen, mit Gottes Hilfe mit seinem ganzen Leben tiefer hineinzuwachsen, das ist Seligkeit. Viele sind vor uns gegangen und haben zur Seligkeit gefunden. Das Wissen um sie an diesem »herbstlichen Osterfest«, wie das Allerheiligenfest auch genannt wird, weitet das Herz, während wir Schritt für Schritt in dieser Spur weiterlaufen (Vgl. RB Prolog 49).

Gebet

Gott des Himmels und der Erde, du neigst dich uns zu, du nimmst uns an. Du zeigst uns in Jesus Christus die Richtung, in die es geht, in die wir gehen können als Menschen auf dieser Erde. Viele äußere und innere Wege sind zu gehen, sie führen durch Ebenen und Kulturland, aber auch durch Abgründe, Wüstenzonen und Kriegsgebiete. Hilf uns, deiner Spur durch alles zu folgen und einander auf dieser Spur mitzunehmen, und führe uns in deiner großen Liebe zur ewigen Herrlichkeit in deinem Himmel. Amen.

Abendlob

O Gott, komm mir zu Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)

HYMNUS

Der Glanz verfällt, die Zeit flieht hin,
das Tagwerk zehrt an unsrer Kraft.
Herr, Gott, an den kein Abend rührt,
nimm uns Erschöpfte liebreich auf.

Wir gehn dahin wie Tag und Traum;
kein Wunsch hält unser Leben fest.
Dein Glanz, o Herr, erstrahle uns,
wenn unser kleines Licht erlischt.

Gewähr uns dies, o guter Gott,
du Vater, und du einz’ger Sohn,
die ihr mit ihm, dem Heil’gen Geist,
regiert durch Zeit und Ewigkeit. Amen.
Nach „Telluris ingens conditor“; 7.-8. Jahrhundert
Melodie: GL 704/705 • KG 679 • EG 467

PSALM 8

Verse 2–7.10

Herr, unser Herrscher, /
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; *
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir
Lob, /
deinen Gegnern zum Trotz; *
deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.
Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Finger, *
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, *
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, *
hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner
Hände, *
hast ihm alles zu Füßen gelegt.
Herr, unser Herrscher, *
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!
Psalm-Gebet
Gütiger Gott, hilf uns, in deiner Größe auch die Größe unserer Berufung zu erkennen, dass du uns zum Leben rufst.

LESUNG

Offenbarung 7,13–14

Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht.

Magnifikat – Lobgesang Mariens

Antiphon:

Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

Fürbitten

Lasst uns zu Gott beten, der alle Menschen zu sich ruft und bei sich vollenden will:
V: Vater im Himmel. A: Wir bitten dich, erhöre uns.
– Um die Gaben des Heiligen Geistes für alle Christen, die um der Nachfolge Jesu willen auf vieles verzichten.
– Um Gottes Segen für die Politiker, die sich international für den Frieden einsetzen.
– Um Geduld und Liebe für alle, die sich um die Hilfsbedürftigen in ihrer Umgebung kümmern.
– Um Mut und Hoffnung für jene, die wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung verfolgt werden.

Vaterunser

In seiner Liebe hat Gott uns zu seinen Kindern gemacht. Im Vertrauen darauf dürfen wir zu ihm als unserem Vater beten: Vater unser im Himmel …

Segen

Gott, segne uns, indem du uns zu dir rufst.
Segne uns, indem du uns in unserer Berufung stärkst.
Segne uns, indem du uns auf deinem Weg führst.
Segne uns, indem du uns dein Reich öffnest.
Amen.

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