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Heute in Te Deum

Donnerstag · 23. Oktober 2014

Ich bin gekommen,
ein Feuer anzuzünden auf Erden.

Lukas 12,49a

Johannes von Capestrano
Johannes (1386–1456) war zunächst Richter, bevor er Franziskaner wurde. Als größter Wanderprediger seines Jahrhunderts kam er nach Deutschland, Mähren, Polen und wiederholt nach Österreich und wirkte auch als gesuchter Beichtvater, Friedensstifter, Apostel der Nächstenliebe und Ratgeber von Päpsten und Königen. Am Sieg über die Türken bei Belgrad im Juli 1456 hatte er wesentlichen Anteil. Im Orden bewirkte er die endgültige Unabhängigkeit der Observanten von den Konventualen (der braunen von den schwarzen Franziskanern).
»Licht strahlt nicht für sich selbst, sondern ergießt sich nach allen Seiten und macht so alles sichtbar. Wer mit der Sorge um andere betraut ist, muss mit seinem eigenen Leben den anderen den Weg in das Haus des Herrn weisen« (Johannes von Capestrano).
L: 2 Kor 5,14– 20; E: Lk 9,57– 62

Johannes Zwick
Johannes Zwick (1496–1542) wurde 1522 katholischer Pfarrer in Riedlingen. Weil er die reformatorischen Auffassungen Martin Luthers vertrat, wurde er von dort vertrieben und 1525 Pfarrer seiner Heimatstadt Konstanz, wo er zusammen mit den Brüdern Ambrosius und Thomas Blarer die Reformation durchführte. Er gab 1533/34 das erste Konstanzer Gesangbuch und 1540 das »Neu Gesangbüchle« in Zürich heraus und wurde so zum Bahnbrecher des Kirchengesangs im süddeutschen und schweizerischen Raum. Er starb an der Pest. Von ihm stammen die beiden Lieder »All Morgen ist ganz frisch und neu« und »Du höchstes Licht, du ewger Schein«.

Morgenlob

Herr, öffne meine Lippen.
Damit mein Mund dein Lob verkünde.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)

Hymnus

Du höchstes Licht und ewger Schein,
du Gott und treuer Herre mein,
von dir der Gnaden Glanz ausgeht
und leuchtet schön so früh als spät.

O Gott, du schöner Morgenstern,
gib große Lieb zu unserm Herrn
und schenke uns die Einigkeit,
dass niemand bleibt in Dunkelheit.

Treib aus, o Licht, die Finsternis,
behüt uns, Herr, vor Ärgernis;
erneure uns in deiner Kraft,
die Glauben, Hoffnung, Liebe schafft.

Du Sonne ohne Untergang,
wir singen dir den Lobgesang
und preisen dich, Dreifaltigkeit,
von nun an bis in Ewigkeit.
Nach Johannes Zwick (1541/45); GL (1975) 557 • EG 441 • EST 469

PSALM 66

Verse 8–12

Preist unsern Gott, ihr Völker; *
lasst laut sein Lob erschallen!
Er erhielt uns am Leben *
und ließ unseren Fuß nicht wanken.
Du hast, o Gott, uns geprüft, *
und uns geläutert, wie man Silber läutert.
Du brachtest uns in schwere Bedrängnis *
und legtest uns eine drückende Last auf die Schulter.
Du ließest Menschen über unsere Köpfe schreiten. /
Wir gingen durch Feuer und Wasser. *
Doch du hast uns in die Freiheit hinausgeführt.
Psalm-Gebet
Treuer Gott, du prüfst und reinigst uns, gib uns die Kraft, in der Bedrängnis an dir festzuhalten, und lass uns wachsen in dir.

Lesung

Lukas 12,49.51

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.

Benedictus - Lobgesang des Zacharias

Antiphon:

Der Herr hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen.

Bitten

Herr Jesus Christus, du rufst uns zur Nachfolge bis zum Kreuz. Wir bitten dich:
A: Herr, stehe uns bei.
– Gib uns die Kraft, uns für dich zu entscheiden.
– Reinige uns von unseren Sünden.
– Bewahre uns vor falschem Frieden und Bequemlichkeit.

Vaterunser

In Gott finden wir Hilfe und Halt, wenn sich alles gegen uns stellt. Voll Vertrauen beten wir zu ihm: Vater unser im Himmel …

Segen

Gott, segne uns, wenn wir durch das Feuer gehen,
das uns von Sünden reinigt.
Segne uns mit der Glut, für dich zu entbrennen,
damit wir nicht kalt und tot sind.
Segne uns, damit wir zu einer Flamme werden,
die sich aus dem Feuer deiner Liebe nährt.
Amen.

Ora et labora

Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.

Thomas Morus (1478–1535; englischer Staatsmann, Märtyrer)

Schriftlesung

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.

Treuer Gott, lass uns durch dein Wort im Glauben wachsen.

Lesung

Epheser 3,14–21

Schwestern und Brüder! Ich beuge meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt.
Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.
Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen.

Impuls

Intensiv hatten die griechischen Philosophen sich mit der Vermutung befasst, dass der Mensch die Wirklichkeit nur subjektiv und sehr eindimensional wahrnimmt. Berühmt wurde besonders das Höhlengleichnis, in dem Plato den verkürzten und vordergründigen Blick des gefesselten Menschen anschaulich darstellt. Aus der Tiefe seiner Höhle aufsteigen müsste der Mensch, um hinter den Schattenspielen der Welt die Sonne als wahre Idee des Guten zu erkennen.
Auch der Epheserbrief will neue Dimensionen eröffnen, jedoch nicht wie Plato in einer geistigen Sphäre über den Dingen, sondern mitten in der Welt und mitten in uns selbst. Es ist eine Dimension des Herzens, die sich nicht durch Philosophie und Erkenntnis, sondern allein durch die Liebe Christi auftut und unser Leben umfassend durchwirkt mit den unendlichen Perspektiven der ganzen Fülle Gottes.

Evangelium

Lukas 12,49–53

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.
Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Impuls

Kaum auszuhalten ist für den Menschen Jesus das Wissen darum, dass er selbst durch das Feuer gehen wird, das sich an seiner Person und an seiner Botschaft entzündet. Kaum auszuhalten ist für uns das Wissen um die Explosionskraft, die in der Botschaft von Frieden und Versöhnung steckt.
Konflikt und Einmütigkeit sind die Pole, zwischen denen sich die Zeit Jesu und der Kirche vollzieht. Dass wir uns aufreiben an und für Christus, aber auch Ruhe finden dürfen in Christus ist die Spannung, die Fronten schafft. Durch die Auferstehung Christi stehen wir in der Hoffnung, dass die Rivalität von Feuer und Wasser nicht Sieger und Verlierer hervorbringt, sondern Begegnung.

Gebet

Gott, du hast uns gelehrt, dass der Weg zu deinem Frieden und zur Versöhnung nicht senkrecht in den Himmel führt, sondern quer durch die Welt. Der Weg ist gepflastert mit Steinen des Anstoßes, scharfen Kanten und glühenden Kohlen. Gib uns die Kraft, Konflikte im Ringen um deine Wahrheit nicht zu umgehen, sondern auszuhalten. Zeige uns das rechte Maß in Widerstand und Ergebung. Amen.

Abendlob

O Gott, komm mir zu Hilfe.
Herr, eile mir zu helfen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)

HYMNUS

Guter König und Herr,
der uns das Licht erschuf,
der dem Wechsel der Zeit
sichere Ordnung gab –
da die Sonne nun sinkt
und sich das Dunkel mehrt,
sei uns Leuchte und Licht,
Christus, dein Angesicht.

Wie du Israels Volk
einst durch die Nacht geführt,
ihm als feuriger Schein
Richtung und Weg gezeigt,
so geleite auch uns,
die wir im Finstern gehn,
zieh uns leuchtend voran,
Flamme, die nie erlischt.

Was kann würdiger sein
nun, da der Tag sich neigt,
als dem währenden Licht
Lob und Gesang zu weihn:
Gott, der strahlend im Glanz
ewiger Helle wohnt,
ihm sei Ehre und Preis
jetzt und durch alle Zeit. Amen.
Nach »Inventor rutili, dux bone, luminis«, Prudentius († nach 405),
Stundenbuch

PSALM 63

Verse 2–9

Gott, du mein Gott, dich suche ich, *
meine Seele dürstet nach dir.
Nach dir schmachtet mein Leib *
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, *
um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.
Denn deine Huld ist besser als das Leben; *
darum preisen dich meine Lippen.
Ich will dich rühmen mein Leben lang, *
in deinem Namen die Hände erheben.
Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, *
mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen.
Ich denke an dich auf nächtlichem Lager *
und sinne über dich nach, wenn ich wache.
Ja, du wurdest meine Hilfe; *
jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel.
Meine Seele hängt an dir, *
deine rechte Hand hält mich fest.
Psalm-Gebet
Großer Gott, hilf uns, dich zu suchen, komme zu uns, wohne in uns und erfülle uns mit deinem Segen, damit wir dich preisen.

LESUNG

Epheser 3,17–19a

Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt.

Magnifikat – Lobgesang Mariens

Antiphon:

Der Herr vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten.

Fürbitten

Gott hat uns geschaffen und erweist sich als unser liebender Vater. Wir bitten ihn:
A: Herr, unser Gott, erhöre uns.
– Für den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen.
– Für ein Ende der Spaltung zwischen Nord- und Südkorea.
– Für die Familien, die untereinander verfeindet sind.
– Für alle Menschen, die es nur bequem haben wollen.

Vaterunser

Gottes Macht wirkt in uns, und seine Macht kann mehr geben, als wir erhoffen und erbitten. Wir beten: Vater unser im Himmel …

Segen

Gott, erweise an uns deine Macht und Liebe.
Segne uns mit dem Reichtum deiner Gaben.
Segne uns mit der Fülle deiner Liebe,
in der du uns dich selbst ganz schenkst.
Amen.

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